Jeder Peinlichkeit wohnt eine Erleuchtung inne: Livestreaming-Lektionen

Bei der Verlosung bin ich leider auch gescheitert

Bei der Verlosung bin ich leider auch gescheitert

Jeder Peinlichkeit wohnt eine Erleuchtung inne, und während der Arbeiter im Weinberg der Kultur seine Erfolge rasch zu vergessen pflegt, hält sich die Erinnerung an einen Flop jahrelang mit geradezu blendender Intensität.

„Triumphe halten keine Lehren bereit, Misserfolge dagegen befördern die Erkenntnis auf mannigfaltige Art. Sie gewähren Einblick in die Produktionsbedingungen, Manieren und Usancen der relevanten Industrien und helfen dem Ahnungslosen, die Fallstricke, Minenfelder und Selbstschussanlagen einzuschätzen, mit denen er auf diesem Terrain zu rechnen hat”, schreibt Hans-Magnus Enzensberger in seinem Opus “Meine Lieblings-Flops, gefolgt von einem Ideen-Magazin” (Suhrkamp Verlag).

Für die Gamingszene ist das geübte Praxis, wie uns Christoph Deeg im Bloggercamp.tv-Gespräch darlegt:

„Wir müssen akzeptieren, dass es nicht um die Tatsache geht, dass jemand einen Fehler gemacht hat. Es geht vielmehr darum gemeinsam aus diesen Fehlern zu lernen. Interessanterweise ist dieses Try-and-Fail-Prinzip ein elementarer Bestandteil des Gamings. Gamer sind es gewohnt, Fehler zu machen und sich in den jeweiligen Communitys darüber auszutauschen.“

Natürlich weiß er, dass es Dinge im Leben gibt, bei denen dieses Vorgehen nicht funktioniert oder nicht wünschenswert ist. Bei einem Chirurg wäre es eher unangenehm, wenn er einfach etwas Neues am lebenden Subjekt ausprobiert ohne die Folgen zu bedenken.

„Aber in der Breite fehlt uns die Bereitschaft, Fehler anzuerkennen“, so die Erfahrung von Deeg.

Auch wenn sich nicht alles durchsetzt, bereitet man trotzdem den Weg zu völlig neuen Szenarien in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik. So wie es der Weltraum-Pionier und “sächsische Ikarus” Karl Hans Janke vorgelebt hat – in der Psychiatrie. Der Fantast und Flugvisionär war kein Idiot. Er kannte nur ein Ziel, nämlich die Menschheit aus ihrem Gefängnis zu befreien und sie in eine bessere Welt zu führen. Seine Konzeptionen für Raketen und Raumfähren, seine Konstruktionszeichnungen und Beschreibungen sind so genial wie die Arbeiten von Leonardo Da Vinci. Manchmal braucht man eine Portion Größenwahn, um Großes zu vollbringen. Das gnadenlose Scheitern gehört dazu, um aus dem Trümmerhaufen der Ideen das Beste herauszuholen, wie bei unserem Crowdfunding-Buchprojekt über die „Streaming-Revolution via Hangout on Air“.

Es sollte ein fließendes Un-Buch sein, um bei einem so dynamischen Technologiethema zum Erscheinen des Werkes nicht sofort wieder hinter dem Mond zu landen. Die Erscheinungsform wollten wir bewusst in der Schwebe halten, um Neuigkeiten sofort aufnehmen zu können.Wir wollten die Buchproduktion irgendwie so machen, wie Dirk von Gehlen mit seinem Startnext-Opus „Eine neue Version ist verfügbar”, nur anders. Das erste Projektvideo war zu lang und inhaltlich eher dürftig. Unsere ersten Präsentationen hat niemand so richtig verstanden. Nach hinten ging uns die Puste aus und wir konnten nur rund 3.000 Euro von insgesamt 5.000 Euro einsammeln. Projekt geplatzt. Danach hielten wir Vorträge unter der Überschrift „Besser scheitern mit Crowdfunding”. Gelernt haben wir in den Kampagnen-Monaten aber eine Menge. Was ist übrig geblieben? Ein Workshop-Projekt namens „Video-Blogging und Echtzeitkommunikation über Streaming-Dienste“ mit einigen Aufträgen, die die Crowdfunding-Summe bei weitem übertroffen haben, und ein Buchvertrag mit dem Hanser-Verlag, wo wir nun unsere Streaming-Revolution realisieren. Beim Scheitern liegt die Betonung eben auf „heiter“.

Das gilt hoffentlich auch für unsere kleinen Kostproben des Livestreaming-Buches, das am 4. September im Hanser Verlag erscheint.

Erfreuliche Botschaft: Crowdfunding-Plattform Kickstarter ab Herbst auch offen für deutsche Projekte.

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