NRW und die semantischen Leerstellen beim Verpackungsrecycling

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Gemeinsame Stelle, haushaltsnahe oder gewerbliche Anfallstelle, Schnittstelle, zentrale Stelle, Stellen für die Branchenrücknahme, Stellen für die Eigenrücknahme oder doch nur semantische Leerstellen? So beschrieb ich vor zwei Jahren die Hilflosigkeit von Politik und Wirtschaft bei den Überlegungen zur Novelle der Verpackungsverordnung.

Und schon damals gab es warnende Stimmen, über eine Inflation von Rechtsnovellen das Recycling-Himmelreich auf Erden herbeizusehnen:

Wollen wir weiter dem schönen Schein der perfekten Verordnungstechnik hinterherhecheln, uns von einer Novelle zur nächsten hangeln, um am Ende wieder über Vollzugsdefizite, Bürokratismus, Schwarzfahrer, Abrechnungsbetrüger, Phantom-Sammelmengen, Platzhirschgehabe und egoistische Finanzinteressen zu klagen?

Man sollte stattdessen die nötige Geduld für den Vollzug der bestehenden Verpackungsverordnung aufbringen und mit kühlem Kopf weiterarbeiten, statt sich wieder auf die Reise in das utopische Land der Rechtsvollkommenheit zu machen.

Nun sind die in der fünften Novelle der Verpackungsverordnung eingeführten Branchenlösungen und Eigenrücknahme durch Initiative von Lobbyisten ins Fadenkreuz geraten. In der NRW-Landesregierung ist man für diese…

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Jobbörse oder direkte Ansprache: Über das Suchen und Finden des richtigen Kandidaten

Kandidatensuche

Kandidatensuche

Der Fachkräftemangel, der in einigen Branchen beklagt wird, soll zu einer veränderten Rekrutierungs-Strategie der Unternehmen führen. Zu diesem Befund kommt die Online-Jobbörse ABSOLVENTA in einer Umfrage, für die mehr als 420 Unternehmen in Deutschland befragt wurden. Demnach geben drei Viertel (75 Prozent) der Personalmanager zu Protokoll, dass Spezialisten-Jobbörsen in diesem Jahr eine wesentlich größere Rolle für ihre Mitarbeitersuche spielen. Die Nähe zur Zielgruppe und die passgenauere Kandidatenansprache werden als Gründe angegeben.

Um die Ergebnisse der Arbeitgeber-Umfrage aus Kandidatensicht zu verifizieren, wurden mehr als 600 so genannte „Young Professionals“ nach ihren Präferenzen bei der Jobsuche befragt. 65 Prozent der Kandidaten sind überzeugt, dass Spezialisten-Jobbörsen ihnen die größten Chancen auf ihren Traumjob bieten. 17 Prozent nennen Generalisten-Jobbörsen in diesem Kontext, nur 13 Prozent regionale oder überregionale Zeitungen.

Auch Karsten Berge von der Düsseldorfer Personalberatung SearchConsult ist davon überzeugt, dass Jobbörsen relevanter werden. Besonders bei Jahres-Dotierungen von 70.000 bis 80.000 Euro. Auf diesem Massenmarkt tummeln sich vor allem angelsächsische Personalvermittler – in der Regel auf reiner Erfolgsbasis. Bei Führungspositionen und Fachkräfte greift nach Auffassung von Berge immer noch die direkte Ansprache.

„Durch die Online-Jobbörsen werden immer nur jene erreicht, die auch aktiv nach einer neuen Herausforderung suchen. Wenn man Kandidaten bekommen möchte, die aktuell sehr erfolgreich sind und nicht aktiv suchen, kommt man um eine Direktansprache mittels Personalberater nicht umhin“, sagt Berge.

In der IT-Branche würden größere Software-Hersteller oder Systemhäuser verstärkt Rekrutierungspersonal einstellen, die die Kandidaten direkt kontaktieren.

„Aber auch hier erreicht man vielleicht 70 Prozent der potentiellen Kandidaten, die auf Portalen wie Linkedin oder Xing aktiv sind. Die schreibt man an, kann sie aber nicht auf der Tonspur überzeugen“, konstatiert Berge.

Schwindsucht bei Stellenanzeigen

Schwindsucht bei Stellenanzeigen

Irreversibel ist wohl ein anderer Trend: Die sinkende Relevanz von Stellenanzeigen in Printmedien. So konnte nach Informationen des Manager Magazins die FAZ im Jahr 2000 noch rund 235 Millionen Euro mit Stellenanzeigen einnehmen:

„Heute sind es nicht mehr als 15 Millionen Euro“ (!!!!).

#CCW14: Kundenkommunikation via Chat, E-Mail, SMS und Video – Integrationskonzepte gefragt

Virtualisierung auch in der Kundenkommunikation?

Virtualisierung auch in der Kundenkommunikation?

Die DeTeWe Communications tritt auf der diesjährigen CallCenterWorld (CCW) unter dem Motto „Multimedia in der Kundenkommunikation“ auf. Der Berliner Systemintegrator stellt Konzepte vor, wie Unternehmen ihre Erreichbarkeit und damit den Kundenservice verbessern können. Im Mittelpunkt der Präsentationen und Live-Demos stehen Telefonie, E-Mails, Chats, SMS aber auch die Social-Media- und Videointegration.

„Das Interesse an Multimedia-Lösungen hat im vergangenen Jahr deutlich zugenommen. Dieser Trend wird sich fortsetzen und nicht nur im klassischen Call Center wird der Bedarf an entsprechenden Technologien in der Breite weiter steigen. Es geht dabei um die Integration von E-Mails und Chats in die Kundenkommunikation, sowie um spezielle Dienste wie Rückruf-Angebote auf der Website der Unternehmen oder Application-Sharing“, sagt DeTeWe-Geschäftsführer Christian Fron.

Auf der Berliner Kongressmesse vom 18. bis 20. Februar findet man das Unternehmen an Stand J5, Halle 4. Gezeigt werden Produkte unterschiedlicher Hersteller wie das Multimedia Contact Center Solidus eCare von Aastra und Lösungen von Avaya.

Netzwerke ohne Dirigismus und Hierarchien – Praxisfernes Geschwurbel oder nicht?

Familien-Netzwerk - Sohn & Co.

Familien-Netzwerk – Sohn & Co.

Meine Überlegungen zur Netzwerk-Ökonomie und der Durchbrechung von hierarchischen Organisationsformen finden im Social Web ein geteiltes Echo: „Praxisfernes Geschwurbel!“, heißt es in einer Tweet-Replik von Dagmar D.

Ohne Netzwerke könnten Hierarchien gar nicht entstehen, bemerkt Sascha Stoltenow auf Google Plus und verlinkt dabei auf einen Wikipedia-Eintrag zur Systemtheorie, der mir in meiner Argumentation dann doch ein wenig Entlastung verschafft, wahrscheinlich unbeabsichtigt:

„Konkretisiert auf den (zumeist) wirtschaftlichen Bereich bedeutet der systemtheoretische Ansatz eine Abkehr von herkömmlichen, hierarchisch-dirigistisch gesetzten Organisationsstrukturen und eine Hinwendung zu Kooperation und Koordination in Netzwerken in Wirtschaft und Gesellschaft.“

Große Unternehmen sind keine Netzwerk-Künstler

Puh. Glück gehabt. Besser hätte ich es wohl nicht ausdrücken können. Vielleicht sollte ich lieber von liquiden oder durchlässigen Netzwerken sprechen, um die strukturellen Vorgaben zu unterlaufen, wer wem in der Organisation unterstellt ist. Staat und Wirtschaft könnten sich auch damit auseinandersetzen, wie man den Zugriff auf externe Netzwerkleistungen verbessern kann, die sich den hierarchischen Ordnungsprinzipien entziehen.

„Netzwerke halten eine Komplexität möglicher Beziehungen parat, die von der Spitze eines Unternehmens weder überschaut noch sinnvoll sortiert werden können. Das kann man nur den einzelnen Abteilungen und den Stellen der eigenen Organisation überlassen“, schreibt der Soziologe Dirk Baecker in seinem lesenswerten Opus „Postheroisches Management“.

Deswegen seien große Unternehmen, wenn sie nicht eine hochgradige Autonomie ihrer Abteilungen und Stellen zulassen, alles andere als Netzwerk-Künstler:

„Sie geben die Definitionsmacht dessen, was von wem warum zu tun ist, nicht aus den Händen.“

Hier liege der Vorteil von kleinen und mittelständischen Unternehmen, die auf Nachbarn, Partner, Informanten und Berater nicht nur angewiesen sind, sondern sie überhaupt erst in Leben rufen. Genau das meint wohl auch der kanadische Management-Professor und Buchautor Don Tapscott im Interview mit der FAZ:

„Der Metabolismus der Arbeit erlangt ein höheres Niveau, wenn Sie den Rest der Welt beteiligen.“

Vernetzte Kunden erschüttern die Märkte

Der Wissensaustausch über virtuelle Plattformen befördert zumindest eine Kultur des Teilens und beflügelt das kollaborative Arbeiten – ein Vorteil für dezentrale Organisationsmodelle. Nachvollziehbar dürfte auch die Analyse des Smarter Service-Bloggers Bernhard Steimel in seiner Studie über die Digitale Transformation sein:

„Das wirklich neue Phänomen ist die exponentiell wachsende Vernetzung der Kunden und die Erschütterung bestehender Marktstrukturen durch Internetfirmen, die bestehende Geschäftsmodelle angreifen und ganze Wertschöpfungsketten verändern.“

Damit gerät die Hierarchie innerhalb der Unternehmensorganisation kräftig ins Wanken.

„Je stärker wir in das digitale Zeitalter kommen, umso deutlicher werden Unternehmen erkennen, dass Kommunikationsverantwortung dezentralisiert werden muss“, meint Steimel.

Über kafkaeske Superbehörden und Endlos-Schleifen

Noch gravierender sind die Herausforderungen durch Innovatoren wie NEST, die an der Erfahrungswelt des vernetzten Kunden ansetzen und mit ihren Produkten etablierte Geschäftsmodelle pulverisieren:

„Denn Nest schafft mit seinen Thermostaten und Brandschutzmeldern vernetzte Services statt komplizierte Geräte mit Netzanschluss“, bemerkt der Smarter Service-Blogger.

Mit einem “V O R G A N G S V E R F O L G U N G S S Y S T E M” im Stil einer bürokratischen und kafkaesken Superbehörde wird es den liebwertesten Ingenieurs-Gichtlingen in Deutschland wohl nicht gelingen, aus den hierarchischen Endlos-Schleifen auszubrechen. Da sind die Tech-Giganten in den USA und in Südkorea schneller. Bei Bloggercamp.tv wir die Debatte über Netzwerke unter der Überschrift „Wenn Unternehmen in der Cloud verschwinden“ weitergeführt mit Bernhard Steimel von Mind Business und Smarter Service-Blog, Thomas Dehler von Value5, Winfried Felser von Competence Site und dem Service-Spezialisten Markus Euler.

Vielleicht sollten wir – also Pia Kleine Wieskamp, Thorsten Ising, Hannes Schleeh und meine Wenigkeit – die Netzwerk-Disputation als Session-Thema für die republica im Mai vorschlagen. Bis zum Ende des Monats muss ich nämlich noch ein CALL FOR PAPERS einreichen. Wäre das interessant?

Zuerst erschienen im Debattenmagazin „The European“: Neue Netzwerke in alten Kabeln.

Vernetzung statt Hierarchien: Ob sich das in Deutschland durchsetzt?

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Aus hierarchischen Unternehmen werden Netzwerke. Das proklamiert zumindest der kanadische Management-Professor und Buchautor Don Tapscott im Interview mit der FAZ. Er will nicht mehr vom Informationszeitalter sprechen, sondern vom
„Zeitalter der vernetzten Intelligenz“ mit einer Verschiebung zu Kollaboration und Partizipation:

„Generell verschieben sich Organisationen von eher vertikal integrierten Modellen, von Befehl und Kontrolle oder von Hierarchien hin zu offeneren Netzwerkmodellen. Und diese Entwicklung macht vor keiner Institution in unserer Gesellschaft halt. Organisationen beginnen sich zu öffnen. Die Talente, die eine Organisation benötigt, findet sie heute außerhalb ihrer eigenen Grenzen.“

Diese Veränderungen betreffen Regierungen, das Finanzsystem, die Medien, Schulen, Universitäten und die öffentlichen Transportdienstleister.
Produktiveres Arbeiten heiße in Netzwerkstrukturen nicht unbedingt, dass man härter arbeitet oder mehr Ideen je Stunde generiert. „Es bedeutet, dass wir lernen, besser zu kooperieren. Der Metabolismus der Arbeit erlangt ein höheres Niveau, wenn Sie den Rest der Welt beteiligen“, sagt Tapscott gegenüber der FAZ.

Es gebe…

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„Ich will Sie in Ihrem Büro sitzen sehen“ – Vom Traum der Arbeitsautonomie

Ich sitze im Büro, also arbeite ich?

Ich sitze im Büro, also arbeite ich?

Hochautonome Arbeitsplätze, an denen Mitarbeiter eigenständig und ohne hierarchische Zwänge entscheiden, was zu tun ist, also praktische Selbstständigkeit, sie schreitet auf allen Ebenen voran. Diese Vision verkündete das Wirtschaftsmagazin brandeins vor einigen Jahren. Schon wär’s: Wenn es um Arbeitszeiten und flexible Arbeitsorte geht, weht in den Fluren der Angestellten-Paläste ein ganz anderer Geist:

„Ich will Sie in Ihrem Büro sitzen sehen, wenn ich die Tür aufmache. Nicht mehr und nicht weniger“, so die ablehnende Haltung des Chefs eines ichsagmal-Bloglesers.

Traumhaft, wenn das Arbeitsverhältnis auf so einer Vertrauensbasis aufbaut. Leider kein Einzelfall. Arbeiten in der Cloud, Netzwerkstrukturen, flexible Arbeitszeiten, weniger Stau im elenden Berufsverkehr und Abkehr vom Anwesenheitswahn, den die neue Arbeitsministerin Andrea Nahles fordert, sind wohl nur in kleinen Schritten umsetzbar. In deutschen Unternehmen, die noch nach der Industrielogik des Fordismus ticken, sieht die Realität anders aus. Da reagiert man eher mit Pawlowschen Reflexen auf die Initiative der SPD-Politikerin, wie etwa Wirtschaftswoche-Chefredakteur Roland Tichy:

„Ohne diejenigen, die sich am Morgen mehr oder weniger begeistert auf den Weg ins Büro, zur Fabrik oder in den Außendienst machen, ohne diese Menschen im Wahn könnte Frau Nahles ihre großzügigen Wahlgeschenke wie die Mütterrenten und die fantastische Rente mit 63 nicht einen Tag lang finanzieren.“

Auf welchem Planeten lebt der Wiwo-Chefredakteur?

Eine semantische Stinkbombe, die noch den Generaldirektoren-Geist der 50er verströmt. Anwesenheit mit Arbeit gleichsetzen? Auf welchem Planeten lebt Tichy eigentlich?

Er könnte ja mal den Roman in Tagebuchform von Zoé Shepard studieren: “Wer sich zuerst bewegt hat verloren” – oder die Kunst, in Büros Arbeit vorzutäuschen. Wie man aus jeder Geschäftsreise eine Weiterbildungs-Exkursion macht, aus jeder Notiz einen Bericht zur Projektprüfung, aus jedem Telefonat eine Telefonkonferenz und aus jedem niedergelegten Gedanken ein Strategiepapier.

Wir leiden unter einem Anwesenheitswahn, in der Tat. Und der drückt sich auch in Zahlen aus: Einer Zeitreihe zufolge, die das Statistische Bundesamt für die “Welt” erstellt hat, lag der Anteil der abhängig Erwerbstätigen, die “manchmal” oder “hauptsächlich” im Homeoffice arbeiten, 2012 bei nur noch 7,7 Prozent. 1996, als die Werte erstmals ermittelt wurden, waren es 8,8 Prozent gewesen.

Formierte Angestellte in formierten Büros

Über die Gründe könne nur spekuliert werden. Vielleicht seien ja die Beharrungstendenzen in der Wirtschaft größer als gedacht. Die Industriegesellschaft habe die Präsenzkultur mit sich gebracht und die könne man nicht so einfach ändern. Das Motto „Ich sitze im Bürohaus, also arbeite ich” scheint noch in den Köpfen vieler Arbeitgeber herumzuschwirren. Die formierten Angestellten sollen in greifbarer Nähe verharren, um sie unter Kontrolle zu halten – ob sie dabei in der Nase bohren oder irgendwelche Scheintätigkeiten verrichten, spielt keine Rolle.

„Dazu passt, dass in einer repräsentativen Umfrage des IT-Branchenverbands Bitkom aus dem vergangenen Jahr immerhin jeder vierte Arbeitnehmer fürchtet, es werde sein berufliches Vorankommen bremsen, wenn er seine Erwerbstätigkeit nicht unter den Augen seines Chefs verrichtet”, berichtet die Welt.

Auf der Suche nach dem Büro-Loser

In Anlehnung an den Shepard-Roman gibt es in manchen Organisationen einen recht merkwürdigen und bizarren Wettbewerb, der selbst in Bundesbehörden vorherrscht:

„Wer zuerst den Firmen-Parkplatz mit seinem Auto verlässt, hat verloren”.

Da wartet man lieber noch ein Stündchen mit einem Tässchen Café in der Hand und schaut aus dem Bürofensterchen, bis sich der erste Angestellte erbarmt und das Bürogebäude verlässt:

„Da ist er, der Loser.”

Souveränität in der Arbeitswelt sieht anders aus. Der Wandel vom Konzern-Kapitalismus zur Netzwerk-Ökonomie, wie ihn Christian Papsdorf in seinem Opus „Wie Surfen zu Arbeit wird” vor einigen Jahren skizziert hat, steht zumindest in Deutschland bei Arbeitgebern und Gewerkschaften nicht auf der Agenda. Die Arbeitskultur verbessert sich durch diese starre Haltung mitnichten. Etwa in der Service-Branche, wie Thomas Dehler, Geschäftsführer von Value5 in Berlin bestätigt:

„Es fällt zunehmend schwerer, die besten Talente an nur einem Ort zu gewinnen. Bei der Rekrutierung von Mitarbeitern hält man sich häufig mit Verlegenheitslösungen über Wasser.”

Konkurrenzdruck in aseptischen Lichtsuppen-Büros

Hinzu kommt, dass Mitarbeiter in Großraum-Büros unter einem enormen Leistungsdruck stehen und häufig mit Ellbogen-Mentalität gegenüber ihren Kollegen reagieren. Teamarbeit und Wissensaustausch bleiben auf der Strecke – auch wenn in der Öffentlichkeit das Gegenteil behauptet wird. Selbst die viel beschworene Trennung von Beruf und Privatleben bleibt mit Smartphone und Co. eine schöne Illusion. Außerhalb der aseptischen Lichtsuppen-Büros bewegen sich die liebwertesten Angestellten-Gichtlinge in der Erreichbarkeitsfalle. Abschalten unerwünscht. Viele Dienstleister reagieren dennoch achselzuckend. Ein Achselzucken, das dem Verbraucher nicht verborgen bleibt.

„Entweder hört er es als Warteschleife, wenn während der Anrufspitzen nicht genügend Berater zur Verfügung stehen. Oder er hört das Achselzucken im Servicegespräch, wenn dürftig motivierte und unzureichend qualifizierte Berater nur unbefriedigende Antworten geben. Und an dieser Stelle bricht sich das Zufriedenheitsversprechen nicht selten das Genick”, betont Dehler.

Sein Unternehmen setzt auf Work@Home – sozusagen Arbeiten in der Teamwolke. Vernetzung, Collaboration, Cloud Computing und Anwendungsvirtualisierung sind seit 2004 die technologischen Grundlagen für VALUE5, um flexible, elastische, atmende und leistungsstarke Service-Einheiten zu schaffen.

„Qualität ist keine Frage des Standorts – sondern eine der Talente und der Wertschätzung der Verbraucher. Durch den Abschied vom Standort-Denken gewinnt man die besten Talente dort, wo sie wohnen und leben”, so die Erfahrung von Dehler.

Flexibles Arbeiten hat nichts mehr mit der Wirtschaftswunder-Zeit von Ludwig Erhard zu tun. Wäre es nicht viel schöner, Herr Tichy, wenn wir uns am sieben Uhr morgens und fünf Uhr abends über leere Autobahnen und dem Abwesenheitswahn beklagen könnten?

Wie es weiter gehen könnte in der Arbeitswelt, diskutieren wir am 22. Januar bei Bloggercamp.tv in der 11 Uhr-Sendung: „Wenn Unternehmen in der Cloud verschwinden – Über Trends der Netzwerk-Ökonomie”.

Update:

Auf was man achten muss bei der Homeoffice-Ausstattung.

Sinnvolles Personalmanagement: „Jeder soll entscheiden, wann und wo er arbeitet“

Bibliophile Streifzüge: Von der Zettelkasten-Literatur zum Zettelkasten-Stammtisch

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Zettelkasten-Literatur
Zettelkasten-Literatur

Das Resultat meiner literarischen Streifzüge in den vorzüglichsten Buchhandlungen dieser Republik ist immer gleich und ähnelt den Erlebnissen des niederländischen Schriftstellers Cees Nooteboom:

“Schränke voll knurriger, grollender, vorwurfsvoller Bände, die an der schlimmsten Bücherkrankheit leiden, die es gibt: dem Ungelesensein – ein Schmerz, der in Wut umschlägt, wenn das Buch daneben zum zweiten- oder zum drittenmal gelesen wird.“

Die Standardfrage unserer Gäste beim Betrachten der Bibliothek ist immer die gleiche. „Wie viele von diesen Büchern hast Du denn wirklich gelesen???“

Umberto Eco antwortet darauf:

“Gelesene Bücher sind längst nicht so wertvoll wie ungelesene.“

Eine Bibliothek sollte so viel von dem , was man nicht weiß, enthalten, wie der Besitzer angesichts seiner finanziellen Mittel hineinstellen kann. Dann entwickelt sich so langsam ein Depot für Zufallsfunde, für neue Gedanken und Ideen. Um so mehr, wenn man kein Freund von Ordnungssystemen ist 😉 In meinem Fall ist das noch eine vornehme Formulierung…

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Zündkerze an Keilriemen: Maschinen lernen die Androiden-Sprache und Google entert Industrie 4.0

Wir reden, Google und Samsung machen einfach, ätsch

Wir reden, Google und Samsung machen einfach, ätsch

Der IT-Spitzenverband BITKOM ist stolz darauf, mit „Industrie 4.0“ vor zwei Jahren einen Begriff erfunden zu haben, über den mittlerweile die ganze Welt spricht, so die Aussagen des BITKOM-Experten Wolfgang Dorst in Bloggercamp.tv.

Es geht um das Internet der Dinge und die Maschine-zu-Maschine-Kommunikation. Also die automatische Verbindung zwischen Komponenten, weitestgehend ohne menschlichen Einfluss. Die Frage ist nur, wer mit den Diensten für die Industrie 4.0 am Ende den geschäftlichen Erfolg machen wird. Der ehemalige IBM-Cheftechnologe Gunter Dueck streute in einer Talkrunde des Digitalen Quartetts etwas Sand ins Getriebe der deutschen Ingenieurskunst.

Deutsche Ingenieurskunst liefert kein Betriebssystem

Wir basteln in teutonischer Gründlichkeit zwar kräftig an der Grundlagenforschung für Industrie 4.0, liefern aber keine Antworten für das Betriebssystem und die Infrastruktur. Unterdessen bekommen Waschmaschinen, Geschirrspüler und Kaffee-Vollautomaten von Samsung einfach mal das Google-Betriebssystem Android eingepflanzt, um die Vernetzung voranzutreiben. Die deutschen Hersteller wie Bosch oder Miele machen das auch mit eigenen Lösungen – sozusagen im Augsburger Puppenkisten-Format „Eine Insel mit zwei Bergen und dem tiefen weiten Meer”.

„Dann fragen die deutschen Hersteller, wer macht die Infrastruktur, wer sagt, unter welchem Standard sich die Maschinen unterhalten. Google und Samsung haben einen einfachen Plan und nutzen das Handy-Betriebssystem”, so Dueck.

Die bauen das überall ein und die Maschinen werden mit semantischer Intelligenz bestückt.

Wenn dann in Deutschland und Europa alle aufgewacht sind, „kann der FAZ-Herausgeber Schirrmacher wieder jammern, dass die Amerikaner oder Südkoreaner uns das aufdrücken.”

Oder wie beim Google-Kauf von Nest Labs den kritischen Einwand kommunizieren, ob denn der Suchmaschinen-Gigant bei der Heimvernetzung mit Raumthermostaten auch die Privatsphäre ernst nehmen würde. Auweia. So verspielen wir wichtige Zukunftsfelder.

Die Zusammenarbeit von Audi und Google beim vernetzten Auto, die bei der Elektronikshow CES in Las Vegas für Furore sorgte, sollte uns nachdenklich stimmen. Denn auf einmal entsteht das Internet der Dinge. Der Keilriemen spricht mit der Zündkerze – zum Einsatz kommt Android. Kein Mensch macht sich in der deutschen Industrie darüber Gedanken, wie ein Betriebssystem aussehen sollte. BMW, VW, Mercedes Porsche und Co. hätten sich zusammenschließen können, um ein vernünftiges Betriebssystem zu etablieren – „machen sie aber nicht”, kritisiert Dueck.

„Man wartet bis Google über die Unterhaltungselektronik ausliest, welche Fehler ein Auto hat – da ist in Deutschland keiner dran.”

Exportüberschüsse als Beruhigungspille

Stattdessen verweist man im jovialen Beschwichtigungston auf die satten Exportüberschüsse, die sich vor allem Maschinenbauer und andere Firmen des produzierenden Gewerbes gut schreiben. Wie viel wird von den Komponenten, die in Autos und Maschinen einbaut werden, noch in Deutschland produziert? Wie hoch ist der Anteil der Kapitalexporte? Ein großer Anteil geht in ausländische Sach- und Finanzinvestitionen und schwächt die inländische Investitionsquote. Die deutsche Volkswirtschaft zählt zu den vier größten Industrienationen. Das ist nicht zu bestreiten.

Allerdings liegt der Anteil der Industrie an der Wertschöpfung des Bruttoinlandsproduktes bei rund 21 Prozent.

„Das repräsentiert gerade mal ein Fünftel der Wirtschaftsleistung, aber 100 Prozent des Theaters, weil Politiker und Verbandsfunktionäre ihre Macht nicht aufgeben wollen und in dieser alten Welt ihre Erfüllung sehen“, bemerkt brandeins-Autor Wolf Lotter.

Qualmende Schlote bringen der deutschen Wirtschaft gar nichts, auch keine Arbeitsplätze, da die Fertigungstiefe in den vergangenen Jahren nicht zugenommen hat und wohl auch in Zukunft nicht zunehmen wird. Das sieht auch Lotter so.

Wir brauchen Ideen und keine qualmenden Schlote

„Wir verdienen unser Geld, indem wir Ideen und Wissen produzieren. Das ist eine völlig andere Welt als die Skalierungswelt der Industrie, die auf Massenfertigung setzt“, erklärt Lotter.

Entscheider sollten den Prinzipien folgen, die der Ökonomie Erfolg bringen. Und der liegt in einer wissensbasierten Ökonomie und das schon seit langer Zeit. Bedenkenträger, die sich über Google aufregen, sollten sich intensiver mit Wirtschaftshistorikern beschäftigen, um sich ein klares Bild zu verschaffen. Sie könnten etwa mit Professor Werner Abelshauser sprechen oder sein Opus „Deutsche Wirtschaftsgeschichte“ lesen.

Der würde ihnen erklären, dass die Industriegesellschaft in Deutschland strukturell diesen Namen seit fast 100 Jahren gar nicht mehr verdient. Die ungezähmten Ideen an der Peripherie sind der Rohstoff, aus dem morgen glänzende Markterfolge erwachsen. Wer also von Industrie 4.0 redet, sollte sofort auch über die geschäftliche Relevanz nachdenken. Sonst erleben wir ein ähnliches Schicksal wie bei der Erfindung des digitalen Musikstandards MP3.

Steve Jobs für die deutsche Forschungslandschaft gesucht

„Fraunhofer und MP3 sind ein gigantisch schönes Beispiel für die Schwächen bei der Eroberung neuer Märkte. In einer Studie geht hervor, dass sich Fraunhofer in Fragen der Management-Kompetenz im unteren Drittel eingruppiert. Die bescheinigen sich selbst eine hohe Innovationskraft aber nur eine sehr begrenzte Umsetzungskraft. Und da liegt der Hebel. Man sollte einen Steve Jobs an die Spitze der Fraunhofer-Gesellschaft stellen”, fordert Udo Nadolski, Geschäftsführer des IT-Beratungshauses Harvey Nash in Düsseldorf.

An der Forschungslandschaft liege es jedenfalls nicht, dass wir als vernetzte Ökonomie noch so weit zurückliegen.

Vielleicht sollten die etablierten Organisationen und Unternehmen anfangen, wie Bundesliga-Vereine Scout-Systeme zu entwickeln, um vermarktungsfähige Innovationen zu suchen. Steve Jobs habe das auch nicht anderes gemacht, bemerkt Nadolski. Der Google-Deal mit Nest Labs unterstreicht diesen Ansatz. Schließlich zählt Tony Fadell als Mitgründer von Nest Labs zu den Vätern der iPod-Revolution. Er gilt als Ideengeber für das integrierte Geschäftsmodell von iPod und iTunes. Ähnliches werden wir bei den Heizungen und den Thermostaten zur Regelung der Raumtemperatur in unseren eigenen vier Wänden erleben. Die Industrie 4.0 wird von den Google-Androiden erobert.

Ich würde das Thema gerne vertiefen und weitere Interviews führen. Wer Interesse hat, möge sich bei mir melden. Entweder unten einen Kommentar hinterlassen oder eine E-Mail schicken an: gunnareriksohn@gmail.com

Man hört und sieht sich 🙂

Siehe auch:

Nest-Übernahme: Google will in Ihr Schlafzimmer.

Google übernimmt nach Roboterhersteller nun auch das Automatisierungsunternehmen Nest.

Mit Industrie 4.0 in die Warteschleife: Über die teutonische Breitband-Müdigkeit #bloggercamp.tv

Mit Industrie 4.0 in die Warteschleife: Über die teutonische Breitband-Müdigkeit #bloggercamp.tv

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In der 11 Uhr-Sendung von Bloggercamp.tv diskutieren wir Wolfgang Dorst, BITKOM-Bereichsleiter Industrie 4.0 natürlich über….Industrie 4.0 und die digitale Agenda der Großen Koalition.

In seiner trockenen und humoresken Art hat uns Gunter Dueck im Digitalen Quartett eine schöne Steilvorlage für die heutige Runde mit dem BITKOM-Experten geliefert.

Wir basteln an Industrie 4.0, liefern aber keine Antworten für das Betriebssystem und die Infrastruktur. Unterdessen bekommen Waschmaschinen, Geschirrspüler und Kaffee-Vollautomaten von Samsung einfach mal das Google-Betriebssystem Android eingepflanzt, um die Vernetzung voranzutreiben. Die deutschen Hersteller wie Bosch oder Miele machen das auch mit eigenen Lösungen – sozusagen im Augsburger Puppenkisten-Format „Eine Insel mit zwei Bergen und dem tiefen weiten Meer“.

„Dann fragen die deutschen Hersteller, wer macht die Infrastruktur, wer sagt, unter welchem Standard sich die Maschinen unterhalten. Google und Samsung haben einen einfachen Plan und nutzen das Handy-Betriebssystem“, so Dueck.

Die bauen das überall ein.

Wenn dann in Deutschland…

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Büro: Abschied vom Anwesenheitswahn fällt schwer – „Qualität ist keine Frage des Standorts“

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Arbeiten in der Cloud, Netzwerkstrukturen, flexible Arbeitszeiten, weniger Stau im elenden Berufsverkehr und Abkehr vom Anwesenheitswahn, den die neue Arbeitsministerin Andrea Nahles fordert, sind wohl nur in kleinen Schritten umsetzbar. In deutschen Unternehmen, die noch nach der Industrielogik des Fordismus ticken, sieht die Realität anders aus.

Einer Zeitreihe zufolge, die das Statistische Bundesamt für die „Welt“ erstellt hat, lag der Anteil der abhängig Erwerbstätigen, die „manchmal“ oder „hauptsächlich“ im Homeoffice arbeiten, 2012 bei nur noch 7,7 Prozent. 1996, als die Werte erstmals ermittelt wurden, waren es 8,8 Prozent gewesen.

„Besonders seit 2008 ist die Zahl der Heimarbeiter rückläufig, sie nahm bis 2012 um 546.000 ab“, schreibt die Welt.

Über die Gründe könne nur spekuliert werden. Vielleicht seien ja die Beharrungstendenzen in der Wirtschaft größer als gedacht. Die Industriegesellschaft habe die Präsenzkultur mit sich gebracht und kann man nicht so einfach ändern. Das Motto „Ich sitze im Bürohaus, also…

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