Deutsche Bank oder: Ziviler Ungehorsam darf nicht bestraft werden

Finanzwirtschaft geht auch anders

Karl Marx hat 1867 sein Werk ‘Das Kapital’ herausgegeben. Seither wird der unmäßige Kapitalismus angeprangert. Seit den 70er Jahren wird zunehmend auch in Deutschland mit politischer Verve die unmäßige Gier angeprangert, die Menschen müssten sich dagegen zur Wehr setzen. Es wird außerdem befürchtet, daß ‘Die Verantwortlichen’ für die kapitalistischen Eskapaden der letzten Jahrzehnte klammheimlich straffrei ausgehen könnten.

Im August 1979 erschien in ‘Die Zeit’ ein Artikel zum sog. Mescalero-Prozeß. Die Zeit zitiert darin Johannes Agnoli, einen politisch engagierten Hochschullehrer, der forderte,

“das Recht auf freie politische Meinungsäußerung praktisch wahr[zu]nehmen.“
http://www.zeit.de/1979/08/strafprozess-um-mescalero-nachruf

Das Recht auf politische Meinungsäußerung praktisch wahrnehmen! Wie geht das? Heutzutage fordert das sogar der Bundes[tags]präsident, doch 1979 wurde daraus schnell ein Politikum, in dem das Wort vom Zivilen Ungehorsam die Runde machte.

Mit Beginn der sog. Finanzkrise, in der u.a. 2008 die Investmentbank Lehman Brothers pleite ging, kam die Banken-Branche, die Europäische Union, ja die gesamte Weltwirtschaft nicht mehr zur Ruhe. Nun zeigen sich die Folgen der Finanzkrise auch bei der ‘Deutschen Bank’.

John Cryan, der neue CEO,  verkündete am 29.10.15 in einer Pressekonferenz daß 9000 Arbeitsplätze gestrichen werden und die “schrecklich ineffektive IT” vereinfacht werden müsse.

Außerdem wurden in der Pressekonferenz, ähnlich wie bei VW, Fehler der Vergangenheit eingeräumt, daß man immer nur ‘Der Größte’ und nicht ‘Die Beste’ sein wollte.

Das öffentliche Büßertum hat schon fast den Hauch einer Ironie!
‘Die Gier’ ist schuld, darin sind sich jetzt also die politische Linke, der CEO von VW und der Chef der Deutschen Bank einig.
Doch wer ist die personifizierte Gier und wo ist ihr Wohnsitz? (1)

katze-wird-im-spiegel-zum-loewen-dxpfxp9pv5-20 @ lol.de
Sieht so der Raubtierkapitalismus aus? #CatContent (http://www.lol.de/just4fun/witzige-spiegelbilder-292/katze-wird-im-spiegel-zum-loewen-dxpfxp9pv5-20.jpg)

Investmentbanking.

John Cryan hat also angekündigt, daß das heftig umstrittene Investmentbanking, das den Banken besonders hohe Gewinne bescherte, zurückgefahren wird.

Investmentbanking ist, vereinfacht gesprochen, ein großer Trichter in das Geld hineingefüllt wird, in eine Black Box. Durch geschicktes Handeln der Kundendienstleister in Ihrer Bank vermehrt sich Ihr Geld und Sie haben idealtypisch nachher mehr davon, alles in allem also eine ‘hochgeschätzte’ Dienstleistung.

Der Ex – Vorstand der Deutschen Bank, Josef Ackermann, sorgte am 21. Januar 2004 für erhebliches Aufsehen durch die Aussage:

„Dies ist das einzige Land, in dem diejenigen, die Erfolg haben und Werte schaffen, deswegen vor Gericht gestellt werden.

Wer ist schuld und wer trägt die Verantwortung? Die Verantwortlichen müssen endlich vor Gericht gestellt werden!

Wir wissen aus statistischen Untersuchungen und wissenschaftlich durchgeführten Versuchen (etwa von Burton Gordon Malkiel, Princeton University) sehr genau, daß die Dienstleister in den Banken unser Geld nicht verdienen (2) und die Boni für besondere Leistungen auch nicht, denn Affen, die mit Dartpfeilen werfen, haben z.T. eine bessere Performance als die hochbezahlten Fondsmanager. Der Nobelpreisträger Dan Kahneman hat das in einem Satz zusammengefasst so formuliert:

„Viele Investoren machen bei ihren Wertpapiergeschäften durchgehend Verluste, eine Leistung, mit der es ein Dartpfeile werfender Schimpanse nicht aufnehmen könnte.” Dan Kahneman: Schnelles Denken, Langsames Denken, S. 271

Das Alltags-Rätsel.

Doch warum geben wir ‘Den Banken’ dann unser Spiel-Geld? Es handelt sich schließlich jedes Jahr um viele Milliarden, unsere Milliarden.

Man mag einwenden, daß die Großen Kapitalgesellschaften, Versicherungen etc. das Prozedere viel stärker beeinflussen als wir. Stimmt leider nicht.

Es ist unsere Schuld, wenn wir in Mathematik, Statistik, Verhaltensbiologie, Evolution in der Schule nicht aufgepasst haben oder wenn wir es versäumt haben, uns diese frei verfügbaren Kenntnisse im freien Leben anzueignen. Die ernüchternde Wahrheit ist, daß wir uns in allen unseren täglichen Handlungen genauso ‘irrational’ verhalten. Der Alltag ist unbestechlich; nicht die Meinungsumfrage, wie wir uns theoretisch verhalten würden.

Im Oktober haben wir in einem Artikel bei Geist &Gegenwart( http://www.geistundgegenwart.de/2015/10/modulare-theorie.html )

die Mechanismen der Faulheit, für die niemand anderes und niemand Geringeres(!) verantwortlich ist als die Evolution, eindrucksvoll geschildert.

Es ist und bleibt in unserer Verantwortung, wo wir einkaufen, wo und für wen wir arbeiten, wem wir unser Geld geben. Mit anderen Worten, Freispruch für Ackermann und Winterkorn. Nicht die anderen sind schuld sondern wir. Die Evolution & Wir und niemand sonst gehören auf die Anklagebank.

Niemand, wirklich niemand zwingt uns dazu unser Geld einer herkömmlichen Bank zu geben statt beispielsweise einer Genossenschaftsbank, die bekanntermaßen keine Gewinne als Boni ausschüttet.

Ja, die Bank wechseln ist unbequem; viel bequemer ist es bei avaaz auf Like zu klicken für ‘Nein gegen Lebensmitelspekulation’.

Die Aufforderung zum Zivilen Ungehorsam gibt es seit den berühmten 68er Jahren…

Unser täglicher Weg zur Bank, zum Laden, zur Firma -zum Weltfrieden- ist nicht mit Leichen gepflastert, es gibt keine Polizeikommandos, die uns verbieten, coole Milch zu kaufen oder zur Genossenschaftsbank zu wechseln. Das Schöne dabei ist, wir können jederzeit damit anfangen. Täglich! Heute!

Es gibt keine Stasi, die uns daran hindert, für Unternehmen zu arbeiten, die Werte haben.

Leben wir in einer Diktatur? Die Diktatur der Neuzeit, eine solche Diktatur hat es früher noch nie gegeben. Die Diktatur hat einen Namen: es ist die Freiwilligen-Diktatur. Denn wir machen das schließlich alles freiwillig!

Diese Erkenntnis mag ziemlich unbequem und überraschend sein, doch die seit 1979 geäußerte Aufforderung:

“indem wir das Recht auf freie politische Meinungsäußerung praktisch wahrnehmen.“   

ist noch nie aktueller als jetzt gewesen.

Handeln statt Reden. Meinungsäußerung und Verantwortung praktisch wahrnehmen. Und nicht: ‘Die Spieltheorie’ für den inneren Schweinehund und fürs Nicht-Agieren verantwortlich machen.

Das ist Die Aufforderung zum Zivilen Ungehorsam.

  1. http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/evolution-und-wirtschaftsysteme-die-gier-ist-aelter-als-der-kapitalismus-1.2547695
  2. http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/deutsche-bank-ohne-bonus-macht-kein-banker-die-finger-krumm-1.2751721

SMOWL-Vorstand im Amt bestätigt – Die Ost-Westfalen-Lippe-Vernetzer

Der alte und neue SMOWL-Vorstand

Der alte und neue SMOWL-Vorstand

Das Wirtschafts- und Kompetenz-Netzwerk Social Media OWL e.V. gehört nach eigenen Angaben zu den jungen und zugleich erfolgreichen Netzwerken „made in OWL“ – also Ost-Westfalen-Lippe:

„Seit 2011 haben sich die Experten für digitale Kommunikation nicht nur bestens in der Region vernetzt, sondern stehen heute bundesweit als Berater, Referenten, Dozenten und Moderatoren in der ersten Reihe und begleiten Unternehmen und Organisationen bei allen Aufgabenstellungen rund um die Themen Kommunikation, Social Media, digitaler Wandel und digitale Transformation“, teilt der Verein mit.

Auf der Jahreshauptversammlung in Rheda-Wiedenbrück wurde nicht nur auf die Arbeit der vergangenen zwei Jahre zurückgeblickt. Auch der Vorstand musste neu gewählt werden. Thorsten Ising, Michael Kemkes und Frank Michna sind alter und zugleich neuer Vorstand und wurden einstimmig im Amt bestätigt.

In den vergangenen zwei Jahren haben sie das Kompetenz-Netzwerk bekannt gemacht und „SMOWL“ bundesweit in die Köpfe der Menschen getragen. Ob als Partner in Sachen Arbeit 4.0, im Austausch mit den Hochschulen und IHKs über die Grenzen von OWL hinaus oder als Impulsgeber auf Messen wie der CeBIT und zahlreichen Veranstaltungen in Berlin, Köln, München, Stuttgart und Hamburg – immer öfter taucht das Kürzel „SMOWL“ hinter den Namen von Referenten und Moderatoren auf, wenn über digitale Transformation und Kommunikation gesprochen wird.

Das Wirtschafts-Netzwerk habe sich zu einer Plattform für Wissenstransfer rund um den digitalen Wandel und die damit verbundenen Veränderungsprozesse in und um Unternehmen und deren Bild in der Öffentlichkeit entwickelt. Zu den Mitgliedern gehören Kommunikationsberater, Online-Agenturen und Webshop-Entwickler, ebenso wie Medien- und Markenanwälte, Datenschützer, SEO-Spezialisten und IT-Unternehmen. Sie alle stehen im permanenten Austausch und bilden sich untereinander fort. Das so erarbeitete Wissen geben sie bereitwillig weiter. So stehen die Experten des Netzwerks oft auch kostenfrei für Vorträge und Impulse zur Beratung von Vereinen und Non-Profit-Organisationen zur Verfügung.

„Wir stehen erst am Beginn eines gewaltigen Wandels, den ein einzelnes Unternehmen, sowohl in der Geschwindigkeit, als auch in der Tragweite, kaum begreifen und umsetzen kann. Deshalb haben wir uns organisiert, um Trends und Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und unseren Kunden Wissensvorteile zu verschaffen“, erklärt der Vorsitzende Thorsten Ising.

Gleichzeitig möchte man die Kompetenz in der Region sichtbarer machen.

Hipster-Brause erzeugt nicht automatisch Hipster-Unternehmen #Kompetenzgespräche

Blog-Motto

Die Wirtschaftswoche titelt „HR-Abteilungen – Personaler vergraulen Fachkräfte“ und schreibt „Wenn Betriebe gute Leute finden, geschieht es nicht wegen, sondern trotz der Personaler“. Das Manager Magazin fragt in der November-Ausgabe „Die Bonsai-Manager – wer braucht eigentlich noch HR?“ und nimmt sich damit der Thematik an, dass DAX-Unternehmen aktuell ihre Personalvorstände abschaffen (SAP, Deutsche Post) und HR in vielen Unternehmen in die esoterische Ecke abdriftet.

Das beschreibt die Probleme des Personalmanagements nur an der Oberfläche. Es geht um die Gestaltung einer vernetzten Ökonomie mit neuen Arbeitskonzepten. Auf diesem Feld hört man von klassischen Personalmanagern wenig:

„Es sind bisher die Ingenieure, Informatiker und Betriebswirte, die sich Gedanken über die Arbeitswelten der Zukunft und den immensen Einfluss von Digitalisierung, Vernetzung und Globalisierung als Treiber machen. Sie vernetzen Teile, Produkte und Anlagen zu selbststeuernder Herstellung. Sie lenken Entwicklungsprozesse und dringen bis in Vertrieb und Distribution. Aber sie blenden die Mitarbeiter im neuen Arbeits- und Führungskontext aus. Es ist die originäre Aufgabe von Personalern, parallel zu dieser technologischen Entwicklung entsprechende neue Formen der sozialen Arbeitswelt zu schaffen. Sie müssen schleunigst an den Start, sonst werden Personalabteilungen reine Reparaturbetriebe. Reparaturarbeit am Menschen aber, den man am Beginn des Fortschritts vergessen hat, behindert die notwendigen und gewollten Veränderungen”, sagt der ehemalige Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger im Haufe-Interview.

Demokratisierung der Produktion

Zentralistische Führung und Organisationskonzepte aus dem Industriezeitalter haben nach seiner Einschätzung ausgedient, weil die Souveränitätspotenziale des einzelnen Mitarbeiters größer werden.

„Schließlich gibt es ja auch keinen Zentralrechner mehr, sondern die Cloud.In dieser evolutionären Entwicklung, die durchaus größere Sprünge macht, kann nicht mehr zwischen Produktions- und Wissensarbeiter unterschieden werden. Die bisher noch getrennte Hand- und Kopfarbeit rücken zusammen – und deshalb müssen die Führungs- und Arbeitsstrukturen andere werden. Experten nennen das die Demokratisierung der Produktion”, so Sattelberger.

Die Personalabteilungen müssten in dieser Gemengelage Treiber sein, hinken aber noch hinterher.

„Sie wissen zu wenig über die technologischen und sozialen Kräfte der Digitalisierung in der Arbeitswelt. Viele sind noch in der Logik industrieller Massenfertigung verfangen, normieren und standardisieren Prozesse. Momentan stabilisieren Personaler damit eher die Verhältnisse statt die kreativen Potenziale selbststeuernder ‘Smart Factories’ für den Menschen zu entdecken.”

Machtstrukturen in Großorganisationen würden die Kreativität töten. Ob flexible Arbeitszeiten, demokratisierte Prozessteuerung oder das zeitlich befristete Mandat, ein Team zu führen – mit den alten Konzepten des Personalmanagements sei eine zukunftsorientierte Entwicklung nicht möglich.

Feste Hierarchien, machtorientierter Führungsstil, Planungs- und Effizienzdenken in starren Strukturen werde scheitern, prognostiziert VEDA-Geschäftsführer Ralf Gräßler. Eine reduzierte Betrachtung auf das Personalmanagement reicht also nicht aus. Man müsse das ganze Managementsystem hinterfragen und wohl auch die komplette Betriebswirtschaftslehre.

Schnelldusch-Manager dominieren in der Arbeitswelt

Wir brauchen mehr Vielfalt in der Arbeitswelt. Aber wie soll das in der Rekrutierung gelingen, wenn der Führungsnachwuchs überwiegend schnelle Karrieren in Konzernen anstrebt und sich vorher noch der Gehirnwäsche in Unternehmensberatungen unterzieht:

„Das Klonen in deutschen Chefetagen ist extrem ausgeprägt. Viele Topmanager sind deutsche, weiße, männliche, ähnlich ausgebildete Konzerngewächse, meist mit einem ansehnlichen ‘McKinsey & Co’-Hintergrund, die dann eine lineare, gleichförmig verlaufende Schnelldusche als Manager in Hauptverwaltungen absolviert haben. Die Topmanager heute sind zwar akademischer als früher, aber damit nicht unbedingt gebildeter. Statt vieler Patriarchen haben wir jetzt mehr Technokraten in den Konzernen.”

Wer neu in einem Unternehmen tätig ist, verschwendet einen Großteil seiner Energie in ausgefeilten Bürostrukturen, taktischen Abwehrmanövern gegen Kollegen sowie Schauläufen vor Abteilungsleitern und Vorständen. So fassen 30 Gründer von Dark Horse Innovation ihre ersten Job-Erlebnisse in Konzernen, Mittelständlern in dem Opus „THANK GOD IT’S MONDAY“ zusammen:

„Während unser Enthusiasmus und unsere Einfälle auf der Strecke blieben, stolzierte der Status quo, hochdekoriert mit immer neuen Buzzwords, die man zu verstehen und zu erfüllen hatte, vor den staunenden Rängen auf und ab.“

Statt in bürokratischen Organisationen sang- und klanglos zu verglühen, änderten sie nicht ihre Erwartungen, sondern ihr Arbeit. Sie gründeten eine Firma, in der sie kooperativ und kreativ arbeiten können. Selbst wenn Konzerne, Mittelständler und Verwaltungen im modischen Duktus von Diversity oder Worklife-Balance faseln und eine politisch korrekte Prozentzahl von Frauen in Entscheider-Gremien einführen (selbst das gelingt nur selten), ändert sich mit diesen Mimikry-Programmen wenig. Es werden Symptome bekämpft, während hinter verschlossenen Türen die alten Seilschaften und Machtmechanismen weiterwirken.

„Das stahlharte Gehäuse bekommt lediglich einen neuen Anstrich. Der Frust wird im Zweifel größer, weil sich Missstände mit schönen Namen schwerer kritisieren lassen. Die Länge des eigenen Urlaubs selber zu bestimmen, wie bei einigen großen Unternehmen ab einer gewissen Managementebene üblich, führt häufig dazu, dass gar kein Urlaub mehr gemacht wird, weil die alten informellen Karriereregeln immer noch gelten“, schreiben die Dark Horse-Autoren.

Totalsanierung der Organisation statt gestylte Büros

Tischkicker, Kuschelecken, Kühlschränke vollgestopft mit Hipster-Brause und Social Media-Duzerei ändern nicht wirklich die Arbeitswelt. Organisationen sollten sich einer kompletten Sanierung unterziehen.

„Personalabteilungen machen sich Gedanken darüber, wie sich neue Mitarbeiter ins Unternehmen ‚integrieren‘ lassen, anstatt sich zu fragen, wie sich das Unternehmen an die neuen Mitarbeiter anpassen kann.“

Junge Mitarbeiter bekommen immer schönere Titel, gestylte Büros, Fitnessräume, Ruhezonen und Obstkörbe – in den Köpfen der Führungskräfte bleibt alles beim Alten.

Was das Personalmanagement auf dem Schirm haben muss, beschreibt der Innovationsexperte Stephan Grabmeier:

„Demokratisierung und Flexibilisierung von Organisationsformen, die digitalen Wertschöpfungsprozesse, New Leadership und agile Managementmethoden wie Scrum, Kanban, Design Thinking oder Lean Start Up. Auch Methoden wie Jams oder Social Forecasting dürfen heutzutage in keinem modernen HR-Werkzeugkoffer fehlen.”

Der Wandel zur vernetzten Ökonomie, die von Digitalisierung, Partizipation, Agilität, Netzwerk-Effekten und Transparenz geprägt ist und die Neujustierung des Personalmanagements stand im Mittelpunkt der ersten Sendung eines neuen Formats unter dem Titel “Kompetenzgespräche”: Thema: Von der aussterbenden Spezies des Personalmanagers.

Fortsetzung folgt.

Macht mit bei der Facebook-Gruppe „Kompetenzgespräche“.

Cloudprinting-Spezialist Mimeo übernimmt Berliner Großdruckerei Koebcke

Mimeo

Der US-amerikanische Cloudprinting-Spezialist Mimeo übernimmt nach eigenen Angaben den Betrieb der Berliner Großdruckerei Koebcke. Mimeo baue als strategischer Investor den alteingesessenen Familienbetrieb unter neuem Namen zu seinem Produktionszentrum in Kontinentaleuropa aus.

2011 kaufte Mimeo bereits das britische Unternehmen CLE Ltd. mit Sitz in Huntingdon bei Cambridge und erreichte dort ein Wachstum von damals 65 auf rund 200 Mitarbeiter. Der Zukauf der Berliner Druckerei sei als zentraler Standort aufgrund der Größe des deutschen Marktes, der exzellenten Druckqualität und der vielseitigen Ausstattung des Maschinenparks interessant.

Koebcke war einer der größten europäischen Produzenten von Fotobüchern und Spezialist für Druckdienstleistungen sowie Dokumentenmanagement und hatte Mitte November 2013 Insolvenz angemeldet.

„Alle der rund 110 Arbeitsplätze in Berlin bleiben genauso erhalten, wie auch die vorhandenen Produkte und Services in Bezug auf die Bestandskunden der Koebcke GmbH“, teilt Mimeo in einer Presse-Aussendung mit.

Man sei darauf spezialisiert, individualisierte Handbücher, Trainingsunterlagen, Präsentationen und Broschüren für Unternehmenskunden digital oder gedruckt, schnell und verlässlich zu liefern.

Sowohl die einfache Onlinebestellung rund um die Uhr von jedem Ort der Welt, als auch die Lieferung innerhalb von 24 Stunden an viele unterschiedliche Standorte sei bei Mimeo selbstverständlich.

Der Berliner Standort sei wichtig für den Ausbau des europäischen Geschäfts, so Jamie Wardley, Europa-Geschäftsführer von Mimeo.

Plattform für europaweite Recyclinglösungen

Recycling PlattformDie Mainzer Landbell-Gruppe wird Gesellschafter der European Recycling Platform SAS (ERP). ERP bietet derzeit Recycling- und Compliance-Dienstleistungen für Elektro- und Elektronik-Altgeräte, Batterien und Verpackungen für mehr als 2.500 Kunden in 32 Ländern der Welt an.

Die Unternehmen wollen ihre Kräfte bündeln, um eine zentrale Anlaufstelle für Compliance- und Recyclingdienstleistungen zu schaffen. Nach dem One-Stop-Shop-Prinzip soll es für Kunden möglich sein, unterschiedliche gesetzliche Verpflichtungen in verschiedenen Ländern der Welt zu erfüllen.

„Für uns ist dieser Anteilskauf ein wichtiger Schritt in unserem konsequenten Streben, umfassende und hochwertige Recyclinglösungen für bestehende und künftige Kunden in Europa bereitzustellen“, sagt Jan Patrick Schulz, Vorstandsvorsitzender der Landbell Gruppe.

ERP wurde im Dezember 2002 von Hewlett Packard, Electrolux, Sony und Procter & Gamble als Reaktion auf die EU-Richtlinie über Elektro- und Elektronik-Altgeräte (WEEE-Richtlinie) gegründet. ERP bleibt nach Firmenangaben als eigene Marke bestehen.

Into the Wild – Datenbrillen auf der re:publica

Innenhof der republica 2014 Innenhof der republica 2014 Foto: Schleeh

Braucht man in der Wildnis Datenbrillen? Anscheinend, denn das Motto der diesjährigen re:publica war „Into the Wild“. Ich habe in der realen Wildnis auf dem Gelände der Station Berlin noch nie so viele verschiedene Datenbrillen auf einem Fleck versammelt gesehen. Selbst die IT-Messe CeBIT 2014 konnte der re:publica in diesem Punkt nicht das Wasser reichen.

Fake Google Glass aus dem 3D Drucker Meine Fake Google Glass aus dem 3D Drucker auf der re:publica 2013

Auf dem letzten Treffen der Internetgemeinde in 2013 war ich mit meinem Fake-Modell der Google Glass der Einzige mit einer Datenbrille. Das brachte mir damals eine sehr große Aufmerksamkeit und machte mein Newbie-Debüt auf Europas größter Veranstaltung dieser Art zu einem vollen Erfolg. In diesem Jahr hätte sich kein Blogger, Nerd oder Journalist nach mir auch nur umgedreht, hätte ich das Ding aus dem 3D-Drucker wieder auf der Nase gehabt. Denn wer fällt schon auf ein Fake rein, wenn es das Original zu sehen und zum Aufsetzen gibt.

Matthias Greiner und Hannes Schleeh mit Epson Moverio am Metaio Stand auf der republica 2014 Matthias Greiner und Hannes Schleeh mit Epson Moverio am Metaio Stand auf der republica 2014 Foto: Anett Gläsel-Maslov

Am Stand meiner Lieblingsfirma für Augmented Reality, Metaio ging es zu wie beim Cyper-Optiker. Hatten die Kollegen aus München nicht nur eine echte Google Glass, sondern auch ein Modell der Datenbrille von Epson am Stand in der Eingangshalle. Direkt daneben, hinter den Schuhen für Atheisten gab es den „Demonstrator“ des Fraunhofer Instituts COMMED aus Dresden zu bewundern.

Doch damit nicht genug. Am dritten Tag der re:publica, nachdem die Media Convention Berlin in der Halle dahinter der Droidcon Platz gemacht hatte, waren in gerade einmal zwanzig Metern Entfernung ein Prototyp der neuen Sony Datenbrille und die am Vortag in den USA erschienene Epson Moverio BT-200 am Epson Stand verfügbar. Ich war begeistert und habe sie alle aufgesetzt und ausgetestet. Mein Partner und Bloggercamp.tv Kollege Gunnar Sohn hat mich schon als „Brillenschlange“ bezeichnet.

Hannes Schleeh mit der echten Google Glass auf der republica 2014 Foto Adrian Hannes Schleeh mit der echten Google Glass auf der republica 2014

Womit er nicht ganz Unrecht hatte der liebe Gunnar, ich habe jede der Brillen ausprobiert und auf der Nase gehabt. Hier mein Vergleich und Fazit:

Google Glass Augmented Reality auf der re:publica 2014 Hannes Schleeh mit Google Glass Foto: Anett Gläsel-Maslov

1. Google Glass

Die kleinste und leichteste Brille, damit wäre die Glass auch die Unauffälligste. Leider ist sie Dank des Herstellers Google besonders in Deutschland nicht wohl gelitten. Die Glass ist nur in einem vorhandenen WLAN autark ohne Smartphone zu tragen. Hält aber bei hoher Beanspruchung wie Video oder Augmented Reality nur 15 bis 20 Minuten durch. Mit 1.500 Dollar plus Steuer ist die Glass derzeit noch sehr teuer. Da sich der Durchsichtbildschirm über und nicht vor dem Auge befindet, ist die Glass eigentlich keine „echte“ Augmented Reality Brille.

Google Glass republica 2014 Google Glass republica 2014 Foto: Schleeh

Über die Google Glass habe ich mich auch mit dem ehemaligen Google Pressesprecher, Stefan Keuchel unterhalten. Er bedauert genau wie ich, dass Google die Videochatfunktion softwareseitig abgestellt hat. Keuchel hält diese Feature genau wie die Navigation mit der Datenbrille für die Killer Applikationen. Auch eine Einbindung in einen Hangout on Air ist mittlerweile damit nicht mehr legal möglich.

Hannes Schleeh mit einer Epson Moverio BT 200 auf der republica 2014 Hannes Schleeh mit einer Epson Moverio BT 200 auf der republica 2014 Foto: Anett Gläsel-Maslov

2. Epson Moverio BT-200

Die Moverio BT-200 ist die derzeit einzige in großen Stückzahlen zu einem nachvollziehbaren Preis erhältliche „echte“ Augmented Reality Brille. Mit 699,99 Dollar mehr als die Hälfte günstiger als eine Google Glass. Für diesen Preis bekommt der Käufer aber auch ein viel größeres Volumen und eine Datenbrille mit ausgelagerter Prozessoreinheit und Batterie. Deshalb muss man mit einem etwa vier Millimeter dicken Kabel vom Kopf zur Steuereinheit leben. Aber diese Brille verdient den Namen Augmented Reality Brille wirklich. Mit zwei großen, die Augen überdeckenden durchsichtigen Bildschirmen bietet sie eine echte Augmentierung der Wirklichkeit. Metaio hat damit die erste reine Anwendung ohne unterlegtes Kamerabild für seinen Junaio Browser entwickelt und auf der re:publica 2014 gezeigt. Auch 3D-Bilder sind damit möglich.

Marc Antoine Godfroid at the Epson booth republica 2014 Marc Antoine Godfroid at the Epson booth republica 2014 Foto: Schleeh

Epson arbeitet schon an der dritten Ausgabe, denn die Moverio hat eine Vorgänger Version, die die jetzige um 60 Prozent in Gewicht und Größe überragt. Eric Mizufuka, der für den amerikanischen Markt verantwortliche Produktmanager für die Moverio hat in einem Webinar auf diesen massiven Miniaturisierungs Fortschritt verwiesen. Leider ist die Datenbrille, laut Aussage des Europa Verantwortlichen Marc Antoine Godfroid nicht von Google zertifiziert. Somit kann man kein Google Plus Profil auf der mit Android 4.0.4 ausgestatteten AR-Brille einrichten um an einem Hangout oder Hangout on Air teilzunehmen. Die Brille kann via Bluetooth oder WLAN an das Internet angebunden werden.

Hannes Schleeh mit der Sony Augmented Reality Brille auf der republica 2014 Hannes Schleeh mit der Sony Augmented Reality Brille auf der republica 2014 Foto: Sony Mitarbeiter

 3. Sony Smart Glasses

Ein ähnliches Konzept wie die Epson hat Sony in seiner auf dem Mobile World Congress erstmals vorgestellten Smart Glass umgesetzt. Allerdings ist die Anzeige nur monochrome grün und erinnert ein wenig an die ersten Computerbildschirme. Damit lassen sich aber die Gläser viel kleiner halten und die Sony sieht fast aus wie eine normale Brille, wenn das Kabel zur Steuereinheit nicht wäre.

Augmented Reality durch die Sony Brille republica 2014 Augmented Reality durch die Sony Brille republica 2014 Foto: Schleeh

In diesem Punkt sind sich die beiden japanischen Hersteller einig. Der gezeigte Prototyp hatte sehr zu meiner Verwunderung auch keine Ohrbügel. So muss man das Teil wie ein Monokel auf der Nase ständig festhalten. Ich hoffe das wird noch geändert. Für den Einsatz als Terminator-Terminal müsste dann noch die Farbe der Anzeige in rot geändert werden.

Hannes Schleeh mit dem Demonstartor von Fraunhofer COMMED auf der republica 2014 Hannes Schleeh mit dem Demonstrator von Fraunhofer COMMED auf der republica 2014 Foto: Schleeh

4. Fraunhofer COMMED Demonstrator

Kein fertiges Produkt und auch nur eine Anwendung kann man auf der Datenbrille des Fraunhofer Instituts COMMED betrachten. Die zugegebenermaßen optisch am fragwürdigsten aussehende Datenbrille bietet enorme innere Werte. Fraunhofer hat es geschafft ein OLED-Display zu produzieren und patentieren, das zu jedem Farbpixel ein auf die Augen gerichtetes Kamerapixel besitzt. Damit lassen sich die Augenbewegungen tracken. Der Demonstrator zeigt dies an einer Welttkarte, die man in sein Blickfeld eingeblendet erhält. Durch eine Veränderung der Blickrichtung verschiebt sich die Weltkarte zum angesehenen Punkt. Die monochrome Farbe hat dieser Demonstartor mit der Sony gemeinsam. Anscheinend lieben die Entwickler von Prototypen die grüne Leuchtschrift. Fraunhofer verkauft und lizenziert diese Technologie, wie mir Dr. Konrad Crämer im Live-Interview auf der re:publica verriet. Sowohl Epson als auch Metaio und Sony haben sich diese Technologie am Stand des Bundesministeriums für Bildung und Forschung angesehen. Mal sehen wer sie zuerst in seinen zukünftigen Produkten integriert.

5. Weitere Augmented Reality Datenbrillen

Gefehlt haben nur noch die Vuzix, Meta, RenconJet, Atheer One, und last but not least aus Italien, Europa die Glassup oder kennt Ihr noch weitere Augmented Reality Brillen, die schon gezeigt wurden? Wenn ja schreibt mir bitte in einem Kommentar dazu, welche Ihr noch kennt.

Fazit:

Am coolsten ist immer noch die Google Glass. Allein der Formfaktor und die Größe sprechen für diese Datenbrille. Auch die Farbe im Bild spricht für die Glass. Das beste Augmented Reality Erlebnis bietet die Epson Moverio. Damit hat man einen riesigen Flatscreen vor den Augen und die Junaio Anwendung von Metaio ist ein Riesenschritt in Richtung Augmented Reality ohne Kamerakrücke. Wer es selbst ausprobiert hat wird mir zustimmen, wenn ich das als immersive bezeichne. Von der Form und der Anmutung finde ich die Sony am Besten. Sie sieht auf den ersten Blick wie eine ganz normale Brille aus und ist damit, bis auf die fehlenden Bügel am unauffälligsten und tragbarsten. Die Fraunhofer Brille ist als Versuchsträger oder Demonstrator kein Endkundenprodukt, zeigt aber wohin die weitere Integration gehen wird. Auf der CeBIT 2013 musste ich für die gleiche Leistung an einem Messestand noch zwei Brillen übereinander aufsetzen und hatte die Augmentierung dann nur auf einem Auge.

Zwei Datenbrillen auf einem Kopf Augmented Reality und Eyetracking in zwei Devices auf der CeBIT 2013 Zwei Datenbrillen auf einem Kopf Augmented Reality und Eyetracking in zwei Devices auf der CeBIT 2013 Foto: Gunnar Sohn

Wenn wir uns einmal virtuell die ideale Datenbrille aus den Beispielen zusammenbauen, dann ist das ein Gerät mit dem Aussehen und Formfaktor der Sony, an der mich die dünnen Gläser und kaum sichtbar eingeschliffenen Spiegel fasziniert haben. Das Ganze mit den OLED Displays des Frauenhofer COMMED, damit die Brille weiß wohin der Nutzer blickt und in der Farbenpracht und Klarheit der Epson Moverio, ohne externe Steuerung und Kabel wie bei der Google Glass. Das wäre ein Traum.

Crosspost von schleeh.de

Mehr Narren im Management: Protegés und Kriechern fehlt die geistige Unabhängigkeit

Mach mal was närrisches

Mach mal was närrisches

Der Philosoph des politischen Absolutismus, der Engländer Thomas Hobbes, machte sich eine bereits gängige Vorstellung aus dem 16. Jahrhundert zu eigen, wenn er zu verstehen gab, der Staat, der  Zusammenschluss der Menschen zu einer Einheit, eben der „Staatskörper“, sei wie jeder Körper eine Maschine, ein von einem Uhrwerk angetriebener Automat. Planungs- und Regelungsfanatiker scheinen auch heute noch dieses Weltbild zu lieben. Der Begründer der mechanistischen Managementlehre war Henry Fayol, der vor knapp 100 Jahren das Dogma aufgestellt hat, das Unternehmen alles planen, organisieren und kontrollieren zu können. Besser wäre es, die Controlling-Werkzeuge über Bord zu schmeißen. Wer Organisationen mit starren Instrumenten führt, scheitert am Unvorhersehbaren. Der Nutzen eines Werkzeugs kann nur darin liegen, dass es auf Phänomene anwendbar ist, die in der Vergangenheit stabil waren. In Phasen vollkommener Stabilität muss man lediglich wissen, wie man die Werkzeuge richtig einsetzt. Doch in Zeiten, die von raschem Wandel geprägt sind, darf man ihnen nicht mehr vertrauen.

„Heute kann man es sich nicht mehr leisten, die Rolle von Zufällen und die komplexen Voraussetzungen ihrer Ausbeutbarkeit zu unterschätzen“, schreibt der Soziologe Dirk Baecker in seinem Buch „Postheroisches Management“.

„Im täglichen Geschäft verlieren das fordistische Geschäft und das tayloristische Prinzip längst an Bedeutung, was beileibe nicht nur für die Internetwirtschaft gilt“, schreibt Zeit-Redakteur Götz Hamann in einem Beitrag für das Buch „Die Kunst, loszulassen – Enterprise 2.0“ (Rhombos-Verlag).

Wer sich aber die Strukturen von Konzernen und straff organisierter Mittelständler anschaue, werde erkennen, dass das Erbe von Ford und Taylor noch sehr lebendig sei: Vertrieb, Marketing, Entwicklung, Produktion, Buchhaltung, Innenverwaltung, IT-Abteilung – und natürlich der Vorstand. Die meisten Unternehmen würden aus Schubladen bestehen und wer in einer von ihnen stecke, habe in den anderen meist nichts zu suchen.

„Die traditionelle Arbeitsteilung gilt noch immer als sicherste Form der Herrschaftsausübung und als wirkungsvollste Methode, um eine Organisation zu kontrollieren“, bemängelt Hamann. 

Entdecker und Unternehmer sollten bei ihrer Strategie weniger auf Top-down-Planung setzen, sondern sich auf maximales Herumprobieren und das Erkennen der Chancen, die sich ihnen bieten, konzentrieren, rät der frühere Börsenhändler Nassim Taleb in seinem Opus „Der Schwarze Schwan – Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse“. Er stimmt nicht mit den Anhängern von Karl Marx und Adam Smith überein, dass freie Märkte nur funktionieren, weil sie ihnen „Belohnungen“ oder „Anreize“ für ihre Fähigkeiten bieten.

„Freie Märkte funktionieren, weil sie den Leuten erlauben, dank aggressivem Trial und Error Glück zu haben“, so Taleb.

Die beste Strategie bestehe darin, möglichst viel auszuprobieren und möglichst viele Chancen zu ergreifen, aus denen sich Schwarze Schwäne ergeben könnten.

„Dass wir in Umgebungen, in denen es zu Schwarzen Schwänen kommen kann, keine Vorhersagen machen können und das nicht einmal erkennen, bedeutet, dass gewisse ‚Experten’ in Wirklichkeit gar keine Experten sind, auch wenn sie das glauben. Wenn man sich ihre Ergebnisse ansieht, kann man nur den Schluss ziehen, dass sie auch nicht mehr über ihr Fachgebiet wissen als die Gesamtbevölkerung, sondern nur viel bessere Erzähler sind – oder, was noch schlimmer ist, uns meisterlich mit komplizierten mathematischen Modellen einnebeln. Außerdem tragen sie mit größter Wahrscheinlichkeit Krawatten“, bemerkt Taleb.

Wenn er Leute befragt, welche drei Technologien sich heute am stärksten auf unsere Welt auswirken, nennen sie in der Regel den Computer, das Internet und den Laser. Alle drei Innovationen waren ungeplant, unerwartet und wurden nach ihrer Entwicklung zunächst nicht gewürdigt. Sie hatten allerdings große Konsequenzen. Sie waren Schwarze Schwäne. Im Nachhinein bekommen wir leicht den Eindruck, dass sie Bestandteile eine Masterplans waren. Kaum ein von Ratio durchtränkter Manager gibt zu, dass Innovationen häufig durch glückliche Zufälle entstehen. Charles Townes erfand den Laser, um Lichtstrahlen zu spalten. Über weitere Anwendungen dachte er überhaupt nicht nach.

„Dabei hatte der Laser dann enorme Auswirkungen auf unsere Welt: CDs, Korrekturen bei der Sehschärfe, Mikrochirurgie, Speicherung und Wiedergewinnung von Daten – lauter unvorhergesehene Anwendungen der Technologie. Wir bauen Spielzeug. Manchmal verändert eines von ihnen die Welt“, führt Taleb aus.

Controlling getriebene Führungskräfte sollten statt ihrer rückwärtsgewandten Erbsenzählerei eher wieder die Märklin-Eisenbahn aus dem Keller holen und ihrem Spieltrieb freien Lauf lassen. So wie die Automatenerfinder des 18. Jahrhunderts. Die mechanischen Spielzeuge von Kempelen, Vaucanson oder Jaquet-Droz waren das Experimentierfeld für eine noch in den Kinderschuhen steckende Technik, die alsbald in den Dienst der industriellen Revolution gestellt werden sollte.

Plädoyer für Shandyismus

Plädoyer für Shandyismus

Orientierungshilfe für das Management des Unerwarteten bietet der Roman „Leben und Ansichten von Tristam Shandy“ von Laurence Sterne. Denn dieses Werk befasst sich mit komplizierten erkenntnistheoretischen Fragen, die auch im Unternehmen jeden Tag gelöst werden müssen: Wie können die vielen widersprüchlichen Ereignisse eines Lebens zu einem irgendwie gearteten einheitlichen Ganzen werden? Wie kann denn einer Angelegenheit, die eben so gut hätte ganz anders verlaufen können, Sinn zugeschrieben werden? Wie kommt das Ich inmitten dieser Fülle von Erlebnissen und Möglichkeiten ihrer Auslegung zu einer identifizierbaren Form? Sterne erzählt vom Konjunktiv des Seins. Eine literarisch-empfindsame Chaostheorie liegt dem Erzählen zugrunde – Chaos, verstanden als ein Wort nicht so sehr für Wirrwarr als vielmehr für Unvorhersehbarkeit. Das Ich, das da erzählt, gerät dank seiner sensiblen Reaktionsfähigkeit, seiner psychischen Flexibilität, unaufhörlich an Stellen, die es zu Abschweifungen vom schematischen Hauptstrang verführen. Und dieses Abschweifen, dieses Abzweigen, ist die Methode, dem Augenblick und seiner Erfahrungssubstanz ein Höchstmaß an Bedeutung zuzumessen.

Es ist der Punkt der Kreativität – das Ganze mag darüber vergessen werden. Das Buch ist chaotisch in dem Sinn, dass es mit dem Unvorhersehbaren spielt, und darin mag eine Vorstellung der heutigen Chaos-Theorie anklingen. Sterne verweist darauf, dass nicht vorhersehbar ist, wann, wo, in welche Richtung sich ein Blitz oder ein Baum verzweigt. Politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Systeme können in Katastrophen enden. Vorhersagen lässt sich das nur schwer. Man denke an die Auflösung der Sowjetunion, den Absturz der New Economy oder den Zusammenbruch des Finanzsystems. In dieser Unvorhersehbarkeit liegen Chance und Risiko nebeneinander.

Die amerikanische Historikerin Barbara Tuchman beschrieb 1984 in ihrem Buch „Die Torheit der Regierenden“ anhand von Beispielen einige Kardinalfehler, die von Regierenden zum Nachteil ihrer Länder und entgegen aller Vernunft und ihren eigenen Interessen begangen wurden. Dabei zählt sie nur Fehler auf, dich nicht erst im Nachhinein, sondern schon von Zeitgenossen als solche erkannt worden sind. Die Antike erklärte diese Fehler mit der Hybris des Menschen, der es Göttern gleichtun wolle und darum von ihnen mit Blindheit geschlagen wurde. Heute sucht man psychologische Erklärungen. Barbara Tuchman schreibt:

„Engstirnigkeit, die Quelle der Selbsttäuschung, ist ein Faktor, der eine überaus wichtige Rolle in Wirtschaft und Politik spielt. Sie besteht darin, eine Situation nach vorgefassten, festen Anschauungen einzuschätzen und gegenteilige Anzeichen zu missachten oder zu verleugnen. Daraus erwächst ein ‚Wunschhandeln‘, das sich von den Tatsachen nicht beirren lässt.“

Wie soll man sich in dieser Situation verhalten? Je dringlicher von Werkzeugen, Gesetzen und Patentrezepten die Rede ist, desto gründlicher scheint sich die Zukunft von Wirtschaft, Technologie und Bildung der Planbarkeit zu entziehen. Die entscheidungsoffenen Spielräume nehmen zwar zu, gleichzeitig aber auch die unbeabsichtigten Folgen.

Selbsttäuschung und konstruierte Wirklichkeit prägen den Alltag von Topmanagern in unübersichtlichen Organisationen. Protegés und Kriechern fehle es typischerweise an Gradlinigkeit und geistiger Unabhängigkeit, bemängelt der Managementexperte Erhard Glogowski. Für ein Unternehmen können die übertriebene Sicherheit des Managements, exzessiver Stolz und Arroganz häufig verheerende Folgen nach sich ziehen. Kluge Führungskräfte sollten daher immer sehr kritisch überprüfen, ob das, was Sie reden, mit dem übereinstimmt, was Sie tun. Von den eigenen Mitarbeitern oder Aufsichtsräten ist eine kritische Reflexion kaum zu erwarten. Zu stark ist der Konformitätsdruck.

„In Anbetracht der ungleichen Beziehung zwischen Führungspersonen und ihren Untergebenen halten viele Führungskräfte es für selbstverständlich, Regeln zu übertreten, die für normale Sterbliche Gültigkeit besitzen“, führt der Wirtschaftswissenschaftler und Psychologe Manfred F. R. Kets de Vries aus.

Das Problem bestehe darin, die Unternehmenschefs auf die Gefahrensignale der Hybris aufmerksam zu machen, denn dies sei die einzige Möglichkeit zu verhindern, dass sie nur das sehen, was sie sehen wollen – ein Prozess, dem die Idealisierung durch ihre Gefolgschaft Vorschub leiste. Weitsichtige Vorstände oder Geschäftsführer sollten deshalb die Position eines Hofnarren einrichten, der die Außen- und Innensicht des Unternehmens kritisch beleuchtet. Er hätte die Aufgabe, „Wahrheiten“ zu überbringen, die kein anderer auszusprechen wagt, ohne Angst vor den Folgen haben zu müssen. Nur so könnte man verhindern, Opfer der eigenen Eitelkeit und Selbstüberschätzung zu werden. Starrheit und Verblendung verhindern die Wahrnehmung von Chancen. In seinem im 16. Jahrhundert veröffentlichten Buch „Lob der Torheit“ untersucht der Humanist Erasmus von Rotterdam die traditionelle Beziehung zwischen dem Narren und dem Führer sowie die spezifische Bedeutung, die dieser Beziehung dabei zukommt, die Folgen des Hochmuts zu begrenzen:

„Das ist nun der wunderliche Vorzug meiner blöden Gefolgschaft, dass man von ihnen nicht nur die Wahrheit, sondern sogar Beschimpfungen mit Vergnügen annimmt. Es geht so weit, dass das gleich Wort, das im Munde eines Weisen zu einem todwürdigen Verbrechen würde, im Munde des Narren unglaubliches Vergnügen hervorruft“, schreibt Erasmus.

Der Narr schafft eine emotionale Atmosphäre und erinnert den Führer an die Vergänglichkeit der Macht. Er wird zum Hüter der Realität und verhindert in paradoxer Weise närrische Handlungen. Indem der Narr die Torheit von Entscheidungen aufzeigt, die auf einen verzerrten und verengten Blickwinkel zurückzuführen sind, kann er der Führungskraft helfen, an einer soliden Realitätsgrundlage festzuhalten. Wenn wir unterstellen, dass der Narr ein unentbehrliche Rolle für das gesunde Funktionieren des sozialen Lebens spielt, müssen wir die Frage stellen, ob jene Rolle überhaupt in das Organisationsleben eines Unternehmens integriert werden kann:

„Ebenso wie der Weise, der Narr als Künder der Wahrheit mit dem Feuer spielte, wenn er dem König unangenehme Wahrheiten sagte, ist es auch riskant, geheime Machenschaften innerhalb einer Organisation ans Licht zu befördern“, so de Vries.

In Organisationen sei es trotz bester Absichten immer schwierig, offene Kommunikation zu praktizieren.

„Zumeist wirkt die Struktur des Unternehmens einem solchen Prozess entgegen, so dass dem Grundsatz der Offenheit letztlich nur Lippendienste geleistet werden“, betont de Vries.

Führungskräfte haben eher das Bedürfnis, jegliche Form von Kommunikation nach innen und außen zu kontrollieren. Der britische Unternehmensberater Paul Bate vertritt die Ansicht, dass eine Firma mit starker Kultur lustig sein sollte. Da lachen die Angestellten viel und laut, erlauben sich Albereien und ziehen Maskenkostüme an. Sie veranstalten regelmäßig Bierpartys und überreichen sich witzige Geschenke und Preise. 

Als Vorstandschef muss man sich ja nicht gleich eine Pappnase aufsetzen. Aber ein närrischer Humor trägt zur Spannungsminderung bei, wenn ein sensibles Thema angesprochen werden muss. Humor erleichtert die Aufnahme einer unbequemen Information – ohne das Ganze der Lächerlichkeit preiszugeben.

„Mit Humor und offener Kommunikation spielen der ‚Narr’ und der ‚König’ ein tiefgründiges Spiel, in dessen Mittelpunkt fundamentale Fragen des Menschseins stehen – Kontrolle, Rivalität, Passivität und Aktivität“, so de Vries.

Wenn der Humor kontrolliert bleibt, so dass er nicht zerstörerisch, aggressiv und zynisch wird, kann er eine Atmosphäre des Vertrauens fördern. George Bernard Shaw hat einmal ausgeführt, „dass jeder Despot einen ungetreuen Untertan haben muss, damit er geistig gesund bleibt“. Das ist die Funktion des Narren. Führungskräfte sollten von ihrem hohen Sockel runtersteigen und so souverän sein, dieses Narrentum zuzulassen und zu fördern, um die eigenen destruktiven Kräfte des Hochmuts unter Kontrolle zu halten. Das erfordert allerdings Weisheit und Mut.