Textilketten und der Kontrollverlust bei Schafen: Warum man angeblich nicht nachhaltig einkaufen kann

Leider immer noch aktuell. Der Staat könnte mehr tun.

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Der Herr Dr. Schäfer, Leiter Recht und Steuern vom Gesamtverbandes textil+mode, hat ein sehr metaphorisches Verhältnis zum Schaf. Denn in seinem Powerpoint-Vortrag beim Nachhaltigkeitskongress im Bonner Beschaffungsamt stellte er sich mit dem Foto eines Schafes vor. Wenn man Schäfer heißt, liegt das ja auf der Hand. Früher weidete das Schaf in Deutschland und die Wolle wurde im eigenen Land verarbeitet. Von der Spinnerei, über die Weberei, Färbung bis zum Nähen. Dann wurden die Endprodukte verkauft. Heute sei ja alles so komplex, kompliziert und internationalisiert. Es seien so viele Akteure mit im Spiel, dass es sehr schwierig sein wird, einen nachhaltigen Einkauf sicherzustellen. Und wenn dann noch NGOs mit ihren Wünsch-Dir-was-Vorstellungen kommen, dann gewinnt man den Eindruck, hier gehe es gar nicht mehr um die Wirtschaftlichkeit. Mit dem bunten Strauß an Vorschlägen, den die NGOs für die Nachhaltigkeit machen, bleibe der Gewinn auf der Strecke. Alles im Youtube-Video anzuhören und anzuschauen…

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Freigeistige Podcaster: @philipbanse @dersender „Wir schmeißen alles weg, was wir aus dem Radio kennen und fangen neu an“

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Podcasting aus Leidenschaft

Schon kleine technische Variationen, Erweiterungen und minimale Änderungen der Rahmenbedingungen können etwas völlig Neues auslösen, konstatieren die Podcast-Pioniere Tim Pritlove und Philip Banse in der von Pritlove produzierten Sendung „Lautsprecher“. Das gilt für gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen, schlägt aber bei den klassischen Massenmedien in viel größerer Wucht ein. Beim Podcasting entstanden in den vergangenen zehn Jahren völlig neue Formate, auch wenn das Radio nicht neu erfunden wurde.

Es setzt sich eine neue Kommunikationshaltung durch, die tradierte Ausdrucksformen wie das Radio-Feature aufleben lässt.

„Der Aufwand, mit dem im öffentlich-rechtlichen Rundfunk Feature produziert werden, sprengt die Vorstellungen der allermeisten Hörer“, so der erfahrene Radio-Mann Banse.

Man sitzt dafür eine Woche im Studio mit Regisseur, Produzent und Profi-Sprechern, produziert täglich um die acht Stunden, zaubert ein Stück über die Dauer von einer Stunde, präsentiert es recht lieblos auf der Website und macht es nach der Ausstrahlung noch eine Woche abrufbar, wenn die…

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Trendbook: Wie man sich für die vernetzte Smart Service-Welt rüstet

Trendbook Smarter Service

Wie der Papst der Wettbewerbstheorie Michael E. Porter kürzlich feststellte, wird eine neue Generation von intelligent vernetzten Produkten in vielen Lebensbereichen die Kundenerwartungen grundlegend verändern und die komplette Wertschöpfungskette aufmischen.

Smarte Services wie das NEST Thermostat, das Fitbit Band oder das Sonos Sound System gestalten unser Verhältnis zu physischen Produkten neu. So wie Amazon die Erwartungen der Kunden an den Handel radikal verändert hat, tragen auch intelligent vernetzte Produkte dazu zu einer Metamorphose der Kundenerwartungen bei. Es entsteht ein disruptiver Ruck und die Industrien werden neu gestaltet.

Für das Jahr 2020 prognostiziert Gartner bis zu 212 Milliarden smarte Geräte, die ans Internet angebunden sind. Sie wirken als intelligente Schnittstellen zwischen digitaler und physischer Welt. Cisco schätzt das Potenzial auf 14,4 Billionen US-Dollar. Wem es gelingt, die Chance zu nutzen, der kann in der nächsten Runde der internetbasierten Technologien und Dienstleistungen an Wettbewerbern vorbeiziehen.

„Damit stehen wir an der Schwelle zu einer neuen Ära des Internets: Mit der Zunahme an Smart Services umgibt uns das Internet unsichtbar“, sagt Dietmar Dahmen, Jurymitglied des Smarter Service Award und Innovationsberater.

Führungskräfte fremdeln mit der Digitalisierung, denn sie findet außerhalb ihrer Erfahrungswelt statt

Wenn Produkte immer mehr zu intelligenten Services werden und das vernetzte Erlebniswelt der Kunden die Gewinner auf den Märkten der Zukunft definieren, dann werden smarte Services zu überlebenswichtigen Erfolgsfaktoren.

„Wir brauchen ein neues Bewusstsein für diese grundlegenden Veränderungen. Führungskräfte fremdeln mit der Digitalisierung, denn sie findet außerhalb ihrer Erfahrungswelt statt. Wir wollen bei Entscheidern aus Industrie, Handel und Dienstleistung ein Verständnis dafür schaffen, smarte Services als zukünftige Erlösquelle für die nächste Ära ihres Geschäfts zu sehen“, so Bernhard Steimel, Studienautor und Initiator des Smarter Service Award.

Das „Trendbook Smarter Service“ sei ein erster Schritt. Es präsentiert die besten Services 2014 und dokumentiert die aktuellen Herausforderungen sowie Veränderungen in der Welt der vernetzten Services.

„Ein Service ist smart, wenn er seine Komplexität vor dem Kunden verbirgt und durch Einfachheit überzeugt. Das erfordert eine ebenso akribische Konstruktion wie bei einem Produkt. Genauso wichtig ist es, beim Service-Design konsequent die Kundenperspektive einzunehmen und sich die Alltagserfahrungen der Nutzer vor Augen zu führen“, erläutert Co-Autor und Service-Experte Harald Henn.

Smarter Service Award als Kristallisationspunkt für das Internet der Dinge

In den vergangenen Jahren haben die Internet-Unternehmen aus dem Silicon Valley die Digitalisierung dominiert. Manche Analysten sehen dennoch die deutschen Industrie-Konzerne gut positioniert, um die nächste Runde wieder für sich zu entscheiden. Jedoch kämpfen noch die meisten deutschen Unternehmen damit, einen klaren geschäftlichen Nutzen aus der Digitalisierung zu ziehen.

„Für das Jahr 2015 planen wir den Smarter Service Award als Kristallisationspunkt für das Internet der Dinge zu positionieren. Er bietet innovativen Unternehmen in Deutschland ein Siegel, um ihre Erfolge einem größeren Publikum zu präsentieren, sich mit Innovationsführern aus anderen Branchen zu messen und sich selbst zu verorten“, betont Steimel.

Mit der Preisvergabe werden Service-Innovationen gefördert, die den Nutzer in den Mittelpunkt stellen, um so effektive und nutzergerechte Mensch-Service-Interaktionen zu demonstrieren. Die begleitende Studie dient dem Benchmarking, der Best-Practice-Kommunikation und dem Know-how-Transfer in der Smart-Service-Welt in Deutschland.

Gute Frage: Knöllchen wegen eingeschneiter Windschutzscheibe?

Verschneite Windschutzscheibe

Auf Parkscheinen steht immer, dass man sie gut sichtbar hinter die Windschutzscheibe legen soll. Aber wie ist es eigentlich bei Schneefall? Bekommt man einen Strafzettel, wenn der Schein wegen der Schneeschicht nicht sichtbar ist?

„Unabhängig davon, was auf dem Parkschein steht: Die Straßenverkehrsordnung (StVO) schreibt vor, dass dieser von außen gut lesbar am oder im Fahrzeug angebracht werden muss. Das gilt aber nur unter normalen Umständen“, so Michaela Zientek, Juristin der D.A.S. Rechtsschutzversicherung.

Man sei nicht verpflichtet, bei jedem Schneefall zurück zum Auto zu laufen und die Scheibe zu säubern. Wenn man den Parkschein also bei freier Windschutzscheibe gut sichtbar aufs Armaturenbrett gelegt hat, sollte das ausreichen. Dies gilt auch für Anwohner-Parkausweise. Fängt man sich dennoch einen Strafzettel ein, ist es ratsam den Parkschein der Behörde vorzulegen und ein Foto des eingeschneiten Autos zu machen. Ein Freibrief für „kostenloses Parken“ sei Schneefall nicht, erläutert die Juristin.

Die Knöllchenjäger werden wohl die eingeschneite Windschutzscheibe nicht freimachen, um nach dem Parkschein zu suchen. Da zählt die Quote….

Wie Software den Journalismus verändert

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Technologie

Schon kleine technische Variationen, Erweiterungen und minimale Änderungen der Rahmenbedingungen können etwas völlig Neues auslösen, konstatieren die Podcast-Pioniere Tim Pritlove und Philip Banse in der von Pritlove produzierten Sendung „Lautsprecher“.

Bei Verlagen, TV und Hörfunk erlebt man allerdings häufig eine ausgeprägte Feindlichkeit gegenüber Technologien und Innovationen. Ohne Buchdruck gäbe es doch den ganzen Journalismus nicht, proklamiert Pritlove. Die gesamte Medienbranche sollte zur Kenntnis nehmen, dass die Software ein redaktionelles Mittel ist. Heute ist es entscheidend, wie komfortabel man kommentieren und publizieren kann, ob die URL für jeden Beitrag einzeln zur Verfügung steht, um sichtbar zu werden. Wie sich ein System verhält, ist nicht mehr in einer Maschine integriert, die im Keller steht und vor sich hin dampft. Die Technologie ist ein entscheidender Faktor des Journalismus und die Programmierer sollten ein wichtiger Bestandteil von redaktionellen Teams sein. Die Software muss Schritt halten, um moderne Berichterstattung zu garantieren und um Sendungen…

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Graswurzel-Talkshows statt Streit-Inszenierungen von Illner & Co. #Bloggercamp.tv

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Talkshows

„Kopf hoch, Zähne zusammenbeißen, Hirn nicht abschalten: Wer bei ‚Maybrit Illner‘ als Studiogast eingeladen ist, muss sich schon mal mit einem Beruf abfinden, der am besten zur Sendung passt“, so leitet die FAZ einen interessanten Gastbeitrag des Schriftstellers Ulf Erdmann Ziegler ein. Die ZDF-Talkshow „verhandelte“ den Edathy-Fall. Ziegler gewährt einen wichtigen Einblick hinter die Kulissen des Geschehens. Qualitätsjournalismus, sorgfältige Vorbereitung, Diskurs-Kultur und Kompetenz sucht man in diesen Talkshow-Formaten wohl vergeblich. Mit der Brechstange wollte die Illner-Redakation den Autor zum Psychologen umwandeln, obwohl er Psychologie vor drei Jahrzehnten nur im Nebenfach studiert hat:

„Entgegen der Absprache erwähnte Illner, als sie sich vor laufender Kamera zum ersten Mal an mich wandte, dass ich Psychologie studiert hätte – auch wenn ich nicht praktiziere. Genauso gut hätte sie sagen können: Wir haben hier einen Bullen geordert, aber es ist leider nur ein Ochse geliefert worden.“

Die Expertise des Gastes ist völlig wurscht. Hauptsache er…

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Erzählstränge für die autonomen TV-Macher – Besprechung unseres Live Streaming-Opus in „Praxis der Wirtschaftsinformatik“

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Tolstoi. Live Streaming-Literatur und die Leidenschaft der ausgiebigen Lektüre Tolstoi, Live Streaming-Literatur und die Leidenschaft der ausgiebigen Lektüre

Es ist wohltuend, dass es Rezensenten gibt, die sich nicht an der gigantisch kurzen Halbwertzeit bei der Besprechung von Büchern orientieren. Das Zeitfenster für die Erwähnung neuer Werke wird immer kleiner. Man behandelt Sachbücher und literarische Werke wie heiße Kartoffeln, die sofort serviert werden müssen. “Die Beschleunigung ist derart wahnsinnig, dass ein Buch nicht nach einem Jahr, sondern schon nach drei Monaten veraltet. Spätestens nach sechs Monaten ist es sinnlos, noch auf Rezensionen zu hoffen, um Bände zu verkaufen”, moniert der Bonner Verleger Stefan Weidle – festgehalten im Wortspielradio-Podcast, den ich zusammen mit dem ehemaligen WDR-Hörspielchef Wolfgang Schiffer in unregelmäßigen Abständen produziere.

Die meisten Buchhandlungen würden ihren Bestand nach spätestens sechs Monaten remittieren, moniert Weidle. Kaum einer bestellt mehr nach, wie es noch zu Zeiten des Buchlaufzettels war. Um so wichtiger seien Literaturbuchhandlungen wie Wetzstein in Freiburg, Bittner in Köln oder…

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„Wenn ein neues Buch erscheint, lies Du ein altes“: Empfehlungen nicht nur an Literaturblogs #Wortspielradio #fbm13

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Wolfgang Schiffer im Gespräch mit dem Verleger Stefan Weidle Wolfgang Schiffer im Gespräch mit dem Verleger Stefan Weidle

Ein Tag auf der Frankfurter Buchmesse für eine weitere Sendung des Wortspiel-Radios. Diesmal kein Live-Podcasting, sondern Interviews mit Verlegerinnen und Verlegern von kleinen, ambitionierten und unabhängigen Verlagen. Wolfgang Schiffer und ich fragten nach den verlegerischen Konzeptionen, Neuerscheinungen und Plänen.

„Und manch einem haben wir gar eine Antwort entlocken können auf die Frage ‚How long is now'“, so Wolfgang Schiffer in seinem Blogpost.

Eine tiefsinnige Frage, die auch vom gesamten Literaturbetrieb beantwortet werden müsste. Es werden fantastische Bücher gemacht, die gute Rezensionen bekommen, aber im Buchhandel mehr schlecht als recht verkauft werden. Allerdings ist eine Trendwende absehbar, sagt Stefan Weidle. Die Stimmung dreht sich vor allem bei den Buchkäufern.

Es häufen sich die negativen Berichte über die „Kaufhauspolitik“ von Buchketten wie Hugendubel oder Thalia, die mit ihrer eher bescheidenen Sortimentspolitik in Schwierigkeiten kommen und gegen Amazon wenig entgegensetzen können. Das seien…

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Ästhetischer Mathe-Unterricht mit digitalen Werkzeugen #DigitalesManifest

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Da gab es noch Kopfnüsse statt digitaler Werkzeuge - Regenweiher Grundschule in Berlin-Neukölln. Da gab es noch Kopfnüsse statt digitaler Werkzeuge – Regenweiher Grundschule in Berlin-Neukölln.

In der Bildungspolitik wäre es jetzt wichtig, sich mehr mit den Vorzügen des vernetzten Lernens auseinanderzusetzen. Stattdessen vergeuden die Kultusminister von Bund und Ländern wertvolle Zeit für Struktur-Diskussionen. An den wirklichen Schwächen der Wissensvermittlung mogeln sich die meisten vorbei.

„Besonders im Schulunterricht werden Dinge gemacht, die eher schädlich sind als nützlich. Ein Lehrer muss sich mit 30, 60 oder 90 Schülern beschäftigen; er hat ja nicht nur eine Klasse und muss das große Ganze im Blick haben, aber nicht den Einzelnen“, sagt der Wiener Naturwissenschaftler Professor Herbert W. Franke.

Eine individuelle Förderung sei unter diesen Umständen nicht möglich. Beim Einsatz von digitalen Lernautomaten würde das anders aussehen.

Wenn man ein analytisches System zur Verfügung habe, ist eine Bestandsaufnahme für jeden einzelnen Schüler möglich. Zudem könne der Unterricht variabler gestaltet werden.

„Zwei- oder dreidimensionale Zusammenhänge lassen sich mit…

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Plakat mit Geschichte: Zum KI-Forscher Joseph Weizenbaum

Weizenbaum-Plakat der Gesellschaft für Informatik

Der 2008 verstorbene Berliner Wissenschaftler Joseph Weizenbaum zählte zu den legendären Persönlichkeiten der Forschungsszene für Künstliche Intelligenz (KI). Der “Pionier, Dissident und Computerguru”, der als Professor für Computerwissenschaften am MIT in Cambridge unterrichtete und später wieder nach Berlin zurückkehrte, entwickelte 1966 ein Computerprogramm namens Eliza, das einen einfachen Dialog mit einem Menschen führen konnte. Das Projekt spielt auf Eliza Doolittle aus George Bernhard Shaws Schauspiel Pygmalion an:

“Meine Idee war, dass mein Sprach-Analyse-Programm in seiner sprachlichen Ausdrucksweise immer besser, also differenzierter, genauer und raffinierter werden würde, genau wie die Blumenverkäuferin aus dem Musical, unter der Anleitung ihres Lehrers Professor Higgins”, erläutert Weizenbaum in einem Interview.

Ich hatte nicht nur das Vergnügen, mit Weizenbaum ein längeres Gespräch zu führen, sondern konnte auch eine Diskussionsrunde mit ihm und Professor Wolfgang Wahlster, Direktor des Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz, in Berlin organisieren.

Mein Interview mit Joseph Weizenbaum in Berlin

Mein Interview mit Joseph Weizenbaum in Berlin

Weizenbaum stellte sich im Laufe seiner Karriere immer kritischere Fragen über die gesellschaftlichen Folgen der Fortschritte in der Computertechnik. Was ihn im Kern immer mehr bewegte, war die Frage nach der Wechselwirkung zwischen technischer Entwicklung und gesellschaftlichen Veränderungen. Dabei kritisierte er auch bei dem Expertengespräch mit Wahlster nicht die technischen Möglichkeiten grundsätzlich, sondern die teilweise religiös anmutende Gläubigkeit in die Naturwissenschaften.

„Die Extremisten, die Ideologen der Künstlichen Intelligenz, versuchen, Gott zu spielen. Da muss man von Grössenwahn, buchstäblich von Wahnsinn sprechen.“

Wahlster sieht die KI-Forschung, zumindest in Deutschland, nicht auf diesem Entwicklungspfad. Im Vordergrund müsse eine “Informatik für den Menschen” stehen: die Schaffung intelligenter Technologien für die Mensch-Technik-Interaktion, die den natürlichen Kommunikationsstil von Techniklaien akzeptieren, einen direkten Dialog mit der Technik unterstützen und damit Hemmschwellen bei der Nutzung von Hochtechnologie abbauen.

„Semantische Technologien überbrücken die Lücke zwischen der Fachsprache der Informatik und den Sprachen ihrer Anwender, weil sie es erlauben, verschiedene Begriffssysteme ohne Bedeutungsverlust ineinander zu übersetzen. Automobilingenieure, Medizintechniker oder Logistikexperten sind mit semantischen Technologien in der Lage, ihr Wissen und ihre Prozessmodelle digital in der eigenen Fachsprache zu formulieren, ohne die speziellen künstlichen Sprachen zur maschinellen Wissensrepräsentation erlernen zu müssen“, betonte Wahlster.

Hier setzte auch Lupo Pape an, Geschäftsführer von Semanticedge in Berlin und ebenfalls Teilnehmer der Expertenrunde. Das Ziel der Sprachdialoge sei es, den Erwartungen des Menschen so nahe wie möglich zu kommen.

Die Kritik von Weizenbaum hat sich nach seiner Einschätzung auf die KI-Forschung positiv ausgewirkt:

“Es geht nicht mehr darum, in den konstruierten Computern oder Robotern den besseren Menschen zu erkennen und auf eine postbiologische Welt zuzusteuern. Das sind Wahnvorstellungen. Heute geht es darum, dass sich der Mensch nicht länger dem Computer anpassen muss. Die Informationstechnik muss sich an den Menschen anpassen. Softwaresysteme müssen daher intelligenter werden, damit sie besser verstehen, was der Mensch von ihnen will und damit sie sich umgekehrt dem Menschen einfacher verständlich machen: Das gilt besonders für die automatische Spracherkennung per Telefon. Es geht nicht um eine Nachahmung der Kommunikation zwischen Menschen, sondern um eine angemessene Behandlung des Menschen im Dialog mit dem Computer”, so Pape.

Auch Wahlster rückt die humanistischen Ziele in den Vordergrund seiner Forschungsarbeiten.

“Die semantische Wende ist die größter Herausforderung für die Informatik in den nächsten Jahren. Nicht die Interaktion über komplizierte Kunstsprachen mit Tastatur und Maus, sondern die Kooperation in der Alltagsbegrifflichkeit mit Sprache und Gestik sollen in Zukunft im Zentrum einer ‘Informatik für den Menschen’ stehen”, sagt Wahlster.

Deshalb übersetzt er die KI eher als künftige Informatik.

„Die Zeiten der KI-Gurus, die irgendeine Methode als Allheilmittel propagierten und nur anhand einer Spielzeugwelt demonstrierten, sind seit vielen Jahren vorbei – wie auch im Rest der Informatik“, so Wahlster.

Eine Weltherrschaft der Künstlichen Intelligenz sei nicht angebrochen, dafür seien in den vergangenen fünf Jahrzehnten allerdings einige wichtige und nützliche Durchbruchinnovationen gelungen. So konnte ein Computer den Schachweltmeister schlagen, Roboter könnten autonom den Mars explorieren, Telefondialoge zur Terminabsprache liessen sich automatisch übersetzen und ein fahrerloses Auto fahre durch unbekanntes Gelände.