Sattelberger: „Müller, Pötsch und Audi-Chef Rupert Stadler müssen zurücktreten“ – Alte Böcke sollte man nicht zu Gärtnern machen

Sattelberger fordert Ablösung der gesamten Führungsriege im VW-Konzern

Sattelberger fordert Ablösung der gesamten Führungsriege im VW-Konzern

Die Ausweitung des VW-Abgasskandals auf die Töchter Porsche und Audi sind für den Personalmanagement-Experten Thomas Sattelberger keine Überraschung. Da werde es noch weitere Enthüllungen geben:

Der VW-Skandal ist kein Werk von wenigen Sündenböcken, die man in den vergangenen Wochen abgelöst hat. Das Problem sei systemischer Natur, so Sattelberger im Gespräch mit ne-na.de:

„Alte Böcke sollte man nicht zu Gärtnern machen. Das hilft nichts. Der neue Aufsichtsratsvorsitzende Hans Dieter Pötsch war zwölf Jahre lang VW-Finanzvorstand. Der hat das gesamte Machtgebaren des Wolfsburger Konzerns nicht nur erlebt, sondern mitgestaltet. Er trägt Mitverantwortung in der Organhaftung für mangelnde Sorgfaltspflicht.“

Er sei überhaupt nicht dazu in der Lage, seinen jetzigen Kontrollaufgaben nachzukommen. Beim neuen VW-Chef Matthias Müller sieht Sattelberger keine großen Unterschiede zum Amtsvorgänger Martin Winterkorn, da auch in den Produkten von Porsche und Audi die Betrugssoftware zum Einsatz kam. Er sei Teil des alten Systems im Konzernverbund.

„Müller, Pötsch und Audi-Chef Rupert Stadler müssen zurücktreten. Ein Disruptionsmanager von außen wäre jetzt die richtige Lösung und ein Team von krisenerprobten Fachleuten, die die kritische Masse mitbringen, um nicht vom alten Führungskörper und dem etablierten Immunsystem von VW aufgefressen zu werden“, so Sattelberger.

Der Aufsichtsrat, geprägt durch die Arbeitnehmervertreter und die Piech-Familie sei ein reines Abnick-Gremium. Die Betriebsräte und Gewerkschafter sind Co-Abhängige des gesamten Systems.

„IG-Metaller Osterloh hat einmal gesagt, Winterkorn ist jeden Euro wert. Daran erkennt man dann die Geisteshaltung der Arbeitnehmervertreter bei VW“, kritisiert Sattelberger.

Um wieder Glaubwürdigkeit zu bekommen, müsse die Spitze im Vorstand und im Aufsichtsrat weggefegt werden.

Kulturwandel könne nicht von oben verordnet werden. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an der Basis müssten mehr gehört werden, aber nicht über die Lautsprecher der Arbeitnehmervertretung. Die Gewerkschaft sei Mittäter der VW-Machtkultur.

Die vorherrschende Angstkultur werde mit den alten Seilschaften nicht aufgebrochen. Es müssten alle Kanäle für Whistleblower geöffnet werden, damit hochgespült wird, was in dieser Organisation sonst noch an Leichen im Keller ist.

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6 Kommentare - “Sattelberger: „Müller, Pötsch und Audi-Chef Rupert Stadler müssen zurücktreten“ – Alte Böcke sollte man nicht zu Gärtnern machen”

  1. gsohn 4. Dezember 2015 um 11:58 #

    Die Chinesen streben Autarkie bei der Autoproduktion an. Präsentiere Dir demnächst ein Interview zu diesem Thema mit einem Experten der Zulieferindustrie.

  2. vfalle 28. November 2015 um 22:43 #

    Ziemlich provoktiv.

    Seilschaften in verschiedenen Organisationen halte auch ich für ein Problem.

    Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob es besser ist nun die Führungsspitze erneut auszutauschen. Das würde nur funktionieren, wenn die neue Führung weniger Fehler macht, als die Alte. Es soll ja Menschen geben, die aus Fehlern lernen. Gleichzeitig müsste eine neue Führung erst einmal die Konzernstrukturen verstehen, um schnell die richten Stellschrauben zu identifizieren.

    Richtig ist: Bei beiden Wegen gibt es also Risiken.
    Richtig ist auch: Die Krisenmanager müssen jetzt ganz dicke Bretter bohren – sprich viele Gespräche auf allen Hierarchieebenen führen.
    Für die Mitarbeiter an der Basis wünsche ich mir, dass das gelingt.

    • gsohn 30. November 2015 um 2:28 #

      Dann wird der Laden zerschlagen oder Chinesen steigen ein.

      • vfalle 4. Dezember 2015 um 10:29 #

        Das ist eine sehr eindimensionale Denke.
        Bei einem Scheitern wird es in beiden Fällen zu einer Übernahme oder zu einer Zerschlagung kommen.
        Nur: Wieso sollen die ausgerechnet die Chinesen VW oder wichtige Teile davon übernehmen?
        Die USA holen inzwischen industriell wieder auf und haben sicher ein großes Interesse daran General Motors wieder an der Spitze der Automobilhersteller zu sehen.
        Auch in Japan gibt es derzeit Ambitionen in ausländische Firmen zu investieren. Da sind allerdings nach meiner Kenntnis im Moment eher Maschinenbauer, Logistiker und andere Branchen gefragt.

  3. gsohn 27. November 2015 um 16:54 #

    Hat dies auf Ich sag mal rebloggt und kommentierte:

    Da ist Musik drin.

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  1. Auf der Suche nach der perfekten Zirkulation in der Deutschland AG - Lean Knowledge Base - 9. Juli 2016

    […] Wenn die Zirkulation von den Cheftrainern blockiert wird, hilft als letztes Mittel dann nur noch der Rausschmiss des kompletten Trainerstabs, wie es Thomas Sattelberger bei VW fordert. Der VW-Skandal sei kein Werk von wenigen Sündenböcken, die man in den vergangenen Wochen abgelöst hat. Das Problem sei systemischer Natur, so Sattelberger im Gespräch mit ne-na.me: […]

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