#Industrie40 als deutscher Kastrat für Digitalisierung #YouBusinessTalk

Ich sag mal

Industrie 4.0 ist nach Auffassung von Thomas Sattelberger der deutsche Kastrat für Digitalisierung. Man könnte auch von einer Gehirn-Verneblung sprechen.

„Die ganze Frage, wie es mit Smart Services aussieht, mit Dienstleistungen allgemein, mit Bildung, Pflege oder Gesundheit, wird total vernachlässigt“, monierte Sattelberger auf der Next Economy Open in Bonn.

Es ist tragisch, dass die Industrie 4.0-Prediger im alten Effizienz-Denken der Massenfertigung verharren.

Fordismus verpuffte vor 60 Jahren

Dabei war die Dynamik des fordistischen Produktionsmusters bereits in den 1960er Jahre verpufft, wie der Wirtschaftshistoriker Werner Abelshauser in seinem Standardwerk „Deutsche Wirtschaftsgeschichte seit 1945 belegt“. Seit rund 50 Jahren schrumpft die Zahl der Arbeitsplätze in der Massenproduktion. Da ist keine Umkehr in Sicht.

Wenn wir unsere fabrik-fixierte Nabelschau mit dem ausschließlichen Ziel der Effizienzverbesserung nicht ablegen, schaffen wir keine Perspektiven für neue Arbeitsplätze und für neue Märkte.

Ausführlich in meiner heutigen Netzpiloten-Kolumne nachzulesen.

Das Ganze dient als Steilvorlage für unsere Sendung YouBusiness-Talk…

Ursprünglichen Post anzeigen 43 weitere Wörter

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8 Kommentare - “#Industrie40 als deutscher Kastrat für Digitalisierung #YouBusinessTalk”

  1. vfalle 8. September 2016 um 19:31 #

    Ich empfehle dazu auch die aktuelle ausgabe von Quarks&Co.
    http://www1.wdr.de/fernsehen/quarks/sendungen/uebersicht-computermacht-100.html

    Die haben nach meiner Einschätzung sehr ausgewogen berichtet. Tenor: Es wäre auch ein Leben ohne Arbeit möglich, wenn die Ressourcen (Vermögen) gleichmäßig verteilt würden. Gleichzeitig wird bemerkt, dass die kluft zwischen arm und reich wächst und zur gesellschaftlichen Gefahr werden könnte.

    Da sind wir dann wieder beim blauen und beim roten Ozean.

  2. vfalle 3. September 2016 um 11:31 #

    Jein!
    In Sachen Fordismus und Speedfactory stimme ich noch zu. Längst werden allerdings nicht nur einfache Tätigkeiten durch Automatisierung wegrationalisiert.
    Ein Professor der Betriebswirtschaftslehre, der auch am MIT in den USA unterrichtet, glaubt, dass es Ingenieure und andere gut ausgebildete Berufsgruppen noch hart treffen könnte – insbesondere weil diese im gegensatz zu einfachen Arbeitern nicht gewerkschaftlich organisiert sind.

    Nach meiner Einschätzung werden durch die Digitalisierung zwar alte Strukturen durchbrochen. Gleichzeitig wird die digitale Revolution den gleichen Zyklus durchlaufen wie die industrielle Revolution.
    Irgendwann kommt die Frage: Wo bleibt der Mensch? Wenn nur einige wenige Industrieunternehmen oder Internetkonzerne von dem Wandel profitieren, dann werden irgendwann Reaktionen aus der Bevölkerung provoziert, die alles wieder realtivieren.

    Da sind wir dann wieder bei der Frage, wieviel Macht wir einzelnen Organisationen zugestehen wollen? Wir sind bei alten Monopolen, die zerschlagen werden und neue Monopole (noch mächtigere) hervorbringen.
    Da sind wir bei der Frage, ob es besser ist alles in einer Hand zu haben (siehe Amazon, Tesla, …) oder auf arbeitsteilige Strukturen zu setzen, wie in vielen deutschen Branchen.

    Letzeres entspricht eher dem Modell des „blue ocean market“ – dem Meer von Möglichkeiten, von denen viele profitieren. Siehe: https://www.blueoceanstrategy.com/what-is-blue-ocean-strategy/
    Das andere Modell „red ocean market“ entspricht dagegen eher klassischen Managementmethoden. Es geht um Kampf und Verdrängung. Das kostet insgesamt mehr Ressourcen als das Blue-Ocean-Modell und es gibt weniger Menschen die davon profitieren.

    Unabhängig vom Beitrag der industriellen Produktion am BIP eines Landes, ist das für den Zusammenhalt und den gesamtwirtschaftlichen Erfolg eines Landes entscheident. Schweden macht da vieles richtig und auch die deutschen Strukturen mit vielen kleinen und mittleren Unternehmen, können dazu einen wichtigen Beitrag leisten. Im Moment habe ich allerdings den Eindruck, dass es in Deutschland, wie in den USA, eher in Richtung Red-Ocean geht.

    Wir bekommen zwar neue Techologien und Geschäftsmodelle, aber im Grunde läuft alles nach einem eigentlich längst bekannten Muster.

  3. vfalle 3. September 2016 um 9:11 #

    Der Beitrag hat einen Denkfehler. Er geht davon aus, dass Dienstleistung mehr Wachstum bringt als Produktion und suggeriert, dass nur Produktionsarbeitsplätze durch die Digitalisierung wegfallen.

    Das ist falsch: Auch im Dienstleistungsbereich (Finanzen, Rechtsberatung, Pflege, Handel, …) wird fleißig automaisiert. Dazu kommt, dass es bei Apple längst auch nicht mehr so ein großes Wachstum gibt. Mal abgesehen, davon dass es beim Apple-Zulieferer Foxcon sehr wohl um Effizienzdenken geht. Das Unternehmen Foxcon entwickelt übrigens etwa 90% seiner Roboter selbst. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt auch Amazon, die eigene Lösungen dafür entwickeln Prozesse in ihren Lagern zu beschleunigen.

    Die Diskussion ob Produktion oder Dienstleistung wichtiger für unsere Gesellschaft ist, führt in die Irre. Wir brauchen beides, um dauerhaft erfolgreich sein zu können. Wir müssen aber auch aufpassen, dass wir nicht alles wegrationalisieren, womit die breite Masse der Menschen ihr Geld verdient. Denn sonst ist irgendwann kaun noch jemand da, der sich all die schönen Dienstleistungen (und Produkte) noch leisten kann.

    • gsohn 3. September 2016 um 10:06 #

      In allen Sektoren werden wohl am Anfang einfache Tätigkeiten wegfallen. Nur mit der fordistischen Logik wird es nichts mehr. Die ist seit den 1960er Jahren auf dem Rückzug. Und all das, was in puncto Speedfactory beschrieben wird, ist schon seit fünf Jahrzehnten Realität. Das man mit geringer Industrieproduktion volkswirtschaftlich prosperieren kann, zeigt das Beispiel Schweden.

    • gsohn 4. September 2016 um 18:52 #

      Das wollen wir ja am Dienstag kritisch hinterfragen. Deshalb der Titel: Wo bleibt der Mensch in vernetzten Unternehmen. Ich werde Deine Kommentare in die Debatte werfen.

      • vfalle 5. September 2016 um 7:59 #

        Danke. Ich verfolge Deinen Blog. Irgendwann möchte ich auch einmal zu einem Eurer Termine kommen. Im Moment passt es einfach nicht.

      • gsohn 5. September 2016 um 11:01 #

        Du bis jederzeit willkommen 🙂

    • gsohn 8. September 2016 um 21:17 #

      Hier die Diskussionsrunde

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