Breitband-Politik in Deutschland: Wir wollen, wir werden, es gilt, es muss, wir möchten, es soll

Wo sind die Superkräfte für schnelles Internet?

Wo sind die Superkräfte für schnelles Internet?

Es mangelt der Beamten-Elite in den Ministerien und dem politischen Führungspersonal in Berlin an der Einsicht, die digitale Infrastruktur auf ein wettbewerbsfähiges Niveau zu heben. Erst ab einer Downloadrate von 30 Megabit pro Sekunde könne man von Breitband sprechen, so der Technologieexperte Roman Friedrich. In deutschen Ministerien seien diese Zusammenhänge schlichtweg nicht bekannt:

„Man ist stolz darauf, dass wir zwei Megabit haben. Was helfen uns zwei Megabit? Der Markt geht woandershin“, kritisierte Friedrich schon vor ein paar Jahren.

Die Breitband-Bräsigkeit in deutschen Landen erleben wir jede Woche aufs Neue, wenn wir Experten in unsere Sendung einladen und frustriert konstatieren, in welch schlechter Qualität viele Livestreaming-Übertragungen laufen. Das liegt nicht an uns, nicht an Google und nicht an unseren Gästen, es liegt an der Ignoranz der Bundesregierung beim Ausbau eines schnellen Internets. Wir wollen, wir werden, es gilt, es muss, wir möchten, es soll.

Die Inflation der Unverbindlichkeiten im „Vertrag“ der Großen Koalition zur digitalen Agenda wird zielgerichtet mit „geeigneten Maßnahmen“ verfolgt wie ein Wackelpudding, den man an die Wand nagelt. Was Unionsparteien und SPD für die digitale Infrastruktur in Deutschland planen, knüpft nahtlos an die Bund-Online-Projekte der vergangenen Jahre an: Sie wurden zu Tode verwaltet.

Fehlgeburten mit Lutschpastillen-Wirkung, die mangels zentraler Zuständigkeit und politischem Nachdruck in den verschiedensten Ressorts mit minimaler Sauerstoffzufuhr am Leben erhalten werden. Ab und zu erfährt der Netz-Patient eine Reanimation, bevor er seine letzten Bits und Bytes aushaucht. Jeder Geschäftsbereich hat irgendetwas zur digitalen Agenda in das Koalitionspapier hineingekritzelt, um es mit fetten Budgets und Planstellen auszustatten – verfeinert mit Kompetenz-Zentren, in denen sich Verwaltungsjuristen austoben können. Besonders eifrig ist die CSU bei der Aufrüstung der Sicherheitsbehörden im sogenannten „Cyberkrieg“. Da lässt man es so richtig krachen – mit neuem Personal, lukrativen Berateraufträgen und einer opulenten Einkaufsliste für das Beschaffungsamt.

Die Horror-Märchen von der drohenden Netz-Apokalypse bringen zwar kein schnelles Internet und stellen keine Weichen für die digitale Transformation, sie nähren aber ein Kartell von hochbezahlten Sicherheitsberatern und Softwarefirmen, um sich gegenseitig Gruselgeschichten über Killerviren zu erzählen oder sich in martialischer Pose im Cyber-Abwehrzentrum ablichten zu lassen. Man züchtet ein Biotop mit einer paranoid anmutenden, extrem hermetischen Gedankenwelt, so Thomas Knüwer. Wenn es denn mal im GroKo-Werk konkret zugeht, verschiebt man den Zeitpunkt der Zielerreichung direkt in die nächste Legislaturperiode: „Bis zum Jahr 2018 soll es in Deutschland eine flächendeckende Grundversorgung mit mindestens 50 Mbit/s geben. [Zur Umsetzung dieser Ziele wollen wir die dafür notwendigen privaten Investitionen für den Breitbandausbau um einen Förderbetrag des Bundes in Höhe von einer Milliarde Euro pro Jahr ergänzen.]“

Die eckigen Klammern hätten mich wachsamer machen müssen. Dieser Satz ist in der Endfassung rausgeflogen. Der Journalist Falk Steiner hat noch während der Bundespressekonferenz mit Merkel, Seehofer und Gabriel darauf hingewiesen, dass im Vertrag keine finanziellen Zusagen gemacht werden. Stattdessen will die Koalition nur „rechtliche Rahmenbedingungen“ schaffen, um den Ausbau zu ermöglichen. Bezahlen sollen andere.

Hier wird die digitale Radio-Eriwan-Politik der GroKo am deutlichsten. Um das milliardenschwere Investitionsvolumen für den Ausbau des neuen Mobilfunkstandards LTE und Glasfasernetze aus den Überschüssen finanzieren zu können, müsste es den Netzbetreibern schnellstmöglich gelingen, den zunehmenden Datenverkehr in Umsätze zu verwandeln. Und genau das gelingt nicht. Das Geschäft machen Google, Apple und Co. Wird die Netzneutralität gesetzlich im Telekommunikationsgesetz verankert, wie es im Koalitionsvertrag steht, verharren die Netzbetreiber in ihrer selbst erschaffenen Flatrate-Falle. Deshalb muss der Staat investieren und sogar die verfassungsrechtlichen Grundlagen für die Notwendigkeit eines schnellen Internets schaffen – es geht um ein Gebot der Grundversorgung.

Völlig außer Acht bleibt die Korrelation zwischen Digitalisierung, Netzausbau und Arbeitsplätzen – übrigens auch in der von der Großen Koalition so geliebten Industrie:

„Das Internet der Dinge oder der intelligenten Objekte ist schon lange keine Fiktion mehr. Derzeitig gibt es rund zehn Milliarden Verknüpfungen zwischen Maschinen und Produkten. Bis 2020 liegen wir nach Prognosen von Cisco bei 50 Milliarden Gegenständen. Diesen anschwellenden Datenstrom können wir nur bewältigen, wenn wir bereits jetzt konsequent in den Breitbandausbau investieren. Ansonsten können wir in Deutschland die Früchte unserer Grundlagenforschung und Innovationen der vierten industriellen Revolution nicht ernten“, warnt Udo Nadolski vom Düsseldorfer IT-Beratungshaus Harvey Nash.

Der Technologieexperte Roman Friedrich rechnet in den kommenden vier Jahren mit Wachstumsverlusten, die uns die Große Koalition einbrockt. Die Digitalisierung in Deutschland krankt nach seiner Meinung an einem Wirrwarr von Einzelmaßnahmen. Es versickere jedwede Initiative in irgendwelchen Gremien.

„Da gibt es hier einen Gipfel und dort einen Gipfel. Dann gibt es eine D21-Initiative, die sich tot gelaufen hat. Das Thema Breitband und Digitalisierung hätte es verdient, zur Chefsache erklärt zu werden.“

Selbst die anfänglich eingeplanten vier bis fünf Milliarden Euro würden für den Breitbandausbau nicht ausreichen. Es sei nicht ersichtlich, wie wir den Rückstand in der Digitalisierung mit den Plänen der neuen Bundesregierung aufholen können.

„Es sind Lippenbekenntnisse und keine klaren Ziele. Der Breitbandausbau auf 50 Mbit/s ist noch nicht einmal zu tief gegriffen. Im Gegenteil. Diese Geschwindigkeit benötigen wir für einen modernen Standort. Mit einer entsprechenden politischen Unterstützung ist mehr möglich. Das sehen wir in anderen Ländern“, weiß der Strategy&-Analyst Friedrich.

Die digitale Revolution bezieht sich dabei gar nicht so sehr auf den Konsumenten. Viel entscheidender sei die Anbindung eines jeden Unternehmens an Breitband.

„Um die Wirtschaftskraft vor allem des Mittelstandes zu erhalten, braucht man die digitale Autobahn. Wir können sonst unsere ökonomische Dynamik nicht ausreichend entfalten. Dabei geht es um innovative Geschäftsmodelle, um die richtigen Dienste und um nachfragestimulierende Applikationen. Ohne die entsprechende technologische Grundlage wird das nicht erreichbar sein“, meint Friedrich.

Auch das Märchen von der zu geringen Nachfrage nach schnellem Internet, was von Wirtschaftsforschern im Auftrag der Bundesregierung in die Welt getragen werde, ist nur ein weiterer Beleg für das mangelhafte Verständnis der politischen Akteure für die Relevanz der digitalen Infrastruktur.

„Wir haben schon jetzt Engpässe. Unsere politische Elite und auch viele klassische Wirtschaftsführer verstehen nicht, was zurzeit im Markt passiert. Die digitale Revolution ist mindestens so relevant wie die Energiewende. Jetzt vergleichen Sie mal, wie viel über die Energiewende und wie wenig über Breitbandausbau gesprochen wird. Es gibt ein eklatantes Erkenntnisdefizit.“

Die Prioritäten werden falsch gesetzt, was man an der lärmenden und lächerlichen Maut-Debatte sehr schön ablesen kann. Es ist wohl ein Ding der Unmöglichkeit, in den Köpfen der älteren Politiker ein Umdenken zu bewirken. Es bleibt bei einem idiotischen Gezerre zwischen Bund, Ländern und Kommunen, was ja schon bei der Einführung des Digitalfunks hervorragend geklappt hat. Oder besser gesagt, der Nichteinführung. Neben Albanien sind wir übrigens das einzige Land, das zu einer solchen Mega-Leistung fähig ist. Beim Breitbandausbau und der digitalen Revolution sind die Großkoalitionäre auf einem guten Weg, dem Vorzeigemodell des Digitalfunks zu folgen. Nachzulesen im Kapitel „Jean Paul und das Ideen-Gewimmel mit Hangout on Air – Von virtuellen Bierproben, vernetzten Kühen, Neuland-Gemeinheiten und der Leichtigkeit des Scheiterns“ des Livestreaming-Buches, das am 4. September im Hanser-Verlag erscheint.

Club der Schwarzen Anzüge

Club der Schwarzen Anzüge

Das Arbeitspapier zur Digitalen Agenda, dass die Minister Sigmar Gabriel, Thomas de Maizière und Alexander Dobrindt als Kabinettsvorlage für Mitte August geschrieben haben, ändert an der Inflation der Unverbindlichkeiten und Behördeneitelkeiten gar nichts. Im Gegenteil: Es ist der Beweis für die lähmende Zersplitterung der digitalen Agenda, für die sich kein Ministerium so richtig zuständig fühlt. Für die Beamten ein Lizenz zum Wegschieben der Verantwortung.

Warum der IT-Spitzenverband Bitkom für so ein Papierchen seine Unterstützung signalisiert, ist rätselhaft.

Aber das sind ja nur die Herren in schwarzen Anzügen, die sich auf dem IT-Gipfel so gerne gegenseitig auf die Schulter klopfen.

Siehe auch:

Wie Deutschland hinterhersurft.

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Vom Minenfeld des Lebens und von der Kunst der Verstellung

Das Leben als Tarnung

Das Leben als Tarnung

Zum Mantra des Bloggers Sascha Lobo zählt seine kritische Haltung zur Authentizität. Interessantheit im Internet sei der relevantere Punkt.

„Wie kann etwas authentisch sein in der Netzöffentlichkeit, wenn jedes Medium Inszenierung sein muss. Ich halte Authentizität für eine dramatisch überschätzte Eigenschaft. Im medialen Kontext kann man sie gar nicht darstellen“, so Lobo. Wer von sich behauptet, authentisch „rüber zu kommen“, ist es in der Regel sowieso nicht.

Ratschläge über kluges Verhalten findet man in dem grandiosen Opus „Die schonende Abwehr verliebter Frauen“ von Adam Soboczynski: Das Inhaltsverzeichnis wirkt schon programmatisch. „Niemals perfekt scheinen“, „Auszuteilen verstehen“, „Einzustecken wissen“, „Witz zeigen“, „Vertrauen erzeugen“, „Mit Bildung glänzen“, „Einen Kompromiss vortäuschen“, „Höflichkeiten austauschen“, „Peinlichkeiten verkraften“, „Sich selbst belügen“, „Dünn sein“, „Über Bande spielen“, „Seine Meinung ändern“. Soboczynski wandelt auf den Spuren von Baltasar Gracián. Der spanische Jesuit lebte in der „Goldenen Zeit“. Er leitete das Jesuitenkolleg von Tarragona, predigte in Valencia und diente als Feldkaplan in der Schlacht von Lérida.

Den Stoff seiner aphoristischen Schreibkünste lieferte die Grunderfahrung, dass die Wahrheit nicht ohne Waffnung durchdringt. Da das Leben seinen Kampfcharakter vollständig entfaltet, reduziert sich die ganze Moral auf die taktischen Regeln zur Behauptung inmitten einer allgemeinen Bedrohtheit.

„Man muss sich selbst zum Regisseur seines Mythos machen und sich durch Unfassbarkeit und Unnahbarkeit der indiskreten Einschätzung entziehen, die alles sofort herabwürdigt und einebnet.“

Soboczynski hat aus den listenreichen Zeilen von Gracián ein Handbuch der Inszenierung, der Maskerade und des strategischen Handelns komponiert:. „Nie sind wir bei uns selbst“, heißt es da, „die Schöpfung, seit wir den Sündenfall erlitten, ist reines Welttheater.“

„Es mag Menschen geben – Soboczynski nennt sie Anhänger des ‘alten Wahrhaftigkeitskults’ –, die derlei als Propaganda für die Falschheit missbilligen. Doch folgt man dem Autor, so verkennen diese vermeintlich Aufrechten nicht nur das Wesen des Menschen, sondern auch eine ehrwürdige philosophisch-literarische Tradition: die alteuropäische Moralistik. Baldassare Castiglione und Niccolò Machiavelli, die im 16. Jahrhundert kanonisch festschrieben, wie sich ‚Hofmann’ und ‚Fürst’ am klügsten zu verhalten haben, werden zitiert; wir begegnen Montaigne, La Rochefoucauld und vor allem dem spanischen Jesuiten Baltasar Gracián (1601–1658)“, so René Aguigah in der Zeitschrift Literaturen.

Soboczynski schreibt dazu:

„Was ist das Leben? Es ist ein Minenfeld. Was die Verstellung? Bedingung unseres Aufstiegs. Was ist die Liebe? Die schönste aller Täuschungen.“

Kapitel 12 heißt „AUSZUTEILEN VERSTEHEN“. Man sollte die Schwächen anderer erkennen.

„Wie irritiert reagieren eitle Menschen, wenn ihre Schönheit angezweifelt wird! Wie empfindlich berührt sind die sich intelligent Wähnenden, werden sie ihrer gedanklichen Beschränktheit überführt! Und die Stolzen, wenn sie ungeschickt sich zu verhalten genötigt sehen! Jeder Mensch hat eine Stelle, die besonders angreifbar ist, sie zu erspähen zeugt von Klugheit“, führt Soboczynski aus.

Agieren sollte man dabei als Einzelkämpfer, denn es gibt kaum mehr den Komplott, der von mehreren, durch eine gemeinsame Absicht vereinte Komplizen ausgeführt wird. Die Netzwerke seien heute weitaus labiler und wechseln beständig ihre Mitglieder, als dass sich mit ihrer Hilfe ein Plan schmieden ließe.

Eine wichtige Lebensweisheit steht in Kapitel 23: „ANDERE IN RAGE BRINGEN“. Das liegt auf der Hand und braucht nicht näher erläutert werden, denn so gut wie jeder ist hässlich, der sich aufregt. Essentiell ist auch das Kapitel 19: „MIT BILDUNG GLÄNZEN“.


Hapert es mit der Bildung, sollte man sich zumindest einen kleinen Katalog kluger Sätze erstellen, damit man in Gesellschaft glänzen kann. Da hilft der Band von Pierre Bayard:

„Wie man über Bücher spricht, die man nicht gelesen hat“. Die liebwertesten Gichtlinge der Netzöffentlichkeit könnten auch einen Rat von Gracián beherzigen: „Nicht aus Besorgnis, trivial zu sein, paradox werden.“

Und generell sollte man zwischen dem Wissen und der Anwendung von Klugheitslehren unterscheiden. Häufig reicht es schon, Muster der Verstellung, Inszenierung und Theatralik zu erkennen, um Lebenssituationen richtig zu beurteilen. Man kann auch durch bewusstes Nicht-Handeln eine indirekte Wirksamkeit erzielen.

Vine-Parade: Produktionen mit Darth Vader, Lego und Co.

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Vine Studio Vine Studio

Anregungen bekommt Ihr übrigens beim #vinewalkde – findet alle sechs Wochen statt. Und natürlich bei den Workshops, die Vine-Meister Franz-Josef Baldus anbietet.

Also mach Deinen eigenen Godzilla-Film mit der Vine-App 🙂

Man hört und sieht sich beim nächsten Vinewalkde.

Siehe auch:

„Twitter muss einfacher für Neueinsteiger werden“

Twitter-Themen deutscher Journalisten.

Vine in der Nachrichtenbranche – 5 Beispiele.

Vine update mit Loop Zähler.

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Wirtschaftsembargo gegen Russland: Warum man stets in den gleichen Abgrund springt

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Alte Arbeit wieder aktuell Alte Arbeit wieder aktuell

Über die zweifelhafte Rolle von USA und NATO beim Bürgerkrieg in der Ukraine habe ich mich bereits ausführlich geäußert. Nur zur Erinnerung: Die Tatsache, dass der russische Präsident ein autokratisches Arschloch ist, der die Menschenrechte als Wegwerf-Ware betrachtet, macht nicht automatisch das Handeln des westlichen Militärbündnisses und der USA in den internationalen Konflikten seit dem Fall des Eisernen Vorhangs besser.

Warum wurde die NATO eigentlich nicht aufgelöst, wie der Warschauer Pakt? Warum nehmen die EU-Staaten die sicherheits- und außenpolitischen Belange nicht selbst in die Hand? Warum steht in Paragraf 7 des EU-Assoziierungsabkommens mit der Ukraine ein Passus zur militärischen Zusammenarbeit und Konvergenz mit dem Westen – also mit der NATO, da die EU kein eigenes Verteidigungsbündnis hat?

Auf der Suche nach neuen Gegnern

Schon nach dem Ende des Kalten Krieges und der Auflösung des Warschauer Paktes als östliches Militärbündnis gab es massive Bewegungen in der NATO…

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Hannes Schleeh neuer Geschäftsführer des Existenzgründerzentrums in Ingolstadt

Hannes Schleeh auf dem IT-Gipfel bei der Übergabe des Rundfunkstaatsvertrag-Reformpapiers an den damaligen Bundeswirtschaftsminister Rösler

Hannes Schleeh auf dem IT-Gipfel bei der Übergabe des Rundfunkstaatsvertrag-Reformpapiers an den damaligen Bundeswirtschaftsminister Rösler

Ab 1. Oktober 2014 wird Bloggercamp.tv-Kollege Hannes Schleeh die Geschäftsführerstelle im Existenzgründerzentrum Ingolstadt übernehmen. Die derzeitige Geschäftsführerin Manuela Leinfelder wird sich in Zukunft verstärkt familiären Aufgaben widmen.

Schleeh ist verheiratet, hat zwei Kinder und wohnt in Aresing bei Schrobenhausen. Geboren und aufgewachsen in Erlangen. Nach einer Ausbildung in der Gastronomie arbeitete er unter anderem für Adidas, BASF und war Assistent von Gerd Käfer in München. Danach folgte ein BWL-Studium an der Fachhochschule in Ludwigshafen und der University of the West of England in Bristol. Von 1997 bis 2011 Stellvertreter des Geschäftsführers der Maschinenringe Deutschland GmbH in München und Neuburg, die Schleeh maßgeblich mit aufbaute. In den vergangenen drei Jahren folgten Beratungsprojekte bei Unternehmen, Verbänden und Brancheninitiativen.

Schon in den 90er Jahren erkannte er die Relevanz der Internets. Seine Expertise liegt bei der digitalen Transformation von Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft. Er verfügt über ein weitverzweigtes Netzwerk und hat sich als Medien-Experte für Livestreaming-Formate im Internet profiliert.

Buch für die TV-Autonomen

Buch für die TV-Autonomen

Am 4. September 2014 erscheint im Hanser Verlag das Fachbuch mit dem Titel “Livestreaming mit Hangout on Air”, das er zusammen mit dem Bonner Wirtschaftspublizisten Gunnar Sohn geschrieben hat. Zusammen mit Sohn produziert und moderiert er Internet-Sendung Bloggercamp.tv.

Schleeh kennt sich in der Gründerszene aus und hat Kontakte zu Inkubatoren in Berlin und Köln. Als Referent der IHK München hat er schon mehrfach Workshops für Existenzgründer in Ingolstadt gehalten. Er liebt es, jungen und älteren Unternehmensgründern gleichermaßen als Sparringspartner sowie Ideenlieferant zu helfen. Seine Begeisterung für die Gründerszene und langjährige Erfahrungen in der Wirtschaft haben ihn bewogen, sich auf die Position des Geschäftsführers im Existenzgründerzentrum (EGZ) Ingolstadt zu bewerben.

Schleeh will als neuer Geschäftsführer die bewährte Arbeit seiner beiden Vorgänger erfolgreich weiter führen und auf diesem soliden Fundament aufbauen. Mit neuen Ideen und in enger Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen der Region 10 sollen viele neue Firmen, Arbeitsplätze und neue Umsatzquellen für die Region rund um Ingolstadt aktiviert werden. Mit kreativen Veranstaltungsformaten, Wissensaustausch, Netzwerk-Treffen, Experten-Foren, Beratungsangeboten, Workshops und dem Dialog mit der Öffentlichkeit will Schleeh viele Anreize für den Weg in die Selbständigkeit bieten. Das EGZ Ingolstadt soll mehr denn je ein Leuchtturm für Gründer sein.

Bloggercamp.tv-Sendung werden wir gemeinsam weiterführen, allerdings mit anderen Sendezeiten. Info folgt in den nächsten Wochen.

Gespräche und Intuition statt Marketing-Hohlheiten: Schielt nicht auf die proaktiven Zahlenspielchen der Excel-Exegeten @monitoringmatch

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Hohl kann durchaus schön sein Hohl kann durchaus schön sein

Unternehmen sollten viel häufiger den Versuch wagen, einfach nur mit ihren Kunden ins Gespräch zu kommen, sie von Produkten und Diensten zu überzeugen, Kritik nicht als feindlichen Angriff zu werten, Anregungen zur Verbesserung der Angebote zu nutzen und Servicewünsche direkt ohne Warteschleifen-Bürokratie zu erfüllen. Wie in der Kneipe oder im Café, wenn man mit Bekannten, Verwandten oder Freunden zusammensitzt. Niemand würde dort von „multifunktionalen Servicemitarbeitern“, „intermodularen Potenzialen“, „multifokussierten Prozessen“ und „proaktiven Content-Strategien“ fabulieren, die Roland Kaehlbrandt als unfreiwillige Humorproduktion wertet. Die abstruse Überhöhung von Nichtigkeiten und Leerformeln ist nach Ansicht des Sprachkritikers in der Wirtschaft besonders ausgeprägt. Nachzulesen in der brandeins-Story: „Lachen? Oder weinen? Unternehmen produzieren jede Menge Komik – unfreiwillig“.

Positive Lehrbeispiele für die Kommunikation von Unternehmen liefern Crowdfunding-Kampagnen, wo man um jeden Unterstützer kämpfen muss, jeden Schritt des Projektes erläutert, damit die Community nicht auseinanderfliegt.

Es wäre ja schon mal ein großer Fortschritt…

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Finnish Weird: Phantastisches aus Finnland @Book_Fair

Drei Mumien im Baum oder so ähnlich

Drei Mumien im Baum oder so ähnlich

Nordische Mythologie gepaart mit beißendem Humor samt einer Prise Grusel – dies zeichnet die junge, etwas eigenwillige Fantasy-Literatur Finnlands, dem diesjährigen Gastland der Frankfurter Buchmesse, aus. In Finnland wird diese Literaturrichtung als eigene Gattung unter dem Label „Finnish Weird“ geführt.

Aufgrund der vergleichsweise späten Entstehung einer fiktionalen Literaturgeschichte kennen junge finnische Autoren keine Genregrenzen oder Schreibtraditionen. Dadurch konnte ein wunderlicher Mix aus Science-Fiction, Fantasy, Horror, Surrealismus und mehr entstehen, der eine Hommage an finnische Folklore und Mythen darstellt. Eine Trennung der Gattungen wird von vielen finnischen Autoren als restriktiv und unnötig angesehen. In Anlehnung an die mit „Nordic Noir“ bezeichneten skandinavischen Krimis kreierte die finnische Science Fiction- und Fantasy-Autorin Johanna Sinisalo im Jahr 2010 den Begriff „Finnish Weird“ (weird steht im Englischen für bizarr, seltsam, eigenartig), um gerade diesem skurrilen Mix verschiedenster phantastischer Genreelemente in der finnischen Literatur einen Namen zu geben.

Im Ansatz kann „Finnish Weird“ mit der sogenannten „Speculative Fiction“ aus dem anglo-amerikanischen Sprachraum verglichen werden. Als stilistisches Paradebeispiel gilt Johanna Sinisalos Buch Troll: Eine Liebesgeschichte, das in Finnland im Jahr 2000 erschienen ist und zu einem Boom fiktiver Erzählungen führte. Seit dem begeistern sich immer mehr Leser für Literatur, die auf das skurrile Potpourri zurückgreift und unter „Finnish Weird“ zusammengefasst wird.

Nicht selten bewegen sich die Geschichten in realistischen Umgebungen, sind auf gewisse Weise jedoch bizarr in ihren eigentümlichen Wendungen, sodass sie sich klar von der traditionellen Erzählweise abgrenzen. „Fantastische Figuren, die nordische Sagenwelt, Mythologie und bizarre Erzählstränge bilden wichtige Elemente dieser fiktiven Literatur – eben ganz ‚Finnish Weird‘, so Maria Antas, Literaturexpertin und Leiterin des literarischen Programms Finnland.Cool. – Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2014.

Johanna Sinisalo gestaltet „Finnish Weird“ als Verbindung von nordischer Mythologie, Verweisen auf etablierte finnische Literatur und beißendem Sarkasmus. Getreu der Genrevielfalt steht bei ihr die Geschichte an erster Stelle. Häufiges Motiv und Ort der Handlung ist die Natur, in der viele Finnen Entspannung und Erholung vom Alltag suchen. Durch „Finnish Weird“ wird diesem natürlichen Schutzwall etwas Mystisches mit einer subtil bedrohlichen und düsteren Atmosphäre zugeschrieben.

Ähnlich „weird“ ist Emmi Itärantas Roman Der Geschmack von Wasser, der im September 2014 bei dtv in der Reihe Hanser erscheinen wird. Aufgrund einer Wasserknappheit flüchtet die Protagonistin Noria in eine Höhle und findet eine geheime Wasserquelle, in dessen Folge das eigentlich rettende Kleinod im übertragenen Sinne zur Bedrohung für das Mädchen wird. „Eine der wichtigsten Aufgaben von Fiktion ist es, die Welt in einem anderen Licht zu zeigen“, sagt die junge Autorin, der ihr Durchbruch in Finnland 2011 mit Der Geschmack von Wasser gelang.

Selbst Autoren, die bisher keine phantastischen Aspekte in ihre Bücher einfließen ließen, versuchen sich immer öfter an mystischen Elementen und phantasievollen Geschichten. Neben den aufgelösten Genregrenzen vermischen sich dadurch alte Schreibgewohnheiten mit neuen Stilen und brechen auf diese Weise tradierte Muster. Die individuelle Gewichtung der verwobenen Gattungen ermöglicht den Autoren nahezu unbegrenzte Gestaltungsvielfalt. Miikko Oikkonen und Pasi Ilmari Jääskeläinen sind weitere vielversprechende Autoren des einzigartigen Genres. Gemeinsam mit Emmi Itäranta und Johanna Sinisalo werden sie auf der Frankfurter Buchmesse „Finnish Weird” präsentieren und mit dem Publikum eine Achterbahnfahrt quer durch die phantastischen Genres aus der Feder von einzigartigen Autoren unternehmen.