Vernetzte Ökonomie betrifft alle – Wissenschaft, Wirtschaft und Politik versagen bei der digitalen Transformation

Netzökonomischer Käsekuchen-Diskurs in Bonn

Netzökonomischer Käsekuchen-Diskurs in Bonn

Telekom-Chef Tim Höttges weint sich wieder mal in einem Zeitungsinterview die Augen aus, weil der böse Internetkonzern Google so mächtig ist.

„Kein anderes Unternehmen in der Welt sammelt so viele Daten. Und kein anderes Unternehmen der Welt verwertet sie so gewinnbringend“, moniert der Netzbetreiber-Boss gegenüber der Süddeutschen Zeitung.

Das sorge für „erhebliche Wettbewerbsverzerrungen“. Höttges rügt insbesondere den Umgang mit Daten durch Google.

Für Google würden andere Regeln als für die Telekom gelten, die sich an deutsche Datenschutzgesetze halte. Entsprechend müssen jetzt wohl EU, Bundesregierung, NATO, UNO, Polizei oder Feuerwehr aktiv werden, um den Mountain View-Laden endlich zu regulieren oder gar zu zerschlagen. Um Datenschutz geht es den Telekomikern aber gar nicht. Die liebwertesten Gichtlinge der alten Wirtschaftswelt fürchten sich vor dem digitalen Tsunami, der selbst vor Handwerkern der Gas-Wasser-Scheisse-Branche nicht halt macht. Google und Co. drängen in altehrwürdige Industrien ein mit einer Netzlogik, die für die Wirtschaftskapitäne der Deutschland AG als Bedrohung empfunden wird. Und ihre Abwehrreaktionen folgen dem Lehrbuch des Ökonomen Joseph Schumpeter.

Die Klagen des Routineunternehmers

Das Eindringen von Neulingen in bestehende Branchen würde stets Kämpfe mit der alten Sphäre nach sich ziehen. Die Altvorderen seien bestrebt, den Vorteil, den eine neue Firma durch eine Innovation erlangt, zu verbieten, zu diskreditieren oder auf andere Weise zu beschränken. Was immer dabei auch im Einzelfall geschehe, so Schumpeter, sei der hohe Gewinn jedes Unternehmers stets vergänglich, denn Konkurrenten würden Neuerungen kopieren und damit ein Sinken des Marktpreises bewirken. Der Routine-Unternehmer agiert machtpolitisch und schreit am Ende nach Vater Staat, um seine Pfründe in Sicherheit zu bringen. In Wahrheit ist der Telekom-Boss doch nur sauer auf Google, weil der Suchmaschinen-Gigant seine Dienste kostenlos anbietet, über Werbung gegenfinanziert und damit satte Gewinne einfährt. Etwa Videotelefonie, Livestreaming via Hangout on Air oder Services für Kurznachrichten. Machtvoll ist Google wegen seiner Größe bei der Skalierung seiner Angebote. Selbst vor Bau von Glasfaser-Leitungen schreckt der amerikanische Konzern nicht zurück, um Länder so schnell wie möglich auf eine neue Stufe der Digitalisierung zu heben. Höttges gehört noch der industriellen Glaubenskongregation an, die davon ausgeht, dass die Silicon Valley-Angreifer bei Hardware scheitern werden.

Das mephistophelische Google kann auch Glasfaser

„Wir können Netz besser“, lautet die Parole des Bonner Netzbetreibers. Höttges erwartet nicht, dass Google in Europa Netze bauen werde. Das könnte auch so ein Satz werden, der in die Annalen der technologischen Fehleinschätzungen eingeht. Wenn Deutschland nicht in der Lage für Infrastruktur-Investitionen für schnelles Internet ist, kommt eben eine Lösung von Übersee. Vielleicht nicht über Glasfaser, sondern mobil via Stratosphäre. Die Einen buddeln weiterhin Kabelschächte und die Anderen verdienen noch mehr Geld.

Da helfen Schutzgesetze und Klagemauer-Reden nicht weiter. Was viele liebwerteste Gichtlinge in Politik und Wirtschaft immer noch nicht begriffen haben, sind die volkswirtschaftlichen Effekte der vernetzten Ökonomie, die sich nicht auf das Teilen von Katzenbildern im Social Web reduzieren lassen.

ichsagmal.com-Bibliotheksgespräche

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Beim ersten Bonner Netzökonomie-Campus, der in meiner Bibliothek stattfand und über den mephistophelischen Umsonst-Dienst Hangout on Air übertragen wurde, kritisierten die Experten unisono die alten Rezepturen, die selbst hoch qualifizierte Politikberater wie DIW-Chef Marcel Fratzscher dem politischen Führungspersonal in Berlin vorbeten.

Star-Ökonomen ohne digitale Expertise

Im neuen Fratzscher-Opus „Die Deutschland-Ilussion – Warum wir unsere Wirtschaft überschätzen und Europa brauchen“ tauchen eine Vielzahl von klugen Analysen über den brüchigen Status quo der deutschen Wettbewerbsfähigkeit auf. Schaut man im Register unter D wie Digitalisierung oder I wie Internet oder Informationstechnologie nach, findet man nur gähnende Leere.

Der DIW-Chef empfiehlt stattdessen in alter keynesianischer Machart mehr staatliche Investitionen, um etwa dem Verfall von Straßen entgegen zu wirken. Das ist recht erbärmlich für einen „Star-Ökonomen“, der sich zum wichtigsten Stichwortgeber von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hoch gearbeitet hat. Deshalb brachte ich bei der Vorstellungsrunde unserer netzökonomischen Käsekuchen-Diskussion auch als Hashtag „Schumpeter-statt-Keynes“ ins Spiel. Schumpeter warf bekanntlich Keynes und seinen Aposteln vor, das wirtschaftliche Geschehen nur in Aggregaten zu denken und die Rolle von Innovationen sowie unternehmerischen Einzelentscheidungen auszublenden. Makroökonomen seien blind für die Auswirkungen von neuen Technologien und Geschäftsmodellen.

Verpuffender Keynesianismus in neuen Schläuchen

Entsprechend profan fallen die Empfehlungen der volkswirtschaftlich ausgebildeten Politikflüsterer aus. Was Fratzscher und Co. vortragen, ist alter Keynesianismus in neuen Schläuchen: Mehr Staatsausgaben, geldpolitische Globalsteuerung, Industrieförderung, ein wenig mehr bauen und schon läuft die Konjunktur:

„Man kann nicht mit altem Denken in neuen Welten erfolgreich sein. Da ich mich als Wirtschaftshistoriker mit dem Strukturwandel in den vergangenen drei Jahrhundert beschäftigt habe, weiß ich, dass wir andere Methoden und Kompetenzen brauchen“, fordert Wirtschaftsprofessor Klemens Skibicki beim Netzökonomie-Campus.

Das Internet bewirke die größte Senkung der Transaktionskosten, die wir je erlebt oder historisch erforscht haben. Die wirtschaftspolitischen Empfehlungen, die in Berlin und anderswo verlautet werden, seien verpuffender Keynesianismus.

Im Vergleich mit der Merkel-Regierung ist Elmar Weiler, Dekan der Ruhr-Universität in Bochum, in seinen Erkenntnissen schon viel weiter. Er treibt die notwendige Neuerfindung seiner Stadt unter dem Stichwort Bochum 4.0 voran.

„Bochum 1.0 dokumentiert die Zeit, als man Kohle aus der Erde holte, bis keine mehr da war. Allen sei klar gewesen, dass sich die Lagerstätten erschöpfen würden. Dann hat man angefangen, einen Hightech-Werkstoff zu entwickeln – nämlich Stahl. Da brauchte man nicht nur Eisenerz, sondern auch sehr viel Wissenschaft, um etwa rostfreien Stahl herzustellen. Das war Bochum 2.0. Von der Kohle über den Stahl geht die Erfolgsgeschichte weiter zu Fabriken, in denen Hochleistungsmaschinen gefertigt wurden wie Autos und Handys. Diese Zeit geht jetzt auch zu Ende. Also Bochum 3.0″, sagt Weiler.

Jetzt folgt die Phase 4.0:

„Es bricht eine neue Zeit an, die weniger geprägt sein wird von großen Industriewerken”, meint Weiler – auch wenn das viele Industrielobbyisten immer noch nicht ganz wahrhaben wollen.

Der Uni-Rektor ist fest davon überzeugt, dass das in der Region der Vergangenheit angehört.

Relevanter werden Mittelstand und innovative Unternehmen, die sich besser vernetzen müssen bei der Erzeugung von lokalen Wertschöpfungsketten. Es gehe dabei um die Vernetzung von allem. Also Kultur, Sport, Wissenschaft, Wirtschaft und das Engagement der Bürgerschaft. Was Professor Weiler in wenigen Worten skizziert hat, sollte sich die Große Koalition in Berlin hinter die Ohren schreiben.

Wie überzeugt man Zukunftsverweigerer?

Was mit Bochum 4.0 umschrieben und angestoßen wird, ist für den theologisch fundierten Informatiker Winfried Felser ein richtiger Schritt, um die Zukunftsverweigerer der überkommenen Ökonomie abzuholen. Das erreiche man nicht mit Begriffen wie „digitale Wirtschaft“ oder mit Konferenzen wie die re:publica in Berlin. Letzteres würden die Altvorderen als spleeniges Internet-Getöse von esoterischen Nerds abtun. Es müsse Maßnahmen geben, die auch IHK-Mitglieder, inhabergeführte Unternehmen und Konzernchefs erreichen, empfiehlt Netskill-Geschäftsführer Felser beim netzökonomischen Diskurs in der rheinischen Beethoven-Metropole. Jeder Handwerker, jeder Heizungsbauer und jeder Hersteller sollte sich die Frage stellen, ob er morgen noch mit seinem Geschäftsmodell erfolgreich sein kann. Etwa bei der Wartung von vernetzten Heizungen, die digital überwacht und gewartet werden. Da ist ein Systemingenieur gefragt und nicht mehr der klassisch ausgebildete Installateur – vom Schornsteinfeger mal ganz schweigen.

Die Querschnittsfunktion der Netzökonomie

Das Wort „Netzökonomie“ unterstreicht, dass die Digitalisierung und Vernetzung den Querschnitt aller Wirtschaftstätigkeiten betrifft. Mit Furcht, die sich durch Medien, Politik, Wirtschaft und Universitäten zieht, sei die digitale Transformation nicht zu bewerkstelligen, ergänzt Skibicki.

„Was sich im Ruhrgebiet beim Niedergang von Stahl, Kohle und industrieller Massenfertigung abspielt, gilt für ganz Deutschland. Leider beteiligen sich Politik und Verwaltung an diesem Prozess nicht. In anderen Ländern ist man da schon sehr viel weiter“, weiß Kommunikationsberater Frank Michna.

Die Digitalisierung aller Lebensbereiche hängt eng mit der steigenden Leistungsfähigkeit der Mikroprozessoren zusammen:

„Das bekommen dann irgendwann auch Busfahrer und sogar Piloten zu spüren, die von intelligenter Steuerungstechnologie ersetzt werden“, sagt Innovationsexperte Jürgen Stäudtner vom Beratungshaus Cridon.

International werde nur die industrielle Expertise gesehen. Wir sollten schleunigst damit beginnen, dieses Wissen mit digitaler Kompetenz aufzuladen.

Der Dreiklang mobiles Internet, Social Web und Industrie 4.0 betrifft alle. Netzökonomie sei daher kein Thema für außerirdische Aliens, sondern gehört auf die Tagesordnung von BDI und Co., so das Credo des Kommunikationswissenschaftlers Jonas Sachtleber, der für die studentische Unternehmensberatung Oscar tätig ist.

Wirtschaftswissenschaft und Wirtschaftspolitik liefern in Deutschland für die digitale Transformation bislang weder Modelle, Methoden noch Metaphern.

Mit dem Netzökonomie-Campus möchte ich das über Tagungen, Studien, E-Books, Workshops, Barcamps, virtuellen Expertenrunden via Hangout on Air ändern. Vielleicht habt Ihr ja Zeit und Interesse, um mitzumachen.

Götterliebling Hofmannsthal: „Lassen Sie mich gehen, ich halte das Opium nicht länger aus“

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Hofmannsthal und Dichterfreund Borchardt Hofmannsthal und Dichterfreund Borchardt

Das Referat meines Sohnes über Hugo von Hofmannsthal, vor ein paar Jahren für den Deutsch-Leistungskurs verfasst, ist vielleicht immer noch recht interessant – nicht nur wegen des Interviews mit dem Sohn von Rudolf Borchardt, einem nicht ganz unwichtigen Weggefährten des Wiener Dichters:

Hofmannsthal betrat die Literaten-Szene 1891 mit knapp achtzehn Jahren und wurde fast augenblicklich berühmt. Auf einer Landpartie trug der Primaner den namhaften Schriftstellern Wiens sein erstes Versdrama vor. „Wortlos“, so wurde später über den Ausgang dieser Lesung berichtet, „saßen Arthur Schnitzler und die anderen aus der Stadt Gekommenen, Männer der sicheren Feder und anhebende Meister ihres Handwerks, vor dem Knaben, der seine Blätter zusammennahm“.

„Wissen, Klarheit, Künstlerschaft“, notiert Arthur Schnitzler im März 1891 in seinem Tagebuch, „es ist unerhört in dem Alter.“ Noch im gleichen Jahr verbreitete sich der Ruhm des Knaben über Wien hinaus. In Kopenhagen staunte Georg Brandes über die Magie dieser…

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Was Dobrindt vom Generalpostmeister Heinrich von Stephan lernen kann: Vom Blechkram zum Cloud Computing

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Wenn man sich die Umbauten des Kommunikationskonzerns Mitel in der Berliner Zeughofstraße anschaut, ist es schon erstaunlich, dass es immer noch Firmen gibt, die von den technologischen Weichenstellungen eines preußischen Beamten profitieren. Es geht um einen Technik-Pionier, der Berlin zum Silicon Valley der Telefonie machte.

Impulsgeber für die Entfaltung einer einzigartigen Startup-Szene war Heinrich von Stephan. Er wurde 1870 von Bismarck zum Generalpostmeister der Norddeutschen Bundespostverwaltung und nach der Reichsgründung zum Reichspostmeister ernannt. Er erfand die Postkarte, gründete die Reichsdruckerei, das Postmuseum (heute: Museum für Kommunikation) sowie den Allgemeinen Postverein (1878 Weltpostverein) und forcierte erst in Deutschland, dann in der ganzen Welt den Aufbau der modernen Telegraphie. Stephan erkannte als einer der Ersten die politische und wirtschaftliche Relevanz des Telefons als Medium der Echtzeit-Kommunikation. Im Oktober 1877 liest Stephan in der Wochenzeitschrift „Scientific American“ einen Bericht über „Bell’s New Telephone“.

Technikbegeisterung in der Bismarck-Zeit

Erst jetzt erkannte die Fachwelt die Tragweite der Telefonie. Eigentlich gebührt Johann Philipp Reis der Ehrentitel des Erfinders. Denn er stellte das erste Gerät zur Übertragung von Tönen durch elektromagnetische Wellen schon 1861 vor. Richtige Gespräche konnten mit dem Apparat allerdings nicht geführt werden. Der Reichspostmeister war jedenfalls von dem wissenschaftlichen Bericht so fasziniert, dass er einen Satz Telefongeräte anforderte, die im Generalpostamt mit Erfolg ausprobiert wurden.

In Berlin lohnt die Spurensuche nach Heinrich von Stephan

In Berlin lohnt die Spurensuche nach Heinrich von Stephan

„Begeistert lässt Stephan sein Amtsgebäude in der Leipziger Straße mit dem Generaltelegraphenamt in der Französischen Straße (Hauptstadtrepräsentanz Deutsche Telekom) verbinden und erklärt wiederum nach gelungenem Versuch den 26. Oktober 1877 zum Geburtstag des deutschen Fernsprechers“, schreibt die Historikerin Gerhild H. M. Komander in dem Band „1881 – Berlins erstes Telefonbuch“.

Das Reichspostamt bat am 1. Juli 1880 die Ältesten der Berliner Kaufmannschaft Berlin zwei Mitglieder zu benennen, die als Agenten Fernsprechteilnehmer werben sollten.

Widerstände gegen Telefon-Innovation

„Der Ingenieur Emil Rathenau war einer der beiden Ausgewählten – der Name des zweiten Agenten ist unbekannt – und bis Ende des Jahres mäßig erfolgreich. Acht Namen enthielt die erste Liste der Fernsprechteilnehmer der am 12. Januar 1881 versuchsweise in Betrieb genommenen Vermittlungsanstalt“, so Komander.

Nur „mit sanfter Gewalt“ konnte Stephan auch Bankiers und Unternehmer zur Teilnahme am Fernsprechverkehr bewegen. Unter Kopfschütteln und mehr aus Gefälligkeit als aus Überzeugung von den zu erwartenden Vorteilen, willigten die Häupter führender Bankhäuser und Firmen ein, schreibt Oskar Grosse 1917 in seinem Buch „40 Jahre Fernsprecher. Stephan – Siemens – Rathenau“. Das erste Telefonverzeichnis ist in der Öffentlichkeit noch als „Buch der Narren“ verspottet worden.

Stephan schildert in der Haushaltsberatung 1889/90 die Schwierigkeiten und Widerstände, die er überwinden musste:

„Es ist kaum glaublich, wie ich über die Achsel angesehen wurde, wenn ich mit Begeisterung von dem Instrumente sprach, wie man hier in Berlin in den ersten Häusern und in den intelligentesten Kreisen vielfach meinte: ach, das ist wohl amerikanischer Schwindel, ein neuer Humbug…, das waren die Reden, die ich täglich zu hören bekam.“

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Es war für den Generalpostmeister – heute würden wir Internetminister sagen – der Beweis für die zurückhaltende und misstrauische Geisteshaltung vieler Menschen in Deutschland. Neue Unternehmungen und Ideen gestalteten sich eher schwerfällig.

Im Todesjahr Stephans, 1897, sah das anders aus: In neun großen Fernsprechämtern in Berlin wurden 170 Millionen Gespräche vermittelt, davon 20 Millionen Ferngespräche nach den von Berlin zu erreichenden 380 Orten: Drei Jahre später hatte Berlin mehr Fernsprechanschlüsse als ganz Frankreich und übertraf sogar London sowie New York. Stephans visionärer Blick, sein Engagement und seine Diplomatie gaben der Erfindung des Telefons ihre wirtschafts- und sozialpolitische Basis, schreibt Rosemarie Wesp in dem Band „Kommunikation im Kaiserreich“:

„Er vermittelte und verhandelte zwischen den Eliten in Politik, Wirtschaft und Technik, um dem Ziel der Popularisierung des Nachrichtenmediums Telefon näherzukommen.“

Zur Jahrtausendwende war die emotionale Besetzung des Telefons so weit vorangeschritten, dass man nicht mehr nur von der Übertragung der Stimme, sondern auch des Bildes träumte.

Technologische Sogwirkung hält bis heute an

Von dieser technologischen Sogwirkung kann allerdings der amtierende Internetminister Alexander Dobrindt nur träumen. So entfalteten sich durch die Politik des Generalpostmeisters Unternehmen wie die „Telegraphenbauanstalt R. Stock“, die 1887 gegründet wurde. Schon 1894 kaufte der Firmeninhaber Robert Stock Grundstücke in der Zeughofstraße und errichtete ein großes Fabrikgebäude, das ein Jahr später bezugsfertig war. Heute die Zentrale von Mitel Deutschland. 1896 stellte Stock in Treptow das erste Telephon-Verbindungsamt vor und expandierte europaweit bei der Errichtung von Fernsprechämtern. Die Aufgaben waren für Robert Stock vor 125 Jahren nicht einfacher als für die Gründer von Web-Unternehmen.

Fachkollegen verspotteten ihn und rümpften über seinen „Stanz- und Blechkram“ die Nase. Schon bald musste die Maschinenindustrie allerdings einsehen, dass bei großen Fernsprechämtern, in denen sich eine ungezählte Menge gleichartiger kleiner Stücke zusammenfand, mit den früheren Mechaniker-Methoden nichts mehr auszurichten war. Jetzt sind es Cloud Computing, Software, Applikationen, Plattformen, modulare Systeme und Smartphones, die in der Kommunikationstechnologie dominieren und den Markt verändern. Am Gründergeist von Persönlichkeiten wie Heinrich von Stephan könnten sich einige Spitzenpolitiker eine Scheibe abschneiden. Sie sollten ihm jedes Jahr einen Ehrenkranz aufs Grab legen in Berlin-Kreuzberg.

Stichwort: Digitale Agenda – vielleicht springt dann der Funken irgendeiner Erkenntnis über.

Statt Impulse für die vernetzte Ökonomie, bekommen wir so etwas: Immaterialgüterrechtsexperte Till Kreutzer zu Günther Oettingers Plänen für ein europäisches Leistungsschutzrecht.

Zum Thema Widerstände: Die Sache mit den erschreckenden persönlichen Daten.

Katzenbilder, Digitalisierung und Star-Ökonomen ohne digitale Expertise #nöcbn

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Netzökonomischer Käsekuchen-Diskurs in Bonn-Duisdorf Netzökonomischer Käsekuchen-Diskurs in Bonn-Duisdorf

Schutzgesetze und Klagemauer-Reden helfen wohl nicht weiter, um sich gegen den digitalen Tsunami zu wappnen. Was viele liebwerteste Gichtlinge in Politik und Wirtschaft immer noch nicht begriffen haben, sind die volkswirtschaftlichen Effekte der vernetzten Ökonomie, die sich nicht auf das Teilen von Katzenbildern im Social Web reduzieren lassen.

Beim ersten Bonner Netzökonomie-Campus, der in meiner Bibliothek stattfand und über den mephistophelischen Umsonst-Dienst Hangout on Air übertragen wurde, kritisierten die Experten unisono die alten Rezepturen, die selbst hoch qualifizierte Politikberater wie DIW-Chef Marcel Fratzscher dem politischen Führungspersonal in Berlin vorbeten.

Im neuen Fratzscher-Opus „Die Deutschland-Ilussion – Warum wir unsere Wirtschaft überschätzen und Europa brauchen“ tauchen eine Vielzahl von klugen Analysen über den brüchigen Status quo der deutschen Wettbewerbsfähigkeit auf. Schaut man im Register unter D wie Digitalisierung oder I wie Internet oder Informationstechnologie nach, findet man nur gähnende Leere.

Der DIW-Chef empfiehlt stattdessen in alter keynesianischer Machart…

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Ärzte warnen: Virtuelles Passivrauchen gefährdet Livestreaming

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Im Kreis der anonymen Raucher und Yps-Leser Im Kreis der anonymen Raucher und Yps-Leser

In einer Google Plus-Community gab es heute früh eine sehr zerknirschte Warnmeldung für die Hangout on Air-Szene, die mich in tiefe Depressionen gestürzt hat. Bei vielen Livesendungen läuft wohl einiges aus dem Ruder, so dass der eine oder andere Operator nur noch mit den geschnittenen – also bereinigten – Versionen ruhig schlafen kann. Deshalb gab es freundliche Ermahnungen, was es künftig in den Hangouts nicht mehr geben darf (verlinken geht leider nicht mehr, weil der Beitrag wohl nicht mehr auffindbar ist). An erster Stelle steht, wie kann es anders sein,

ein R A U C H V E R B O T.

Daraufhin musste ich mich selbstkritisch und mit Schuldgefühlen getränkt aus dieser Hangout-Community verabschieden, da ich keine Belastung für dortige Gesprächsrunden sein möchte.

Man darf das Problem des virtuellen Passivrauchens nicht klein reden. Schön, dass so viele wohlmeinende Pädagogen in dieser Community…

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Hybride Zettelkästen, Datenfluten und Zufallssteuerung: „Kein Gelehrter könne das Universalarchiv noch einholen“

ichsagmal.com-Bibliotheksgespräche

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Seit der Erfindung des Buchdrucks ertönt das Lamento von der Informationsüberflutung. Einen ersten Versuch, Ordnung ins Bücher-Dickicht zu bringen, wagte im 16. Jahrhundert Konrad Gessner. Er verfasste mit der „Bibliotheca universalis“ eine der ersten Bibliographien. Gessner listete über 10.000 Werke auf und widmete sich einer inhaltlichen Erschließung der Bibliotheksbestände:

„Das Material habe ich von überall her zusammengetragen: aus Katalogen von Druckern, deren ich nicht wenige aus verschiedenen Gegenden zusammengesucht habe; aus Verzeichnissen von Bibliotheken selbst, öffentlichen ebenso wie privaten, die ich in ganz Deutschland und Italien sorgfältig eingesehen habe, aus Briefen von Freunden, aus Berichten von Gelehrten und schließlich aus Schriftstellerkatalogen.“

Das von Gessner entwickelte Verfahren ist im Prinzip schon ein hybrider Zettelkasten in buchgebundener Form – eine analoge Suchmaschine. Verzettelungsverfahren waren damals eine echte Revolution und versprachen die Errettung aus dem Datenchaos.

Ein trügerischer Glaube. Johann Gottfried Herder war im 18. Jahrhundert davon überzeugt, dass eine Bibliothek, die zu stark auf die Ordnung des Wissens Einfluss nimmt, Innovationen erschwert oder unmöglich macht. Kein Gelehrter könne das Universalarchiv noch einholen. Alles ist nicht zu lesen, zu kennen, zu wissen. Herder selbst wird deshalb zum Cursor, zum Läufer, der im virtuellen Raum der Gelehrtenbibliothek zwischen Texten durcheilt und in dieser schnellen Bewegung neue Querverbindungen schafft, die man so bisher noch nicht gelesen hat. Er wendet die Kulturtechnik der kursorischen Lektüre an.

„Herder darf schnell werden, weil er nicht nur auf eine neue Form des Lesens rekurriert, sondern auch auf eine alte rhetorische und gelehrte Schreibtechnik. Es ist ein methodisches Verfahren, das ihm die Lizenz zum Flüchtigen gibt“, schreiben Matthias Bickenbach und Harun Maye in ihrem Buch „Metapher Internet – Literarische Bildung und Surfen“ (Kadmos-Verlag).

Kanonische Wissensbestände sollten daher durch intelligente Suchroutinen ersetzt werden. Bildung unter hochtechnischen Bedingungen wäre demnach eine operative Kompetenz – im 18. Jahrhundert und auch heute! Es gehe darum, Wissenstechniken zu entwickeln, die als Such- und Kombinationsverfahren mit der Überfülle produktiv umgehen, so Bickenbach und Maye.

In der Bildungs- und Wissenschaftspolitik sollte daher verstärkt die Vermittlung von Informationskompetenz in den Vordergrund gestellt werden, fordert der wissenschaftliche Verleger Arnoud de Kemp:

„Es werden in Deutschland die falschen Akzente gesetzt. Man richtet sich zu stark auf die Medienkompetenz aus und meint den Umgang mit Computern. Hier sehe ich allerdings kaum noch Nachholbedarf. Jetzt geht es darum, sich auf Inhalte zu konzentrieren.“ Wichtig sei die Bewertung von Ergebnissen.

Als wichtiges Vorhaben sieht er das Theseus-Programm. Über semantische Technologien lassen sich Informationen auf ihre Inhalte hin auswerten, einordnen und verknüpfen. Computerprogramme können damit Informationen nicht nur mit Hilfe von Schlagwörtern oder Inhaltsfragmenten finden, sondern auch eigenständig deren Bedeutung ermitteln, sie in Beziehung zu anderen Informationen setzen, als Ordnungssysteme modellieren und nach bestimmten Regeln logische Schlüsse daraus ziehen. 

„In den nächsten zwei bis drei Jahren werden wir zu interessanten Ergebnissen kommen. Wir haben allerdings noch nicht die Durchsetzungskraft wie die großen Technologiefirmen in den USA. Deshalb ist es wichtig, in Europa die Kräfte zu bündeln, um die Ergebnisse der Grundlagenforschung auch marktfähig zu machen. Da ist Deutschland einfach zu klein, um gegen die amerikanischen Giganten standzuhalten“, erklärt de Kemp.

Spielraum in der Forschungsarbeit sieht er bei der Ästhetik und Funktion von Software. So habe der Informatikprofessor David Gelernter die richtigen Akzente gesetzt und eine Bauhaus-Ästhetik für das digitale Zeitalter gefordert.

Wenn über Informationskompetenz diskutiert wird, sollte auch das nötige Wissen über die Grenzen von Filtersystemen im Internet vermittelt werden, fordert Udo Nadolski, Geschäftsführer des Beratungshauses Harvey Nash:

„Die Personalisierung von Daten über Algorithmen oder Empfehlungen löst nicht alle Probleme der Datenflut. Es kann sogar zu negativen Effekten kommen. Wer sich einseitig auf die Filtertechnik verlässt, beschränkt die Möglichkeiten der Kombinatorik. Zufallsgesteuerte Zugriffe sind für die Wissensgesellschaft aber unverzichtbar. Insofern warnt der Web-Aktivist Eli Pariser zu recht vor dem Problem einer Filterblase“, resümiert Nadolski.

Siehe auch:

„Alles Wesentliche findet sich im Zettelkasten“

Experten, Laien und die Rhetorik der Technik – Strategien gegen den Technostress

Der große Technikvereinfacher

Der große Technikvereinfacher

Schon Adam Smith sprach zu seiner Zeit vom Standard der Notwendigkeit. Albert Einstein forderte: „So einfach wie möglich. Aber nicht einfacher.“ Matthias Horx definiert das Herstellen des richtigen Maßes an Komplexität als Rightsizing. Nicht die möglichen, sondern diejenigen Funktionen eines Gerätes müssen demnach vorhanden und einfach anwendbar sein, die der Benutzer tatsächlich gebrauchen will.

Können die Alleskönner tatsächlich zuviel? Oder sind wir ein Volk von Technikfeinden? Verderben die Tücken der Technik die Freude am Fortschritt? Gibt es die Angst des Nutzers beim Lesen der Gebrauchsanweisung? In der Regel kreist nutzerfreundliche Technik in der Warteschleife und wird nur selten als Bestandteil von Technikinnovation gesehen.

„Einer der größten Nachteile neuer Technologien ist es, dass sie in der Regel von Ingenieuren und Technikern entwickelt werden. In der Hierarchie vieler Unternehmen sind Designer nur für die Verpackung der technischen Produkte zuständig, dafür, dass am Ende alles schön und begehrenswert aussieht“, so das Credo von Holm Friebe und Sascha Lobo.

Wir brauchen eine Rhetorik der Technik

Das äußere Design sei „oft genug preisverdächtig und wird dem Imageanspruch eines jeden Gadget-Angebers mehr als gerecht. Die Software allerdings wird von den meisten Menschen als unterirdisch dysfunktional empfunden.

„Es fehlt eine Rhetorik der Technik. Der berechtigte Stolz deutscher Ingenieure war immer damit verbunden, zu schweigen. In der kulturellen Diskussion spielen sie keinerlei Rolle“, sagt Medienphilosoph und Designtheoretiker Norbert Bolz.

Ähnliches könne man bei Medizinern feststellen:

„Sie kommunizieren gegenüber Laien völlig unverständlich. Hier liegt das Problem. Die Unterscheidung zwischen Experte und Laie. Wir alle wechseln ständig unsere Rollen. Wir alle sind in irgendeinem Arbeitsbereich Experten und in diesem Bereich brauchen wir keine Benutzerfreundlichkeit. Es wäre lächerlich, jemandem, der einen Computer programmieren kann, irgendwelche Bildchen anzubieten. Der macht das mit seinem kurzen Programmbefehlen eleganter, schneller, effektiver und wahrscheinlich auch lustvoller. Während wir aber gleichzeitig in fast allen anderen Lebenssituationen Laien sind, also jeder Mensch ist fast immer ein Laie, nur in seinem eigenen Berufsfeld eben nicht und deshalb denke ich, müsste etwas erreichbar sein in der Gestaltung der Schnittstelle oder bei der Rhetorik der Technik“, fordert Bolz.

Man müsse deshalb den gleichen Gegenstand mit einer unterschiedlichen logischen Tiefe behandeln. Entsprechend unterschiedlich seien die Anforderungen an das Interface-Design. Man brauche nach Ansicht von der beratenden Ingenieurin Anett Dylla vor allen Dingen Menschen, die sich in unterschiedlichen Welten bewegen können.

„Der Philosoph Ludwig Wittgenstein sagte, die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt. Und da kommt eigentlich all das zum Ausdruck, um was es geht. Ingenieure leben in einer anderen Welt als Verkäufer und Konsumenten. Jeder hat eine eigene Welt. Und jeder spricht eine eigene Sprache. Hier könnte ein neues Berufsbild entstehen für Fachleute, die diese verschiedenen Welten vereinen.“

Bolz wirbt um Verständnis angesichts mancher Auswüchse an Zusatzfunktionen und Untermenüs. Denn gerade das Einfache ist inzwischen so schwer geworden:

„Die Verführung durch die unendlich vielen technischen Möglichkeiten ist heute natürlich so groß wie nie zuvor. Deshalb gehört schon geradezu Askese dazu, auf irgend etwas verzichten zu können, sowohl als User zu verzichten auf das, was technisch möglich wäre mit einem bestimmten Gerät, aber vor allen Dingen natürlich auch, als Ingenieur darauf zu verzichten, alles, was technisch möglich wäre, auch in ein bestimmtes Gerät hineinzubauen.“

Es ist ein Dilemma: Apparate, die weniger können als Konkurrenzprodukte, gelten bisweilen als technisch rückständig; Geräte, die zu viel können, sind im schlimmsten Fall unbrauchbar. Eine Lösung sind Menüs, die eine normale Ansicht und eine Expertenansicht haben, auf die man bei Bedarf umschalten könne. So sind nur die Funktionen aufgelistet, die man auch wirklich sehen will. Generell gilt: Die Benutzeroberfläche müsse klar gestaltet sein – und sie soll schön sein, damit sie Appetit auf die Anwendung macht.

Lust auf Technik mit Emotional Design

„Ein intelligentes Nutzer-Interface gibt auf jeden Fall das Gefühl, man sei Herr der Technik, auch wenn man vielleicht in Wahrheit letztlich doch der Sklave der Maschine bleibt. Aber dieses Gefühl, ich bin der Souverän im Umgang mit meinen Technologien, ist unverzichtbar dafür, dass man Lust bekommt, sich auf die Möglichkeiten der Technik überhaupt einzulassen. Und meines Erachtens ist Lust der Königsweg zur Nutzung der modernen Technologien, was man übrigens an unseren eigenen Kindern am besten studieren kann“, betont Bolz.

Er plädiert daher für Emotional Design, für ein Schnittstellen-Design, das nicht allein ordentlich und übersichtlich ist, sondern beim Benutzer obendrein positive Gefühle weckt. Lange Zeit war dieser Trend auf die Konsumgüterindustrie beschränkt. Doch inzwischen hat die Entwicklung auch Investitionsgüter erfasst. Lösungen aus dem Privatkunden-Markt haben Auswirkungen auf die Investitionsgüterindustrie. Einige Industrieunternehmen haben das verstanden. Ingenieure gehen bei der Erstinstallation mit zum Kunden, damit sie dort lernen, wie der Bediener mit dem Gerät umgeht – und welche Schwierigkeiten dabei auftreten. Für Anett Dylla ist das ein wichtiges Kriterium:

„Gut gemacht ist, wenn ich zum Beispiel durch ein Menü geführt werde, wo ich einen bestimmten Schritt vollziehe und dann sofort angesagt wird, was ist der nächste Schritt oder anhand von Symbolen klar ist, was die nächsten Schritte sind, und wo ich ziemlich zielgerichtet und stringent ans Ziel komme, ohne noch mal 25 Schleifen zu drehen.“

Verständnisvolle Maschinen

Die berüchtigten 25 Schleifen kennen geplagte Anrufer vor allem von sprachgesteuerten Telefondialogsystemen. Darüber ärgert sich ein Profi nicht weniger als der normale Kunde in der Warteschleife. Ob Sprachsteuerung oder Tastatureingabe am Bildschirm – die elementaren Prinzipien für gutes Interface-Design sind immer gleich: Anstatt darum zu kämpfen, die Maschine zu verstehen, wollen wir uns von der Maschine verstanden fühlen. Professor Bolz wirbt für eine klare Unterscheidung von kompliziert und komplex:

„Technik ist kompliziert, aber nicht komplex. Deshalb können Sie auch, wenn jemand Angst vor einer Technik hat, sagen, komm mal zu mir in den Betrieb, ich zeig Dir, wie das funktioniert. Wenn man sich Mühe gibt, kann man jede Technik verstehen. Das heißt, Technik ist kompliziert, aber niemals komplex. Denn Komplexität kann man prinzipiell nicht verstehen, man kann sie nur managen. Deshalb mein Vorschlag, nicht zu sagen, Design ist ein Problem der Technik, sondern Technik ist ein integraler Bestandteil des Designs. Man kann zwar Technik simplifizieren und Technik ist selber auch immer eine Art von Simplifikation, aber Komplexität muss man ganz anders reduzieren.“

Die Komplexität komme nicht durch die Technik ins Spiel, sondern durch das Zusammenspiel mit den Menschen, also durch die soziale Situation.

„Und das ist etwas, worauf es keine technische Antwort gibt. Deshalb meine Vermutung, dass letztlich unser Problem ein Designproblem ist, dass es um einen Designprozess geht, wo die Technik natürlich eine fundamentale Rolle spielt, aber da, wo es weh tut, wo wir uns die Köpfe zerbrechen, das ist nicht die Kompliziertheit der Technik, denn damit kann sich jeder anfreunden“, resümiert Bolz.