Kritische Theorie im digitalen Zeitalter – #Dorfcamp Sessionvorschlag von @inga_ketels

ichsagmal.com

Für das Dorfcamp am Samstag, den 24. Juni in Bonn-DuisDORF schlägt Inga Ketels folgende Session vor:

Warum es jetzt dringend notwendig ist, an emanzipatorische Projekte aus der Vergangenheit anzuschließen

Wer heute Begriffe benutzt, die in der Tradition der Kritischen Theorie entstanden sind, hat einen schweren Stand:

Mit Kritischer Theorie assoziieren die Einen hippieske Folklore, die idealistischen Floskeln der Blumenkinder aus der 68er-Bewegung, die einst gegen den „Muff von 1000 Jahren“ kämpfte und nun selbst angestaubt wirkt. Engagierte Intellektuelle wie Herbert Marcuse hingen diesen Kritikern zufolge romantischen Idealen an, die nicht realisierbar seien.

Die Anderen bekritteln den vermeintlichen Elitarismus der Frankfurter Schule rund um Max Horkheimer und Theodor W. Adorno, die für sie maßgeblich von „bürgerlich-humanistischen Intellektuellen“ geprägt war und mit der Anknüpfung an Hegel und Marx eine „bürgerliche Ideologie“ vertrete. Es fehle der Bezug zur politischen Praxis, so der Vorwurf.

Wieder Andere gehen davon aus, dass Begriffe wie der der…

Ursprünglichen Post anzeigen 602 weitere Wörter

Haben wir Netzdemokratie oder nicht eher Netzfeudalismus? #FutureHubs #D2030

Die Zukunft beginnt jetzt #FutureHubs #D2030

Politik findet nicht nur da statt, wo Menschen in Anzug und Krawatte in Parlamenten oder auf Podien sitzen. Politik ist auch dort, wo sich Netzprojekte – von der WhatsApp-Gruppe bis zur internationalen Plattform – Regeln und Strukturen geben, Administratorinnen und Moderatoren wählen, Nutzer mit Sonderrechten ausstatten und andere vor die Tür setzen. Sollen die Teilnehmer einer Community über irgendetwas mitbestimmen dürfen? Wenn ja, wer? Nach welchem Verfahren? Die traditionelle Politik ist gut erforscht, die Innenpolitik von Netzgemeinschaften noch fast gar nicht. Aber politisches Handeln findet auch dort statt, wo man es nicht so nennt. Und die so getroffenen Entscheidungen haben nicht nur Folgen für die Zusammenarbeit in Onlineprojekten. Sie wirken auf den Rest der Welt zurück. Diese Fragen hat die Autorin Kathrin Passig in der Mosse Lecture an der Berliner Humboldt-Universität thematisiert.

Wer ist also Herrscher und wer ist Untertan im Netz? Der Medienphilosoph Norbert Bolz hat vor einigen Jahren…

Ursprünglichen Post anzeigen 988 weitere Wörter

Political Data Science und die Suche nach der öffentlichen Meinung #YouGov

ichsagmal.com

Die zunehmende Fragmentierung der Medienwelt und damit auch der Verlust der gemeinsamen Informationsbasis führen zu einem Verlust einer gemeinsamen öffentlichen Meinung. Die traditionellen Meinungsforschungsinstitute und auch die Kommunikationswissenschaften haben das noch nicht vollumfänglich erforscht. Das konnte man bei der britischen Unterhauswahl wieder gut beobachten. Kaum ein Umfrage-Institut hatte die herbe Niederlage von Tory-Chefin Theresa May und den Überraschungserfolg von Labour-Spitzenkandidat Jeremy Corbyn auf der Rechnung – außer YouGov.

Zu einem Zeitpunkt, als alle anderen Umfragen noch von einer satten Mehrheit für die Tories ausgingen, sagte YouGov als erstes Institut einen Verlust der absoluten Mehrheit der Konservativen voraus.

Daraufhin griffen Experten und Politikberater die neue Analysemethode öffentlich an. Jim Messina, Berater der Tories, bezeichnete die YouGov-Methode gar als „idiotic“.

„Die Wahlergebnisse vom 8. Juni waren folglich nicht nur ein Erdbeben für die Konservativen in Großbritannien, sondern auch für die klassische politische Meinungsforschung. YouGov errechnete mit seinem neuen Modell für 632 Wahlkreise…

Ursprünglichen Post anzeigen 735 weitere Wörter

Uber-Chef nimmt eine Auszeit – Wird sich jetzt etwas verbessern im Tal der Hütchenspieler?

ichsagmal.com

Sexismus, Diskriminierung, Mobbing: Nach einem verheerenden Bericht über das interne Arbeitsklima will sich Uber reformieren. Chef Kalanick nimmt eine „Auszeit“. Was für eine Nachricht. Uber und Kalanick, der den Konzern zu einem Marktwert von fast 70 Milliarden Dollar steuerte, seien eng miteinander verflochten, schreibt der Spiegel.

„Sie teilen, wie sie hier gerne sagen, eine DNA – was gleichzeitig auch der Kern des Skandals ist. Zugleich symbolisiert er ein ungelöstes Problem im gesamten Silicon Valley, dessen Start-up-Kult bis heute hässlicher, oft frauenfeindlicher Verhaltensmuster huldigt.“

Wie soll denn dieser Wandel im Tal des Vulgärkapitalismus gelingen? Hinter der sektenhaften New-Age-Wir-verbessern-die-Welt-Fassade steckt doch sehr viel Sieger-Gequatsche und Aufgeblasenheit á la Trump.

Ein Großteil der Silicon-Valley-Gründergeneration besteht aus ziemlich unangenehmen Typen, schreibt der Journalist und Drehbuchautor Dan Lyons in seinem Opus „Von Nerds, Einhörnern und Disruption“.

„Frühere Hightech-Unternehmen wurden von Ingenieuren und MBAs gegründet, heutige von jungen, moralfreien Hütchenspielern, von der Art Jungs (und es…

Ursprünglichen Post anzeigen 337 weitere Wörter

Mehr Möglichkeit! @a_schiel über Demokratie und Zukunft

Die Zukunft beginnt jetzt #FutureHubs #D2030

Der Philosoph Søren Kierkegaard hat einmal eine sehr präzise Analyse des Fatalismus geliefert: Es ist ein Zustand, in dem der Mensch unfähig geworden ist, in Möglichkeiten zu denken. Alles was er tun kann, ist die bestehende Wirlichkeit ins Unendliche aufzublasen und bis zum Ende zu denken. Das Ergebnis ist erwartbar: Nichts Neues ist mehr zu erwarten, und wenn doch allenfalls Schlechtes: Der beschleunigte und verfrühte Verfall des Bestehenden, der einen, allein denkbaren Wirklichkeit, die doch das letzte ist, an was sich der Fatalist noch halten kann. Früher oder später geht alles den Bach runter. Hoffentlich später, sagt sich der Fatalist – aber das ist dann auch schon alle Hoffnung, die er noch aufbringen kann.

Diese Beschreibung eines Fatalisten passt leider ganz gut auf den Menschen des frühen 21. Jahrhunderts. Auch er bedarf dringend der Möglichkeit, die man einem Fatalisten, so Kierkegaard, zuführen müsse wie dem Erstickenden die rettende Luft. Zum…

Ursprünglichen Post anzeigen 451 weitere Wörter

Demokratie braucht mehr Orte des öffentlichen Gesprächs – was sagt @FuturICT

Die Zukunft beginnt jetzt #FutureHubs #D2030

Die Demokratie ist nach Auffassung von Jürgen Wiebicke darauf angewiesen, dass möglichst viele ein Wissen davon haben, wie man zusammenfindet, um sich über öffentliche Angelegenheiten auszutauschen.

„Dieses Wissen ist derzeit fast verschüttet. Keiner kennt mehr den Ort, an dem dies geschehen könnte, die Polis hat keine Agora mehr, keinen Marktplatz des öffentlichen Gesprächs und Meinungsstreit“, schreibt der Journalist in seinem Buch ‚Zehn Regeln für Demokratie-Retter‘.

Talkshow und die sozialen Medien seien nur ein schlechtes Surrogat.

Meinungsbildung von unten nach oben

„Parteienkrise heißt eben auch, dass es keine wirklich funktionierende, gesellschaftlich breit verankerte Versammlungsdemokratie mehr gibt. Die wenigsten Ortsvereine der Parteien sind noch lebendige Organismen, die die Meinungsbildung von unten nach oben strukturieren. Diese deprimierende Erfahrung werden vermutlich viele derer machen, die nach der Trump-Wahl online in eine Partei eingetreten sind“, glaubt Wiebicke.

Demokratie beginne mit dem öffentlichen Gespräch. Sie benötigt Orte, an denen wir uns als Bürger begegnen und feststellen…

Ursprünglichen Post anzeigen 69 weitere Wörter