Deutschland 4.0 – Wie die Digitale Transformation gelingt (Rez.)

deutschland_40Zur Digitalen Transformation sind in den letzten Jahren eine ganze Reihe Bücher  erschienen – einige davon habe ich in meinem Blog besprochen: „Dematerialisierung – Die Neuverteilung der Welt in Zeiten des digitalen Darwinismus“ von Ralf Kreuzer & Karl-Heinz Land; Tim Cole  mit „Digitale Transformation. Warum die deutsche Wirtschaft gerade die digitale Zukunft verschläft und was jetzt
getan werden muss!
 – um nur die zu nennen, die Transformation bereits im Titel führen.
Tobias Kollmann (Prof. BWL u. Wirtschaftsinformatik) und Holger Schmidt (Journalist/Netzoekonom) sind seit langem als Speaker und Autoren zu digitalen Themen bekannt. Autoren empfehlen sich mit solchen Titeln als Experten und Berater – hier geht es offensichtlich um Politikberatung. Bereits der Einband kommt schwarz/rot/golden staatstragend daher. Und es geht ausdrücklich um Deutschland als führende Industrienation, die auch in der neuen Digitalen Wirtschaft ein starker Player bleiben soll.
Seitdem Web 2.0 vor einem Jahrzehnt eine ganz Netzepoche prägte, wurden immer wieder Begriffe mit Versionsnummer in den Raum gestellt. Deutschland 4.0 bezieht sich auf Industrie 4.0, ein Konzept, das von den Autoren übrigens kritisch gesehen wird (vgl. S. 166). Industrie 4.0 und davon abgeleitete Begriffe, wie Arbeit 4.0 und Bildung 4.0 gehen auf die von der Bundesregierung eingeleitete Kampagne Zukunftsprojekt Industrie 4.0, Deutschlands Zukunft als Produktionsstandort sichern zurück. „Industrie 4.0 gilt zwar als Zukunftskonzept der deutschen Industrie zur Absicherung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie, ist aber de facto kaum verbreitet“ (nach dem Strukturreport des  Instituts der Deutschen Wirtschaft, s. S. 71).
Das Buch ist sehr strukturiert, übersichtlich gegliedert. Gesellschaft, Technologie, Wirtschaft, Arbeit, Politik – alles 4.0 – sind die Felder von Analyse und Bestandsaufnahme, wobei Wirtschaft und Politik deutlich mehr Raum zugeteilt wird.

die erste Halbzeit der Digitalisierung verpasst

die erste Halbzeit der Digitalisierung verpasst

Die Geschichte ist die: Deutschland hat „die erste Halbzeit der Digitalisierung verschlafen“ (S. 64), v.a. in der Plattformökonomie hat es den Anschluß verpasst. Plattformen sind die Schlüsselstellen zumindest der aktuellen Digitalisierungswelle.
Transaktionsplattformen sind Mittler zwischen Anbietern und Kunden; Innovationsplattformen bündeln die Entwicklung von Technologien/Produkten.
Plattformen bestimmen insbes. die Spielregeln in Konsumentenmärkten und schöpfen den Großteil des Mehrwerts ab. Nicht nur Amazon und Ebay mit ihren Verkaufsplattformen, AirBnb, Uber zählen dazu, Buchungssysteme, Apple’s Plattform für Entwickler und Facebook als Plattform für Medien, auch Datingportale sind weitere Beispiele: Betreiber stellen die Struktur, auf der Angebot und Nachfrage sich in grösstmöglicher und aktuellster Auswahl finden. Branchen wie der Einzelhandel, Reisemarkt, Hotellerie, Medien, Liefer- und Transportdienste u.v.m. wurden längst von diesen Digitalisierungsschüben erfasst. Das ist die digitale Gegenwart.

Digitalisierung greift in die Kernbranchen deutscher Wirtschaft

Die nächste Digitalisierungswelle greift über auf die Kernbranchen der deutschen Wirtschaft und wird auch hier zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor (vgl. S. 69). Für diese zweite Halbzeit gilt: „Wenn Deutschland die Produktionstechnologie- Abteilung der Welt bleibt, dann haben wir viel erreicht. Auf dieses Ziel arbeiten wir hin.“ Ziel sei es, ,,auch künftig die Welt mit Maschinen zu beliefern, die aber intelligent sind„, so Siemens CTO /Russwurm (S.70). Selbstfahrende Autos, intelligente Roboter, aus der Ferne zu steuernde Maschinen, das Internet of Things (IoT), datengetriebene Industrie und 3D- Druck,  SmartHome, Fintech, E-Health sind die Themen. Letztendlich geht es um die digitale Wettbewerbsfähigkeit der klassischen Industrie, des Mittelstandes und von Start-Ups. Das ist die digitale Zukunft.
Im Kapitel Politik 4.0 werden die Anforderungen an die einzelnen Politikfelder – Infrastruktur-, Bildungs-, Wirtschafts-, Arbeits- und Europapolitik – Schritt für Schritt durchdekliniert. Hervorheben lassen sich das Bekenntnis zum Prinzip Netzneutralität, die Einbindung digitalen Wissens in den Bildungskanon, Unterstützung von Start-Ups und die digitale Aktivierung des Mittelstandes, flexible Beschäftigung und die Einbindung in eine europäische Perspektive.
Gegenüber den Ausführungen v.a. zu Wirtschaft und Politik fällt das Kapitel Gesellschaft 4.0 deutlich ab. Die Wechselwirkung von gesellschaftlicher, technischer und wirtschaftlicher Entwicklung, die Transformation gesellschaftlicher Systeme ist wohl ein eigenes Thema. Konzepte wie Networked Sociality und Vernetzter Individualismus kommen nicht vor.
In der bisherigen Resonanz wurde Deutschland 4.0 ziemlich einhellig positiv bewertet. Das Buch enthält in kompakter Form die wesentlichen Themen des Digitalen Wandels. Mit einem 25- Punkte Programm zur Digitalen Transformation schließt das Buch ab.
Ein wenig irritiert die durchgehende 4.0 Rhetorik. Zwar setzen sich die Autoren von Industrie 4.0 ab – doch sind die davon abgeleiteten Begriffe in allen Kapiteln präsent. 4.0 tritt uns auch in zahlreichen Publikation von Bundes- und Landesregierung NRW entgegen, zuletzt ein Weißbuch Arbeiten 4.0.  Der Begriff soll auf eine vierte industrielle Revolution verweisen – und bringt damit jeweils die Fragen mit sich, was denn nur die zweite und die dritte gewesen sei. Ob der Begriff als weitverbreiter Slogan glücklich gewählt ist, ist fraglich.
Manche Leser sehen in Deutschland 4.0. nicht nur eine Betriebsanleitung für Digitale Transformation, sondern gleich eine Bewerbungsgrundlage für regierungsamtliche Aufgaben als Minister oder Staatssekretär für Digitales – man wird sehen …. klausmjan
Kollmann, Tobias & Schmidt, Holger: Deutschland 4.0 Wie die Digitale Transformation gelingt. Springer Gabler, Wiesbaden 2016, 186 S. 24,95 €.
Nebenbei: Wenn auch Titel zur Digitalisierung vornehmlich als gedrucktes Buch verbreitet werden, dann zeigt das die Resistenz des Mediums Buch gegenüber digitaler Transformation an. 

Wortspiel-Radio wieder am Start – Podcast mit Wolfgang Schiffer über die Hörspielkunst #Bilanz

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Endlich ist es mal wieder soweit – nach einer sehr langen Pause: Ich produziere am Mittwoch, um 13 Uhr, zusammen mit meinem lieben Freund und Hörspielkenner Wolfgang Schiffer in Köln eine Podcastfolge von Wortspiel-Radio – Schwerpunkte sind Literatur, literarische Verlage und Zeitschriften, Hörbücher und Hörspiele.

Diesmal geht es um die CD-Box „Bilanz“, die von Wolfgang Schiffer und Michael Serrer herausgeben wurde und im Verlag Lilienfeld erschienen ist. Auf 10 CDs werden dreizehn von knapp tausend Originalhörspielen zu Gehör gebracht, die der WDR in den vergangenen sechzig Jahren produziert hat – „ein Streifzug durch die Zeiten und ihre Sprechhaltungen“, schreibt die SZ in einer Rezension.

Wer also für das Weihnachtsfest noch ein passendes Geschenk sucht, sollte die Sendung nicht verpassen. Spätestens am Donnerstag könnt Ihr Euch unsere Expedition in die Tiefen des Hörspiels via Soundcloud abrufen und der sonoren Stimme von Wolfgang lauschen. Das wird ein Fest für die Ohren 🙂

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Regeln ohne Visionen und Utopien: Visionsarmes Weißbuch Arbeiten 4.0 – Plädiere für #NullEmission #NEO16x

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Guido Bosbach von ZUKUNFTheute im #NEO16x Gespräch mit Frank Eilers, Frank Widmayer, Kerstin Schinck, Heiko Fischer und Lars Hahn. Guido Bosbach von ZUKUNFTheute im #NEO16x Gespräch mit Frank Eilers, Frank Widmayer, Kerstin Schinck, Heiko Fischer und Lars Hahn.

Mal unabhängig vom Schwachsinn des 4.0-Gequatsches, das seit einiger Zeit auch in der Arbeitswelt Anwendung findet und niemand etwas zu 1.0, 2.0 und 3.0 sagen kann, hat Lars Hahn einen lesenswerten Beitrag zum Weißbuch Arbeiten 4.0 geschrieben. Zwei Jahre ist darüber diskutiert worden und heraus kam ein Werk der Regeln, der Gesetze, der Sicherung, des Schutzes und des Rahmens: Arbeitsversicherung, Arbeitsschutz 4.0, Beschäftigtendatenschutz, Rentenversicherung, Arbeitszeitregelungen, Sicherungssysteme.

„Damit mich keiner falsch versteht. Regeln für die digitalisierte Arbeitswelt sind wichtig: Datenschutz und Arbeitsschutz erhalten im Kontext von Globalisierung und Digitalisierung gar eine noch höhere Bedeutung, als sie ohnehin schon haben. Allerdings: Beim Lesen des Weißbuches kann der Eindruck entstehen: Außer Regeln nichts gewesen“, kritisiert Hahn.

Wo aber bleiben die Zielen, Visionen und Utopien? Was will man ändern? Wann gibt es Initiativen für mehr…

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Einladung zur Disputation über Nestlé und die Wasserrechte #fragNestlé

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nestleMeine Fragen an Nestlé – auf Twitter hat man die erste Frage öffentlich nicht beantwortet. Man wollte mich erst in Bonn kennenlernen. Da ich aber schlichtweg nur an der Sache interessiert bin und mir das Kennenlernen von Konzern-Verantwortlichen in einem nicht-öffentlichen Gespräch völlig wurscht ist, einigten wir uns auf schriftliche Fragen. Zu einem Live-Interview war der Konzern nicht bereit. Hier nun die Fragen: Werten Sie Wasser/Wasserrecht als öffentliches oder privates Gut? (Wasser als Menschenrecht hilft hierbei als Antwort nicht weiter). Sehen Sie besonders in unterentwickelten Ländern nicht die Notwendigkeit, die Wasserversorgung als hoheitliche Aufgabe des Staates zu organisieren? Entscheidend für das Gemeinwohl ist der diskriminierungsfreie Zugang zu Ressourcen wie Wasser – Flächendeckung der Infrastruktur für die Ver- und Entsorgung als Beispiel. Warum streben Sie dennoch private Wasserrechte an? Warum sind sie in Ländern wie Pakistan, Algerien und Mexiko bei der Erschließung von Wasser-Ressourcen aktiv? Zu welchen Preisen bieten sie Wasser…

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Als Korrespondenten noch Erstquelle waren

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Der frühere Spiegel-Auslandskorrespondent Walter Tauber Der frühere Spiegel-Auslandskorrespondent Walter Tauber

Moderne Redaktionen sind im Echtzeitstress: Technisch am Newsdesk perfekt ausgestattet als Koordinations- und Produktionszentrale. Der Newsroom ist heute in der Regel ein Großraumbüro, das architektonisch neue redaktionelle Konzepte des ressort- und medienübergreifenden Planens und Arbeitens unterstützt.

Was früher ehrfürchtig als ‚Agentur-Geschwindigkeit‘ galt, ist heutzutage der Normalzustand. Ende der 1970er Jahre war das noch ganz anders. Etwa beim Spiegel: „Man hat am Montag seine Themen angeboten und intensiv darüber gesprochen. Mit dem Ressortleiter konnte ich mich sehr ausgiebig streiten, ohne nachteilige Auswirkungen befürchten zu müssen“, so der ehemalige Spiegel-Redakteur Walter Tauber.

„Der Mensch….ist eine Sau“

Die Arbeit in der Zentralredaktion habe ihm Spaß gemacht.

„Wir hatten kleine Einzelbüros und ließen die Tür offen. Ein Kollege brüllte immer ‚Der Mensch’ und wir antworteten ‚…ist eine Sau.’ Ein deftiges und liebevolles Ritual. Wenn ich konzentriert schreiben musste, schloss ich die Tür und wurde von den Kollegen in Ruhe…

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Startups, über die man 2017 reden wird – vielleicht

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Gründerszene-Chefredakteur Frank Schmiechen Gründerszene-Chefredakteur Frank Schmiechen

Startups, die man 2017 beachten sollte. Die Vorhersagen von Frank Schmiechen, Chefredakteur von Gruenderszene.de:

„Man kann das nur schwer auf einzelne Startups zuspitzen. Bei Fintechs wird einiges passieren, weil selbst in Deutschland gelernt wird, dass es etwas anderes gibt als Bargeld und Banken. Dann gibt es unsere Helden im E-Commerce, die immer weiter wachsen. Etwa Lesara Online Shop (Lesara.de), so eine Art Primark im Netz.“

In Sachen Hardware werde einiges kommen, beispielsweise vom Berliner Unternehmen Lofelt. Es hat das Produkt Basslet entwickelt, eine Kombination aus Subwoofer und Armband, das die Schwingungen des Bassbereichs direkt auf die Haut des Hörers überträgt.

„Das fühlt sich wie im Techno-Club Berghain an. Man spürt den Bass“, sagt Schmiechen im journalist.de-Gespräch.

Das Basslet-Projekt wurde in diesem Jahr mit knapp 600.000 Euro über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter finanziert und erreichte damit das Achtfache der gewünschten Finanzierungssumme.

Was Schmiechen sehr gut gefällt, ist die

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