Vom homo hierarchicus zum digitalen Transformator: Über den Niedergang hierarchischer Führungsmodelle

Digitaler Masterplan?

Digitaler Masterplan?

Viele Unternehmen haben noch nicht den Einstieg in den digitalen Wandel gefunden, zu diesem Befund kommt die Studie „Digitale Transformation“ der Smarter Service-Initiative. Den meisten Unternehmen fehle die notwendige Expertise, um die im Einsatz digitaler Technologien liegenden Chancen für das eigene Geschäft zu erkennen, zu bewerten und zu erschließen.

„Fehlender Leidensdruck in den Chefetagen verhindert und verschleppt den Wandel, der von der Organisation bereits gesehen und gewünscht wird. Viele Führungskräfte sind sich der strategischen Relevanz durchaus bewusst. Sie scheinen jedoch von schwerfälligen und komplexen Business Systemen und Prozessen ‚paralysiert‘ zu sein“, schreiben die Studienautoren.

Die traditionelle Rolle des Managers als homo hierarchicus kommt zunehmend in die Defensive. Selbstorganisation, Autonomie, Individualität, Kommunikation auf Augenhöhe, Partizipation, die Ökonomie des Gebens und Nehmens machen den Kontrollsehnsüchten der Führungskräfte einen Strich durch die Rechnung.

„Im digitalen Zeitalter sind hierarchische Führungsmodelle unterlegen. Je stärker wir in das digitale Zeitalter kommen, umso stärker werden Unternehmen die Notwendigkeit spüren, Kommunikationsverantwortung, und damit Macht zu dezentralisieren“, raten die Smarter Service-Experten.

Christian Henne von HenneDigital ist davon überzeugt, dass die meisten Unternehmen den Transformationsprozess nur dann schaffen können, wenn sie Personal an wichtigen Stellen austauschen.

„Das ist wie bei einer Fußballmannschaft: Du kannst nur das System spielen, das die Spieler hergeben. Willst du den Systemwechsel, brauchst Du einen neuen Coach und neue Spieler an wichtigen Positionen. Spieler, die an ihren alten Rollen hängen, auf ein neues System zu zwingen, macht sie unzufrieden und wird die Qualität gefährden. Also sortiere die aus, die nicht mitmachen wollen. Alle anderen sind eingeladen, die Veränderung aktiv zu gestalten oder zumindest zu unterstützen.“

Chief Digital Officer mit rotem Telefon

Es müsste zudem ein kulturelles Umfeld für Träumer und Spinner geben, die das Silodenken in Organisationen unterlaufen. Wichtig könnte auch die Funktion eines Chief Digital Officer (CDO) werden – mit einem roten Telefon zum Vorstandschef. So hat Starbucks vor zwei Jahren einen CDO engagiert, der für Mobile, Social Media, Kundenservice eCommerce und digitale Infrastruktur in den Coffee Shops zuständig ist.

„Zu den Erfolgsfaktoren zählt, sich zunächst an den Prioritäten der Geschäftsführung auszurichten, und mit einfachen und verständlichen Reports dafür zu sorgen, dass die Stimme des Kunden auch in den Fluren der Geschäftsführung gehört wird. Auch wenn er keine operative Verantwortung trägt, sollte der CDO den Hut für alle kundenbezogenen Marktforschungstätigkeiten aufhaben. Eine wichtige Überlebensstrategie besteht darin, sich unübliche Verbündete zu suchen und bei Bedarf unüberwindbar erscheinende Hindernisse mit der Unterstützung des CEO auszuräumen“, schlussfolgert die Smarter Service-Studie.

Ob IT-Führungskräfte in diese Rolle schlüpfen können, sei noch nicht absehbar, bemerken Mark Hayes und Bernd Stahl vom IT-Beratungshaus Harvey Nash im ne-na.de-Interview.

Sie müssen an ihrer Geschäftskompetenz arbeiten und die richtigen Bündnispartner im Unternehmen finden: Die besten CIOs werden diesen Wandel aktiv mitgestalten und sich als unverzichtbare Innovatoren mit einem starken technologischen Hintergrund etablieren. Um das zu erreichen, sollten die IT-Führungskräfte den Schulterschluss mit den Kindern der Babyboomer suchen: „Diese Generation ist der heimliche Verbündete des CIO“, resümiert Harvey Nash in der CIO-Studie 2013. Der CIO sollte sich als Change Agent an die Spitze der digitalen Transformation stellen und den Technologie ermöglichten Kulturwandel vorantreiben. Wie sich das entwickelt, wird in der CIO-Umfrage 2014 abgefragt, an der sich bis Mitte März nicht nur CIOs beteiligen können.

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2 Kommentare - “Vom homo hierarchicus zum digitalen Transformator: Über den Niedergang hierarchischer Führungsmodelle”

  1. publikumfonds 31. Januar 2014 um 11:36 #

    Hat dies auf Der Ascheberger rebloggt und kommentierte:
    Gerade im kleineren Handel, Handwerk und Gastronomie gibt es in weiten Teilen eine gewisse Scheu sich dem digitalen Wandel zu stellen. Aufklärung allein ist es nicht. Es ist die riesige Flut an Information, die kopfscheu macht. Außerdem, nicht zu unterschätzen, die Frage im Hintergrund, was passiert mit meinen Daten. NSA-Skandal und andere Geschichten spielen eine nicht unbedeutende Rolle. So jedenfalls meine Analyse.

  2. gsohn 30. Januar 2014 um 15:06 #

    Hat dies auf Ich sag mal rebloggt.

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