Das Abfall-Oligopol – Mittelstand kritisiert Übernahme des DSD durch den Entsorgungskonzern Remondis #GelbeTonne #GelberSack @bvsenews @kartellamt @bmu

Die Übernahme des früheren Monopolisten DSD (Der Grüne Punkt) durch den Entsorgungskonzern Remondis werde deutschlandweit zu erheblichen Wettbewerbseinschränkungen führen und bedroht die Existenz der bisher die Branche prägenden mittelständischen Unternehmen, warnt der Mittelstandsverband bvse in Bonn. Er hat die wettbewerbspolitischen Folgen in einer Kurzstudie von der Beratungsfirma Berlin Global Advisors (BGA) untersuchen lassen.

Es wurde ein breites Meinungsbild verschiedener Akteure im Entsorgungsmarkt erstellt, um eine Standortbestimmung vorzunehmen, mögliche Auswirkungen des Zusammenschlusses zu ermitteln und Lösungsansätze zu identifizieren. Dabei ergab sich ein relativ klares Bild. Nach Einschätzung vieler Marktbeobachter wird es aufgrund einer Reihe von Faktoren, wie beispielsweise das neue Verpackungsgesetz oder des Einstiegs der Schwarz-Gruppe (Lidl/Kaufland) in das Recyclinggeschäft und insbesondere durch die Auswirkungen der Übernahme der DSD Holding GmbH durch Remondis, zur Bildung eines Oligopols kommen.

„Durch die Übernahme des größten dualen Systems DSD durch den Marktführer Remondis kommt es derzeit zu einer in dieser Dimension noch nie da gewesenen Form der vertikalen Integration. Aus diesem Grund ist das gesamte Marktgefüge – von kleineren privaten bis zu großen kommunalen Unternehmen – unmittelbar oder mittelbar betroffen, wobei sich teilweise existenzbedrohliche Auswirkungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette ergeben. Das ausgerechnet in einem Markt, auf dem wiederholt, auch durch Maßnahmen der Kartellbehörden, versucht worden ist, mehr Wettbewerb zu ermöglichen“, sagt der Studienautor Magnus Alexander zu Wied.

Generell wirft die Übernahme mit einem Transaktionswert von über 561 Mio. Euro Fragen hinsichtlich der zukünftigen Marktgestaltung der Kreislaufwirtschaft in Deutschland auf, die im Rahmen des Fusionskontrollverfahrens durch das Bundeskartellamt geprüft werden müssten.

„Die Marktteilnehmer erwarten ein umfangreiches Fusionskontrollverfahren durch die zuständige vierte Beschlussabteilung des Bundeskartellamts“, fordert der bvse.

Umso wichtiger sei es dem Verband, dass sich die betroffenen mittelständischen Unternehmen im Fusionskontrollverfahren gegen die geplante Übernahme zur Wehr setzen. Denn nach Einschätzung der Autoren der Studie wird der Ausgang der Prüfung des Bundeskartellamts auch davon abhängen, wie viele betroffene Akteure sich in dem Verfahren engagieren und ihre Sicht der Dinge darlegen werden.

Die Studie stellt fest, dass Remondis in wichtigen Ballungszentren in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg den Bereich der kommunalen Entsorgung über sogenannte PPP-Gesellschaften (Public-Private-Partnership) dominiert. Kommt dann noch das System-Geschäft im Bereich der Verpackungsentsorgung hinzu, könne dies faktisch zu einer regionalen Ausgrenzung von Mitbewerbern führen.

„Da bleibt den kleinen und mittelständischen Unternehmen keine Luft mehr, wenn in diesen Regionen Remondis auch noch das Geschäft mit der Verpackungsentsorgung in Händen hält. Der Mittelstand wird so zerrieben“, befürchtet bvse-Hauptgeschäftsführer Eric Rehbock.

Wichtige Befunde aus der Studie:

Die Befragten waren mehrheitlich der Meinung, dass durch die Entwicklungen im Markt Nachhaltigkeitsstandards gefährdet seien. Erstens entstehe durch den Druck und die finanzielle Ausstattung auf die dualen Systeme ein Zwang, billig anbieten zu müssen, was zu Lasten der Nachhaltigkeit gehe. Außerdem könnte die Einheit aus Remondis und DSD die Qualität und das Angebot an Recyclaten steuern, was nicht zwangsläufig zu einer höheren Verwertung der gewonnenen Materialien führe.

Hauptkritikpunkte sind zum einen die Vollzugsschwächen des VerpackungsG, aber auch die mangelnde Steuerung der Informationen an die Marktteilnehmer. So führe das Gesetz hohe Quoten zur Herstellung von Recyclaten ein, regele aber nicht die Nachfrage nach diesen Produkten. Ebenso ergäben sich durch die Quotierung zahlreiche Änderungen in der Wertschöpfungskette, die kostenmäßig nicht abgedeckt seien. Daher perpetuiere das VerpackungsG ein System, welches insgesamt reformbedürftig sei. Die momentane Lage auf dem privaten Entsorgungsmarkt hätte der Gesetzgeber auch zum Anlass für eine Neustrukturierung des Marktes nutzen können, da auch Innovationen wegen des permanenten Kostendruckes faktisch nicht umsetzbar seien.

Siehe dazu auch: Ökologisch ehrliche Preise beim Verpackungsrecycling und die Ölfleck-Theorie der Regulierung

EU verschärft Maßnahmen gegen Plastikflut – In Baden-Württemberg fließen Geldzahlungen wegen der Verfehlung von Quoten #Plastik @EUparliament @bmu @UmweltBW

Das EU-Parlament will Zeichen setzen gegen die Plastikflut und hat für ein Verkaufsverbot von Einweg-Kunststoffartikeln wie Teller, Besteck, Strohhalme, Haltestäbe für Luftballons oder Wattestäbchen gestimmt. Diese Erzeugnisse machen nach Angaben des Parlaments über 70 Prozent der Abfälle im Meer aus und sollen bis 2021 in der EU vom Markt genommen werden. Die Abgeordneten haben Produkte aus oxo-abbaubaren Materialien wie Beutel oder Verpackungen und Fast-Food-Behälter aus expandiertem Polystyrol in die Liste der verbotenen Produkte aufgenommen.

Die Mitgliedstaaten sollten die Verwendung von Produkten fördern, die für Mehrfachnutzung geeignet sind und, wenn sie zu Abfällen geworden sind, zur Wiederverwendung und zum Recycling vorbereitet werden können. Bis 2025 müssen 90 Prozent aller anderen Plastikartikel wie Einweg-Getränkeflaschen aus Kunststoff getrennt eingesammelt und recycelt werden

Ehrgeizige Gesetze gegen Einweg-Kunststoff

„Wir haben die ehrgeizigsten Gesetze gegen Einweg-Kunststoffe verabschiedet. Es liegt nun an uns, bei den anstehenden Verhandlungen mit dem Rat, die bereits im November beginnen sollen, den Kurs beizubehalten. Die heutige Abstimmung ebnet den Weg für eine ehrgeizige Richtlinie. Sie ist unerlässlich, um die Meeresumwelt zu schützen und die Kosten für Umweltschäden, die durch Kunststoffverschmutzung in Europa verursacht werden und bis 2030 auf 22 Milliarden Euro geschätzt werden, zu senken“, so die Berichterstatterin Frédérique Ries.

Das Parlament wird Verhandlungen über die endgültige Fassung des Gesetzes mit dem Rat aufnehmen, sobald die EU-Minister ihren eigenen Standpunkt zu diesem Thema festgelegt haben.

Recycling-Probleme im Musterländle

Für Deutschland wird das eine echte Herausforderung. Denn selbst bei den geringeren Anforderungen für die Sammlung, Sortierung und Verwertung von Plastikabfall gibt es erhebliche Schwachstellen. Etwa im grün-schwarz regierten Musterländle Baden-Württemberg:

„Für das Jahr 2015 ergaben sich aufgrund vertiefter Kontrollen und der Amtshilfe des Bundeskartellamts Hinweise, die zu Nachprüfungen führten.“

Ergebnis nach Angaben des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft in Baden-Württemberg: Bei allen Materialien wurden die Verwertungsquoten der Verpackungsverordnung verfehlt, also bei Pappe, Papier, Karton, Leichtverpackungen und Glas.
 
Branchengerüchten zufolge sollen Duale Systeme Geldzahlungen wegen der Verfehlung der Verwertungsquoten geleistet haben? Antwort des Landesumweltministeriums in Stuttgart:
 

Dies sind keine Gerüchte. Es handelt sich entweder um Bußgelder oder um Gewinnabschöpfungen, die mit dem Ordnungswidrigkeitengesetz explizit und für solche Fälle eingeführt wurden. Die Verfahren sind noch nicht komplett abgeschlossen. Eine zusammenfassende Information erfolgt nach Abschluss der Verfahren, die sich in Summe noch mindestens bis Ende November hinziehen werden.“

Gibt es Sanktionen?

Der Entzug der Genehmigung für Sammlungen via Gelber Tonne oder Gelber Sack steht noch nicht auf der Tagesordnung.  Für die Erfüllung der weitaus höheren Verwertungsquoten im neuen Verpackungsgesetz macht sich der Sprecher des Landesumweltministeriums keine Sorgen.  

„Der Bundesgesetzgeber hat anspruchsvolle, aber machbare Verwertungsquoten im Gesetz vorgeschrieben, die auch von den dualen Systemen und den Herstellern als eigentliche Verpflichtete akzeptiert wurden“, so Ralf Heinken.

Bei Plastik wird das ein ehrgeiziges Unterfangen. Nach der zur Zeit noch gültigen Verpackungsverordnung müssen 60 Prozent recycelt werden. Ab 2019 springen diese Rechtspflichten um 30 Prozentpunkte auf 90 Prozent.  

Nominierungsabend #Ludwig2017 – Mittelstandspreis für Bonn/Rhein-Sieg

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Mehr als 30 Unternehmen haben sich in diesem Jahr für die beiden Mittelstandswettbewerbe „Großer Preis des Mittelstandes“ und „Ludwig“ beworben. Am Donnerstag, den 16. Februar entscheidet sich, wer zum Kreis der Nominierten des Wettbewerbs von IHK Bonn/Rhein-Sieg und Servicestelle zählt.

„Wir schauen uns die Unternehmen an, bevor wir sie endgültig nominieren. So kommt es immer wieder vor, dass wir Unternehmen raten, wie auch in diesem Jahr, noch mit einer Kandidatur zu warten“, erläutert Christine Lötters von Oskar-Patzelt-Stiftung.

2013 gestartet, hat sich der regionale Zusatzpreis “Ludwig” nach Angaben des Veranstalters zu einem bedeutsamen Wettbewerb für mittelständische Unternehmen in der Region Bonn/Rhein-Sieg entwickelt. Die Teilnehmerzahl wächst von Jahr zu Jahr. Dies zeige, dass der „Ludwig“ immer stärker wahrgenommen wird und die Unternehmen, die Chance erkennen, die ihnen eine Teilnahme bietet.

Für Innovationen könnte man übrigens noch einen Schumpeter-Preis aufnehmen – kleine Anregung.

SMOWL-Vorstand im Amt bestätigt – Die Ost-Westfalen-Lippe-Vernetzer

Der alte und neue SMOWL-Vorstand

Der alte und neue SMOWL-Vorstand

Das Wirtschafts- und Kompetenz-Netzwerk Social Media OWL e.V. gehört nach eigenen Angaben zu den jungen und zugleich erfolgreichen Netzwerken „made in OWL“ – also Ost-Westfalen-Lippe:

„Seit 2011 haben sich die Experten für digitale Kommunikation nicht nur bestens in der Region vernetzt, sondern stehen heute bundesweit als Berater, Referenten, Dozenten und Moderatoren in der ersten Reihe und begleiten Unternehmen und Organisationen bei allen Aufgabenstellungen rund um die Themen Kommunikation, Social Media, digitaler Wandel und digitale Transformation“, teilt der Verein mit.

Auf der Jahreshauptversammlung in Rheda-Wiedenbrück wurde nicht nur auf die Arbeit der vergangenen zwei Jahre zurückgeblickt. Auch der Vorstand musste neu gewählt werden. Thorsten Ising, Michael Kemkes und Frank Michna sind alter und zugleich neuer Vorstand und wurden einstimmig im Amt bestätigt.

In den vergangenen zwei Jahren haben sie das Kompetenz-Netzwerk bekannt gemacht und „SMOWL“ bundesweit in die Köpfe der Menschen getragen. Ob als Partner in Sachen Arbeit 4.0, im Austausch mit den Hochschulen und IHKs über die Grenzen von OWL hinaus oder als Impulsgeber auf Messen wie der CeBIT und zahlreichen Veranstaltungen in Berlin, Köln, München, Stuttgart und Hamburg – immer öfter taucht das Kürzel „SMOWL“ hinter den Namen von Referenten und Moderatoren auf, wenn über digitale Transformation und Kommunikation gesprochen wird.

Das Wirtschafts-Netzwerk habe sich zu einer Plattform für Wissenstransfer rund um den digitalen Wandel und die damit verbundenen Veränderungsprozesse in und um Unternehmen und deren Bild in der Öffentlichkeit entwickelt. Zu den Mitgliedern gehören Kommunikationsberater, Online-Agenturen und Webshop-Entwickler, ebenso wie Medien- und Markenanwälte, Datenschützer, SEO-Spezialisten und IT-Unternehmen. Sie alle stehen im permanenten Austausch und bilden sich untereinander fort. Das so erarbeitete Wissen geben sie bereitwillig weiter. So stehen die Experten des Netzwerks oft auch kostenfrei für Vorträge und Impulse zur Beratung von Vereinen und Non-Profit-Organisationen zur Verfügung.

„Wir stehen erst am Beginn eines gewaltigen Wandels, den ein einzelnes Unternehmen, sowohl in der Geschwindigkeit, als auch in der Tragweite, kaum begreifen und umsetzen kann. Deshalb haben wir uns organisiert, um Trends und Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und unseren Kunden Wissensvorteile zu verschaffen“, erklärt der Vorsitzende Thorsten Ising.

Gleichzeitig möchte man die Kompetenz in der Region sichtbarer machen.

Die digitale und innovative Spaltung: Alten Unternehmern fehlt die Netz-Erlebniswelt – Netzökonomie-Campus will das ändern

Netzökonomie-Campus-Spezial in der Cebit-Mittelstandslounge. Von links nach rechts: Bernhard Steimel, Winfried Felser, Gunnar Sohn, Tobias Kollmann, Frank Michna.

Netzökonomie-Campus-Spezial in der Cebit-Mittelstandslounge. Von links nach rechts: Bernhard Steimel, Winfried Felser, Gunnar Sohn, Tobias Kollmann, Frank Michna.

Sobald es um die Heldentaten der stolzen deutschen Industrienation geht, werden Politiker und Lobbyisten nicht müde zu betonen, wie wichtig sie für uns sind – die sogenannten „Hidden Champions“, die Mittelständler, die Industrie- und Technologieunternehmen, die mit knapp 16 Millionen Beschäftigten rund 2,1 Billionen Euro pro Jahr erwirtschaften, heißt es im Ankündigungstext des republica-Vortrages von Marco Petracca mit dem verheißungsvollen Titel „ONLINE? BRINGT UNS NICHTS! – EIN DEPRIMIERENDER LAGEBERICHT AUS DEN CHEFBÜROS DEUTSCHER INDUSTRIEUNTERNEHMEN“.

Die Unsichtbarkeit der heimlichen Giganten liege vielleicht daran, dass der überwiegende Teil ihrer Produkte und Leistungen keine direkte Relevanz für unser tägliches Leben haben – schließlich braucht niemand eine Rohrbiegemaschine oder eine Industriepumpe im Privathaushalt.

„Und es liegt auch daran, dass diese Unternehmen meist irgendwo in der tiefen Provinz sitzen. In einer Welt, deren Horizont an der nächsten Autobahn endet und die sehr weit weg von dem ist, was wir im Netz als Arbeitswelt verstehen.“

Im sauerländischen Konferenzraum verpennt man die Digitalisierung

Die geschichtsträchtigen, oft inhabergeführten und deshalb manchmal leider auch sehr konservativen Unternehmen finden in der Netzwelt genauso wenig statt wie in unserem unmittelbaren Alltag. Das ist die Hauptschwäche des Mittelstandes:

„Denn wenn heute jeder mit jedem online kommuniziert, Geschäfte zunehmend nicht mehr im sauerländischen Konferenzraum, sondern weltweit im Browser getätigt werden, Arbeitsplätze nach digitaler sexyness ausgewählt werden, das Netzwissen unseren Alltag und unsere Kultur prägt, stellt sich die Frage, wie diese Traditionsunternehmen in Zukunft bestehen sollen“, so die republica.

Petracca wagt im Mai zur Berliner Bloggerkonferenz einen Erklärversuch. Es liege wohl nicht an der Technik, sondern vielmehr an einem kulturell schwierigen Mix aus Ingenieurs-, Provinz- und Mittelstandsdenken.

Besonders in diesen Unternehmen wird nach Ansicht von Professor Peter von Mitschke-Collande unterschätzt, dass die Digitalisierung nur zu 20 Prozent eine Frage der Technologie ist.

80 Prozent der Aufgaben liegen im Management und im Verhalten der vernetzten Privat- und Geschäftskunden. Es reicht dabei nicht aus, ein wenig mehr IT und Social Web einzusetzen, um die eigene Organisation zukunftsfähig zu machen.

Die ultimative Kollmann-Frage

Maschinenbauer, Logistiker, Robotik-Spezialisten und Zulieferer sollten sich deshalb die geniale, pointierte und existentiell wichtige Frage stellen, die Professor Tobias Kollmann beim Netzökonomie-Campus in der Cebit-Mittelstandslounge in die Diskussion warf:

„Welches Startup mit einer tollen innovativen Idee aus dem Silicon Valley würde mit viel Geld Ihre Branche kaputt machen.“

Dummerweise ist das Digitale vielfach nicht Teil der Erlebniswelt von Führungskräften, bestätigt Mind Business-Berater Bernhard Steimel beim netzökonomischen Diskurs in Hannover:

„Dadurch schneiden sie unheimlich viel nicht mit. Sie delegieren solche Angelegenheiten lieber an irgendwelche Abteilungen.“

So ähnlichen Erkenntnissen gelangt Thomas Riedel in seinem Blogpost „DIE WEBVIDEOCON UND DIE UNERREICHTE ZIELGRUPPE“:

„Es waren hauptsächlich Video- und Marketing-Profis da. Es ist zwar nett sich mit denen auszutauschen. Letztendlich hat es aber den Zweck der Veranstaltung, die innerhalb der Reihe der IHK ‚Digital Cologne‘ statt findet, verfehlt. Es waren so gut wie keine mittelständischen Unternehmer da, oder Unternehmen, die sich da neu aufstellen wollten.“

Auf der anderen Seite gibt es allerdings auch die Tendenz zur Nichtwahrnehmung. Gemeint ist die so genannte Netzgemeinde, die sich selten mit klassischen Wirtschaftsthemen beschäftigt. Die populärsten Beiträge, die etwa im News-Aggregator hochschießen, sind eher die traditionellen netzpolitischen Beiträge wie Datenschutz, Netzneutralität, der heißeste Scheiß im Social Web, Gadgets oder Social Web-Marketing.

Die Top-Themen des Netzes

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Was Rivva in die Kategorie „Wirtschaft“ einsortiert, ist eher bescheiden:

Die populärsten "Wirtschaftsthemen" des Netzes

Die populärsten „Wirtschaftsthemen“ des Netzes

Asymmetrischer Krieg

Was die Mittelständler erleben werden – ob sie es zur Kenntnis nehmen wollen oder nicht – bezeichnet Steimel als asymmetrischen Krieg, den die Silicon Valley-Partisanen anzetteln. Bei der Gründung von neuen Plattformen, Apps oder Anwendungen sind die jungen Himmelsstürmer „waffentechnisch“ noch unterlegen. Kompensiert wird das mit Nadelstich-Attacken und Zermürbung, um die überlegene Partei zum Rückzug zu zwingen, die ihre Kräfte schlichtweg überdehnt hat.

Wer als etablierte Kraft nur auf Google, Facebook oder Apple starrt, werde von Neulingen wie Uber und Co. überrollt, sagt der Smart Service-Experte. Der Springer-Verlag macht es schon richtig, fast die komplette Führungsriege als Hospitanten ins Silicon Valley pilgern zu lassen. Hier bekomme man nach Ansicht von Steimel die überfälligen Erweckungserlebnisse, um böse Überraschungen für das eigene Geschäftsmodell zu antizipieren. Nur über eigene Aktivitäten kann am den blinden Fleck bei der Digitalisierung korrigieren.

Wer beherrscht die Plattformen?

Passives Zuschauen oder die Delegation der digitalen Hausaufgaben sind der falsche Weg: Auch der Ruf nach dem Staat oder die Einführung von Schutzgesetzen, gerichtlichen Verboten und Reglementierungen helfen nicht weiter.

„Das ist eine wirtschaftliche Aufgabe, die eine Plattform braucht“, fordert Kollmann.

So genüge es für die Heizungsindustrie nicht, Daten digital auslesen zu können. Über die Verbrauchswerte lasse sich eine neue Energiehandels-Plattform zu den Heizungselementen etablieren, um zu entscheiden, über welche Energieträger das abgerechnet wird. Wer das in die Hand bekommt, dominiert den kompletten Markt.

„Wir denken alle noch materiell und in alten Produktkategorien, sogar Mister Zetsche, wenn er sein altes Auto nicht durch Apple bedroht sieht, da er nicht die Experience-Ökonomie versteht, wo Produkt- und Branchen-Grenzen eingerissen werden“, erklärt Winfried Felser von der Unternehmer-Plattform Competence Site.

Wenn diese Einsicht bei den liebwertesten Gichtlinge der Wirtschaft nicht von innen kommt, müssen sie ihre Kompetenzen stärker vernetzen und auf Kollaboration setzen.

Startups als Bündnispartner

„So sollten sich Startups und Mittelständler als Bündnispartner positionieren. Wenn die Digitalisierungs-Expertise in der eigenen Firma nicht vorhanden ist, muss man sie sich in Netzwerken holen. Umgekehrt sollten die Technologie-Versteher die nötigen Business-Fähigkeiten bei etablierten Größen der Wirtschaft abholen. Nur in einer Kombination der unterschiedlichen Fähigkeiten können wir den Angreifern aus dem Silicon Valley Paroli bieten“, sagt Felser in der Cebit-Mittelstdandslounge.

Einen ersten Annäherungsversuch wagten übrigens der Bundesverband IT-Mittelstand und Bundesverband Deutsche Startups mit einem Gesprächsformat in der Cebit-Mittelstandslounge unter dem Titel „M@tch digital“.

Einen Hauptgrund für die digitale Blindheit der Unternehmer liegt wohl an der Überalterung, wie das aktuelle KfW-Mittelstandspanel untermauert:

Der demografische Wandel hinterlässt auch bei den Firmenlenkern deutliche Spuren: Die Inhaber von 1,3 Millionen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) sind 55 Jahre oder älter – das entspricht rund einem Drittel aller Mittelständler in Deutschland. Wie eine aktuelle repräsentative Analyse von KfW Research auf Basis des KfW-Mittelstandspanels zeigt, ist der Anteil dieser Altersgruppe unter den mittelständischen Unternehmern seit 2002 vier Mal so stark gestiegen wie in der Gesamtbevölkerung (+16 Prozentpunkte bzw. +4 Prozentpunkte). Gleichzeitig fehlt es trotz jüngst etwas anziehender Gründerzahlen (einschließlich der Nachfolger) an ausreichend Unternehmernachwuchs.

Talfahrt bei Unternehmensgründungen

Talfahrt bei Unternehmensgründungen

Die beschleunigte Alterung im Mittelstand hat negative Folgen für die gesamte Volkswirtschaft: Die Investitionsbereitschaft von Inhabern sinkt mit zunehmendem Alter rasant. Von den Unternehmern über 60 Jahren investiert laut KfW-Analyse nur noch rund jeder Dritte. Die anderen ziehen sich aus der Weiterentwicklung ihres Unternehmens zurück. Das gefährdet den künftigen Geschäftserfolg, bremst Modernisierung und reduziert gesamtwirtschaftliches Wachstum. Sinkt die Wettbewerbsfähigkeit, sind häufig Arbeitsplätze gefährdet.

Betroffen von der schnell voranschreitenden Alterung sind nahezu alle Branchen. Besonders schnell in Richtung Demografiefalle bewegen sich die kleinen und mittleren Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes mit einem durchschnittlichen Inhaberalter von 54 Jahren. Unabhängig vom Wirtschaftszweig haben große Mittelständler tendenziell ältere Inhaber. Bei den großen Betrieben mit mehr als 50 Beschäftigten liegt das Durchschnittsalter des Inhabers bei 53 Jahren.

Wie das KfW-Mittelstandspanel der Unternehmensinvestitionen der Jahre 2004-2013 zeigt, ist der Zusammenhang zwischen Inhaberalter und Investitionsbereitschaft unverkennbar: 57 Prozent der Unternehmen mit Chefs unter 40 Jahren investieren. Mit steigendem Unternehmeralter sinkt der Investorenanteil deutlich. Bei den über 60-jährigen Unternehmensinhabern erreicht er nur noch 37 Prozent.

Keine guten Zukunftsaussichten im Unternehmertum

Keine guten Zukunftsaussichten im Unternehmertum

Auch die Art der Investition verändert sich mit steigendem Alter. Stärker risikobehaftete und kapitalbindende Vorhaben werden seltener, die noch durchgeführten Investitionen dienen in erster Linie der Pflege des Kapitalstocks. Die geringere Investitionsneigung hat gravierende Folgen für die Unternehmenssubstanz. Bei acht von zehn Mittelständlern mit älteren Inhabern übersteigt der Wertverlust des Kapitalstocks das Volumen der Neuinvestitionen.

Eine zentrale Ursache für die abflauende Investitionsbereitschaft älterer Unternehmer ist deren kurzer Planungshorizont, die Risikobereitschaft sinkt. Rückt ein Inhaber näher an das Rentenalter heran, besitzen viele Vorhaben eine aus seiner Sicht zu lange Amortisationsdauer. Das gilt umso mehr für alle längerfristig finanzmittelbindenden – dafür aber auch wettbewerbsstärkenden – Zukunftsinvestitionen.

Alte Unternehmer sind pessimistischer

Alte Unternehmer sind pessimistischer

„Der deutsche Mittelstand altert im Zeitraffer“, sagt Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW. „Weil ältere Chefs wesentlich seltener investieren, droht vielen kleinen und mittleren Unternehmen durchaus ein Verlust an Wettbewerbsfähigkeit und Anziehungskraft für neue Kunden. Das mindert den Wert des Unternehmens, in dem oft ein ganzes Arbeitsleben steckt.“

Dieses Risiko müsse auch im Interesse sicherer und moderner Arbeitsplätze reduziert werden. Man sollte überlegen, wie wir den Unternehmergeist auch im Alter erhalten können. So könnten Alteigentümer nach dem Rückzug an der Rendite beteiligt werden. Mehr Unternehmer und die frühzeitige Klärung der Nachfolge wäre ein anderer, wesentlicher Baustein für den Erhalt eines dynamischen Mittelstands.

Der Netzökonomie-Campus will das ändern und Wirtschaft, Startups, Wissenschaft sowie digitale Vordenker zusammenbringen. In regelmäßigen Käsekuchen-Diskursen via Hangout on Air und das NetzökonomieCamp Ende November in Paderborn.

Der Artikel dient auch als Werkstattbericht für meinen morgigen Auftritt beim zweiten Blog-Camp in Hannover. Thema: Bekenntnisse eines Wirtschaftsbloggers – Ökonomische Themen in der Blogosphäre.

Siehe auch:

Der Mittelstand im digitalen Partisanen-Kampf.

DEUTSCHLAND AG: HEDGEFONDS-MENTALITÄT STATT GRÜNDERGEIST – DIGITALE KÖPFE GESUCHT #CEBIT15 #MITTELSTANDSLOUNGE

Themen, die bei Rivva hochschießen: Urheberrechtliche Abmahnung wegen Facebook Sharing verursacht (irrtümliche) Panikwelle – Der Versuch einer rechtlichen Aufklärung.

Gelbe Tonne immer noch hochexplosiv – Streit um Marktanteile

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Die mittelständische Recyclingwirtschaft kritisiert die Vorgehensweise des Dualen Systems namens BellandVision, den eigenen Marktanteil und damit auch die Finanzierungskosten für die Getrenntsammlung von gebrauchten Verpackungen um 3,68 Prozent zu kürzen.

Der Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse) hält diese Verfahrensweise für „absolut inakzeptabel“ und fordert eine sofortige Rücknahme dieser Ankündigung.

Auch vor dem Hintergrund der Rettungsbemühungen der Bundesregierung, die gerade erst die siebte Novelle der Verpackungsverordnung beschloss, sei die jetzt von BellandVision forcierte Eskalation der Lage verantwortungslos. Auch die Dualen Systeme DSD, Eko-Punkt, Interseroh, Landbell, Reclay Vfw, RKD, Veolia und Zentek distanzieren sich vom Verhalten des Konkurrenten. BellandVision blockiere systematisch aus Eigeninteresse die Handlungsfähigkeit der Gemeinsamen Stelle. Man sei daher entschlossen, eine zukunftsfähige Lösung ohne BellandVision zu entwickeln, heißt es in einer Presseerklärung.

In einer gemeinsamen Sitzung der Gemeinsamen Stelle am 24. April 2014 haben alle Mitglieder mit Ausnahme von BellandVision ihre Auffassung bekräftigt, dass der für alle Marktteilnehmer für das zweite Quartal 2014 errechnete Marktanteil in vollem Umfang verbindlich sei. Die Geschäftsführung der Gemeinsamen Stelle wurde deshalb beauftragt zu prüfen, welche rechtlichen Durchsetzungsmöglichkeiten gegenüber BellandVision bei Verweigerung bestehen.

Michael Wiener (DSD) und Markus Müller-Drexel (Interseroh) wurden beauftragt, auf Basis der gefundenen Zwischenlösung Gespräche mit Handel und Industrie über die Stabilisierung des dualen Systems zu beginnen:

„BellandVision hatte zuvor angekündigt, die vom Wirtschaftsprüfer der Gemeinsamen Stelle für das zweite Quartal 2014 zugerechneten Marktanteile für die Abrechnung der Entsorgungsdienstleistungen ab Mai nicht mehr in voller Höhe gegen sich gelten zu lassen.“

Die übrigen Mitglieder der Gemeinsamen Stelle vertreten die Auffassung, dass BellandVision diese Anteile in voller Höhe und für den gesamten Berechnungszeitraum den Abrechnungen mit der Entsorgungswirtschaft zugrunde zu legen hat.

Um Ungleichgewichte bei der Lizenzierung und der Sammlung von Verpackungen zu vermeiden, wurde eine so genannte Clearingstelle aus der Taufe gehoben. Konsumgüterindustrie und Handel, die Verpackungen in Deutschland auf den Markt bringen, schließen Verträge mit den Dualen Systemen für die Entsorgungsdienstleistungen ab. Die Schwankungen bei den Marktanteilen und den Sammlungsergebnissen sollen über die Clearingstelle ausgeglichen werden. Das sorgte in den vergangenen Jahren regelmäßig für Streitigkeiten.