ifo-Hacking: Warnung vor Hotline-Betrügern – Wie sich Verbraucher wehren können

Hotline-Terror

Das ifo Institut warnt vor betrügerischen Telefonbefragungen, die unter missbräuchlicher Verwendung des Namens des ifo Instituts durchgeführt werden. Das ifo Institut ist auf Unternehmensbefragungen spezialisiert und führt keine Telefonumfragen bei Privatpersonen durch. Telefonumfragen, die im Namen des ifo Instituts bei Privatpersonen durchgeführt werden, dienen stets unlauteren Zwecken.

Das ifo Institut erhält immer wieder Hinweise von Bürgern, dass sie unter dem Namen oder im Auftrag des ifo Instituts zu Umfragezwecken angerufen worden seien, sich der Anruf aber als unlautere Telefonwerbung herausgestellt habe. Typisch für diese unseriösen Telefonaktionen ist, dass der Name des ifo Instituts missbräuchlich verwendet wird, um sich das Vertrauen der Angerufenen zu erschleichen. Das ifo Institut distanziert sich ausdrücklich von solchen Methoden und weist darauf hin, dass es auf Wirtschaftsforschung spezialisiert ist und keine Konsum- oder Meinungsforschung betreibt. In diesem Rahmen befragt es ausschließlich Unternehmen und führt keine Telefoninterviews bei Privatpersonen durch.

Angesichts der momentanen Häufung solcher Telefonaktionen gibt das ifo Institut den Bürgern folgenden Rat:

„Häufig werden diese, mit wahrheitswidrigem Hinweis auf das ifo Institut geführten Telefonanrufe mit einer verdeckten Telefonnummer getätigt. Dies ist nach dem Gesetz zur Bekämpfung unerlaubter Telefonwerbung und zur Verbesserung des Verbraucherschutzes vom 4. August 2009 untersagt. Sollten Sie einen solchen Anruf erhalten, empfehlen wir Ihnen den sofortigen Abbruch des Telefonats. Sollte die Telefonnummer nicht verdeckt sein, bitten wir Sie, sich diese zu notieren. Fragen Sie, wer anruft und für welches Unternehmen angerufen wird. Fragen Sie zudem nach dem Grund des Anrufs. Notieren Sie sich bitte diese Angaben sowie das Datum und die Uhrzeit des Anrufs. Geben Sie auf keinen Fall persönliche Informationen preis!“

Die Bundesnetzagentur, die seit 1. September 2009 als Kontroll- und Sanktionsinstanz im Spiel ist, hat übrigens technische Möglichkeiten, auch bei unterdrückter Rufnummer den Anrufer zu identifizieren, wenn der Anrufzeitpunkt einigermaßen eingegrenzt werden kann. Außerdem:

„Wenn ein Geschäft am Telefon zustande kommt, weiß Tante Erna spätestens nach Zusendung der Vertragsunterlagen und der Rechnung, wer dahinter steckt – und dann erfährt es auch die Bundesnetzagentur“, so der Ratschlag von Rechtsanwalt Michael Siegert, Spezialist für Datenschutz und Direktmarketing, im Interview mit ne-na.de.

Auf der Bundesnetzagentur-Website finde sich ein gut durchdachter Vordruck, mit dem der Verbraucher unlauteres Telefonmarketing relativ einfach anzeigen kann. Für Hotline-Gauner kann es dann teuer werden:

„Da sind nicht nur die Bußgelder von bis zu 50.000 Euro nach dem neuen Paragrafen 20 UWG, sondern auch die Möglichkeit nach Paragraf 67 Absatz 1 TKG, Rufnummern abzuschalten – was sie bereits mehrfach getan hat. Während man früher für ein entsprechendes Verbot oder Einschreiten einen gerichtlichen Titel benötigte, kann die Bundesnetzagentur jetzt unmittelbar Maßnahmen ergreifen und Sanktionen aussprechen – die erst danach gerichtlich überprüft werden“, weiß Siegert.



Bei Anzeige einer falschen Telefonnummer werde ein Bußgeld von 10.000 Euro fällig.

„Kennt die Bundesnetzagentur den ungefähren Zeitpunkt des Anrufs beim Verbraucher, ist es für sie regelmäßig auch nicht weiter schwierig zu ermitteln, wer denn tatsächlich gegebenenfalls auch unter welcher Rufnummer angerufen hat. Wenn der Anrufzeitpunkt klar ist, aber eine andere – womöglich nicht existente – Rufnummer angezeigt wird, dürfte das anrufende Unternehmen kaum noch in der Lage sein, die Angabe einer richtigen Rufnummer zu beweisen. Vergessen Sie nicht: Der angerufene Verbraucher ist bei einem Bußgeldverfahren nicht Partei, sondern Zeuge“, so Siegert.

Die Tonne brennt, der Marktführer flieht: DSD streitet mit der Konkurrenz beim Verpackungsrecycling

Müllschwund-Ärgernis

Müllschwund-Ärgernis

So langsam brennen in der Recyclingwirtschaft die Sicherungen durch. In den vergangenen Wochen wird bei den Dualen Systemen mit harten Bandagen über Marktanteile, Verrechnungen sowie der Organisation von Gelben Tonnen und Säcken gestritten. Wie viel Verpackungsabfall wird über private Haushalte gesammelt, wie viel geht über Supermärkte, Fastfood-Ketten und sonstige Sammelstellen, die außerhalb von Wohnungen und Häusern zum Einsatz kommen? Nicht jede Verpackung fällt als Abfall in der Küche an, sondern wird direkt nach dem Kauf entsorgt – etwa bei Filialen von einschlägig bekannten Hamburger-Filialen. Das kann über sogenannte Eigenrücknahmen oder Branchenlösungen nach den Vorgaben der Verpackungsverordnung umgesetzt werden.

Verantwortlich für das Verpackungsrecycling sind derzeit neun Duale Systeme, die im Wettbewerb stehen, aber ihre Leistungen untereinander abstimmen müssen. Beim Abschluss von Lizenzverträgen bei den Herstellern und Abfüllern von Verpackungen ist ja nicht direkt klar, welche Mengen bei den einzelnen Dualen Systemen anfallen. Das regelt eine Clearingstelle über Ausgleichszahlungen. So war es zumindest in den vergangenen Jahren, seit dem die Kölner Duales System Deutschland GmbH & Co. KG mit dem Erkennungszeichen „Der Grüne Punkt“ das Verpackungsrecycling nicht mehr alleine regeln darf wegen wettbewerbspolitischer Interventionen von EU und Bundeskartellamt. Nun schert der frühere Monopolist und Marktführer aus der Clearingstelle aus:

„Wir verlassen die Clearing-Verträge und initiieren mit Partnern und Industrie neue“, sagt DSD-Chef Stefan Schreiter.

Man sei bereit, in das bestehende Clearing-System zurückzukehren, wenn es so geändert wird, dass es den Bedingungen für fairen und transparenten Wettbewerb entspricht. Das ungehemmte Ausnutzen von Schlupflöchern in der aktuellen Verpackungsverordnung habe nach Ansicht des DSD inzwischen ernste Konsequenzen für den Markt:

„Im ersten Quartal 2014 wurden deutlich weniger Verkaufsverpackungen an die Clearingstelle der dualen Systeme gemeldet als je zuvor“.

DSD begrüßt die Initiativen von Bund und Ländern zur Novellierung der Verpackungsverordnung, um die Eigenrücknahmen und Branchenlösungen zu begrenzen, damit in Zukunft Missbrauch verhindert werden könne. Wer konkret zu diesem Missbrauch bei der Abmeldung von Verpackungen beiträgt, bleibt unklar.

Die öffentliche Diskussion wird wohl weiter angeheizt, wenn man ein Schreiben etwas genauer unter die Lupe nimmt, das von DSD Ende des vergangenen Jahres verschickt wurde und der ne-na.de-Redaktion vorliegt. Darin heißt es in Auszügen:

„Ihr aktuell gültiger Vertrag mit uns….sieht eine Beteiligung Ihrer Verkaufsverpackungen an unserem Dualen System und an einer Branchenlösung vor (!,gs)….Da wir gehalten sind, stets die aktuellsten Studien anzuwenden, bitten wir Sie heute einmalig um Ihr Einverständnis zu der folgenden Vertragsergänzung, mit deren Hilfe wir Ihre Branchenlösungsquoten dann stets aktuell halten können….DSD ist berechtigt, die im Datenblatt vereinbarten Branchenquoten durch einseitige schriftliche Erklärung (E-Mail ist ausreichend) gegenüber dem Auftraggeber anzupassen. Die Anpassung kann sich hierbei auf einzelne oder sämtliche Branchenquoten / Materialfraktionen beziehen….Die Anpassung kann mit Wirkung für die Zukunft, aber auch rückwirkend erfolgen….Zusätzlich prüft DSD die Möglichkeiten eine Eigenrücknahme (!,gs) zu etablieren und diese dann für Ihr Unternehmen zu betreiben….“.

Wie nun der Verpackungsschwund zustande kommt, bleibe nach Lektüre des DSD-Schreibens ein Rätsel, so die Analyse des Recycling Magazins. Beide von DSD erwähnten Instrumente würden es erlauben, dass Verpackungen erst gar nicht auf dem herkömmlichen Weg lizenziert werden müssen oder im Nachhinein wieder abgezogen werden können.

„Angesichts dessen, dass ausgerechnet DSD immer wieder scharf gegen die Eigenrücknahme und Branchenlösungen geschossen hat, kommt das Schreiben zu einem interessanten Zeitpunkt“, schreibt das Recycling Magazin und verweist auf erboste Reaktionen eines Mitbewerbers: „Warum will sich DSD nun überraschend die Möglichkeit erhalten, ihre Branchenmengen für 2013 nachträglich rückwirkend zu verändern“, fragt sich der Konkurrent.

Genügend Gesprächsbedarf für die morgige außerordentliche Gesellschafterversammlung der „Gemeinsamen Stelle“, in der sich die Vertreter der Dualen Systeme nach Informationen des Fachdienstes Euwid treffen wollen, um über Lösungen für die Krise zu beraten.

Und auch die politischen Instanzen werden sich wohl etwas detaillierter mit den einzelnen Systembetreibern auseinandersetzen müssen.

Wie die Mengenlehrer der Clearingstelle funktioniert, kann man hier nachlesen.

Siehe auch:

Anhörung zum Entwurf einer 7. Änderung der Verpackungsverordnung (VerpackV).

Plattform oder was? Heute, um 16 Uhr öffentliche Redaktionssitzung von www.ne-na.de

Neu bebrillt in die Woche starten

Neu bebrillt in die Woche starten

Heute findet die erste virtuelle Redaktionssitzung von http://www.ne-na.de statt. Um 16 Uhr live via Hangout on Air. Künftig jeden ersten Montag im Monat, wenn nicht gerade Feiertag ist. Wer mitwirken möchte, sollte mich kontaktieren. Ein Kommentar hier reicht. Oder per Mail an: gunnareriksohn@gmail.com. Thomas Riedel hat nachgefragt, was das Ganze eigentlich soll:

„Hab gelesen, aber es kommt nicht zum Punkt. Schreibt: Ne-Na steht für Netz-Nachrichten und ist eine Plattform, die…“

…sich in der Kunst des Durchwursteln bewähren möchte und erst einmal Schritt für Schritt Ideen sammelt, um hier so eine Art mediales Crowd-Projekt auf die Beine zu stellen.

Durchwursteln statt bedeutungsschwere Masterpläne zu schmieden sei das probateste Mittel, um in der digitalen Sphäre zu überleben, so die Empfehlung von Jochen Wegner, Chefredakteur von „Zeit Online“. In seiner Eröffnungsrede auf dem Besser-Online-Kongress des Deutschen Journalisten Verbandes (DJV) sieht er das Merkel-Prinzip als den besten Ansatz, wie heute Medien entwickelt werden müssen. Man könne vielleicht ein halbes Jahr weit sehen, aber bestimmt nicht zehn Jahre.

„Alle Masterpläne scheitern permanent“, so Wegner.

Wo die Zukunft der Print- oder Onlinemedien im Jahr 2020 liegen werde, die man jetzt so intensiv diskutiert, kann er nicht beantworten.

„Ich weiß es nicht. Es passieren gerade so viele Dinge bei der Veränderung des Verhaltens der Nutzer und Leser, dass ich froh wäre, wenn ich wüsste, was wir nächstes Jahr machen“, sagt Wegner.

Wegner gab den Besser-Online-Teilnehmern die Empfehlung auf den Weg, mehr zu spielen, zu experimentieren und die Dinge, die nicht funktionieren, wieder einzustellen. Diesem Rat möchte ich folgen. Wenn ich jetzt alles vorkauen würde, könnte ich auf einen öffentlichen Ideenaustausch verzichten. Heute fängt das in einer wohl sehr kleinen Runde an und wird in den nächsten Monaten gedeihlich wachsen. Man hört und sieht sich vielleicht heute Nachmittag 🙂

Von Silverstripe zu WordPress – Beta-Stadium

www.ne-na.de

Medienprofessor Jeff Jarvis hat die Prinzipien der neuen Medienwelt in seinem Buch „Was würde Google tun“ schon vor einigen Jahren treffend beschrieben und unsere Motivation für die Neugestaltung von www.ne-na.de beflügelt: Das Knappheitsmodell der Wirtschaft und damit die Kontrolle über Inhalte haben ausgedient. Google hatte eben frühzeitig den Instinkt, Plattformen und Netzwerke zu schaffen, statt Inhalte zu kaufen oder zu produzieren. Deshalb der Rat von Jarvis: Wer heute neue Medienformate entwickelt, sollte dezentralisiert denken. Nachrichtenorganisationen können sich nicht mehr auf die Vorstellung verlassen, dass die Welt sich bis zu ihren Toren durchschlagen wird: Die Menschen finden ganz allein zu den Nachrichten. Über unendlich viele neue Wege: Blogs von Freunden, Communitys, Youtube, Nachrichten-Websites, kooperative Nachrichten-Websites wie Digg, Feeds auf Facebook oder Twitter und, und, und.

Man sollte zu einer Plattform und Teil von Netzwerken werden, proklamiert Jarvis. Sich kooperativen Netzwerken anzuschließen sei hilfreich. Die Zeitung 2.0 werde mit ausgewählten Bloggern, Unternehmern, Bürgern und Communitys zusammenarbeiten, die Nachrichten sammeln, verbreiten und sie unterstützen.

Das war allerdings mit unserem Content Management System „Silverstripe“ nur schwerlich möglich. Zu komplex, zu empfindlich und für jeden Autor erklärungsbedürftig. Für eine Kultur des Teilens und der Beteiligung nicht wirklich geeignet. Das soll sich mit dem Umzug zu WordPress mit dem Theme Bold News ändern.

Wer also an dieser Nachrichten-Plattform im Netz-Dschungel mitwirken möchte, ist herzlich eingeladen. Budgets kann ich noch nicht bieten. Die Finanzierung muss man neu überdenken, Werbepartner und Sponsoren gewinnen. Wer seine eigenen Blogpostings in nachrichtlicher Form verwerten will, das Netzgeschehen kuratieren und Ideen mit anderen Interessierten im Social Web nach vorne bringen möchte, sollte mich einfach kontaktieren. Schwerpunkt ist das Netz und die digitale Transformation, die als Querschnitts-Technologie das Leben in Wirtschaft, Gesellschaft, Politik, Bildung und Kultur verändert. Habe ich einen Plan? Nein. Da finde ich die Erkenntnis von Zeit Online-Chefredakteur Jochen Wegner so erfrischend:

„Alle Thesen und Prognosen, die wir in der Vergangenheit aufgestellt haben, sind nicht in Erfüllung gegangen. Nichts von dem, was wir prognostiziert haben, ist wahr. Nur eine einzige These ist übrig geblieben und die lautet: Alle Thesen im digitalen Journalismus sind falsch.“

Sein Credo und das Credo von http://www.ne-na.me: Durchwursteln!

Oder etwas vornehmer ausgedrückt: Man soll sich als Beobachter des Zufalls bewähren. Gelegenheiten erkennen, statt einer Schimäre der rationalen Entscheidung hinterherzulaufen. Ein Unternehmer ist für den Ökonomen Israel Kirzner ein Häscher des Okkasionellen – ein Chancenverwerter. Occassio ist die Göttin der Gelegenheit mit einem nach vorne fallenden Haarschopf, an dem man sie zu ergreifen hat; wer diesen Augenblick verpennt, hat keine zweite Chance, denn von hinten ist die Dame kahl.