GRÜNDE VON DEUTSCHEN UND CHINESEN, WENIGER FLEISCH ZU ESSEN – Vergleichsstudie @hs_fresenius – Next Economy Open

In vielen Industrienationen essen die meisten Menschen nach wie vor zu viel Fleisch, obwohl das ungesund und schlecht für das Klima ist. So geht ein großer Anteil aller Treibhausgasemissionen auf das Konto der Viehzucht. Studierende des Studiengangs Sustainable Marketing & Leadership (M.A.) an der Hochschule Fresenius in Köln haben in einer Projektarbeit untersucht, wie hoch die Bereitschaft in Deutschland im Vergleich zu China ist, den Fleischkonsum zu reduzieren und was die Gründe sind. Hierfür haben sie über 700 Menschen in Deutschland und China online befragt. Das Ergebnis: Die Befragten aus China sind tendenziell eher bereit, weniger Fleisch zu essen – allerdings nicht der Umwelt zuliebe, sondern für ihre eigene Gesundheit.

Geht es um den Klimawandel, denkt man in erster Linie an Autoabgase und Industrieschlote. Doch auch das Steak auf dem Teller trägt zur Erderwärmung bei. Denn laut der UN-Landwirtschaftsorganisation FAO stammen mindestens 14,5 Prozent aller weltweiten Treibhausgasemissionen aus der Haltung und Verarbeitung von Tieren. Den größten Anteil daran haben Rinder. Sie sind für etwa 65 Prozent dieser Emissionen verantwortlich. Schweine dagegen tragen nur neun Prozent bei, bei Geflügel sind es sogar nur acht Prozent. Ob Verbraucher in Deutschland und in China willens sind, seltener Fleisch zu konsumieren und welche Motivation dahintersteckt, haben Studierende in einer Projektarbeit näher beleuchtet.

Neben Experteninterviews haben sie eine Online-Umfrage zur Substitution von Fleisch in Deutschland und in China durchgeführt. Insgesamt wurden 200 deutsche und 568 chinesische Teilnehmer befragt. Ein interessantes Ergebnis: In beiden Ländern waren etwa die Hälfte der Befragten, die aktuell Fleisch essen – in China (53 Prozent) mehr als in Deutschland (46 Prozent) – bereit, ihren Fleischkonsum zu reduzieren. Die Motive dahinter sind aber völlig unterschiedlich: Dominieren in Deutschland ethische Beweggründe, wie Fragen des Tierwohls (33 Prozent) und des Naturschutzes (18 Prozent), ist in China vor allem die Gesundheit (64 Prozent) ausschlaggebend für das Interesse an fleischreduzierter Ernährung. Naturschutz geben nicht einmal zwei Prozent und Tierwohl nur gut sieben Prozent der Befragten aus China als Motiv an. Während in Deutschland reges Interesse an Fleischersatzprodukten besteht, werden in China vor allem Eierspeisen (54 Prozent) als Alternative zum Fleischkonsum betrachtet, während Käse, der von der deutschen Befragten zu 41 Prozent als Fleischersatz favorisiert wird, in China gar keine Rolle spielt.

„In den Modulen ‚Strategische Führung‘ und ‚Digitale Medien‘ konnten unsere Studierenden sich verschiedene aktuelle Themen empirisch erarbeiten. So fördern wir nicht nur die wissenschaftliche Kompetenz, sondern auch die Fähigkeit wissenschaftliche Ergebnisse verständlich aufzubereiten. Aus der Untersuchung lassen sich Tendenzen auf die Motivation der Verbraucher, auf mögliche Unternehmensstrategien in der Ernährungsbranche und auf künftigen Forschungsbedarf erkennen“, so Professor Lutz Becker, Studiendekan des Masterstudiengangs Sustainable Marketing & Leadership (M.A.).

Die Umfrage ist übrigens in der Wirtschaftsethik-Vorlesung entstanden, die ich im Wintersemester 2018/19 durchgeführt habe.

Deutschland 4.0 – Wie die Digitale Transformation gelingt (Rez.)

deutschland_40Zur Digitalen Transformation sind in den letzten Jahren eine ganze Reihe Bücher  erschienen – einige davon habe ich in meinem Blog besprochen: „Dematerialisierung – Die Neuverteilung der Welt in Zeiten des digitalen Darwinismus“ von Ralf Kreuzer & Karl-Heinz Land; Tim Cole  mit „Digitale Transformation. Warum die deutsche Wirtschaft gerade die digitale Zukunft verschläft und was jetzt
getan werden muss!
 – um nur die zu nennen, die Transformation bereits im Titel führen.
Tobias Kollmann (Prof. BWL u. Wirtschaftsinformatik) und Holger Schmidt (Journalist/Netzoekonom) sind seit langem als Speaker und Autoren zu digitalen Themen bekannt. Autoren empfehlen sich mit solchen Titeln als Experten und Berater – hier geht es offensichtlich um Politikberatung. Bereits der Einband kommt schwarz/rot/golden staatstragend daher. Und es geht ausdrücklich um Deutschland als führende Industrienation, die auch in der neuen Digitalen Wirtschaft ein starker Player bleiben soll.
Seitdem Web 2.0 vor einem Jahrzehnt eine ganz Netzepoche prägte, wurden immer wieder Begriffe mit Versionsnummer in den Raum gestellt. Deutschland 4.0 bezieht sich auf Industrie 4.0, ein Konzept, das von den Autoren übrigens kritisch gesehen wird (vgl. S. 166). Industrie 4.0 und davon abgeleitete Begriffe, wie Arbeit 4.0 und Bildung 4.0 gehen auf die von der Bundesregierung eingeleitete Kampagne Zukunftsprojekt Industrie 4.0, Deutschlands Zukunft als Produktionsstandort sichern zurück. „Industrie 4.0 gilt zwar als Zukunftskonzept der deutschen Industrie zur Absicherung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie, ist aber de facto kaum verbreitet“ (nach dem Strukturreport des  Instituts der Deutschen Wirtschaft, s. S. 71).
Das Buch ist sehr strukturiert, übersichtlich gegliedert. Gesellschaft, Technologie, Wirtschaft, Arbeit, Politik – alles 4.0 – sind die Felder von Analyse und Bestandsaufnahme, wobei Wirtschaft und Politik deutlich mehr Raum zugeteilt wird.

die erste Halbzeit der Digitalisierung verpasst

die erste Halbzeit der Digitalisierung verpasst

Die Geschichte ist die: Deutschland hat „die erste Halbzeit der Digitalisierung verschlafen“ (S. 64), v.a. in der Plattformökonomie hat es den Anschluß verpasst. Plattformen sind die Schlüsselstellen zumindest der aktuellen Digitalisierungswelle.
Transaktionsplattformen sind Mittler zwischen Anbietern und Kunden; Innovationsplattformen bündeln die Entwicklung von Technologien/Produkten.
Plattformen bestimmen insbes. die Spielregeln in Konsumentenmärkten und schöpfen den Großteil des Mehrwerts ab. Nicht nur Amazon und Ebay mit ihren Verkaufsplattformen, AirBnb, Uber zählen dazu, Buchungssysteme, Apple’s Plattform für Entwickler und Facebook als Plattform für Medien, auch Datingportale sind weitere Beispiele: Betreiber stellen die Struktur, auf der Angebot und Nachfrage sich in grösstmöglicher und aktuellster Auswahl finden. Branchen wie der Einzelhandel, Reisemarkt, Hotellerie, Medien, Liefer- und Transportdienste u.v.m. wurden längst von diesen Digitalisierungsschüben erfasst. Das ist die digitale Gegenwart.

Digitalisierung greift in die Kernbranchen deutscher Wirtschaft

Die nächste Digitalisierungswelle greift über auf die Kernbranchen der deutschen Wirtschaft und wird auch hier zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor (vgl. S. 69). Für diese zweite Halbzeit gilt: „Wenn Deutschland die Produktionstechnologie- Abteilung der Welt bleibt, dann haben wir viel erreicht. Auf dieses Ziel arbeiten wir hin.“ Ziel sei es, ,,auch künftig die Welt mit Maschinen zu beliefern, die aber intelligent sind„, so Siemens CTO /Russwurm (S.70). Selbstfahrende Autos, intelligente Roboter, aus der Ferne zu steuernde Maschinen, das Internet of Things (IoT), datengetriebene Industrie und 3D- Druck,  SmartHome, Fintech, E-Health sind die Themen. Letztendlich geht es um die digitale Wettbewerbsfähigkeit der klassischen Industrie, des Mittelstandes und von Start-Ups. Das ist die digitale Zukunft.
Im Kapitel Politik 4.0 werden die Anforderungen an die einzelnen Politikfelder – Infrastruktur-, Bildungs-, Wirtschafts-, Arbeits- und Europapolitik – Schritt für Schritt durchdekliniert. Hervorheben lassen sich das Bekenntnis zum Prinzip Netzneutralität, die Einbindung digitalen Wissens in den Bildungskanon, Unterstützung von Start-Ups und die digitale Aktivierung des Mittelstandes, flexible Beschäftigung und die Einbindung in eine europäische Perspektive.
Gegenüber den Ausführungen v.a. zu Wirtschaft und Politik fällt das Kapitel Gesellschaft 4.0 deutlich ab. Die Wechselwirkung von gesellschaftlicher, technischer und wirtschaftlicher Entwicklung, die Transformation gesellschaftlicher Systeme ist wohl ein eigenes Thema. Konzepte wie Networked Sociality und Vernetzter Individualismus kommen nicht vor.
In der bisherigen Resonanz wurde Deutschland 4.0 ziemlich einhellig positiv bewertet. Das Buch enthält in kompakter Form die wesentlichen Themen des Digitalen Wandels. Mit einem 25- Punkte Programm zur Digitalen Transformation schließt das Buch ab.
Ein wenig irritiert die durchgehende 4.0 Rhetorik. Zwar setzen sich die Autoren von Industrie 4.0 ab – doch sind die davon abgeleiteten Begriffe in allen Kapiteln präsent. 4.0 tritt uns auch in zahlreichen Publikation von Bundes- und Landesregierung NRW entgegen, zuletzt ein Weißbuch Arbeiten 4.0.  Der Begriff soll auf eine vierte industrielle Revolution verweisen – und bringt damit jeweils die Fragen mit sich, was denn nur die zweite und die dritte gewesen sei. Ob der Begriff als weitverbreiter Slogan glücklich gewählt ist, ist fraglich.
Manche Leser sehen in Deutschland 4.0. nicht nur eine Betriebsanleitung für Digitale Transformation, sondern gleich eine Bewerbungsgrundlage für regierungsamtliche Aufgaben als Minister oder Staatssekretär für Digitales – man wird sehen …. klausmjan
Kollmann, Tobias & Schmidt, Holger: Deutschland 4.0 Wie die Digitale Transformation gelingt. Springer Gabler, Wiesbaden 2016, 186 S. 24,95 €.
Nebenbei: Wenn auch Titel zur Digitalisierung vornehmlich als gedrucktes Buch verbreitet werden, dann zeigt das die Resistenz des Mediums Buch gegenüber digitaler Transformation an. 

Die vernetzte Kuh

My beautiful picture

Google-Chefökonom Hal Varian bezeichnet die vernetzte Ökonomie auch als kombinatorischen Wettbewerb. Ob Dampfmaschine, Telegraf, Telefon oder Transistoren – immer wieder werden Technologien erfunden, deren Komponenten sich vielfältig miteinander verbinden lassen, um neue Produkte und Dienste hervorzubringen.

„Der Unterschied heute ist, dass diese Möglichkeiten praktisch unbegrenzt sind, denn es gibt keine physischen Grenzen“, so Varian.

Etwa bei der Präzisions-Landwirtschaft – neudeutsch auch Precision Farming genannt.

„Beim Ackerbau wird nicht mehr konstant gedüngt, sondern nur noch punktuell nach dem Bedarf der Pflanzen“, erläutert Antje Krieger, Marketing-Managerin von Agri Con.

So kann über Bodenanalysen der Stickstoff-Bedarf genau ermittelt werden. Die Traktoren ziehen dann über GPS automatisch ihre Bahnen, ohne dass der Fahrer lenken muss. Die Vermessung des Feldes liegt in der Computerwolke.

Die Vorteile skizzierte auch Gerald Maatmann, Jungbauer in der Grafschaft Bentheim. Früher wollte er seine 80 Kühe über Excel verwalten.

„Eine Kuh produziert Daten und die möchtest Du natürlich sofort eingeben. Da musste ich ständig zum Rechner rennen. Das klappt einfach nicht.“

Jetzt setzt er das Programm von der QSX-Datenschmiede ein.

„Unser Lehrling hat die Anwendung auf seinem Smartphone und auch mein Vater. Es läuft auf dem Stallrechner. Man muss keine Updates installieren – einfach anmelden und alles ist da.“

Bei einer Trächtigkeitsuntersuchung der Kühe ist das Smartphone mal in den Gülle-Schacht gefallen.

„20 Kühe hatten wir mit dem Tierarzt schon durch. Im vernetzten Stall gehen die Daten direkt nach der Eingabe in die Cloud. Das Gerät war hinüber, aber meine Daten nicht“, sagt Maatmann.

Der Kuhplaner ist nach den Erfahrungen von Michael Reimers (QSX-Datenschmiede) für viele Landwirte der Einstieg ins Cloud Computing. Er überprüft das Brunstgeschehen und registriert die Besamung. Das System informiert, wann eine Kuh kalbt und zu welchem Zeitpunkt sie trocken gestellt werden muss.

Mit einer digital gestützten und auf das einzelne Tier abgestimmten Fütterung versorgt nach einer Bitkom-Umfrage schon jeder zweite Viehwirt (51 Prozent) seine Tiere. Tierspezifische Daten, etwa zur Bewegung, zum Fressverhalten oder zur Aktivität, können mittlerweile mit einer Vielzahl von Sensoren erfasst werden: Diese nutzen 25 Prozent aller Tierwirte, weitere 11 Prozent planen den Einsatz.

Roboter sind bei acht Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe im Einsatz, vor allem in der Tierhaltung: 12 Prozent setzen auf die Robotertechnik, mit der zum Beispiel der Stall gesäubert oder das Melken tiergerechter durchgeführt werden kann. Drohnen werden erst von vier Prozent der Landwirte und Lohnunternehmer eingesetzt. Mit ihnen können beispielsweise Wiesen vor der Grasernte überflogen werden, um Wildtiere im Feld ausfindig zu machen. Es können etwa Rehkitze aus dem Gefahrenbereich entfernt werden, so dass sie der Mähdrescher nicht erfasst. Knapp jeder zweite Landwirt oder Lohnunternehmer (45 Prozent) erwartet den Durchbruch für die fliegenden Agrarhelfer bis 2030.

World Café – Transformation der Systeme #iw7

Hashtag

Der Fliegende #Hashtag über Köln

Jedes Jahr  im Herbst, in der letzten Oktoberwoche, startet die Internetwoche Köln. Mittlerweile bei Nummer 7 angelangt und diesmal mit dem Untertitel „Das Festival für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft„. Beteiligt sind Akteure der digitalen Szene Köln: StartUps und andere Unternehmen, Hochschulen, öffentliche Einrichtungen, Verbände, Anwaltskanzleien (!) und unabhängige Veranstalter. Insgesamt gibt es unter der Dachmarke Internetwoche Köln >100 Diskussionen, Workshops, Fachvorträge, Netzwerkrunden  und auch ein Frühstück – meist kostenlos, dank Sponsoring und Eigenarbeit der Veranstalter. Auch das Netnocamp im Jahre 2010 fand übrigens im Rahmen der ersten Internetwoche Köln statt.

Am Dienstag, den 25.10. gibt es unter dem Titel Transformation der Systeme – Wie digitaler Wandel Systeme verändert, die unseren Alltag bestimmen“,  eine  „Gemeinschaftsproduktion“ in den Räumen der IHK Köln. „Gemeinschaftsproduktion“ von fünf Experten aus der „Online-Szene“:  Claudia Schleicher (Prozessbegleitung/Facilitating, OpenSpace Methoden), Pirmin Vlaho (Bildung), Gunnar Sohn (Wirtschaftsblogger, Live-Streaming Pionier), Ibo Mazari (Gamification, Digital Signage) und Klaus Janowitz (Netnographie, Digitaler Wandel).

Dass Digitaler Wandel bzw. Digitale Transformation genauso ein gesellschaftlicher und kultureller wie ein wirtschaftlicher und technologischer Prozess ist, ist mittlerweile Allgemeingut. In zahllosen Diskussionen geht es um Veränderungen in der Arbeitswelt, in Bildung und Mobilität, im Handel, den Medien und in den grundlegenden Mustern von Vergemeinschaft und gesellschaftlicher Organisation.
Immer wieder treten dabei eine Reihe von Prinzipien hervor: Konnektivität als Möglichkeit der Verbindung zwischen Menschen, Dingen und Prozessen, Personalisierung als Möglichkeit der persönlichen Zuordnung – oft automatisiert mittels Algoritmen. Schließlich das Matching bei gelingender Verbindung. Ein von uns vertretener Leitgedanke ist dabei das Konzept der Vernetzten Sozialität/Networked Sociality, damit verbunden ist u.a. das Bild eines Neuen Sozialen Betriebssystems. 

Café du monde

Café du monde

Ein solches Thema soll nicht allein mit aufeinander abfolgenden Vorträgen von Experten + Diskussion auf Wortmeldungen abgehandelt werden.
Wir geben Impulse – mit dem Open Space Format World Café beziehen wir die Teilnehmer ein. World Café bietet Gelegenheit, mit den im Raum versammelten Kompetenzen Szenarien zu entwickeln und – gerne auch kontrovers – zu diskutieren.
Zu fünf Themenfeldern (Arbeit, Bildung, Handel, gesellschaftliche Organisation, Netzökonomie, evtl. auch Mobilität) werden Thementische eingerichtet, an denen zu drei jeweils gleichen Fragestellungen Szenarien entwickelt und  Haltungen dazu formuliert werden. Nähere Informationen,  sowie einige Kurzvideos zu den Themenfeldern werden wir einige Zeit vorher auf der Facebook- Seite zum Event veröffentlichen.

Zukunftsforscher (und „Erfinder“ des Megatrend– Konzeptes) Matthias Horx  äußerte sich kürzlich skeptisch zur Zukunftsgläubigkeit der Digitalisierung. Sicherlich ist Digitalisierung nicht der einzige Antrieb der Entwicklung, sie ist verbunden mit anderen Innovationen und langfristigen gesellschaftlichen Entwicklungen und Prozessen. Die Verbreitung des Internet und die Digitalisierung der Medien bietet aber die Infrastruktur durch die solche Entwicklungen wirksam werden. Somit sprechen wir zu Recht von Digitalem Wandel und Digitaler Transformation (zu den beiden Begriffen habe ich im Mai einen Blogbeitrag geschrieben).

iw7_banner-silhouette_rgb_100Wir erwarten einen spannenden Nachmittag und freuen uns auf zahlreiche und engagierte Teilnehmer.
Um frühzeitige Anmeldung wird gebeten – die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Ein Klick auf die nebenstehende Graphik führt zum Anmeldeformular (bitte runterscrollen). Falls Ihr am 25.10. doch verhindert seid, gebt bitte eine Nachricht, so dass andere nachrücken können.

Warum Gunnar Sohn (und alle anderen auch) in Zukunft zur Plattform werden!

Käsekuchen-Diskurs beim Autor

Käsekuchen-Diskurs beim Autor

Medien werden Netzwerke – Netzwerke werden Medien
(und alle anderen werden Medien- und Netzwerk-Plattformen).

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Neue Nachrichten und Gunnar Sohn – das gehörte so zusammen, dass man zu leicht vergass, dass Neue Nachrichten schon immer Plattform und Autoren-Netzwerk war. Jetzt erweitert sich der Kreis der Autoren bzw. des „Autoren-Kollektivs“, so dass ne-na.me endgültig zur Plattform wird.

Dabei entsprach die Logik des Portals schon sehr früh der Zukunft der Medien und der Zukunft der Netzwerke, wie sie sich jetzt erst immer deutlicher abzeichnet. Gerne würde der Autor von Medien oder Netzwerken 4.0 sprechen, aber aus Hommage an Gunnar Sohn soll hier die „4.0“ vorläufig erst einmal nicht weiter thematisiert werden ;-).

Gehen wir lieber ins Konkrete, um so das Paradigmatische an zwei Beispielen zu verdeutlichen:

Beispiel LinkedIn Pulse – Netzwerke, die zu Medien werden!

Noch stärker als das deutsche Pendant hat es LinkedIn mit LinkedIn Pulse verstanden die Kompetenz seiner Netzwerke zu mobilisieren und zum Medien-Portal der neuen Generation zu werden. Damit ist LinkedIn sogar im Vorteil gegenüber Pionieren wie der Huffington-Post, weil die organische Einbindung eines Netzwerk-Mediums in ein Business-Netzwerk enorme Synergien verspricht. Bei Slideshare wurden diese Synergien nur bedingt gehoben, LinkedIn Pulse ist hier aber ein voller Erfolg. Wer jetzt das Szenario in Richtung Microsoft weiter denkt, wird erkennen wie sogar Unternehmensportale zu Medien und Netzwerken werden und nur noch relativ von offenen Netzwerken / Medien verschieden sind. Das wäre nun aber eine ganz eigene Geschichte über die wirkliche kollaborative und kognitiv-kombinatorische Natur der #NextEconomy. Bleiben wir lieber konkret. Die Konvergenz erfolgt nämlich von zwei bzw. diversen Seiten aus …

Beispiel Handelsblatt – Medien, die zu Netzwerken werden!

Nicht immer gehörte das Netzwerk-Denken zur DNA der Handelsblatt-Gruppe in ihrer gesamten Breite, zumindest, was einzelne Geschäftsführerinnen angeht, aber gerade die jüngste Zeit hat gezeigt, wie Medien sich öffnen, so auch das Handelsblatt. Beispielhaft sei hier nur der Wirtschaftsclub genannt. „Eine moderne Wirtschaftszeitung verbindet nicht nur Worte mit Bildern, sondern Menschen mit Menschen“, so Gabor Steingart auf der Top-Seite des Clubs, s. hier! Es bleibt allerdings spannend, ob es tatsächlich gelingen wird, den Club mit den Medium umfassend zu vernetzen oder wir“nur“ eine zweite Manager Lounge wie beim Manager Magazin erleben werden? Das wäre dann mehr Cargo-Kult als echte Transformation und radikales Neudenken der Wertschöpfung. Erst, wenn die Wertschöpfung des Mediums kollaborativ gedacht wird und umfassend Netzwerke einbezieht, ist der paradigmatische Wandel geglückt, der dann auch eine andere Versionsnummer rechtfertigt. Ich vergaß, ich wollte die „4.0“ temporär vergessen 😉

Deswegen sei sie nur ein letztes Mal erwähnt.

Alle – nicht nur Gunnar Sohn – werden Netzwerk- und Medien-Plattform

Auch Gunnars ne-na.me entspricht diesem generellen, unaufhaltsamen Wandel, und so ist Gunnars Erbe nicht nur Just-Another-Plattform, sondern auch irgendwie 4.0 im besten Sinne. ne-na.me – ein Medium, das ein kollaboratives Netzwerk ist, und ein Netzwerk, das ein emergentes Medium ist. Die 4.0 wird ihm vielleicht nicht gefallen, ehrt ihn aber als Pionier dennoch – eigentlich. Damit weist das Sohnsche Beispiel über den Einzelfall hinaus:

Am Ende muss sich jeder überlegen, inwieweit er sich selbst und seinen Kosmos auf sich selbst und seinen Kosmos reduziert (Ego-Paradigma) oder nicht doch lieber dem Beispiel Sohns folgt und in der Überwindung des einengenden Egos sogar an Bedeutung gewinnt und zur Plattform (Eco-Paradigma) wird.

Was sagt – in diesem Sinne –  Obi-Wan im Moment der Selbstüberwindung

Weiterlesen

Mitmachen beim ne-na.me-Kollektiv – Redaktionssystem kurz erklärt

Kollektiverweiterung wäre schön

Kollektiverweiterung wäre schön

Kurze Erläuterung, wie ne-na.me funktioniert. Wer Lust hat, kann hier publizieren. Einfach bei mir melden – also unten einen Kommentar hinterlassen und mir noch ne Mail schicken, damit ich die Einladung über die Admin-Funktion versenden kann.

Plädoyer für dadaistische Algorithmen

Gigerenzer auf der re:publica

Gigerenzer auf der re:publica

Unser Denken ist gehackt. Das meinen zumindest die Programm-Gestalter der Media Convention, die auf der re:publica in Berlin eine Fachrunde zur vermeintlichen Herrschaft der Algorithmen auf die Beine stellten. „Suchmaschinen, Social Media und Big Data-Nudging: Algorithmen haben die Kontrolle über unseren Alltag übernommen. Durch selbstverstärkende Mechanismen versinken wir in der Einseitigkeit unserer Interessen und setzen uns freiwillig der Diktatur der Daten aus. Wir müssen reden. Wie sind wir zu Like-Maschinen geworden, die mediale Monotonie produzieren? Und viel wichtiger: Wie können wir die Kontrolle über den Diskurs wieder zurückholen – und Freiheit und Demokratie sichern?“ Soweit der Anreißer, der auf der Bühne in Stage 5 mit Statistiken untermauert wurde. So ist angeblich zwei Dritteln der Facebook-Nutzer nicht bewusst, dass der Newsfeed auf der Zuckerberg-Plattform von Algorithmen gesteuert wird.

Mehr Kant, weniger Algorithmen

Professor Gerd Gigerenzer, Direktor Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin, rief in seinem Impulsvortrag die Netznutzer deshalb dazu auf, dem Credo des Philosophen Kant zu folgen: Aufklärung ist der Ausweg des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Und die Unmündigkeit besteht bei vielen Menschen darin, sich nicht seines eigenen Verstandes und Wollens zu bedienen. Gefordert sei eine aufklärerische Algorithmen-Kompetenz. Was die algorithmischen Variablen für Wirklichkeitsmanipulationen produzieren, bleibt in der Regel ein Geheimnis der mathematischen Konstrukteure. Dabei versagen die Systeme in schöner Regelmäßigkeit, wenn es um Vorhersagen geht. So ist der beliebteste Showcase, der von jedem Big Data-Heizdeckenverkäufer präsentiert wird, in sich zusammen gebrochen.

Google Flu Trends verschwinden von den Vortragsbühnen

Gigerenzer erwähnt die Google Flu Trends, die in den vergangenen Jahren dramatisch falsch lagen, weil die Suchabfragen keine eindeutigen Korrelationen mehr zuließen. Generell ist es eine Schwäche der Big Data-Algorithmen, reine Korrelationen zu rechnen und keine Kausalitäten.

„Diese Systeme können denken“, so Gigerenzer.

In Momenten, wo etwas Unerwartetes passiert, kommt es zu irreführenden Prognosen.

Besonders fragwürdig und gefährlich wertet Gigerenzer die das so genannte Big Nudging. Also eine Kombination von Big Data mit Nudging-Steuerung. Der Staat versucht, die Bürgerinnen und Bürger in die richtige Richtung zu lenken, ohne gesetzgeberische Hebel anzusetzen.

Die Regierungen in den USA und Großbritannien verfügen über Nudging-Teams, die täglich das volkspädagogische Steuerrad bewegen. Menschen seien einfach nicht in der Lage, Risiken richtig einzuschätzen, so dass sie ein wenig angestupst werden müssen.

Google und die KP-China

Der chinesische Staatsrat hat Nudging mit Big Data verbunden und einen harmlos klingenden „Social Citizens Score“ eingeführt, der über die kommunalen Regierungsvertreter flächendeckend zur Anwendung kommen soll. Basis für die Korrektheitsberechnung ist der Sesame Credit Score der Ant Financial Services Group, einer Tochtergesellschaft von Alibaba. Neben der finanziellen Kreditwürdigkeit kommen Variablen zur Berechnung der sozialen und politischen „Kreditwürdigkeit“ in den Algorithmus des Plattform-Betreibers rein. Die Kommunistische Partei China macht das sehr transparent, so dass jedem Schäfchen des Landes klar ist, was die Parteiführung von „ihrem“ Volk erwartet. Man kann in dem „moralischen“ Dokument der KP nachlesen, was zu einem schlechten Score-Wert führt. Ähnliches hat der ehemalige Google-Chef Eric Schmidt formuliert: Wenn wir etwas tun, was andere nicht wissen sollten, dann sollten wir es besser nicht tun. Gigerenzer verortet erstaunliche Parallelen zwischen Google und der KP China.

Donald Trump-Katalysator

Man könnte auch von einem Maschinen-Paternalismus sprechen, der indirekt Konformität und vorauseilenden Gehorsam produziert. Die Paneldiskussion auf der re:publica flachte dann etwas ab und reduzierte die Problematik auf den Nachrichtenkonsum. Die Personalisierung von Feeds führe zu einem verengten Weltbild, objektive Wirklichkeitszugänge werden erschwert, die Wahrnehmung von Realität verändere sich blablabla.

Nachrichtenselektion ist ein altes Thema und funktionierte in Zeiten der massenmedialen Gatekeeper perfekter. Gigerenzer selbst brachte dafür ein eindrückliches Beispiel. So investierte der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump lächerliche zehn Millionen Dollar für klassische Fernsehwerbung. Die freiwillige Sendezeit der TV-Anbieter brachte dem reaktionären Parolenschwinger einen Gegenwert von 1,9 Milliarden Dollar. Die TV-Filterblase ist wohl der wichtigste Katalysator für den Konkurrenten von Hillary Clinton. Die Pluralität der Quellen ist wichtig und dadaistische Algorithmen, die den paternalistischen Erziehungs-Algorithmen das Wasser abgraben.