Einzelhandel in Deutschland: Blumenkübel-Romantik mit #Heimatshoppen Luftballons

Tolle Kampagne

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Den Lautsprechern des deutschen Einzelhandels dämmert so langsam, dass Amazon wie ein Staubsauger die Umsätze aus allen Handelssparten wegsaugt. 2011 hatten viele Händler noch gehofft, dass sich das Internet hierzulande nicht so negativ auf ihre Umsätze auswirken werde wie etwa in den USA – gleiches trällerten ja die Verleger. Nun greift man zu „Gegenmaßnahmen“. Das nennt sich dann beispielsweise „Heimatshoppen“

Aber wie sehen die Gegenmaßnahmen im Netz aus? Existieren Apps für mobile Geräte? Wie ist der Kontakt zu den Kunden im Social Web? Wie schnell werden Kundenanfragen auf Facebook beantwortet? Funktioniert der Onlineshop? Taucht das Unternehmen in den Suchmaschinen weit oben auf – und reagiert es schnell auf Kundenanfragen? Wie gut sind die Bezahlsysteme? Und, und, und.

Kunden erwarten im Netz schnellere Lieferung, bessere Beratung und personalisierte Informationen. Kein umständliches Herumsuchen, keine komplizierten Shop-Systeme, schnelle Bestellung, einfache Handhabung. Und was ich an Amazon so interessant finde: Alles aus einer Hand. Das hat Professor Peter Wippermann im ichsagmal-Interview so schön auf den Punkt gebracht: Amazon taucht in den deutschen Handelsstatistiken gar nicht auf. Der Online-Händler entzieht sich der Branchen-Segmentierung:

„Das hängt damit zusammen, dass es eben ein ganz anderes System ist. Amazon geht nicht über Branchen, sondern es geht über die individuell massenhafte Beziehung zu Kunden“, betont Wippermann.

Deshalb sind die Gegenargumente von Lobbyisten des Handels so luschig: So werden etwa Online-Bestellungen bei Media-Markt überwiegend in einer Filiale abgeholt. Diese Verknüpfung könne Amazon nicht bieten. Lachhaft.

Das mag ja für Elektronikmärkte mit einer nicht überzeugenden Online-Präsenz der Fall sein. Diese Verknüpfung ist mir als Kunde allerdings völlig wurscht, weil ich keine Lust habe, mich durch die Stadt mit dem Auto zu quälen, um eine Bestellung bei einem Filialisten abzuholen. Umgekehrt wird ein Schuh draus. Wer Filialen vorweisen kann, sollte seinen Allerwertesten zu den Kunden bewegen und Waren vorbeibringen.

„Das klassische Ladengeschäft muss nicht mehr Teil des Distributionsnetzes sein. Als Konsument möchte ich nur die allernötigsten Artikel an Ort und Stelle mitnehmen. Was darüber hinausgeht, soll mir nach Hause gebracht werden. Statt weit zu fahren, damit ich zu einem großen Sortiment komme, werde ich zu einem Showroom gehen, wo man mir das ganze Sortiment zeigt – echt oder virtuell“, sagt Moshe Rappaport, Experte für Technologie- und Innovationstrends.

Es müssten nicht mehr alle Artikel im Laden vorrätig sein. Es reiche vollkommen aus, alles zeigen zu können. Nicht mehr das Produkt steht im Vordergrund, sondern der Service. Bislang passiert genau das Gegenteil. Auf die Ausdünnung der Innenstädte, wo ganze Shop-Gruppen wie Musikgeschäfte, Videotheken, Buchläden oder Elektronik-Filialen verschwinden oder ein kümmerliches Dasein fristen, reagieren die Funktionäre des Handels mit Kundenbeschimpfung und protestieren gegen den Beratungsklau via Smartphone und Co.: Ins Geschäft gehen, Produkt scannen und im Internet das günstigste Angebot einkaufen. Wo käme man da hin? Wie wäre es mit einem großen Warnschild mit einem übergroßen Mobilfunkgerät mit der Aufschrift „In diesem Geschäft muss ich draußen bleiben“ oder so ähnlich.

Das wäre doch die richtige Jägerzaun-Abschottungsvariante, die man auf der Verlagsseite mit dem Leistungsschutzrecht realisiert hat.

Und wie schaut denn das Heimatshoppen-Erlebnis in meiner Fußgängerzone in Bonn-Duisdorf aus? Da werde ich kompetent bedient von acht Friseuren, vier Bäckereien, sechs Optikern, vier Döner-Grillmeistern und der üblichen Zahl an Telefon-Inkompetenz-hier-können-Sie-nicht-kündigen-Zentren. Nicht zu vergessen die unverzichtbaren Sonnenstudios mit ihren ganzjährig gut durchbräunten Beraterinnen, den obligatorischen Nagel-Fußpflege-Haarverlängerungs-Tempeln und Massage-Salons mit den Verkaufsschildern „Ohne Erotik“.
Was für eine Fachberatung bietet denn das Verkaufspersonal in den Fußgängerzonen-Läden?

Wirkliche Profiberatung finde ich eher in Foren, YouTube-Filmen und bei den Kundenbewertungen im Netz, wenn sie nicht von irgendwelchen blöden Agenturen gefälscht werden. Preisvergleiche über spezielle Apps sollten für Verkäufer eher ein Ansporn sein für besseren Service und nicht mit Smartphone-Verboten beantwortet werden.

Deshalb ist auch die Anbieter-Diktatur von Markenartiklern und Fachhändlern ein hoffnungsloses Unterfangen, die wegen der „Beratungsintensität“ ihrer Produkte den Onlinehandel unterbinden wollen. Beratung bekomme ich über virtuelle persönliche Assistenten, die meine Einkäufe optimieren, Produkte und Dienstleistungen bewerten und über die Expertisen anderer Kunden informieren. Unternehmen, die mit ihren vernetzt organisierten Kunden nicht mithalten können, verschwinden vom Markt. Da hilft auch die Blumenkübel-Romantik mit Heimatshoppen-Luftballons vor den Läden nicht weiter.

Bildungsziel: Weltverbesserungskompetenz #iw7 @KlausMJan

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Dient auch der Bildung :-) Dient auch der Bildung 🙂

Der Silicon Valley-Überflieger KaiSebastian Thrun haut ja ab und zu genauso dümmliche anarcho-kapitalistische Sprüche raus wie der unsägliche Trump-Fan Peter Thiel.

Aber in einem Punkt hat er recht: Wer in der Arbeitswelt nicht unter die Räder kommen will, muss sich kontinuierlich mit frischem Wissen versorgen. Und da sind die klassischen Bildungsinstitutionen wohl nicht mehr der richtige Partner – vor allem in deutschen Institutionen, die immer noch im Kreidezeitalter verharren. „In einer Welt, die sich so schnell dreht, hat es keinen Sinn mehr, fünf Jahre lang zu studieren und dann lebenslang bei der gleichen Firma zu arbeiten“, so Thrun gegenüber dem Spiegel.

Letzteres ist ohnehin die Ausnahme – es sei denn, man arbeitet im öffentlichen Dienst. Nach seinem Google-Ausstieg gründete Thrun die Online-Akademie Udacity, bei der Absolventen ihre Fähigkeiten aktualisieren können.

„Die Teilnehmer arbeiten mit Praktikern an konkreten Projekten und Produkten. 200 Dollar pro…

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Robotik, KI und Speedfactory – Wie sieht die Zukunft der Arbeit aus? #YouBusinessTalk

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YouBusinessTalk

In der Premierensendung von YouBusinessTalk (bitte kräftig mit Abos auf Youtube unterstützen) haben wir uns unterhalten, wie sich in vernetzen Unternehmen und in der Netzökonomie Arbeitsoplätze entwickeln werden. Dystopisch, utopisch, realpolitisch und immer mit Blick auf aktuellen Debatten, die etwa im Spiegel oder der Wirtschaftswoche geführt werden.

Auf Youtube und Facebook live übertragen - ein Doppel-Livestream Auf Youtube und Facebook live übertragen – ein Doppel-Livestream

Wer an solchen Fachgesprächen interessiert ist – ohne aseptische Teleprompter-Powerpoint-Rhetorik – möge uns kontaktieren. David Brych und ich produzieren diese Reihe, die man sehr gut im Unternehmen, bei Messen, Konferenzen oder Workshops einsetzen kann.

Man hört, sieht und streamt sich 🙂 Dat gibt es übrigens jetzt auch als eBook.

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Offen für alles, für Theorien, Erzählungen und Abschweifungen – eBook über Livestreaming

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Cover Man hört sieht und streamt sich

Es ist die Kombination von Unordnung und Ordnung, die mich beim Zettelkasten-System des Soziologen Niklas Luhmann fasziniert. Ein Ideen-Gewimmel mit unendlichen Kombinationsmöglichkeiten, das erst im Moment der Auswertung produktiv wird.

„Insofern arbeite ich wie ein Computer, der ja auch in dem Sinne kreativ sein kann, dass er durch neue Kombination eingegebener Daten neue Ergebnisse produziert, die so nicht voraussehbar waren“, so Luhmann.

Ähnlich organisiere ich meine Recherchen für Projekte, Artikel, Interviews und Formatideen. Remix, Re-Kombination und Collage von Fundstücken im Netz und in der analogen Welt prägen meine publizistischen Arbeiten.

Frei nach Roland Barthes: Offen für alles, für Theorien, Erzählungen und Abschweifungen. Das Ergebnis präsentiere ich häufig in Videoübertragungen via Livestreaming-Dienste nach dem Motto: Man hört, sieht und streamt sich ☺ Einen fragmentarischen Einblick in meine Arbeit präsentiere ich in dem Opus „Man hört, sieht und streamt sich: Direkt und ungeschminkt – Vom diskreten Charme des Livestreamings“.

Nun kaufet das…

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#Industrie40 als deutscher Kastrat für Digitalisierung #YouBusinessTalk

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Industrie 4.0 ist nach Auffassung von Thomas Sattelberger der deutsche Kastrat für Digitalisierung. Man könnte auch von einer Gehirn-Verneblung sprechen.

„Die ganze Frage, wie es mit Smart Services aussieht, mit Dienstleistungen allgemein, mit Bildung, Pflege oder Gesundheit, wird total vernachlässigt“, monierte Sattelberger auf der Next Economy Open in Bonn.

Es ist tragisch, dass die Industrie 4.0-Prediger im alten Effizienz-Denken der Massenfertigung verharren.

Fordismus verpuffte vor 60 Jahren

Dabei war die Dynamik des fordistischen Produktionsmusters bereits in den 1960er Jahre verpufft, wie der Wirtschaftshistoriker Werner Abelshauser in seinem Standardwerk „Deutsche Wirtschaftsgeschichte seit 1945 belegt“. Seit rund 50 Jahren schrumpft die Zahl der Arbeitsplätze in der Massenproduktion. Da ist keine Umkehr in Sicht.

Wenn wir unsere fabrik-fixierte Nabelschau mit dem ausschließlichen Ziel der Effizienzverbesserung nicht ablegen, schaffen wir keine Perspektiven für neue Arbeitsplätze und für neue Märkte.

Ausführlich in meiner heutigen Netzpiloten-Kolumne nachzulesen.

Das Ganze dient als Steilvorlage für unsere Sendung YouBusiness-Talk…

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