Vom Niedergang des homo hierarchicus

Banner-Kreation von Isabel Morales Rey

In vielen Unternehmen herrschen nach Auffassung des Organisationsexperten Guido Bosbach auf allen hierarchischen Ebenen Grund- und Glaubenssätze vor, die einen Wandel von innen heraus schlichtweg verhindern. Misstrauen und intransparente Geheimnistuerei statt Vertrauen und einer offenen Kommunikation auf Augenhöhe seien die Folgen. Ein Fundament auf dem kein kritischer und wichtiger digitaler Wandel erfolgreich gedeihen kann.

Die von Bosbach ins Spiel gebrachte Hilfestellung bezieht sich weniger auf Change-Lehrbuchwissen, als auf die Fähigkeit, Kommunikation im Netzwerk zu moderieren und ein Gefühl dafür zu haben, zu welchem Zeitpunkt welcher Impuls angebracht und richtig ist. Das passt aber nicht zur Denke jener Führungskräfte, die ihre Organisation nur auf Effizienz trimmen wollen.

Für eine erfolgreiche Veränderung kommt es nicht nur darauf an, Fakten zu vermitteln, erfolgskritisch ist es, Menschen emotional zu erreichen und für den Wandel zu begeistern. Betrachtet man allerdings die in der Praxis angewandten Methoden, so überwiegt die fachlich-sachliche Ansprache entlang der etablierten Hierarchiestrukturen.

Zu beobachten ist das Substrat einer pseudo-modernen Organisation, entworfen auf dem Reißbrett von Planungs- und Prozessfanatikern. Zum Lieblingsvokabular vieler Manager zählen Ziel, Optimierung, Strategie, Change, Projekt, Performance, Evaluation und der berühmte Prozess. Eine semantische Powerpoint-Brühe, die das bürokratisch-industrielle Büroleben prägt – angetrieben von einem Gemisch aus BWL und IT, wie es Christoph Bartmann in seinem Buch „Leben im Büro“ (Hanser Verlag) ausgebreitet hat. Ein Regime der Standards, Formulare, Meetings, Organigramme und To-Do-Listen. Das Ganze wird von einem Mehltau an Sprachregelungen, Leerformeln, Zielen, Strategien und operativen Handlungsanweisungen überzogen. Wichtigtuerei, gesteuert von einem rhetorischen Autopiloten.

Die Rolle des Managers als homo hierarchicus löst sich auf. Seine Strategie, sich als Schaltstelle zwischen den Hierarchien eines Unternehmens einzunisten, läuft ins Leere. Selbstorganisation, Autonomie, Individualität, Kommunikation auf Augenhöhe, Partizipation, die Ökonomie des Gebens und Nehmens machen den Kontrollsehnsüchten der Führungskräfte einen Strich durch die Rechnung.

Mit Evaluations-, Controlling- und Buchführungs-Diktaturen kommt man nicht mehr weit.

„Die Kultur der meisten Mega-Konzerne mit ihren ausgeprägten Hierarchien, ihren starren Formalitäten, ihren unbeholfenen Kommunikationsmechanismen und als Resultat davon ihren langsamen Reaktionszeiten passt offensichtlich nicht mehr zu dem heute herrschenden Tempo. Sie ist nicht mehr vereinbar mit der heute existierenden Wirtschaftskultur und erscheint im Vergleich dazu alt und atemlos“, bemerkt der Philosoph Frithjof Bergmann.

Welche anderen Wege Unternehmen beschreiten können, skizziert Guido Bosbach in seinem Opus „Change ist der falsche Ansatz für die Digitale Transformation“.

Advertisements

Schlagwörter:

3 Kommentare - “Vom Niedergang des homo hierarchicus”

  1. Conny Dethloff (@condet020274) 28. Juli 2016 um 13:18 #

    Danke für die Gedanken, denen ich uneingeschränkt zustimme.

    Beim Wandel vergessen wir stets, das dieser mit Musterbrechen zu tun hat. Dieses Musterbrechen geht aber immer nur über das Handhaben von Widersprüchen. Dieser Fakt macht kontextlose Prozessanweisungen, die wir in Unternehmen zu Hauf finden, sinnentkoppelt.

    Prozessanweisungen, die für eine lebendige Welt passfähig wären, müssten also jeden erdenklichen Kontext, in welchem bestimmte Handlungen ausgeführt werden sollten, inkludieren. Das ist aber schier unmöglich. Werden die Kontexte nicht inkludiert, müssten sich diese Anweisungen in sich widersprechen, was sie dann wieder sinnentkoppelt erscheinen lassen.

    Widersprüche annehmen und damit Wandel befeuern heißt Menschlichkeit lieben.

    Mehr dazu gerne hier: http://blog-conny-dethloff.de/?p=3230

    Paradoxe Grüße, Conny

  2. gsohn 28. Juli 2016 um 11:20 #

    Hat dies auf Netzstrategien für die Wirtschaft rebloggt.

Eure Meinung ist gefragt

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: