Über @spatzlhirn

#system1 - the evolutionary why of human behaviour

Session #system1 beim Barcamp Regensburg, #bcrgb17

Beim Barcamp Regensburg 2017 gab es eine Session zu #system1

#system1 – Wie wir vernünftig(e) Entscheidungen treffen.

Eine Einführung in das Lebenswerk und das Buch von Daniel Kahneman:

‚Schnelles Denken, Langsames Denken‘

Im folgenden eine Linkliste in denen ihr mehr Informationen finden könnt.
Das Seminar ist u.a. hier gelistet: http://if-agora.de/angebot.php?id=47

(Die Truppe um die InterfaceAG organisiert u.a. auch die Münchener BarCamps,
vgl. www.duerre.de )

Einige gebloggte Informationen zu Kahneman finden sich auch hier:

http://ed.iiQii.de/gallery/VictimsOfGroupThink/DanielKahneman_wikipedia_org

http://ed.iiQii.de/gallery/ValueCreation/HarteArbeit

http://ed.iiQii.de/gallery/VictimsOfGroupThink/DanielKahneman_nobelprize_org

http://ed.iiQii.de/gallery/VictimsOfGroupThink/NorbertSchwarz_umich_edu

https://www.amazon.de/Schnelles-Denken-langsames-Daniel-Kahneman/dp/3886808866

Und zum Schluß noch ein Goodie obendrauf:
https://ichsagmal.com/2015/10/18/live-hangout-ueber-daniel-kahneman-und-die-selbstueberschaetzung-von-managern-neo15/

https://www.diigo.com/user/ef12-diigo?query=%23system1

P.S: Die Geschichte von Android und auch von google selbst:
Zufall und Glück waren bestimmend!
„So wollten die Google-Gründer nach einem Jahr ihr Unternehmen für eine Million Dollar verkaufen, aber dem potenziellen Käufer war der Preis zu hoch und der Deal platzte. Weil jede folgende Entscheidung des Suchmaschinen-Giganten mehr oder weniger positiv ausging, deutet die Geschichte auf ein beinahe makelloses Vorauswissen hin – „aber Pech hätte jeden einzelnen der erfolgreichen Schritte zunichtemachen können“, bemerkt Kahneman.
http://ed.iiQii.de/gallery/Die-iiQii-Philosophie/AndyRubin_spies_com

 

Populismus – Was wir von Trump lernen können

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Ist Trump dumm? Oder eher ‚gerissen‘?
Ist Populismus gut oder schlecht?

2006 schrieb David Brooks in der New York Times den Artikel ‚Gorgias and the Harvard Kids‘, in dem er scharf mit den Elite-Studenten und Intellektuellen ins Gericht ging, dergestalt daß sie die einfachsten erfolgreichen Rezepte und Lehren aus der Geschichte nicht verstehen würden, weil sie unzureichend in Philosophie und Geschichte gebildet seien (1).

Gorgias, wir erinnern uns, steht für die Redekunst und deren Überzeugungskraft:

„Während Gorgias der Meinung ist, dass die Redekunst die höchste der Künste ist, ist sie für Sokrates keine, sondern bloße Schmeichelei. Dem Redner käme es nicht darauf an, dem Volk Gutes zu sagen, sondern darauf, ihm nach dem Munde zu reden. Sokrates vergleicht den Redekundigen mit einem Koch, der möglichst schmackhafte Speisen zubereitet, während der Philosoph einem Arzt gleiche, dem es um die (seelische) Gesundheit der Menschen ginge“ (wikipedia.org)

Es ist nicht schlimm, daß ‚wir‘ auf den Populisten Trump reingefallen sind. Es ist jedoch extrem schlimm, daß wir – seit Gorgias- immer wieder auf Populisten reinfallen.

Einer der Einzigen, der (dieses Mal!) klar vorhergesagt hat, daß und warum Trump gewinnen würde, war Michael Moore (2).

Verkürzt auf ein zentrales Argument lautete seine Analyse, daß Trump die Stimmung der Stahlarbeiter im sog. ‚Rusty Belt‘ richtig erfasst habe und sie geschickt und gewinnbringend in Wählerwillen ummünzen konnte.

Doch gehen wir noch ein paar Jahre zurück. Brigitte Hamann hat in ‚Hitlers Wien‘

Dr. Karl Lüger zu Wort kommen lassen.

Es ist sehr interessant, sich die Mechanismen des ‚Professoren-Hasses‘ zu Gemüte zu führen und sie mit dem System Trump zu vergleichen.

„Lueger hatte ein großes Talent zur Selbstinszenierung. Er liebte öffentliche Auftritte als der schöne Karl mit der goldenen Bürgermeisterkette… Da sie nun wegen ihrer Masse zunehmend den Ausgang der Wahlen bestimmten, mussten neue Wege gefunden werden, um an diese Wähler heranzukommen, die sich den bisher üblichen Propagandamitteln entzogen. Auf allen politischen Ebenen tauchte ein neuer Politikertyp auf, der Volkstribun… Die neuen Politiker, die die Zeichen der Zeit früh erkannten wie Schönerer und Lueger, suchten den Kontakt mit dem Volk: in Gasthäusern, Bierhallen, auf Marktplätzen, in den Betrieben. .. Der Volkstribun Lueger hielt seine Reden gerne im Dialekt, stellte sich im geistigen Niveau auf seine Zuhörer ein, machte alles Schwierige einfach, würzte seine Reden mit Witzen. Und er tat das was die meisten Stimmen einbrachte: Er griff die Feinde seiner Wähler an, verstärkte ihre Antipathien, nicht nur gegen Politiker, sondern auch gegen … Minderheiten, ‚die Reichen da oben‘, ‚den Pöbel da unten‘ und die Fremden… Er appellierte bewusst an Gefühle und Instinkte und eben nicht an die Vernunft und kritischen Verstand.. Hugo von Hoffmannsthal prägte in dieser Zeit das Wort: Politik ist Magie. Welcher die Massen aufzurufen weiß, dem gehorchen sie. So wirkten Luegers Reden auf die Zuhörer wie eine Massensuggestion. Lueger habe nahezu übernatürlich seine Willensübertragung auf andere auszuüben vermocht… Er, ein Gebildeter, ein Doktor, ein Advokat, zerfetzt die Ärzte, zerreißt die Advokaten, beschimpft die Professoren, verspottet die Wissenschaft; er gibt alles preis, was die Menge einschüchtert und beengt… und sie jauchzen, rasen, glauben das Zeitalter sei angebrochen, das da verheißen ward mit den Worten: selig sind die Armen im Geiste. Er bestätigt die Wiener Unterschicht in all ihren Eigenschaften, in ihrer Bedürfnislosigkeit, in ihrem Misstrauen gegen die Bildung… und sie rasen vor Wonne, wenn er zu ihnen spricht…“ (aus Brigitte Hamann: Hitlers Wien, 3)

#system1

Trump wurde oft vorgehalten, daß er sich nicht um Fakten schert. Wir müssen nun zwangsläufig registrieren, daß es Trump trotz bzw. besser wegen der Vernachlässigung von Fakten ins Präsidentenamt geschafft hat.

Matthias Nöllke hat in seinem Buch ‚Die Sprache der Macht‘ sehr schön beschrieben, warum es fahrlässig, ja: kontraproduktiv ist, bei Veranstaltungen, Reden etc. auf Argumente und Fakten zu setzen:

„Was jemand im einzelnen äußert, gerät erstaunlich schnell in Vergessenheit.
Als Zuhörer picken wir uns das heraus, was für uns wichtig ist…
Wir behalten nur einen Bruchteil in Erinnerung.
Und selbst diesen Bruchteil prägen wir uns nicht im Wortlaut ein, sondern wir passen alles, was wir aufnehmen unserem Verständnis an…
Mehr als 3 Kernbotschaften sollten Sie niemandem zumuten…
-> Keine Argumente!
Wir differenziert, hat schon verloren, könnte man die Sache polemisch zuspitzen.
Das mag uns nicht gefallen. Denn wer stark vereinfacht, wird der Angelegenheit,
um die es geht, nicht gerecht. Darüber sind wir uns als Zuhörer vielleicht sogar im Klaren,
dennoch bevorzugen wir einfache Botschaften.
-> Sie ersparen uns die Denkarbeit…
Auf der anderen Seite nützt es uns gar nichts, wenn wir im Wettstreit der Meinungen
stets den Kürzeren ziehen, weil sich die Gegenseite mit ihren einfachen Botschaften zuverlässig durchsetzt… Auf die Kraft des besseren Arguments zu vertrauen, wäre so gesehen geradezu fahrlässig…“ (4)

Trump hat dieses neurobiologische Prinzip – vermutlich aus Unwissen- viel besser verinnerlicht, als manche Akteure aus Politik und Medien.

Trump ist der Molotow-Cocktail der Entrechteten – Trump ist die AFD der USA

Populismus ist vor allem dann erfolgreich, wenn er auf fruchtbaren Boden fällt.

Im ‚Rusty Belt‘ ist dies schon seit den 70er Jahren zu beobachten. Die Evolutionsbiologin Helena Cronin schrieb bei edge.org : „Ich habe neulich gehört, wie ein amerikanischer Komiker sich über kriechende Neodarwinisten lustig gemacht hat.

‚Ich glaube nicht an das kriminelle Gen, aber wenn es eines gibt,
wird man es gleich neben dem Arbeitslosen-Gen finden.‘
Das ist politisch überaus korrekt. Aber völlig falsch, wenn man berücksichtigt, dass die Arbeitslosigkeit  bei Männern und Frauen sehr unterschiedliche Auswirkungen hat.
Für eine Frau bedeutet sie den Verlust einer Arbeitsstelle, für einen Mann einen Statusverlust…In den siebziger und achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts gab es in Chicago jährlich 900 Morde pro 1 Mio. Einwohner, während es in England und Wales nur 30 waren und in Island kaum ein einziger Mord geschah…  Und das sagt uns, welche Bedingungen wir brauchen, um die Mordraten zu senken…“ (5)

Wer die Fernsehreportagen der letzten Wochen über die 2 Zentner Harley-Fahrer und die Redneck-Farmer beobachtet hat konnte diese tiefe Verletzung des Selbstbewusstseins sehen.

Statt nun seit den 70er Jahren Maßnahmen zu ergreifen, schaut ‚Die Politik‘, ‚Die Gesellschaft‘, also ‚wir‘ zu, wie der sog. Strukturwandel kommt und geht -weltweit.

Es hilft nun recht wenig, zu betonen, daß alle, die aus den heutigen Jobs rausfliegen doch bitteschön App-Programmierer bei einer tollen Startup-Klitsche werden sollen; dies funktioniert ja auch in den sog. Neuen Bundesländern nicht.

2017 kommt Le Pen?

Um weiteren Schaden wie Orban, Wilders und Le Pen  abzuwenden, die natürlich ihr Versprechen nicht halten können werden, den ‚einfachen Menschen‘ Jobs zu zaubern, müssen dann schon viele kreative Maßnahmen ergriffen werden, um gegenzusteuern. Es nützt schlichtweg nichts, den ‚weißen alten resp. jungen Männern‘ vorzuhalten, daß sie sich Gender-mäßig verändern bzw. korrekt verhalten sollen. Die Evolution hat immer recht und es ist ziemlich unwahrscheinlich, daß dieser #change in wenigen Jahrzehnten vor sich gehen wird. Die ‚überflüssigen‘ weißen Männer wird es noch viele Jahre geben (6).

Protest oder Neugestaltung?

Natürlich ist Populismus schädlich und die praktischen Erfolge der ‚Rampensau – Charaktere‘  sind oft dürftig. Also müssen wir uns mit den elementarsten Mechanismen, den Wurzeln des Populismus auseinandersetzen. Diese haben weniger mit Trump, Le Pen oder gar dem vielgescholtenen Kapitalismus zu tun sondern viel mehr mit Evolution, Gender, Neurobiologie, Gorgias und dem unbestechlichen Alltagsverhalten.

Protest gegen Trump bzw. gegen die vermeintlich dumpfen Wähler der AFD mag opportun erscheinen,  den Populismus zu geißeln mag verlockend klingen. Es ist jedoch nicht von der Hand zu weisen, daß jede Beschäftigung mit Protest Zeit kostet, Zeit, die wir sinnvoller gleich in Aufbruch & Gestaltung und (Unternehmens-)Gründungen investieren sollten.

#Meeting

Aktivismus spielt sich keineswegs nur in abstrakten politischen Zusammenhängen ab. Wer’s nicht glaubt, braucht nur seine/ihre persönlichen Erfahrungen aus den Meetings der letzten Jahre Revue passieren lassen. Der Feind lauert hinter der Bürotür und er heißt #system1.

  1. http://ed.iiQii.de/gallery/Die-iiQii-Philosophie/DavidBrooks_slate_com

http://johncampoxford.blogspot.com/2006/03/david-brooks-for-all-you-harvard-kids.html

2. http://michaelmoore.com/trumpwillwin/

3. http://ed.iiQii.de/gallery/KeyPerformance/KarlLueger_wikipedia_org

4. http://ed.iiQii.de/gallery/KeyPerformance/MatthiasNoellke_noellke_de

5. „In den 70er und 80er Jahren 900 Morde auf 1 Mio. Einwohner in Chicago“

http://ed.iiQii.de/gallery/Querdenkerinnen/HelenaCronin_edge_org_001

6. Das Methusalem-Komplott:

http://ed.iiQii.de/gallery/Die-iiQii-Philosophie/FrankSchirrmacher_wikipedia_org

Deutsche Bank oder: Ziviler Ungehorsam darf nicht bestraft werden

Finanzwirtschaft geht auch anders

Karl Marx hat 1867 sein Werk ‘Das Kapital’ herausgegeben. Seither wird der unmäßige Kapitalismus angeprangert. Seit den 70er Jahren wird zunehmend auch in Deutschland mit politischer Verve die unmäßige Gier angeprangert, die Menschen müssten sich dagegen zur Wehr setzen. Es wird außerdem befürchtet, daß ‘Die Verantwortlichen’ für die kapitalistischen Eskapaden der letzten Jahrzehnte klammheimlich straffrei ausgehen könnten.

Im August 1979 erschien in ‘Die Zeit’ ein Artikel zum sog. Mescalero-Prozeß. Die Zeit zitiert darin Johannes Agnoli, einen politisch engagierten Hochschullehrer, der forderte,

“das Recht auf freie politische Meinungsäußerung praktisch wahr[zu]nehmen.“
http://www.zeit.de/1979/08/strafprozess-um-mescalero-nachruf

Das Recht auf politische Meinungsäußerung praktisch wahrnehmen! Wie geht das? Heutzutage fordert das sogar der Bundes[tags]präsident, doch 1979 wurde daraus schnell ein Politikum, in dem das Wort vom Zivilen Ungehorsam die Runde machte.

Mit Beginn der sog. Finanzkrise, in der u.a. 2008 die Investmentbank Lehman Brothers pleite ging, kam die Banken-Branche, die Europäische Union, ja die gesamte Weltwirtschaft nicht mehr zur Ruhe. Nun zeigen sich die Folgen der Finanzkrise auch bei der ‘Deutschen Bank’.

John Cryan, der neue CEO,  verkündete am 29.10.15 in einer Pressekonferenz daß 9000 Arbeitsplätze gestrichen werden und die “schrecklich ineffektive IT” vereinfacht werden müsse.

Außerdem wurden in der Pressekonferenz, ähnlich wie bei VW, Fehler der Vergangenheit eingeräumt, daß man immer nur ‘Der Größte’ und nicht ‘Die Beste’ sein wollte.

Das öffentliche Büßertum hat schon fast den Hauch einer Ironie!
‘Die Gier’ ist schuld, darin sind sich jetzt also die politische Linke, der CEO von VW und der Chef der Deutschen Bank einig.
Doch wer ist die personifizierte Gier und wo ist ihr Wohnsitz? (1)

katze-wird-im-spiegel-zum-loewen-dxpfxp9pv5-20 @ lol.de
Sieht so der Raubtierkapitalismus aus? #CatContent (http://www.lol.de/just4fun/witzige-spiegelbilder-292/katze-wird-im-spiegel-zum-loewen-dxpfxp9pv5-20.jpg)

Investmentbanking.

John Cryan hat also angekündigt, daß das heftig umstrittene Investmentbanking, das den Banken besonders hohe Gewinne bescherte, zurückgefahren wird.

Investmentbanking ist, vereinfacht gesprochen, ein großer Trichter in das Geld hineingefüllt wird, in eine Black Box. Durch geschicktes Handeln der Kundendienstleister in Ihrer Bank vermehrt sich Ihr Geld und Sie haben idealtypisch nachher mehr davon, alles in allem also eine ‘hochgeschätzte’ Dienstleistung.

Der Ex – Vorstand der Deutschen Bank, Josef Ackermann, sorgte am 21. Januar 2004 für erhebliches Aufsehen durch die Aussage:

„Dies ist das einzige Land, in dem diejenigen, die Erfolg haben und Werte schaffen, deswegen vor Gericht gestellt werden.

Wer ist schuld und wer trägt die Verantwortung? Die Verantwortlichen müssen endlich vor Gericht gestellt werden!

Wir wissen aus statistischen Untersuchungen und wissenschaftlich durchgeführten Versuchen (etwa von Burton Gordon Malkiel, Princeton University) sehr genau, daß die Dienstleister in den Banken unser Geld nicht verdienen (2) und die Boni für besondere Leistungen auch nicht, denn Affen, die mit Dartpfeilen werfen, haben z.T. eine bessere Performance als die hochbezahlten Fondsmanager. Der Nobelpreisträger Dan Kahneman hat das in einem Satz zusammengefasst so formuliert:

„Viele Investoren machen bei ihren Wertpapiergeschäften durchgehend Verluste, eine Leistung, mit der es ein Dartpfeile werfender Schimpanse nicht aufnehmen könnte.” Dan Kahneman: Schnelles Denken, Langsames Denken, S. 271

Das Alltags-Rätsel.

Doch warum geben wir ‘Den Banken’ dann unser Spiel-Geld? Es handelt sich schließlich jedes Jahr um viele Milliarden, unsere Milliarden.

Man mag einwenden, daß die Großen Kapitalgesellschaften, Versicherungen etc. das Prozedere viel stärker beeinflussen als wir. Stimmt leider nicht.

Es ist unsere Schuld, wenn wir in Mathematik, Statistik, Verhaltensbiologie, Evolution in der Schule nicht aufgepasst haben oder wenn wir es versäumt haben, uns diese frei verfügbaren Kenntnisse im freien Leben anzueignen. Die ernüchternde Wahrheit ist, daß wir uns in allen unseren täglichen Handlungen genauso ‘irrational’ verhalten. Der Alltag ist unbestechlich; nicht die Meinungsumfrage, wie wir uns theoretisch verhalten würden.

Im Oktober haben wir in einem Artikel bei Geist &Gegenwart( http://www.geistundgegenwart.de/2015/10/modulare-theorie.html )

die Mechanismen der Faulheit, für die niemand anderes und niemand Geringeres(!) verantwortlich ist als die Evolution, eindrucksvoll geschildert.

Es ist und bleibt in unserer Verantwortung, wo wir einkaufen, wo und für wen wir arbeiten, wem wir unser Geld geben. Mit anderen Worten, Freispruch für Ackermann und Winterkorn. Nicht die anderen sind schuld sondern wir. Die Evolution & Wir und niemand sonst gehören auf die Anklagebank.

Niemand, wirklich niemand zwingt uns dazu unser Geld einer herkömmlichen Bank zu geben statt beispielsweise einer Genossenschaftsbank, die bekanntermaßen keine Gewinne als Boni ausschüttet.

Ja, die Bank wechseln ist unbequem; viel bequemer ist es bei avaaz auf Like zu klicken für ‘Nein gegen Lebensmitelspekulation’.

Die Aufforderung zum Zivilen Ungehorsam gibt es seit den berühmten 68er Jahren…

Unser täglicher Weg zur Bank, zum Laden, zur Firma -zum Weltfrieden- ist nicht mit Leichen gepflastert, es gibt keine Polizeikommandos, die uns verbieten, coole Milch zu kaufen oder zur Genossenschaftsbank zu wechseln. Das Schöne dabei ist, wir können jederzeit damit anfangen. Täglich! Heute!

Es gibt keine Stasi, die uns daran hindert, für Unternehmen zu arbeiten, die Werte haben.

Leben wir in einer Diktatur? Die Diktatur der Neuzeit, eine solche Diktatur hat es früher noch nie gegeben. Die Diktatur hat einen Namen: es ist die Freiwilligen-Diktatur. Denn wir machen das schließlich alles freiwillig!

Diese Erkenntnis mag ziemlich unbequem und überraschend sein, doch die seit 1979 geäußerte Aufforderung:

“indem wir das Recht auf freie politische Meinungsäußerung praktisch wahrnehmen.“   

ist noch nie aktueller als jetzt gewesen.

Handeln statt Reden. Meinungsäußerung und Verantwortung praktisch wahrnehmen. Und nicht: ‘Die Spieltheorie’ für den inneren Schweinehund und fürs Nicht-Agieren verantwortlich machen.

Das ist Die Aufforderung zum Zivilen Ungehorsam.

  1. http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/evolution-und-wirtschaftsysteme-die-gier-ist-aelter-als-der-kapitalismus-1.2547695
  2. http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/deutsche-bank-ohne-bonus-macht-kein-banker-die-finger-krumm-1.2751721

So geht #Innovation und #Diversity

Am 11.05.2000 erschien in der Zeitschrift Nature ein Artikel zur Rolle von IT und Datenbanken in den Naturwissenschaften, darin folgendes Zitat:

„Science is an assault on ignorance, Its legacies are concepts, technologies and databases.
As with many walks in life, *the most glamorous legacies tend to get the most attention* and the least are neglected“
http://socrates.berkeley.edu/~scotch/maureretal_nature.pdf

Ganz aktuell (Dez. 2015) erschienen in Bild der Wissenschaft bzw.  Süddeutscher Zeitung folgende Artikel zu
– Charisma und
– Schlagfertigkeit und
– sog. sozial-unangepasstem Verhalten.

#Diversity hat mittlerweile in Management-Abhandlungen fast Kultstatus erreicht; doch offensichtlich fehlt es an der rechten Würdigung von evolutionären und sozial- & organisations-psychologischen Faktoren
um dieses theoretische Gut ‚Diversity‘ auch entsprechend umzusetzen bzw. auf die Straße zu bringen, wie es so schön heißt.

„So wie sich Hochbegabte verhalten, denken alle sie wollen Karriere machen. SIE WOLLEN ABER NUR ARBEITEN…
Anderssein wird leider oft als störend wahrgenommen, nicht als bereichernd, unangepasstes Verhalten sorgt für Irritation“
http://www.sueddeutsche.de/karriere/hochbegabung-zu-schlau-fuer-die-karriere-1.2755333

William von Hippel zu Charisma:
„Obwohl wir erwartet hatten, dass geistige Geschwindigkeit mit Charisma zu tun hat, dachten wir, dass dieser Faktor weniger wichtig ist als der Intelligenzquotient“, sagt Stundenleiter William von Hippel.
„Die korrekte Antwort auf eine schwierige Frage geben zu können scheint aber weniger wichtig zu sein, als die Fähigkeit, eine große Anzahl von sozialen Reaktionen in einem kurzen Zeitfenster von sich zu geben“,
resümiert von Hippel, http://www.wissenschaft.de/home/-/journal_content/56/12054/9023472

Die Sueddeutsche Zeitung zitiert William von Hippel folgendermaßen:
„Hippel erklärt den Befund mit einem Exkurs in die sogenannte soziale Intelligenz, also das Vermögen, in Situationen erwünschten Normen entsprechend zu reagieren. „Unsere Ergebnisse zeigen,
dass soziale Intelligenz nicht nur bedeutet, das richtige Handeln zu erkennen“, sagt Hippel, „sondern dieses auch so schnell wie möglich auszuführen.““
http://www.sueddeutsche.de/wissen/psychologie-beliebte-schnelldenker-1.2766001

Auf die (Natur-) Wissenschaften bzw. auf die sog. Jungen Wilden von der #Innovationsfront (Stichwort #DigitalLife) übertragen, muß man sich konsequenterweise die Frage stellen, wie wir Innovationen befördern und welche Innovationen wir wollen und brauchen:

Nur die schnellste, nicht die beste oder intelligenteste Verhaltens-Antwort bzw. die optimale Lösung zählt?!?
Susan Cain hat dieses Phänomen in Ihrem Buch Quiet (‚Still‘) in einem Beispiel beschrieben.
An der Harvard Business School wurde ein Rollenspiel ‚Überleben in der Subpolarregion‘  durchgeführt:
„Ein Kommilitone hatte das Glück in einer Gruppe zu sein, in der ein junger Mann über ausgiebige Erfahrungen mit den abgelegenen Regionen des Nordens verfügte. Er hatte viele gute Ideen… Nur hörte die Gruppe nicht auf ihn, weil er seine Ansichten nicht mit genug Nachdruck vertrat… Unser Aktionsplan basierte auf den Vorschlägen der redefreudigsten Leute, erinnert sich ein Student…
Wenn Sie an Konferenzen denken… bei denen sich die Ansicht der dynamischsten oder redefreudigsten Person durchsetzte und das zum allgemeinen Schaden. Wenn wir davon ausgehen, dass stille und laute Menschen in etwa die selbe Anzahl an guten (oder schlechten) Ideen haben, dann sollte der Gedanke, dass nur die lauteren und energischeren Menschen sich durchsetzen, uns besorgt aufhorchen lassen. Das würde bedeuten, das ein ganzer Haufen schlechter Ideen siegt, während viele gute untergehen. Studien in Gruppendynamik belegen, dass genau das passiert… Redefreudige Menschen erscheinen uns klüger als stille“
http://www.geistundgegenwart.de/2011/08/still-die-bedeutung-von-introvertierten.html

Und noch ein weiteres *wortwörtliches* Zitat von Susan Cain:
„Es reicht nicht aus […] am Computer eine großartige statistische Regressionsanalyse durchführen zu können,
wenn man zu zaghaft ist, die Ergebnisse vor einem Team von Führungskräften zu präsentieren…
(Augenscheinlich ist es in Ordnung, sich bei einer Regressionsanalyse zaghaft anzustellen, solange man großartige Reden schwingt).“

„All change is AGAINST the rules“ sagt Polly La Barre:
http://ed.iiQii.de/gallery/Die-iiQii-Philosophie/PollyLaBarre_managementeXchange_com

Das sollte uns zu denken geben, bei der Förderung aller Neuen Ideen als auch bei der Weltklima-Konferenz.
Innovationen wollen heutzutage praktisch alle, in theoretischen Statements, aber am liebsten von ‚dressierten Äffchen‘ und ‚angepassten Innovatoren‘.