Verbesserte Lync-Integration für die Aastra 400

Aastra 400_Milieu

ITK-Spezialist Aastra stellt eine neue Version der Kommunikationsplattform Aastra 400 (Release 3.1) vor. Mit einer verbesserten Integration von Microsoft Lync 2013, neuen SIP-Telefonen und erweiterten Presence-Funktionen bietet sie nach Firmenangaben höhere Flexibilität. ​“Durch die zertifizierte Interoperabilität mit Microsoft Lync 2013 können Kunden Lync für Instant Messaging und die Zusammenarbeit nutzen, ohne auf die Vorzüge der Aastra 400-Plattform bezüglich Telefonie, Mobilität, Video und zusätzlicher Business Applikationen verzichten zu müssen. ​Die jüngst vorgestellten Telefone der Reihe 6800i zeichnen sich durch Audio in HD-Qualität, eine vereinfachte Installation und Optionen für eine komfortable und intuitive Nutzung aus und unterstützen mit Gigabit-Ethernet datenintensivere Kundenlösungen.“

Die neue Version unterstützt das aktuelle Update des BluStar Video Ecosystem, das um Application Sharing, CTI und ein übergreifendes Presence Management ergänzt wurde. Es bündelt Präsenzinformationen aus verschiedenen Quellen und verteilt diese an alle angemeldeten BluStar-Komponenten sowie an alle Clients und Endgeräte des Kommunikationsservers – ob Digital-, IP- und SIP-Telefone oder SIP-DECT-Endgeräte. ​Weitere Neuerungen sind eine vereinfachte Konfiguration und die Installation von Telefonen sowie Clients per Assistenten, automatisierte Konfiguration und Updates für den Mobile Client, mit dem sich Mobilfunkkosten senken und eine One-Number-Lösung implementieren lassen.

Slow Media-TÜV für digitale Arbeitswelten – Konzepte gegen den Revierstress

Digitaler Revierstress in der Arbeitswelt

Digitaler Revierstress in der Arbeitswelt

Viele Menschen brauchen die Onlineverbindung zur Welt und zur Nachrichtenlage mittlerweile als tägliches Rüstzeug.

„Bei nicht wenigen Menschen läuft während des gesamten Arbeitstages das Internet im Hintergrund – jederzeit bereit, auf Wissen zuzugreifen, Auskunft zu geben, Zerstreuung zu bieten und Kontakte herzustellen. Das Internet ist ein beruflicher und sozialer Interaktionsraum“, schreibt Sabria David im Fehlzeiten-Report 2013.

Das Ganze eineindeutig mit Internet-Sucht gleichzusetzen, wie es der Neuro-Bedenkenträger Manfred Spitzer bei jeder sich bietenden Gelegenheit zelebriert, greift dabei zu kurz. Der digitale Alarmismus schadet dem Verständnis für digitales Leben und digitale Arbeit. Den Hauptimpuls des Netzgeschehens sieht David in der Möglichkeit, Distanzen zu überwinden. Der Medientheoretiker Marshall McLuhan prägte mit einem Ausflug zum Philosophen und Wissenschaftstheoretiker Karl Popper den Begriff der Retribalisierung. Nach dem Gutenberg-Zeitalter der distanzierten Schriftkultur erleben wir nun die tribalen Elemente einer oralen Kultur, die das unmittelbare Miteinandersein wiederbelebt. Also unser berühmtes Netz-Lagerfeuer, was wir etwa in Bloggercamp.tv kultivieren. Es gibt aber auch Schattenseiten. David spricht vom Revierstress und der Revier-Verteidigung. Das spielt sich vor allem im beruflichen Umfeld und in Unternehmen ab, die noch eine ausgeprägte Präsenzkultur von ihren Mitarbeitern verlangen.

Arbeitnehmer überwachen ihr Interaktionsfeld

Arbeitnehmer sind konditioniert, ihr Interaktionsfeld zu bewachen, die Kollegen im Auge zu behalten, die Nähe zu Vorgesetzten zu suchen und möglichst spät das Büro zu verlassen. Anwesenheit wird gleichgesetzt mit Engagement und Einsatzbereitschaft. Überträgt man eine solche Präsenzkultur in das digitale Zeitalter, steigt nach Erkenntnissen von David der Druck exponentiell.

„Während bisher selbe nach langen Überstunden irgendwann einmal das Revier bestellt war, hat sich das berufliche Revier nun mittels digitaler Möglichkeiten in ungeahntem Maße ausgedehnt: zeitlich auf 24 Stunden an sieben Tage der Woche. Diese Kombination aus Präsenzkultur und digitaler Verfügbarkeit ist eine für Arbeitnehmer höchst riskante und belastende Konstellation“, erläutert David.

Es fehlen im Büro-Alltag die natürlichen Rückzugsräume und Filter, um Beruf und Privatleben voneinander zu trennen. Sich entziehen zu können und verpassen zu lernen sind nach Ansicht von David die zentralen Lektionen, die es im Umgang mit digitalen Medien zu erlernen gilt. Aber das reicht bei weitem nicht aus. Gefordert ist vor allem das Personalmanagement, den digitalen Revierstress zu minimieren und die Personalentwicklung an die technologischen Entwicklungen anzupassen. Mitarbeiter dürfen sich medial nicht verausgaben und müssen in der Lage sein, fokussiert zu arbeiten.

Keine Konzepte gegen digitalen Stress am Arbeitsplatz

In der Arbeitsorganisation von Unternehmen und Behörden passiert bislang allerdings wenig: In Deutschland kann man die Rückständigkeit als vernetzte Ökonomie an der Kompetenz von Personalmanagern relativ simpel überprüfen. Alle großen Institutionen sind in irgendeiner Weise im Netz aktiv.

„Aber 64 Prozent der deutschen Mitarbeiter in Personalabteilungen schauen nicht ins Internet“, sagt Professor Peter Wippermann vom Hamburger Trendbüro.

Den Lippenbekenntnissen nach außen folgen keine Taten nach innen. Ein Befund, den ich in meinen Kontakten zur Wirtschaft fast täglich erlebe. Technisch sei die Reise relativ klar vorgezeichnet, sagt Wippermann. Es gebe in den Organisationen große Widerstände, die allerdings öffentlich nicht zugegeben werden:

„Man verteidigt ein System der arbeitsteiligen Industriekultur mit einer Kommunikation, die Top-Down verteilt wird und nicht interaktiv ist. So lange wir noch von Neuen Medien und den Herausforderungen des Internets sprechen, wird es noch weitere 20 Jahre dauern, bis sich unsere Kultur umgestellt hat.”

Zwei Jahrzehnte darf es allerdings nicht mehr dauern, um den Revierstress im digitalen Arbeitsleben abzubauen. Schon in den vergangenen zehn Jahren verzeichnete die AOK einen Anstieg der Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen um zwei Drittel. Umso löblicher ist eine Initiative von TÜV-Rheinland und dem Bonner Slow Media-Institut, die neue Bewertungsverfahren für digitalen Arbeitsschutz entwickelt haben. Das Verfahren ist Bestandteil des Prüfzeichens „Ausgezeichneter Arbeitgeber“ von TÜV Rheinland. Neben einem obligatorischen Grundmodul können Unternehmen zusätzlich ihren digitalen Arbeitsschutz prüfen lassen. So sollte es klare und dokumentierte Regelungen zur Erreichbarkeit außerhalb der Arbeitszeit geben, die eine Work-Life-Balance fördern. Ein Unternehmen kann festlegen, dass die Erreichbarkeit via Handy oder E-Mails außerhalb der Arbeitszeit und an Wochenenden untersagt wird, für welche Fälle es Ausnahmeregelungen gibt und wie ein entsprechender Zeitausgleich für die betroffenen Personen aussieht.

In systematischer Weise werden Mitarbeiter-, Team- und Führungsebene in ein Unternehmenskonzept eingebunden.

„Für den Erfolg des digitalen Arbeitsschutzes ist es wichtig, dass diese drei Ebenen kooperieren. Das ermöglicht eine langfristige positive Veränderung, denn ein leistungsstarkes, verantwortliches mediales Umfeld wirkt sich positiv auf Unternehmenskultur und Produktivität aus“, sagt David vom Slow Media-Institut.

Arbeitnehmer achten zusehends auf weichen Faktoren.

„Unternehmen, die hier aktiv sind, verbessern ihre Chancen, Mitarbeiter und besonders Fachkräfte zu finden“, so Arne Spiegelhoff, Projektleiter bei TÜV Rheinland.

Arbeitsautonomie stärkt die Zufriedenheit

Etwas weiter bei den Work-Life-Balance-Konzepten sind Dienstleister, die die Autonomie in dezentralen Arbeitsumgebungen vorantreiben.“Mit Standort-Unabhängigkeit erschließen wir genau jene Talente für das Service-Geschäft, auf die man mit stationären Konzepten bislang keinen Zugriff hatte”, weiß Thomas Dehler vom Berliner Dienstleister Value5.
In einer Mitarbeiterumfrage von Value5 werden die Vorteile von dezentraler Arbeit deutlich. So reagiert das soziale Umfeld mit 71 Prozent positiv und unterstützt die Homeoffice-Mitarbeiter in ihrer Entscheidung, von zu Hause aus zu arbeiten. 20 Prozent äußerten sich zurückhaltend, 4 Prozent neutral und nur 2 Prozent ablehnend. „94 Prozent unserer Homeoffice-Mitarbeiter wollen mittlerweile vollständig zu Hause arbeiten. 6 Prozent plädieren für einen Wechsel zwischen betrieblicher und privater Arbeitsstätte. Entsprechend hoch ist der Zufriedenheitswert mit 4,38 bei einer Skala von 1 bis 5 (1 steht für „schlecht“, 5 für „sehr gut“).

Interessant sind die Gründe, die nach Auffassung der Mitarbeiter für dezentrale Arbeit sprechen: Es sei die beste Form, um Familie und Arbeit in Balance zu halten: „Genau so wollte ich immer arbeiten. Kein Stress und keine Krankheitsausfälle.“ Ein anderer Mitarbeiter gibt zu Protokoll, dass die Homeoffice-Tätigkeit nach einem schweren Verkehrsunfall die erste Möglichkeit war, über eine Initiativbewerbung wieder arbeiten zu können: „Und mir geht es sehr gut dabei.“ Weitere Stimmen: Zuhause sei der beste Platz zum Arbeiten ohne Mobilitätsaufwand. Das Alter spielte bei der Bewerbung keine Rolle. Es sei die optimale Beschäftigungsform: „So etwas wollte ich schon immer tun. Ich kann Familie und Arbeit in Einklang bringen.“

Flurfunk und Mobbing fallen weg, Konkurrenzdenken gegenüber Kolleginnen und Kollegen bleibt aus, Zeitdiebe wie Rushhour und ewige Parkplatzsuche bestimmen nicht mehr den Tagesablauf. Selbst bei einer Organisation mit festem Standort ergeben sich nach Erfahrungen von Value5-Geschäftsführer Thomas Dehler die Vorteile der Flexibilisierung, weil Mitarbeiter nicht jeden Tag ins Büro müssen – man kann zwischen privater und betrieblicher Arbeitsstätte wechseln. Gleiches gilt beim Angebot von freiberuflichen und festangestellten Mitarbeitern – auch hier werden die Teams in hybrider Form gebildet.

Abschied von den Präsenzerwartungen des Managements

Der Fluch der ständigen Erreichbarkeit sowie die unzureichende Abgrenzung von Beruf und Freizeit trifft also vor allem die Mitarbeiter mit einer antiquierten Präsenzerwartung von Vorgesetzten, die Anwesenheit mit Arbeit gleichsetzen. Arbeitsplätze, die über die Computerwolke gesteuert werden, könnten das Revierstress-Szenario reduzieren. Dann bringen die neuen Technologien wieder alte Tugenden hervor, wie es Marshall McLuhan in seiner Tetrade beschrieben hat.

Wer sich ausführlicher mit dem Thema beschäftigen möchte, sollte an Bord der MS Wissenschaft gehen. Dort kann man das Konzept des Slow Media-Instituts für digitalen Arbeitsschutz ausführlich studieren. Wo das umgebaute Frachtschiff vor Anker geht, erfährt man hier: http://www.ms-wissenschaft.de

Es gibt übrigens viele Möglichkeiten für die Entschleunigung. So kann man Scheuerpulver selber machen 😉

Und das die Bundesregierung an einer digitalen Agenda arbeitet, ist für die Tagesschau schon eine sensationelle Nachricht.

Digitaler Revierstress am Arbeitsplatz #msw14

ichsagmal.com

Wünsche fürs Arbeitsleben Wünsche fürs Arbeitsleben

Viele Menschen brauchen die Onlineverbindung zur Welt und zur Nachrichtenlage mittlerweile als tägliches Rüstzeug.

„Bei nicht wenigen Menschen läuft während des gesamten Arbeitstages das Internet im Hintergrund – jederzeit bereit, auf Wissen zuzugreifen, Auskunft zu geben, Zerstreuung zu bieten und Kontakte herzustellen. Das Internet ist ein beruflicher und sozialer Interaktionsraum“, schreibt Sabria David im Fehlzeiten-Report 2013.

Das Ganze eineindeutig mit Internet-Sucht gleichzusetzen, wie es der liebwerteste Neuro-Gichtling Manfred Spitzer bei jeder sich bietenden Gelegenheit zelebriert, greift dabei zu kurz.

Der digitale Alarmismus schadet dem Verständnis für digitales Leben und digitale Arbeit. Den Hauptimpuls des Netzgeschehens sieht David in der Möglichkeit, Distanzen zu überwinden. Der Medientheoretiker Marshall McLuhan prägte mit einem Ausflug zum Philosophen und Wissenschaftstheoretiker Karl Popper den Begriff der Retribalisierung. Nach dem Gutenberg-Zeitalter der distanzierten Schriftkultur erleben wir nun die tribalen Elemente einer oralen Kultur, die das unmittelbare Miteinandersein wiederbelebt. Also unser berühmtes Netz-Lagerfeuer, was wir…

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Vernetzte Arbeitsorganisation in einer vernetzten Ökonomie

Arbeiten in der Computerwolke

Arbeiten in der Computerwolke

Es gibt nach Ansicht des Management-Experten Hans H. Hinterhuber zahlreiche Gründe, warum in den meisten Unternehmen eine Lücke zwischen Umsetzung und angestrebten Ergebnissen besteht – und das gilt für zentrale und dezentrale Organisationsformen: Der Handlungsspielraum der Mitarbeiter werde durch Vorschriften, Regelungen und Genehmigungen so eingeschränkt, dass sie an Ort und Stelle wenig bewegen können.

„Will das Unternehmen anpassungsfähig und innovativ sein, brauchen die Mitarbeiter Freiheitsspielräume, innerhalb denen sie zur Zufriedenstellung der externen und internen Kunden beitragen können.”

Je komplexer Organisationen werden, desto weniger eignen sich Anordnungen und Kontrollen von „oben”. Führung gelingt nur über die Kunst des Teilens, empfiehlt Hinterhuber.

Ähnlich sieht es der Publizist Falk Hedemann:

„Unternehmen sind gut beraten, wenn sie ihre Kultur so weit öffnen, dass sie alle Arbeitstypen integrieren, den Büro-Arbeiter, den Home-Office-Menschen und den Mobile-Worker. Nur so bekommen die Unternehmen die besten Köpfe und behalten sie auch langfristig, weil sie zufrieden sind.“

Immer mehr Menschen vernetzen sich nicht nur privat über Plattformen wie Facebook, Twitter oder Google Plus, sie wollen auch so arbeiten. Und oft auch am liebsten dort, wo sie leben.

Durch die Zentralisierung vieler Unternehmen in den Ballungszentren Deutschlands wird es zunehmend schwieriger, geeignetes Fachpersonal zu rekrutieren. Große Städte werden voller und Immobilien immer teurer. So fehlen beispielsweise in der Region Stuttgart im Jahresschnitt rund 60.000 Fachkräfte. Ohne ausreichend Wohnraum wird es dort nach einem Bericht der IHK keinen Zuzug von Fachkräften geben. Die Betriebe könnten in die Situation geraten, Aufträge ablehnen zu müssen, weil ihnen ausreichend qualifiziertes Personal fehlt. Gleiches gilt aber auch für die Standortpolitik der Service-Anbieter, die sich wegen staatlicher Fördergelder und niedriger Löhne in strukturschwachen Regionen angesiedelt haben. Das rächt sich jetzt bei der Suche nach Fach- und Führungskräften. Diese Unternehmen können Kandidaten selten zum Umzug an den eigenen Standortort motivieren. Weder die Bezahlung noch der neue Wohnort sind attraktiv. Vieles spricht daher für eine vernetzte Arbeitsorganisation in einer vernetzten Volkswirtschaft.

Die besten Talente für die vernetzte Service-Ökonomie

„Mit Standort-Unabhängigkeit erschließen wir genau jene Talente für das Service-Geschäft, auf die man mit stationären Konzepten bislang keinen Zugriff hatte“, weiß Thomas Dehler vom Berliner Dienstleister Value5.

In einer Mitarbeiterumfrage seines Unternehmens werden die Vorteile von dezentraler Arbeit deutlich. So reagiert das soziale Umfeld mit 71 Prozent positiv und unterstützt die Homeoffice-Mitarbeiter in ihrer Entscheidung, von zu Hause aus zu arbeiten. 20 Prozent äußerten sich zurückhaltend, 4 Prozent neutral und nur 2 Prozent ablehnend. „94 Prozent unserer Homeoffice-Mitarbeiter wollen mittlerweile vollständig zu Hause arbeiten. 6 Prozent plädieren für einen Wechsel zwischen betrieblicher und privater Arbeitsstätte (alternierende Telearbeit). Entsprechend hoch ist der Zufriedenheitswert mit 4,38 bei einer Skala von 1 bis 5 (1 steht für „schlecht“, 5 für „sehr gut“).

Interessant sind die Gründe, die nach Auffassung der Mitarbeiter für dezentrale Arbeit sprechen: Es sei die beste Form, um Familie und Arbeit in Balance zu halten: „Genau so wollte ich immer arbeiten. Kein Stress und keine Krankheitsausfälle.“ Ein anderer Mitarbeiter gibt zu Protokoll, dass die Homeoffice-Tätigkeit nach einem schweren Verkehrsunfall die erste Möglichkeit war, über eine Initiativbewerbung wieder arbeiten zu können: „Und mir geht es sehr gut dabei.“ Weitere Stimmen: Zuhause sei der beste Platz zum Arbeiten ohne Mobilitätsaufwand. Das Alter spielte bei der Bewerbung keine Rolle. Es sei die optimale Beschäftigungsform: „So etwas wollte ich schon immer tun. Ich kann Familie und Arbeit in Einklang bringen.“ Flurfunk und Mobbing fallen weg, Konkurrenzdenken gegenüber Kolleginnen und Kollegen bleibt aus, Zeitdiebe wie Rushhour und ewige Parkplatzsuche bestimmen nicht mehr den Tagesablauf.

„Hier liegt unsere langjährige Expertise und operative Erfahrung: In der Führung von Teams, die dezentral und flexibel die das Service-Management für unsere Unternehmenskunden übernehmen. Lastspitzen werden an datenschutzrechtlich gesicherte Heimarbeitsplätze weitergeleitet. Kosten bei geringem Auftragsvolumen bleiben aus. Der Wissensaustausch der Service-Mitarbeiter erfolgt über virtuelle Plattformen und befördert eine Kultur des Teilens und beflügelt das kollaborative Arbeiten. Wort@Home kann bei man bei uns gleichsetzen mit Arbeiten in der Computerwolke“, erläutert Dehler.

Das könne vollständig oder hybrid erfolgen. Also selbst bei einer Service-Organisation mit festem Standort ergeben sich die Vorteile der Flexibilisierung, weil Mitarbeiter nicht jeden Tag ins Büro müssen – man kann zwischen privater und betrieblicher Arbeitsstätte wechseln. Gleiches gilt beim Angebot von freiberuflichen und festangestellten Mitarbeitern – auch hier werden die Teams in hybrider Form gebildet.

„Führung auf Distanz” wird nach Auffassung von Dehler immer mehr Regel denn Ausnahme sein. Mal schauen, wann sich das in Deutschland durchsetzt.

Über Piratensender mit Videorekorder und TV-Autonome, die live senden #StreamCamp14

Krümie ist schon Livestreaming-Profi :-)

Krümie ist schon Livestreaming-Profi 🙂

Die Dialogformen der sozialen Medien sind nach Auffassung von Professor Peter Weibel, Zentrum für Kunst und Medientechnologie in Karlsruhe (ZKM), nichts anderes als die demokratisierte Form der Salonkonversation, die früher nur in elitären Kreisen geführt wurde – heute ist es ein Jedermann-Phänomen. Das Internet habe das Gespräch als politische Kraft zu einem Instrument der gemeinsamen Lebensgestaltung gemacht. Diese Dialoge müsse man als Philosophie des Sprechaktes sehen. „Hier werden Dinge mit Worten gemacht“, so Weibel.

Das Monopol der Sprecher in den Parlamenten, Medien und Massen sei gebrochen. Das hätten allerdings die Politiker und Medienmanager noch nicht verstanden. Jeder kann ein Sender sein. Jeder kann sogar ein TV- und Radio-Sender sein, um die letzte massenmediale Bastion zu erobern. Selbst in der Königsdisziplin des Rundfunks: Live-Sendungen – ausführlich nachzulesen im Kapitel „Eine bewegende Bilderwelt: Von Gutenberg zur neuen Mündlichkeit im Netz – Hier werden Dinge mit Worten gemacht“ des Buches „Live Streaming mit Hangout On Air: Techniken, Inhalte & Perspektiven für kreatives Web TV“, das am 4. September im Hanser Verlag erscheint.

Emanzipatorische Visionen von Brecht und Enzensberger

Für bewegte Bilder und für Audio steht das Handwerkszeug für den digitalen Autodidakten bereit, der heute ohne Ü-Wagen, ohne Ausbildung zum Kameramann oder zur Kamerafrau, ohne Kenntnisse von Ton und Licht sowie ohne schweres technisches Gerät Fernsehen und Hörfunk machen kann. Zu jeder Zeit, an jedem Ort. Erfüllen sich nicht die emanzipatorischen Utopien der Schriftsteller Bertold Brecht und Hans Magnus Enzensberger?

Der Rundfunk wäre nach Meinung von Brecht der denkbar großartigste Kommunikationsapparat des öffentlichen Lebens, wenn er es verstünde, nicht nur auszusenden, sondern auch zu empfangen, also den Zuhörer nicht nur hören, sondern auch sprechen zu machen und ihn nicht zu isolieren, sondern ihn auch in Beziehung zu setzen. Der Rundfunk müsste demnach aus dem Lieferantentum herausgehen und den Hörer als Lieferanten organisieren.

Seine Gedanken brachte Brecht zwischen 1927 und 1932 und bezogen sich natürlich „nur“ auf den Hörfunk. Er dachte an direkte Interaktion mittels Radio über ein funkbasiertes Telefonkonferenzsystem, das die Enträumlichung der Kommunikation möglich machen sollte und zwar live. Visionäre Gedanken in einer Zeit, wo man über Jedermann-Technologie für den Rundfunk noch nicht einmal in Ansätzen verfügte. Radio und später Fernsehen waren schon aus Kostengründen für Otto Normalverbraucher unerschwinglich. Ganz abgesehen von den regulatorischen Restriktionen, denn auch das gute alte Radio war schon in den 1920er- und 1930er-Jahren gebühren- und genehmigungspflichtig.

Das Hauptentscheidungsrecht über Programm, Technik und Wirtschaft besaß die Deutsche Reichspost (!). Aber selbst im Jahr 1970, als Enzensberger seinen „Baukasten zu einer Theorie der Medien“ entwickelte, war man noch weit entfernt von den Bedingungen, die wir heute vorfinden. Wie auch Brecht fordert er, dass die Distributionsapparate in Kommunikationsapparate umgewandelt werden. Dazu müssten alle Medien offenstehen. Jeder sollte die Möglichkeit haben, sich ungehindert zu informieren und auszutauschen. Und das gehe nur, wenn man die Trennung zwischen Produzenten und Rezipienten überwindet.

Ob die dann produzierten Beiträge dem Gemeinwohl dienen, wie Enzensberger forderte, ist nicht die entscheidende Frage. Der Zugang zu Medien ist wichtiger. Insofern ist Widerspruch angesagt, wenn Medienwissenschaftler wie Joachim Paech die von Brecht und Enzensberger vertretenen Positionen als falsch werten, weil es für die Mehrheit nicht möglich sei, die Technik richtig zu bedienen.

Piratensender mit Videorekorder

Wenn man sich anschaut, welchen Aufwand diverse TV-Piratensender in den 1970er-Jahren mit simpler Videorekorder-Technik treiben mussten, um über „Open Channel“ einige Häuser im eigenen Stadtviertel erreichen zu können, wird man den Unterschied zu den Optionen von Diensten wie Hangout on Air schnell erkennen. Damals reichte der Radius nur bis zu regionalen Initiativen, Protestaktionen und Nachbarschaftsfesten. Heute ist beides möglich: Jedermann-TV für die Nachbarschaft – also hyperlokale Formate, die beispielsweise der Marketingexperte Günter Greff für seinen neuen Heimatort Perinaldo in Ligurien plant – und Formate mit internationaler Ausrichtung. Mobil und stationär sind die Möglichkeiten zum Senden und Empfangen von Audio- und Videobeiträgen nahezu unbegrenzt.

Claus Pias, Professor für Medientheorie und Mediengeschichte, sieht das anders. Die digitalisierte Kultur könne man nicht mit Begriffen der Moderne wie Transparenz oder Partizipation beschreiben, die zwischen 1780 und 1830 entstanden sind. Sein Vorschlag: Digitale Kulturen lassen sich eher mit vormodernen Begriffen verstehen. Bei einem Diskurs der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) im Bonner Kunstmuseum brachte er die Klimaforschung ins Spiel, die ohne die Digitalisierung gar nicht vorstellbar sei.

„Souveräne Fürsten kennen den Typus der nicht verratbaren Geheimnisse“, so Pias.

Das sei heute die Klimaforschung, weil die Wissenschaftler in der Komplexität ihrer weltweiten Software- und Hardware-Verbünde selber nicht mehr wissen, was in den Maschinen und in den teilweise 50 Jahre alten Codes vor sich geht.

„Trotzdem muss man Entscheidungen treffen auf einer Grundlage, die man nicht mehr verstehen kann.“

Wir würden deshalb eine veränderte Gegenwärtigkeit erleben. Ein Verschmelzen von Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft, einen Absolutismus der Gegenwart, wie es Robert Musil ausdrückte. Reden über die digitale Zukunft seien verfehlt, genauso wie Diskurse über die Beschleunigung, weil die Zeitstrukturen nicht mehr stimmen.

„Die moderne Zeitordnung, die vor rund 200 Jahren entstand, kollabiert“, bemerkt Pias in der DFG-Podiumsdiskussion.

Er spricht von einem eminenten Zukunftsverlust. Man begegnet dauernd sich selbst in einer erschreckenden Erwartbarkeit mit komischen Formen von Rückkopplungsschleifen, die durch Datenspuren entstehen.

„Das Ganze verschaltet sich zu einer breiten Gegenwart.“

Inszeniertes Geheimnis der idiotischen Maschinisten

Das Arkanum der digitalen Maschinen führt zum Zukunftsverlust? Vielleicht läuft Pias auch nur auf den Leimspuren von inszenierten Geheimnissen? Vielleicht ist die Klimaforschung gar nicht so kosmologisch, wie es der Medienhistoriker skizziert hat? Vielleicht sind die Maschinisten mit ihren Simulationsrechnungen nur so geheimnisvoll, um die Idiotie ihrer Algorithmen zu verbergen? Ein wenig erinnern mich die Pias-Thesen an die prosaischen Gedankenausflüge von Miriam Meckel, die feststellte, dass uns immer mehr Entscheidungen im personalisierten Internet durch Algorithmen abgenommen werden. Auf der Strecke bleiben Zufälle, Überraschungen, Zweifel und Ungewissheit. Was hat uns der arabische Algebraiker Al-Khwarizimi da nur eingebrockt?

Merkwürdig nur, dass die digitalen Maschinenräume bislang verschlossen bleiben. Im Wissenschaftsbetrieb kann man das nachvollziehen. Es geht um milliardenschwere Forschungsaufträge. Da hütet man gerne Geheimnisse. Überhaupt nicht geheimnisvoll sind die Mitmach-Technologien des Social Webs, die weit über die Bedienung des Like-Buttons hinweg gehen. Pias reduziert das auf vormoderne Konsens-Rituale von Ständeversammlungen. Was ist mit den 3,5 Billiarden Wörtern pro Tag, die über soziale Medien veröffentlicht werden? Das ist so viel wie die gesamte Library of Congress. Ähnliches sehen wir bei Videos und Fotos. Die DFG-Organisatoren könnten die nächste digitale Expertenrunde via Hangout on Air live übertragen, damit Claus Pias erlebt, wie intensiv die Netzöffentlichkeit ihren Dissens artikuliert.

Wille zur Partizipation nicht mehr aufzuhalten

Wolfgang Hagen hat in dem von Pias herausgegebenen Band „Was waren Medien?“ die Vorzeichen des digitalen Medienwandels besser gedeutet:

„Internet-Computer simulieren nicht Radio und Fernsehen, sie restituieren vielmehr diese Medien von Grund auf neu. Der Computer stellt von daher auch die Frage, was Massenmedien waren und was sie schon in naher Zukunft sein könnten: nämlich vielleicht alles das, was übrig bleibt, wenn die Bildung neuer multimedialer Publika durch das Internet Kontur gewonnen hat. Also vielleicht dann nur noch eine Art Überbleibsel aus einer alten vergangenen Welt, so wie es der Buchdruck mit den Skriptorien des Mittelalters und der Antike gemacht hat.“

Ob der kalifornische Emanzipationsgeist der 1960er-Jahre nun einer kommerziellen Ausrichtung gewichen ist oder nicht, selbst Google und Co. können den Willen der Menschen zur Partizipation und zum Selbermachen nicht mehr zurückdrehen. Die Asymmetrie von passiven Zuschauern und aktiven Produzenten schwächt sich immer mehr ab. Die Nutzer des Social Webs wollen beides zugleich machen: lesen und schreiben, empfangen und senden. Und das gilt eben auch für die schwierigste Form des Sendens: Live-Fernsehen. Wer es mal ausprobieren will, sollte am 18. und 19. Oktober zum StreamCamp nach München kommen.

Siehe auch:

Weltsprache der Parasiten.

Fahrrad Navi im Getränkehalter

Mit Musik und Navigations-Hinweisen durch die Stadt

München, 18./19.07.2014

Freitag und Samstag war ich in München auf einem YouTube-Workshop zusammen mit der Hochschule für Film und Fernsehen. Nachdem ich am Abend noch auf einem Treffen der Münchner Ironblogger zu Ehren von Thorsten Ising bei Svenja Walter in Johanneskirchen eingeladen war, habe ich gleich mein Wohnmobil mit Fahrrad hinten drauf genommen.

YouTube Workshop an der HFF mit Dr. Allwissend und Breaking Bass Ghost
YouTube Workshop an der HFF mit Dr. Allwissend und Breaking Bass Ghost

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WM-Titel macht Deutsche beliebter: Ätsch!

ichsagmal.com

WM-Titel

Die Welt liebt Gewinner, das zeigt eine neue Studie des Reise-App Anbieters Ulmon.com. Deutschland hat WM-Geschichte geschrieben – im Halbfinale gegen Gastgeber Brasilien und als erste europäische Mannschaft, die in Südamerika den Weltpokal gewonnen hat. Positiv wirkt sich das auch auf das Image aus. Befragt wurden 1.141 Personen in 10 Ländern. Rund vier Fünftel sind sich einig: Deutschland hat den Weltmeistertitel verdient gewonnen. Weltweit sind die Sympathiewerte der Deutschen gestiegen! Überaschenderweise stechen besonders die Brasilianer hervor. Trotz der 1:7 Schlappe ihrer Mannschaft geben mehr als die Hälfte der WM-Gastgeber zu Protokoll, Deutschland nun mehr zu mögen.

Auch die Reaktion der Argentinier ist überraschend positiv. Sie sind zwar naturgemäß nicht begeistert über die Finalniederlage, immerhin 50 Prozent halten uns für verdiente Weltmeister. Und sieben Prozent finden…

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Echte Gespräche statt halbgarer Meinungsbrei – Livestreaming-Graswurzel-Talks #StreamCamp14

ichsagmal.com

Wie alles begann: Die Premierensendung von Bloggercamp.tv - ohne Rauchverbot Wie alles begann: Die Premierensendung von Bloggercamp.tv – ohne Rauchverbot

“Weltpremiere” nannten wir vollmundig schon vorab das erste virtuelle Bloggercamp, das man “weltweit” am 28. September live verfolgen konnte und für das die Bayerische Landesmedienanstalt eine Sendelizenz erteilt hatte. Vielleicht haben wir ja sogar Fernsehgeschichte geschrieben, wenn in einigen Jahren und Jahrzehnten auf die ersten Gehversuche beim TV-Livestreaming zurückgeblickt wird. Zum Start des NWDR im Dezember 1952 waren jedenfalls die Voraussetzungen wesentlich schlechter. Nur magere 300 Teilnehmer konnten die Geburtsstunde des deutschen Fernsehens damals an ihren Bildschirmen verfolgen. Da sind die Bedingungen im Netz doch sehr viel komfortabler. Wer einen Internet-Zugang hat, kann das Livestreaming-Geschehen betrachten. Die ersten Reaktionen auf die Bloggercamp-Premiere gingen runter wie Öl: So schreibt Dosentelefon-Blogger Marcus Surges:

„Die Sessions liefen sehr professionell ab und waren tief gehend: Gunnar Sohn moderierte die einzelnen Panels souverän, die Teilnehmer fielen sich nicht ins Wort (bei Video- und Telefonkonferenzen häufiger…

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Shitstorms zwischen kollaborativer Wiedergutmachung und Ignoranz – Negative Kommunikation kann das Markenimage dauerhaft schädigen

Empört Euch

Empört Euch

Von Shitstorms – also Empörungswellen im Netz – gehen angeblich keine nachhaltigen wirtschaftlichen Schäden für Unternehmen aus: Zu diesem Ergebnis kommt zumindest die Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation (MHMK). Sie hat die kollektiven Unmutsbekundungen von Social Media-Nutzern von Januar 2010 bis Mai 2013 analysiert. Allerdings reagierten die meisten betroffenen Unternehmen auf die Phase massiver Kritik in den sozialen Netzwerken mit Anpassungen von Krisenplänen und sogar Restrukturierungen ihrer Kommunikationsabteilungen – was immer das im Einzelfall heißen mag. Ein Großteil der befragten Unternehmen erwartet eine Zunahme und den systematischeren Einsatz von Shitstorms durch Protestgruppen in der Zukunft.

„Trotz der Heftigkeit der Kritik und der hohen medialen Aufmerksamkeit, mit denen die Unternehmen sich während eines Shitstorms konfrontiert sahen, haben die betroffenen Unternehmen bislang kaum messbare Umsatz- oder Gewinneinbußen noch einen nachweisbaren Glaubwürdigkeitsverlust festgestellt. Das hat uns überrascht und das scheint Shitstorms von einer klassischen Unternehmenskrise deutlich zu unterscheiden”, so Professor Ralf Spiller, Leiter der Studie.

In der Untersuchung wurden nur solche Shitstorms berücksichtigt, über die im betrachteten Zeitraum in den Online-Ausgaben der sechs größten überregionalen deutschen Tageszeitungen berichtet wurde: „Wir wollten nur Empörungswellen ab einer bestimmten Wahrnehmungsschwelle analysieren, die in Medienberichten explizit als Shitstorms bezeichnet wurden,“ so Spiller. Dieses Kriterium traf zwischen Januar 2010 und Mai 2013 auf 28 in Deutschland operierende Unternehmen zu. Mit 10 Kommunikationsverantwortlichen dieser betroffenen Unternehmen konnten Leitfadeninterviews zu den Shitstorms geführt werden.

Analysiert wurden auch die Maßnahmen, die Unternehmen beim Umgang mit Shitstorms ergriffen haben. Als erfolgreichste und gängigste Maßnahmen nannten die Unternehmenssprecher die unverzügliche Kommunikation mit der Gegenpartei sowie die Beseitigung des Fehlers. Typisch war, dass Kommunikationsmaßnahmen wie Aufklärung oder Entschuldigung ausschließlich in den sozialen Medien stattfanden.

„Klassische Instrumente wie Pressekonferenzen, Pressemitteilungen oder Hintergrundgespräche wurden nur ganz selten als Reaktion auf die Kritik von Social Media Usern eingesetzt. Die Kommunikationsverantwortlichen scheinen sie im Kontext der sozialen Medien für unzureichend zu halten”, so Thomas Hintzen, Co-Autor der Studie.

Als Katalysator für Shitstorms spielen klassische Medien gleichwohl eine große Rolle. Die meisten Befragten gaben an, dass ein Katalysator in Form eines Medienberichtes oder eines prominenten Unterstützers zur Verbreitung des Shitstorms beigetragen hätten.

Fragwürdige Methodik

Aber bleiben die kritischen Beiträge, die man unter Shitstorm zusammenfasst, wirklich ohne wirtschaftliche Folgen? Welche Datengrundlage konnte die Hochschule bei den betroffenen Firmen denn einsehen? Nach der Methodik der Wissenschaftler kamen lediglich so genannte Leitfaden-Interviews zum Einsatz. Es ist kaum anzunehmen, dass die Befragten offen zugeben, dass sie in schweres Fahrwasser für Umsätze und Gewinn geraten sind.

Letztlich manifestiert sich die Unzufriedenheit mit Unternehmen in den Empörungswellen: Schlechte Produkte, miserabler Service, arrogantes Verhalten oder moralisch fragwürdiges Geschäftsgebaren und dergleichen mehr. In der analogen Welt waren die Wirkungen noch überschaubar. Im Internet sind die Netzwerkeffekte gravierender:

„If you make customers unhappy in the physical world, they might each tell 6 friends. If you make customers unhappy on the Internet, they can each tell 6.000 friends“, sagt Amazon-Chef Jeff Bezos.

Vielleicht sollten sich die MHMK-Wissenschaftler künftig auf jene Organisationen konzentrieren, wo man wirtschaftliche Folgen überhaupt messen kann und nicht Firmen in den Fokus stellen, die man gar nicht abstrafen kann. Wie soll ich denn als Kreditnehmer der Schufa eine Abfuhr erteilen? Wenn ich die Abfrage bei der Auskunftei ablehne, wird mir schlichtweg der Kredit verweigert. Dann sind da noch Tele 5, die ProSieben-Sendung Galileo, WDR, ARD und RTL: Die öffentlich-rechtlichen sind gebührenfinanziert, da kann nichts passieren. Und die Privatsender? Das würde nur über die Werbewirtschaft laufen. Auch da sind direkte Effekte eher unwahrscheinlich. Und dann ist auch noch die GEMA aufgeführt. Ist das ein Scherz? Wie soll man diesem Verwertungsmonopolisten denn wirtschaftlich ans Bein pinkeln? Ich halte die Studie methodisch für fragwürdig.

Shitstorms beeinflussen den Geschäftserfolg

So sieht es auch der Shitstorm-Schnüffler Tim Ebner. Es werden viel zu wenig Fälle in der Macromedia-Erhebung aufgegriffen. Dann werden nur jene Firmenvertreter interviewt, die mehr oder weniger gut auf Shitstorms reagiert haben. Und von keinem Betroffenen wird man wohl Zahl über wirtschaftliche Folgeschäden erfahren. Auch der Indikator des Überspringens von Netz-Erregungswellen in klassische Medien greift zu kurz. So hat sich die Kritik auf die McDonald’s-Currywurst nur auf Facebook abgespielt und führte zur Elimination des Produktes. „Traditionelle Medien sind gar nicht so relevant“, bemerkt Ebner. Der Angriff auf das virtuelle Territorium einer Organisation kann völlig ohne massenmediale Begleitmusik erfolgen und zu nachhaltigen Imageschäden führen. Auch wirtschaftliche Schäden sind nachweisbar, etwa bei Burger King, die einen signifikanten Umsatzrückgang verzeichneten, aber mittlerweile sehr offen auf kritische Reaktionen ihrer Kunden reagiert. „Bei der Deutschen Telekom hat es eine komplette Abweichung von den Plänen zur Drosselung gegeben“, so Ebner. Und die Drosselkom-Kamagne ging fast ausschließlich von der Netzbewegung aus.

Meldungen über in Kleidung eingenähte Hilferufe chinesischer Näherinnen, deren Echtheit bislang nicht verifiziert werden konnten, erweisen sich für den Anbieter Primark zu einem Problem: „Nur noch rund die Hälfte der aktuellen Primark-Kunden will in Zukunft noch einmal dort einkaufen“, schreibt die Wirtschaftswoche.

Meinungen prägen das Markenimage

Nach Erkenntnissen von Professor Peter Gentsch von der Business Intelligence Group gibt es eine eindeutige Korrelation zwischen Meinungen und dem Verkaufserfolg von Produkten. Und hier spielt auch das „digitale Gedächtnis“ eine große Rolle. Die Markenwahrnehmung und die Bereitschaft zur Weiterempfehlung kann dauerhaft durch negative Kommunikation geschädigt werden. Methodisch sind die wirtschaftlichen Folgen nur schwer nachzuweisen. Aber ein schlechtes Markenimage macht sich irgendwann in den Bilanzen bemerkbar. Forschungsarbeiten von Jeremiah Owyang zur Collaborative Economy belegen, dass Firmen mit einer offenen Kommunikationskultur zu den Gewinnern zählen werden.

„So verzeichnen Startups, die Feedback-Optionen im Netz ernst nehmen und aktiv nutzen, Wachstumsraten von 25 Prozent pro Jahr“, weiß Ebner.

Die schönste Idee für eine offene Reaktion ist nach seiner Ansicht die „kollaborative Wiedergutmachung“: Das betroffene Unternehmen geht zur Kompensation des Fehlverhaltens auf die Wünsche und Vorschläge der Community ein und agiert nicht wie der ADAC, wo die liebwertesten Gichtige des Vorstands mit einer Salamitaktik die öffentliche Empörung in den Griff bekommen wollte.

Siehe auch:

Lieber objektiv als wütend – Burger King Chef Andreas Bork im Interview.

Torresgate? So gingen die Deutschen 2008.

Twitterstorm gegen das TTIP-Abkommen.