Jeder Zweite hat ein Smarthone: Wettlauf zwischen Apple und Samsung

Smartphone statt Handy

Die Verbreitung von Smartphones und Tablet-PCs nimmt weiter stark zu – mit gravierenden Auswirkungen auf den Hersteller-Markt. Das zeigen die Ergebnisse der aktuellen Allensbacher Computer- und Technik-Analyse (ACTA) auf Basis von rund 8.700 persönlich-mündlichen Interviews.

Gut 10 Jahre nach der Durchsetzung des Mobiltelefons in der bundesdeutschen Bevölkerung löst das Smartphone herkömmliche Handys immer mehr ab. Seit 2010 nutzen rund 95 Prozent ein Mobiltelefon. Von diesen verfügte aber vor drei Jahren nicht einmal jeder Zehnte über ein Smartphone, heute hat etwa jeder Zweite aus dieser Gruppe ein Gerät mit größerem Display, Touchscreen und Internetanbindung zur Verfügung.

Vom Smartphone-Boom profitieren vor allem die Hersteller Apple und Samsung. Sie konnten erneut Marktanteile hinzugewinnen, während Nokia, Sony (Ericsson) und Motorola weiter Marktanteile verlieren. Von den 14- bis 69-jährigen Smartphone-Nutzern haben heute 41 Prozent ein Modell von Samsung, gefolgt von Apple mit 28 Prozent. Lediglich sieben Prozent haben ein Smartphone von Nokia, dem einstigen Weltmarktführer bei herkömmlichen Handys. Ob Microsoft das ändern wird?

Tablet-Boom

iPadApple und Samsung dominieren auch den Tablet-Markt, der zur Zeit die größte Dynamik aufweist. Nutzten vor zwei Jahren erst 1,2 Millionen Bundesbürger im Alter von 14 bis 64 Jahren einen Tablet-PC, sind es aktuell schon 6,4 Millionen – ein Anstieg um rund 430 Prozent binnen zwei Jahren.

Und das Wachstum dürfte sich weiter fortsetzen. Denn in den kommenden zwei Jahren planen weitere mehr als sechs Millionen Verbraucher die Anschaffung eines Tablets. Dabei zeichnet sich ab, dass Apple von diesem Wachstum wohl weniger profitieren wird als Samsung. Bezogen auf die gesamte Bevölkerung im Alter von 14 bis 69 Jahren planten 2011 noch 4,7 Prozent den Kauf eines iPads, nur 0,3 Prozent zogen den Kauf eines Samsung Galaxy Tabs in Betracht. Inzwischen liegen Samsung und Apple bei den Kaufplänen fast gleichauf, mit unvermindert großen Wachstumsraten für Samsung und einem leichten Rückgang für Apple im Vergleich zum Vorjahr. 5,4 Prozent der 14- bis 69-Jährigen planen in den kommenden zwei Jahren den Kauf eines iPads, 4,2 Prozent den Kauf eines Samsung Galaxy Tabs.

Samsung legt bei Markenwahrnehmung zu

Apple und Samsung zählen heute zu den Technik- und Internetmarken mit praktisch uni- versellem Bekanntheitsgrad und Spitzenwerten bei der Sympathie- und Qualitätseinschätzung. Dass die Markenwahrnehmung von Samsung heute gleich positiv oder in Teilen so- gar besser ist als die Markenwahrnehmung von Apple, verdankt Samsung einer kontinuierlich verlaufenden, deutlichen Verbesserung des Markenimages in den vergangenen Jahren. Beide Marken profitieren zudem von der Ausweitung der Kreise, die als Nutzer eines Smartphones oder Tablets von Apple oder Samsung ihre Marke besonders positiv bewerten. 59 Prozent der 14- bis 64-Jährigen, die Apple kennen, schreiben Apple eine hohe Qualität zu; bei Samsung sind es mit 55 Prozent kaum weniger. Während sich die Qualitätsanmutung von Apple in den letzten zwei Jahren auf hohem Niveau stabilisiert hat, konnte Samsung seine Qualitätswahrnehmung in der Bevölkerung von 39 Prozent auf nun 55 Prozent deutlich steigern.

Bei der Markensympathie hat Samsung Apple sogar schon überholt. Von den 14- bis 64- Jährigen, denen die jeweilige Marke bekannt ist, finden inzwischen 58 Prozent Samsung sympathisch, vor zwei Jahren waren es erst 43 Prozent. Bei Apple ist dagegen ein leichter Rückgang von 52 Prozent im Vorjahr auf 50 Prozent zu verzeichnen, den gleichen Wert wie 2011.

Alles nachzulesen in der diejährigen Allensbacher Computer- und Technik-Analyse (ACTA).

Digitale Transformation setzt IT-Abteilungen unter Druck

IT als Innovator

Um die digitale Transformation ihrer Geschäftsmodelle erfolgreich zu bewerkstelligen, sind starke IT-Organisationen, die sich als Dienstleister und Innovatoren positionieren, gefragter denn je. Allerdings sind die Ziel- und Steuerungssysteme der meisten IT-Abteilungen nach einer Studie der Analysten von Pierre Audoin Consultants (PAC) nicht dafür ausgelegt, diesem Anspruch gerecht zu werden.

Die in vielen Unternehmen anstehende digitale Transformation hat die Diskussion um die Rolle interner IT-Organisationen neu entfacht. Entsprechend wachsen die Ansprüche an die Geschäftskompetenzen der IT-Führungskräfte – etwa für Cloud Computing, Social Media, Mobile Business oder intelligente Datenanalysen.

IT-Organisationen müssten ihre Daseinsberechtigung unter Beweis stellen, „die im Zuge der Outsourcing-Diskussion häufig angezweifelt wurde“, sagt PAC-Analyst Andreas Stiehler. Dazu müssten sich IT-Abteilungen jedoch als echte Dienstleister und Innovationsmotoren profilieren.

Wichtig seien dabei Parameter wie Service-Qualität, End User Experience und die Steigerung des Unternehmenswertes. Doch von dem Leitbild der IT als Innovationsmotor sind die meisten IT-Organisationen laut der PAC-Studie weit entfernt.

IT zur Kostenstelle degradiert

Die meisten IT-Abteilungen in deutschen Unternehmen würden sich auch heute noch eher als Kostenstelle präsentieren, deren Aktivitäten darauf gerichtet sind, eine hohe Verfügbarkeit und Kosteneffizienz im IT-Betrieb zu gewährleisten, betont Stiehler. Die Optimierung von Geschäftsprozessen oder die Förderung geschäftlicher Innovationen rangieren dagegen bei den selbstgesteckten Entwicklungszielen erst ganz am Ende der Skala.

Der PAC-Analyst benennt die Folgen einer passiven Ausrichtung:

„Fühlen sich die Fachbereiche von der internen IT nicht angesprochen, nehmen sie eben selbst das Heft des Handelns in die Hand.“

Selbst bei traditionellen IT-Domänen wie der Entwicklung von IT-Lösungen für die Fachbereiche sitzt die IT in der Mehrheit der Unternehmen zwar mit am Tisch, ist aber nicht mehr Hauptentscheider oder Projektleiter. Bei der Gestaltung von Geschäftsprozessen oder Innovationen hat die interne IT allenfalls eine beratende Funktion.

Wildwuchs-Gefahr

PAC hält diese Entwicklung für riskant: IT-Wildwuchs oder weitere Inseln in der IT als Folge von Einzelinitiativen der Fachbereiche ohne Steuerung durch die IT-Abteilung führen bei der anstehenden digitalen Transformation nur zu suboptimalen Ergebnissen und damit zu einem Verlust der Wettbewerbsfähigkeit. Eine stärkere Einbeziehung der IT in strategische Entscheidungen sei deshalb zwingend erforderlich. Die Initiative müsse allerdings von den IT-Führungskräften ausgehen.

„In den vergangenen knapp zehn Jahren hat man die IT nur unter dem Gesichtspunkt der Kostenreduktion betrachtet“, bestätigt Udo Nadolski vom IT-Beratungshaus Harvey Nash in Düsseldorf.

CIOs seien nur damit beauftragt worden, das vorhandene Rüstzeug zu optimieren und die IT als Dienstleistung so kostengünstig wie möglich bereitzustellen.

„Wenn Mitarbeiter morgens ins Büro kommen, erwarten sie ganz selbstverständlich, dass das Telefon funktioniert. Genauso betrachtet man auch die IT. Notebooks müssen laufen, Netzwerkverbindungen einwandfrei laufen und Applikationen sollten abrufbar sein. Und das Ganze so preisgünstig wie möglich. So können allerdings keine Innovationen oder neue Geschäftsmodelle auf Basis der IT entstehen. Hier erweist sich in der Regel die IT nicht als Antreiber oder Enabler, sondern die Fachabteilungen. Sie geben den Ton an, was als nächstes an Geschäftsmodellen im Markt angeboten wird. Wenn CIOs nicht am Vorstandstisch sitzen, ist das auch nicht verwunderlich“, erklärt Nadolski.

Nicht hinter Server-Farmen verschanzen

Interessant sei die Betrachtung jener CIOs, die sich selbst als Innovatoren sehen.

„Viele von denen haben das Ziel vor Augen, selbst Vorstandschef zu werden. Das ist ein sehr wichtiger Befund“, so der Harvey Nash-Deutschlandchef.

Die große Mehrheit, die sich auf das Management von Servern und auf interne Dienstleistungen beschränken lasse, erleide durch die Verlagerung der IT-Infrastruktur in die Computerwolke einen Kulturschock und fürchtet den Verlust von Einfluss und Kontrolle.

„Es ist aber auch eine Chance, über Cloud Computing sich wieder auf höherwertige Aufgaben zu konzentrieren und den Stellenwert der IT zu verbessern. Man muss sich nicht mehr um die Verwaltung von Server-Farmen kümmern. Das schafft Freiräume für den CIO und seine IT-Abteilung, um innovativ nach vorne zu denken und sich wieder als Business-Enabler im Unternehmen zu profilieren“, resümiert Nadolski.

Intern wie extern gibt es genügend Aufgaben, die Unternehmen bewältigen müssen. So steht nach PAC-Angaben bei 85 Prozent der deutschen Unternehmen die Modernisierung der Arbeitsplätze auf der Agenda – etwa für Vertrieb und Kundenservice. Vielen Organisationen fehlt es allerdings an einer hinreichenden Strategie.

„Der Modernisierungsbedarf erstreckt sich bei vielen Unternehmen über alle Ebenen – von den Endgeräten über Infrastruktur und Anwendungen bis hin zum Management der Workplace-Technologien“, bestätigt Christian Fron, Geschäftsführer von DeTeWe in Berlin.

Neben den Büroarbeitsplätzen müssten immer mehr mobile Endgeräte und Anwendungen sowie eine steigende Anzahl an Home Office-Arbeitsplätzen ausgestattet und administriert werden. Für System-Integratoren ein breites Aufgabenfeld.

Dazu: Die Transformation ist in vollem Gange, aber die Technologie ist veraltet.

Link zum Herunterladen der IT-Studie von PAC.

PAC-Studie Workplace.

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Anschwellende Daten: Warum die Industrie schnelles Internet braucht

Vernetzte Welt

In den nächsten vier bis fünf Jahren erwartet das Düsseldorfer IT-Beratungshaus Harvey Nash hohe Daten-Wachstumsraten vor allem bei der Kommunikation zwischen Maschinen in allen seinen Ausprägungen. Also die automatische Verbindung zwischen Komponenten, weitestgehend ohne menschlichen Einfluss.

Harvey Nash-Chef Udo Nadolski sieht hier die nächste Welle von Datenvolumina, die auf die Netze zurollen. Das Problem sei die Kumulation der Datenmengen. “

Und da geht es auch um die letzte Meile der Netze, weil immer mehr der private Nutzer eingebunden wird. Das betrifft Angaben zum Energieverbrauch, die Vernetzung des kompletten Haushalts und dergleichen mehr. Hier brauchen wir dingend Lösungen. Ich nenne nur das Stichwort ‚Breitband auf der letzten Meile’“, sagt Nadolski im http://www.ne-na.de-Interview.

Deshalb benötige die Industrie schnelles Internet:

„Das Internet der Dinge oder der intelligenten Objekte ist schon lange keine Fiktion mehr. Derzeitig gibt es rund zehn Milliarden Verknüpfungen zischen Maschinen und Produkten. Bis 2020 liegen wir nach Prognosen von Cisco bei 50 Milliarden Gegenständen. Diesen anschwellenden Datenstrom können wir nur bewältigen, wenn wir bereits jetzt konsequent in den Breitbandausbau investieren. Ansonsten können wir in Deutschland die Früchte unserer Grundlagenforschung und Innovationen der vierten industriellen Revolution nicht ernten“, resümiert Nadolski.

Fortschritt brauche die entsprechende Infrastruktur, damit er nicht abgewürgt wird.

“Wir geben uns keine Mühe, um an der Spitze dabei zu sein. Die Digitalisierung von Wirtschaft, Gesellschaft und Politik hat in Deutschland keinen hohen Stellenwert. Bei der Politik erstaunt mich das nicht. Aber die Industrie müsste doch stärker auf den Putz hauen”, fordert bwlzweinull-Blogger Matthias Schwenk.

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Manifeste gegen digitalen Feudalismus schreiben

Google hatte frühzeitig den Instinkt, Plattformen und Netzwerke zu schaffen, statt Inhalte zu kaufen oder zu produzieren – das gilt aber nur für die Technologie. Die Unternehmenskultur nach außen sieht anders aus, wie man am Umgang mit der YouTube-Szene erkennen kann. Auch die rüde AGB-Politik von Google spricht eine andere Sprache. Deshalb ist es vielleicht auch ein Irrweg, die Geschäftsmethoden des Mountain-View-Konzerns zu kopieren.

Unendlich viel wichtiger als die nächste stirnfaltige Beschwerde über die liebwertesten Gichtlinge von Google & Co. wäre es, über die Schaffung eines wirklich intelligenten und dezentralen Netzes nachzudenken, fordert der Systemingenieur Bernd Stahl vom Netzwerkspezialisten Nash Technologies in Stuttgart. Das nötige Geistkapital sei in der deutschen Forschungslandschaft vorhanden, um Google nicht hinterherlaufen zu müssen.

„Mein Traum ist ein sogenannter Social Media Dial Tone. Darüber ist noch nicht viel gesprochen worden. Einen Dial Tone kennt jeder von uns aus dem Telefon – es geht um den Wähl-Ton. Er garantiert den ständigen Zugriff auf Dienste, unabhängig vom Operator und vom Aufenthaltsort meines Kommunikationspartners sowie ohne Ausfälle, die bei Skype, Twitter, Facebook oder Apps an der Tagesordnung sind. Beim Social Media Dial Tone stürzt nichts ab. Keine Mehrfachkonten. Keine separaten Social-Media-Inseln. Ein Access. Ein View. In alle Netze. Semantisch angereichert. Sozusagen unter einer Haube. Wieso muss der Entwickler-Wildwuchs dem Internet-Nutzer eins zu eins zugemutet werden? Es geht darum, aus sozialen Netzwerken echte Services zu generieren: vernetzt, hochverfügbar, flexibel und unabhängig vom Endgerät“, erläutert Stahl.

Gleiches gelte für die Vernetzung von Cloud-Diensten, die bislang nur als Silos angeboten werden.

Social, Offenheit und Vernetzung sind wichtig. Auch neue Arten des Produzierens in der Cloud und mit der Crowd. Sie haben nur nichts mit den Konzerninteressen von Google oder Facebook zu tun. Deshalb sollte man mehr vorausschauen statt vorhersagen, fordern Dietmar Dath und Swantje Karich in ihrem Buch „Lichtmächte“ (diaphanes Verlag). Also mehr über die Möglichkeiten der Selbstbestimmung streiten und gesellschaftliche Voraussetzungen schaffen, um nicht als informationelle Leibeigene auf der Strecke zu bleiben.

Dath und Karich vergleichen das mit der bürgerlichen Emanzipationsbewegung, die die Stände- und Traditionsgesellschaft überwand. Sie hatten Bilder von sich selbst, von ihrer Selbsterschaffung und Selbstregulierung. Gleiches sei heute vonnöten – im Film, im Netz, in den Künsten, um nicht im digitalen Feudalismus der Silicon-Valley-Giganten zu landen.

Schreiben wir mehr Manifeste. Ausführlich in meiner The European-Kolumne nachzulesen.

Glücklich durch Technik? Über das tägliche Scheitern am Gerät

Heute schon im Flow-Zustand?

Heute schon im Flow-Zustand?

Beim Wechselspiel von Mensch und Gerät geht es um einen Wettstreit, bei dem nie eindeutig gesagt werden kann, wer eigentlich wem dient. Aber nicht nur Versagens-Ängste und die tägliche Plage im Umgang mit Geräten werden als schmerzliche Erfahrung der Moderne empfunden. Der Benutzer ist zudem einem Generalverdacht der Hersteller ausgesetzt. Er ist ein potenzieller Störenfried. Diese Botschaft vermittelt schon die Bedienungsanleitung und spätere Disputationen beim Umtausch der Ware.

Der Benutzer verendet in einer „Zirkulation von Schuldzuweisungen und Unterstellungen“, wie es Jasmin Meerhoff in ihrem Buch „Read me! Eine Kultur- und Mediengeschichte der Bedienungsanleitung“ ausdrückt.

Schuldig ist nicht das Gerät, sondern der Kunde, der es bedient. Die Über- und Unterordnung zwischen Gerät und Benutzer werden über zahlreiche Ge- und Verbote, Vorsichtsmaßnahmen und Hinweise zur Garantie zementiert. Das Ganze ist eine Demonstration der Macht und das Scheitern am Gerät soll uns in die Rolle der Demut pressen. Glücksmomente, oder Flow, wie es der Psychologe Mihaly Csikszentmihalyi bezeichnet, entstehen in dieser Konstellation nicht.

Alle Bewegungsabläufe werden im Flowzustand in harmonischer Einheit durch Körper und Geist mühelos erledigt. Bei Kommunikationsdiensten, Endgeräten oder Serviceprovidern ist das in der Regel nur ein schöner Traum. Die Realität spricht eine andere Sprache: Kaum etwas ist selbsterklärend – ohne Studium der kryptischen Anleitungen geht nichts. Prosaische Ergüsse, die mit Google aus dem Chinesischen übersetzt werden.

Dabei verlangen die meisten Anwender etwas völlig Normales: Software und Hardware sollten sich bedienen lassen wie ein Lichtschalter. Der tägliche Einsatz von Geräten und Benutzeroberflächen darf kein Studium der Ingenieurwissenschaften voraussetzen. So sieht es auch Aastra-Deutschlandchef Jürgen Signer. Die Technologie-Branche sei nur dann ein Schrittmacher für den Massenmarkt, wenn sie sich konsequent an dem Credo der Einfachheit orientiert.

„Die einfache Bedienbarkeit der Systeme, die wir anbieten, ist das wichtigste Kaufkriterium unserer Geschäftskunden. Das gilt vor allem für die Installation und für das User Interface. Was sich unter der Haube abspielt, ist die Sache unserer Entwickler und darf den Anwender nicht belasten“, sagt Signer.

Ein spannenden Forschungsansatz zur Besserung sieht der Berater Daniel Backhaus beim Service Design.

Diese recht junge Disziplin kümmere sich darum, die Schnittstellen zwischen Kunde und Unternehmen so zu optimieren, dass das Ganze zu einem Erlebnis für beide Seiten wird:

„Das Unternehmen kann seine Interessen vertreten, seine Ziele erreichen und der Kunde fühlt sich ernst genommen und optimal betreut.“

Ausführlich nachzulesen in der Studie „Digitale Transformation – Wie sich Unternehmen für den vernetzten Kunden erfolgreich wandeln“ von Mind Business und der Fachzeitschrift „absatzwirtschaft“. Man kann sie kostenlos herunterladen.

Sehr viel von diesem Credo steckt in den Portalen des Social Web.

„Man gewöhnt sich sehr schnell an den Komfort dieser Netzintelligenz. Kunden bringen heute kein Verständnis mehr dafür auf, wenn sie im Kontakt mit Unternehmen immer noch auf die üblichen Service-Hemmnisse stoßen. Verbraucher finden häufig auf den Websites der Firmen keine Antworten auf ihre Fragen, per E-Mail warten sie oft Tage bis eine Rückmeldung erfolgt. Und anrufen – so hat eine europaweite Kundenservice-Studie jüngst ergeben – wollen heutzutage immer weniger Menschen“, weiß der Software-Fachmann Andreas Klug von Ityx.

Eine freundliche Meldeformel eines Mitarbeiters im Call Center reiche schon lange nicht mehr aus, um die veränderten Erwartungen der Kunden zu bedienen.

„Entscheidend ist doch, dass für 80 Prozent der Verbraucherfragen im Moment der Kontaktaufnahme die richtigen Wissensinhalte zur Verfügung stehen. Und das unabhängig davon, ob ich eine Suche auf der Website des Anbieters durchführe, eine Mitteilung der E-Mail oder Facebook sende oder am Telefon eine Frage stelle“, so Klug.

Moderne Methoden der Mustererkennung und Künstlichen Intelligenz seien zuverlässig in der Lage zu antizipieren, was man als Kunde wünscht.

„Viele Direktversicherer, Online-Händler und Energieversorger setzen schon heute diese lernfähige Software ein“, resümiert Klug.

Technik und gewohnte Pfade der Vergangenheit seien kein Selbstzweck, meint Udo Nadolski, Geschäftsführer vom Düsseldorfer IT-Beratungshaus Harvey Nash.

„Man sollte wie Steve Jobs daran arbeiten, etwas fundamental Anderes und Besseres in die Welt zu setzen“, so Harvey Nash-Chef Nadolski.

Ein radikal holistisches Konzept. Dazu zählt Nadolski Hardware, Software, Nutzer-Interface und den Kundenservice. Und das auch noch mit unterschiedlichen Tiefen in der Logik – für Laien und Profis.

Google, Jeff Jarvis und einige Hightech-Märchen

Jeff Jarvis-Interview im Internet Magazin

Jeff Jarvis-Interview im Internet Magazin

„Nichts ist so peinlich wie die Zukunft von gestern“, schreibt Hilmar Schmundt in seinem Buch „Hightechmärchen“ das wonnige Gedränge auf dem Basar der Zukunft. Fällt einem da nicht sofort der intelligente Kühlschrank ein, der seine Milch selbst bestellen kann – wenn er auch das Austrinken immer noch dem Benutzer überlässt? Oder die täglichen Pendlerströme, die sich durch Telearbeit in Luft auflösen? Jede kleine Startup-Bude und jeder Social Web-Berater beteiligt sich an den inflationären Erzählungen mit einem Slang des technisch Erhabenen.

Häufig bleibt nur semantischer Hightech-Trash mit geringer Halbwertzeit übrig. Ob man nun vor dem Jahrtausendfehler mit Netzwerk-Crash warnt, ein elektronisches Pearl Harbor droht oder das Gelingen der Energiewende mit smarten Glühbirnen in Verbindung gebracht wird – die positiven und negativen Vorhersagen haben die Güte von Glücks- oder Pechkeksen.

So versprechen die Hersteller der vernetzten LED-Lampe Lifx gar eine Revolution bei der Reduktion des Stromverbrauchs und stempeln die Glühbirne als archaische Technologie ab. So steht es jedenfalls in der Dezemberausgabe des Internet-Magazins. In der Geschichte über das Kickstarter-Projekt kann man nur erahnen, wie die Ökobilanz der smarten und vernetzten Beleuchtung ausfällt. Etwa die Hitzeentwicklung des Chips mit einer Leistung, die über dem ersten Mac von Apple liegt und deshalb einen Kühlkörper benötigt.

Und dann gibt es ja noch den so genannten Rebound-Effekt: Vor rund hundert Jahren wurde auch die Glühbirne mit Wolframfäden als Wunder der Effizienz gefeiert. Sie verbrauchten nur ein Viertel so viel Strom für die gleiche Leuchtkraft wie die alten Birnen mit Kohlenstoff-Fäden. Zwischen 1920 und 2000 stieg die Effizienz der Straßenlaternen um das Zwanzigfache – von 10 auf 200 Lumen pro Watt. Die Beleuchtungsdichte (Lumen pro Straßenkilometer) nahm aber um mehr als das Vierhundertfache zu. Pro Kilometer Straße wird heute zwanzigmal mehr Strom verbraucht.

Spielt man nun mit der vernetzten Glühbirne über das Smartphone jeden Tag ein wenig Disco in Erinnerung an Ilja Richter, dürfte es mit den Verheißungen der Lifx-Gründer wohl nichts werden. Das stellt nicht die Innovation der Entwickler in Frage, sondern eher die Vollmundigkeit der Unternehmer. Schlechte Karten, um in der Stiftung Märchentest zu bestehen.

Sehr viel nüchterner blickt Medienprofessor Jeff Jarvis im Interview mit dem Internet-Magazin auf die Empfehlungen zurück, die er 2009 in seinem Bestseller „What would Google do?“ zu Papier gebracht hat. Seine Vorschläge, was Unternehmen vom Suchmaschinen-Konzern lernen könnten, sind im Kern richtig, aber bislang nur in Ansätzen mit Leben gefüllt worden. Er bringt, wie viele andere Netzexperten, die Fluggesellschaft KLM ins Spiel. Sie habe das Potenzial, sich zu einer Social Airline zu wandeln. Dort könne man seinen Sitznachbarn via Facebook beeinflussen. Das sei zwar nicht die beste Methode, aber ein Versuch: Größere Veränderungen in der Wirtschaft würden eben nicht freiwillig stattfinden.

Warum sich Firmen nicht zu offenen Plattformen entwickeln und sich stärker mit Menschen über das Internet vernetzen, liege wohl an der Angst der Führungskräfte. Stattdessen gebärden sich Unternehmen als Content-Produzenten und pflastern das Social Web mit Werbebotschaften zu. Einweg-Berieselung als alter Wein in neuen Schläuchen. Man meidet im Netz die direkte Berührung mit dem Kunden – Entscheider fürchten den Shitstorm.

„Dein schlimmster Kunde ist dein bester Freund“, erwidert Jarvis gegenüber dem Internet-Magazin. „Wenn jemand eine Sache so wichtig ist, dass er sich beschwert, well er dem Unternehmen eigentlich sagen: ‚Ich will Dich lieben. Und ich würde Dich lieben, wenn Du nur das hier tätest.‘ Unternehmen, die uns für Gefangene halten – wie Telefon- oder Kabelkonzerne -, können nicht gewinnen.“

Das mit der Liebe darf man nicht so wörtlich nehmen – Jarvis neigt zu Übertreibungen. Aber sein Rat, sich in der Netzöffentlichkeit von Konsumenten helfen zu lassen, ist nachvollziehbar. Alle Mitarbeiter eines Unternehmens haben das Potenzial zum Verkäufer.

Warum sollten sie also nicht online mit der Öffentlichkeit reden, fragt sich Jarvis.

Warum werden Kundenanfragen immer noch in die Anonymität einer Hotline gedrängt? Warum macht man es nicht wie die Elektronikmarkt-Kette Bestbuy, wo alle 3.000 Mitarbeiter Zugang zum Twitter-Account @twelpforce haben? Jeder Kunde könne dort Fragen stellen, und mehr oder weniger in Sekunden gibt es eine Antwort, bemerkt Jarvis. Es geht um Konversation, nicht um Marketingbotschaften und Hotline-Blödigkeit.

Es geht um das Wissenspotenzial einer gesamten Unternehmensorganisation, um bessere Dienste und Produkte auf die Beine zu stellen. Es geht um Netzwerkeffekte, um teure Wiederholungsschleifen beim Kundenservice zu vermeiden. Es geht um die Erfahrungen von Kunden, die Produkte oder Dienste einer Firma teilweise besser kennen als die Belegschaft. Eine Frage hat Jarvis nicht beantwortet. Warum hält sich Google selbst nicht an die Empfehlungen, die der Medienprofessor in seinem Opus festgehalten hat?Google hatte frühzeitig den Instinkt, Plattformen und Netzwerke zu schaffen, statt Inhalte zu kaufen oder zu produzieren – das gilt aber nur für die Technologie. Die Unternehmenskultur nach außen sieht anders aus, wie man am Umgang mit der Youtube-Szene erkennen kann. Auch die rüde AGB-Politik von Google spricht eine andere Sprache.

Die Veränderung des Internet-Magazins zu einer gewichtigen Stimme der digitalen Wirtschaft ist übrigens gelungen – Hut ab vor dem Editor-at-large. Gute Arbeit, Thomas Knüwer.

Titelgestaltung mit Zuckerberg - da hilft nicht mal Photoshop

Titelgestaltung mit Zuckerberg – da hilft nicht mal Photoshop

Bis auf die Titelgestaltung 😉 Aber da würde mich Eure Meinung interessieren.

Weitere Prognosen:

44 Thesen zur Zukunft der Buchbranche.

„Wenn ein Job für mich interessant ist, wird er mich finden“ – Bewerbungen im Social Web

Selfie-Bewerbung "The Björn"

Selfie-Bewerbung „The Björn“

Karriere und Jobsuche in sozialen Netzwerken sind wohl noch recht unterbelichtet, auch wenn es schon sehr positive Bespiele gibt, wie die öffentliche Bewerbung von Mike Schnoor oder Björn Braune. Der klassische Peronalmanager könne mit dem Social Web schlichtweg nichts anfangen, sagt Björn im Bloggercamp.tv-Interview.

Sein Webauftritt diente sogar als Filter, um bestimmte Firmen eher abzuschrecken. Er schloss Unternehmen mit einer alten Arbeitskultur bewusst aus. Nach dem Motto: Wenn ein Job für mich interessant ist, wird er mich finden. Ein Modell, das sich nach Einschätzung von Braune immer stärker ausbreiten wird.

„Web 2.0 wird unter Personalexperten als wichtiges Personalmarketing-Instrument für die Zukunft diskutiert, in der Praxis aber bisher selten genutzt“, sagt You-Gov-Analyst Marco Haferburg, Consulting bei You-Gov, nach einem Haufe-Bericht.

Das verwundert nicht, weil kaum ein Personalmanager im Social Web richtig aktiv ist.

„Alle großen Unternehmen sind in irgendeiner Weise im Web 2.0 aktiv. Entweder in den branchenspezifischen Angeboten wie Xing oder LinkedIn oder auf Portalen wie Facebook. Aber 64 Prozent der deutschen Mitarbeiter in Personalabteilungen schauen nicht ins Internet. Die Betreuung der Web-Angebote läuft nicht über die Personalabteilung, sondern über PR, Marketing oder IT. Das macht deutlich, dass wir ganz am Anfang stehen”, erklärt Trendforscher Professor Peter Wippermann im ichsagmal-Interview.

Bewerber sind auf Xing aktiv

Auf der Bewerberseite sieht das ganz anders aus.

„Besonders Xing und LinkedIn werden intensiv für die Karriereplanung eingesetzt. Google, Facebook oder Twitter eher selten. Die Nutzung variiert je nach Branchenzugehörigkeit. In der IT-Branche, auf die wir fokussiert sind, erleben wir schon seit Jahren eine steigende Nutzung. Inzwischen haben wir eine Daumenregel, die besagt, dass rund 75 Prozent der in IT-Unternehmen arbeitenden Mitarbeiter in Xing registriert sind. Darunter sind natürlich auch viele inaktive Nutzer, aber für Unternehmen als auch Personalberatungen auffindbar. Bei Managern gibt es wegen der internationalen Ausrichtung eine hohe Affinität zu LinkedIn“, weiß Karsten Berge, Geschäftsführer von SearchConsult.

Jüngere Kandidaten sind offener für Social Media

Das Düsseldorfer Unternehmen erkennt eine Tendenz, dass immer mehr amerikanische Software-Hersteller eigene Spezialisten für die Rekrutierung einstellen, um Kandidaten direkt über soziale Netzwerke zu kontaktieren.

„Von vielen Kandidaten hören wir, dass sie dies oft als unangenehm empfinden, da es ihnen zu schnell und zu direkt ist. Die Mehrzahl der Kandidaten präferiert am Anfang eher den neutralen Weg über eine Personalberatung“, sagt Berge

Je jünger die Kandidaten, desto offener gehen sie mit den Möglichkeiten sozialer Netzwerke um.

„Wir selbst nutzen das Social Web für direkte Recherchen sehr intensiv. Das gilt aber nur für die Anfangsphase. Danach dominieren Empfehlungen, das eigene Netzwerk und die gezielte Ansprache von Kandidaten in den Unternehmen“, resümiert Personalberater Berge.

Wie sieht Euer Patentrezept aus, um im Social Web als Bewerber erfolgreich zu sein?

Eure Meinung interessiert mich.

Siehe auch:

The Björn: Online-Bewerbung mit gesunder Portion Selbstironie.

#StreamCamp13 als Weckdienst für Echtzeit-Kommunikation #SMCBN

ichsagmal.com

Streaming-Action

Blogger, Podcaster, Youtuber, Gamer, Journalisten, Unternehmer, Kulturschaffende, Laien und Profis trafen sich am Wochenende im Kölner Startzplatz zur StreamCamp-Weltpremiere, um sich über Ideen, Konzepte und technische Möglichkeiten sowie Erfordernisse für Liveübertragungen im Internet auszutauschen. Ein Hardware-Feuerwerk von quick & dirty bis pro und Greenscreen-Couch, wie es Thomas Riedel aka Droid Boy von Nerdhub ausdrückte. Es wächst eine autonome TV und Hörfunk-Szene heran, die im Vergleich mit den Webvideo-Größen noch in den Kinderschuhen steckt und mit unglaublicher Experimentierfreude neue Bildsprachen für Echtzeit-Kommunikation bastelt.

Therapeutisches Katzen-Livestreaming

Etwa die stundenlange Übertragung von Katzenbildern, die fast schon eine therapeutische Wirkung in der Web-Hektik entfalten – Schnodderpepe sei Dank (dramaturgisch wertvolle Katzenbewegtbilder bitte mit dem Hashtag #katzenlivestream versehen – ich werde demnächst das Ganze mit #katzenlivestream #fett bereichern).

Oder das kollektive Livestreaming in der Session des WDR-Fernsehjournalisten Kai Rüsberg, der über OneShotVideojournalismus sprach.

Sehr vielen klassischen Fernsehmachern fehlt das Mindset, um die richtigen Antworten…

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BuzzFeed: Mem-Maschine und Connaisseur für Netzgeschichten

Auf der Suche nach der Erfolgsformal für Viralität

Auf der Suche nach der Erfolgsformal für Viralität

Hat Jonah Peretti die perfekte Formel für virale Reproduktion gefunden? Eine Mem-Maschine auf den Spuren von Richard Dawkins, um Geschichten im Internet nach einem Algorithmus zu verbreiten? 2006 gründete der MIT-Absolvent Peretti mit BuzzFeed einen profanen Aggregator für witzige Tierbildchen und Tratschgeschichten. Mittlerweile liegt die Nutzerzahl bei 40 Millionen. Der Dienst verfügt über einen Chefredakteur und überrascht mit exklusiven Meldungen zu harten politischen Themen. Eine Melange aus ernsthaften Nachrichten und putzigen Katzenvideos. Für das deutsche Feuilleton sicherlich eine Zumutung, für Peretti eine sehr menschliche Komponente: News brauchen auch emotionale Intelligenz

„Verlegerische Tätigkeit ist wie ein Pariser Café: Man kann dort ein philosophisches Buch lesen oder die Tageszeitung. Am Nebentisch sitzt dann ein süßer Hund. Macht es uns dümmer, wenn wir ihn streicheln? Nein. Es macht uns menschlicher.“

Bei einer Nachrichtenseite sei die emotionale Intelligenz deshalb ebenso wichtig, wie der IQ. Es gehe nicht immer um den Informationswert, sondern genauso um die gemeinsame Verbundenheit der Nutzer.

BuzzFeed ist nach Ansicht von Indiskretion Ehrensache-Blogger Thomas Knüwer ein exzellent durchgedachtes Modell, ein Vorbild für absolut jede Nachrichtenseite.

„Vielleicht hält Jonah Peretti gar den Heiligen Gral der Online-News in der Hand (oder zumindest weiß, wo er vergraben sein könnte).“

Es gibt keine klassischen Werbeeinblendungen. Unternehmen werden gezwungen, den Nutzern gute Geschichten zu liefern. Werbung soll sich wie redaktionelle Storys verbreiten.

„Das klappt anscheinend, womit BuzzFeed den sehnlichsten Wunsch vieler Markenartikler erfüllt: Endlich werden ihre Inhalte im Social Web geteilt. Die Klickrate (CTR) auf die gesponserten Geschichten liegt bei ein bis zwei Prozent – deutlich höher als bei gewöhnlicher Bannerwerbung also“, meint Knüwer.

Als Aufmerksamkeitswährung zählen nicht Klicks, sondern Twitter-Erwähnungen, Facebook-Likes, Google-Plusse und ähnliche Indikatoren. Das Teilen im Social Web steht im Vordergrund für die Echtzeit-Berechnung des Viral Rank. Der Denkansatz von Peretti sei aus ökonomischer Sicht sehr clever, meint Patrick Breitbach von der Karlshochschule im ichsagmal-Interview.

„Es ist die memetische Verbreitung als Grundlage der Aufmerksamkeitsökonomie. Man setzt bei BuzzFeed nicht nur auf Inhalte, die sich schnell im Netz durchsetzen, sondern streut auch Ernsthaftes rein.”

Allerdings sollte man nicht nur auf Massenverbreitung setzen. Das sei ein Mythos.

Für Viralität gibt es keine Erfolgsformel

„Es ist auch ein Erfolg, wenn ich zielgenau relevante Inhalte in bestimmte Netzwerke bringe. Wir leben in Netzwerkstrukturen und nicht mehr in Gießkannen-Systemen. Wenn ich partielle Netzwerke optimal erreiche und dort eine Verbreitung verursache, ist es mitunter ein größerer Erfolg als wenn ich eine substanzlose Botschaft in die ganze Welt raus blase”, so Soziopod-Blogger Breitenbach.

Eine Erfolgsformel für Viralität werde auch BuzzFeed nicht finden. Breitenbach vergleicht es mit dem Pokerspiel.

„Je öfter ich spiele und je mehr Hände ich sehe, desto besser werde ich beim Pokern. Aber es garantiert mir nicht, dass ich immer gewinne. Bei der Viralität ist es ähnlich.”

Der BuzzFeed-Gründer habe aus sehr vielen erfolgreichen viralen Geschichten gelernt und daraus belastbare Faktoren des Erfolgs abgeleitet.

„Peretti hat sich Kennerschaft erworben und brilliert als Connaisseur für Netzgeschichten”, konstatiert Breitenbach.

Er nutzt sehr geschickt die Crowd-Mechanismen. Die BuzzFeed-Anwender werden nicht nur als Leser gesehen, sondern als Produzenten und Kuratoren. Sie durchwühlen die Ursuppe der Viralität wie 4chan, also Foren, wo Meme auch entstehen. In dieser durchgerührten Suppe erzielt BuzzFeed auch Treffer.

Remix-Kultur fördern

Aber das große Versprechen einer perfekten neuen Werbewelt kann wohl getrost als Ausfluss angelsächsischer Übertreibungen abgeheftet werden. Als Laborversuch ist BuzzFeed aber dennoch geeignet, um die Werbeindustrie wachzurütteln. Das sieht Patrick Breitenbach ähnlich: Es entwickelt sich Content ohne die Briefing-Diktatur der Agenturen nach dem Motto: „Content Will Kill Your Ad Agency.”

„Ich stelle als Marke meinen Mem-Pool der Öffentlichkeit zur Verfügung und sie kann ihn nach Belieben remixen”, so Breitenbach.

Der memetische Code wird nicht mehr bewacht, sondern freigegeben. Das sei ein radikaler Paradigmenwechsel im Vergleich zu den Dogmen, die in der Werbeindustrie immer noch gehegt und gepflegt werden:

„Es muss die Freiheit eingeräumt werden, mit der Marke zu spielen, wie bei den Hope-Plakaten des Obama-Wahlkampfes, wo sich eine völlig neue Ästhetik entwickelt hat.”

Kanal-Schwurbeleien von ergrauten Vertriebsmanagern

Unternehmen sollten sich von der ganzen Kampagnen-Denke verabschieden, um irgendwelche Botschaften in den Markt zu drücken. Es dominiert aber in den meisten Organisationen immer noch die Sehnsucht nach einer kontrollierbaren Welt in völliger Harmonie. Schönwetter-Philosophien ohne Ecke und Kanten. Wo aber keine Kritik und keine Gegnerschaft existiert, da gedeihen auch keine Fans. In einer Wohlfühl-Kontrollblase findet keine Kommunikation statt. Da helfen auch die Kanal-Schwurbeleien im Management nicht weiter:

„Lassen Sie es mich ketzerisch formulieren: Social Media ist keine welterschütternde Revolution, sondern ein neuer Kanal – Punkt. Der Kunde hat ein Anliegen und ob er diese nun per SMS oder als Kunde 2.0 über Social Media kommuniziert, ist nicht so entscheidend”, verkündet ein Silberlocken-Salesmanager in einer Werbeanzeige.

Irgendwie ist dieses Kanal-Gebrabbel symptomatisch für die Aktivitäten vieler Unternehmen im Social Web: Man mogelt sich wie eine Sekte an einer Erkenntnis vorbei, die der Soziologe Niklas Luhmann so herrlich einfach und logisch formuliert hat durch reines Nachdenken – einen Computer besaß der Zettelkasten-Wissenschaftler gar nicht:

„Mit der Computerkommunikation wird die Eingabe von Daten und das Abrufen von Informationen soweit getrennt, dass keinerlei Identität mehr besteht. Wer etwas eingibt, weiß nicht, was auf der anderen Seite entnommen wird.”

Kein Kanal, kein Kanal, kein Kanal. Die Autorität der Quelle wird entbehrlich, sie wird durch Technik annulliert und ersetzt durch die Unbekanntheit der Quelle. Und genau das macht das Ganze so herrlich unberechenbar.

#StreamCamp13: Experimentierlabor der TV- und Hörfunk-Autonomen

Thomas Riedel

Blogger, Podcaster, Youtuber, Gamer, Journalisten, Unternehmer, Kulturschaffende, Laien und Profis trafen sich am Wochenende im Kölner Startzplatz zur StreamCamp-Weltpremiere, um sich über Ideen, Konzepte und technische Möglichkeiten sowie Erfordernisse für Liveübertragungen im Internet auszutauschen. Hardware-Feuerwerk von quick & dirty bis pro und Greenscreen-Couch, wie es Thomas Riedel aka Droid Boy von Nerdhub ausdrückte. Es wächst eine autonome TV und Hörfunk-Szene heran, die im Vergleich mit den Webvideo-Größen noch in den Kinderschuhen steckt und mit unglaublicher Experimentierfreude neue Bildsprachen für Echtzeit-Kommunikation bastelt.

Therapeutisches Katzen-Livestreaming

Etwa die stundenlange Übertragung von Katzenbildern, die fast schon eine therapeutische Wirkung in der Web-Hektik entfalten – Schnodderpepe sei Dank. Oder das kollektive Livestreaming in der Session des WDR-Fernsehjournalisten Kai Rüsberg, der über OneShotVideojournalismus sprach.

Sehr vielen klassischen Fernsehmachern fehlt das Mindset, um die richtigen Antworten für die Graswurzel-Bewegung zu finden, meint etwa Markus Hündgen vom Webvideopreis im Sammelband „Einfach fernsehen“ vom Grimme-Institut. Es sei mehr als ein Handwerk, um Bewegtbild zu produzieren. Es sei eine andere Herangehensweise, eine andere Denke und ein anderes Feeling, die hier zum Ausdruck kommt.

Wenn TV-Talkshows abnerven, macht man eigene Formate

Die Livestreaming-Technik bietet nach Ansicht von Youtube-Star Dr. Allwisend völlig neue Möglichkeiten. Auch aus dem kulturellen Blickwinkel heraus könnte da was entstehen – aber was genau, wird man noch sehen müssen. So sei Katerfrühstück ein Versuch, es anders als im Fernsehen zum machen. Was viele in den üblichen Talkshows abnerven würde, seien die immer gleichen Floskeln, die Politiker und Experten zum Besten geben.

Warum wandern millionenfach junge Menschen zu Plattformen wie Twitch.tv ab, um sich live die Pro-Gamer von Starcraft oder League of Legends anzuschauen? Auf dem StreamCamp gaben Constantin Sohn (der Sohn vom Sohn) und Dominik Warwass eine deftige Antwort.

Wetten, dass-Fernsehen vor der Ablösung

Die Pläne von ARD und ZDF zur Gründung eines neuen Jugendsenders seien nur noch Verzweiflungstaten. In der Gaming-Szene hätten diese Sender eh nichts zu bestellen. Serien, Filme oder Berichte über Computerspiele schauen die beiden Twitch.tv-Experten schon lange nicht mehr in der Flimmerkiste. Hier steht das Wetten, dass-Fernsehen vor der Ablösung.

Und wenn sich das seriöse Feuilleton nicht mehr mit Literatur, Literaturzeitschriften und unabhängigen Literaturverlagen fernab des Mainstreams beschäftigt, machen es die Kulturinteressierten in Eigenproduktion, wie beim Wortspiel-Radio mit meinem Freund Wolfgang Schiffer:

Veränderungen sieht man auch in der Unternehmenskommunikation, wie Agrarblogger Hannes Schleeh mit dem kleinsten Ü-Wagen der Welt auf der größten Hallenmesse Agritechnica unter Beweis stellte.

„Messemarketing mit bewegten Live-Bildern wird immer wichtiger, aber auch einfacher. Wo früher riesige Übertragungswagen mit mannshohen Satellitenschüsseln und enorm teures Equipment im Einsatz waren, genügt heute ein schneller Internetzugang über LAN, WLAN oder LTE, um die Livebilder ins Internet zu streamen.“

Die Sendungen fanden im Stundentakt statt und wurden direkt auf der Startseite der Messe http://www.agritechnica.com eingebettet. Schon nach drei Tagen hatten die Youtube-Clips über 40.000 Abrufe erreicht. Mit schwerer Technik ist das nicht machbar.

Mehr dazu in meiner Mittwochskolumne für das Debattenmagazin „The European“.