Raumnetze, Kakteen, Mathematik und die Entdeckung der Mars-Höhlen: Die algorithmischen Revolutionen von Herbert W. Franke

Universalgenie

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Er ist Physiker, Informatiker, Kybernetiker, Höhlenforscher, Kakteen-Erkunder, Entdecker der Mars-Höhlen, Science Fiction-Autor, Philosoph, Physiker, Pionier der Computerkunst, Hörspielautor, Musikexperimentator und ein leidenschaftlicher Sammler von Kaleidoskopen: Der Wiener Naturwissenschaftler Professor Herbert W. Franke. Die Ausstellung „Wanderer zwischen den Welten“ im Karlsruher Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) würdigte vor fünf Jahren Leben und Werk des mittlerweile 88jährigen „Künstler-Forschers“:

„Franke ist ein uomo universale. Ein Universalmensch, wie man ihn aus der Renaissance kennt. Jede geistige Herausforderung verspricht ihm höchste Lust. Er vereint die Gebiete der Naturwissenschaft und Mathematik mit jenen der Künste“, so ZKM-Kurator Bernhard Serexhe.

Franke zähle zu jenen Geistesgrößen, die Wissenschaft, Technik und Kunst als rückgekoppelte Phänomene in bewusster Kommunikation miteinander in Verbindung bringen und damit „algorithmische Revolutionen“ auslösen. In der Ausstellung erlebte man deshalb ein Gewirr von Fäden – sozusagen eine Metapher für das gesamte Leben von Professor Franke, in dem er so viele Gebiete bereist und erforscht hat. Als Kind verwandelte er die Wohnstube seiner Großeltern mit einer Garnrolle in ein Labyrinth, „durch das man sich nur unter Schwierigkeiten, teils tief gebückt, teils über Schnüre steigend, durch das Zimmer bewegen konnte. Man konnte sich verirren, in den Schnüren hängen bleiben, in eine Sackgasse geraten. Man konnte es nicht nur sehen, sondern auch spüren und erleben. Für Karlsruhe bot sich mir erneut die Gelegenheit, ein solches in seiner Form vom Zufall bestimmtes Raumnetz zu errichten. In diesem so einfachen und doch so komplizierten Netz spiegelt sich der Weg, den ich gegangen bin und der, wie ich heute einsehe, schließlich wieder zu den Anfängen zurückführt“, erläutert Franke.

Das gesamte Werk von Franke sei ein künstlerisches Forschen, immer einhergehend mit der Suche nach den Bildern von morgen, schreibt Heike Piehler im Ausstellungskatalog:

„Franke arbeitet mit naturwissenschaftlicher Akribie, analytisch und visionär. Sein in den 1950er-Jahren entstandenes künstlerisches Frühwerk der experimentellen und der generativen Fotografie zeigt, wie er technische Apparaturen für künstlerische Ansätze nutzbar machte.“

Viele Erkenntnisse gewann Franke durch zufällige Konstellationen. So schenkte ihm ein Freund zum Geburtstag Kakteen. Sofort bemerkte er bei den Pflanzen das mathematische Fibonacci-Muster, also Spiralen, die sich überkreuzen:

„Ich bin diesem Phänomen auf den Grund gegangen und erkannte, dass es sich um die optimale Ausnutzung von gewölbten Oberflächen handelt. Das ist ein kleines Ergebnis, welches zeigt, dass ich mich gar nicht systematisch einem Problem zugewandt habe, sondern gewissermaßen dazu gezwungen wurde“, sagt Franke.

Ein weiteres Beispiel sei ein Festvortrag, den er beim Verband der Deutschen Höhlenforscher halten sollte. Franke wollte aber nicht zum wiederholten Male auf seine Exkursionen durch die Dachstein Mammuthöhle eingehen, das sei doch langweilig. Besser wäre es, über Höhlen auf anderen Planeten zu sprechen.

„Auf dem Mars gibt es die größten vulkanisch entstandenen Berge des Sonnensystems und die dazugehörenden ausgedehnten Lavafelder. In Lava ausgebildete Höhlen kennen wir auch von der Erde, sie entstehen dadurch, dass nach einem Vulkanausbruch die abrinnende flüssige Lava von außen her erstarrt, so dass sich die Strömung nach innen verlagert und schließlich, wenn keine Lava mehr nachkommt, ihr Bett als Hohlstrecke zurückbleibt. Da dieser Vorgang auch auf dem Mars nicht anders verläuft, muss es dort Höhlen geben“, so Franke.

Professor Franke 047

Zuerst wurde seine Vermutung von der Wissenschaftsgemeinde angezweifelt, doch einige Jahre später zeigten Marsaufnahmen der NASA schwarze Löcher auf der Marsoberfläche, die inzwischen als Deckenbrüche zu darunter liegenden Höhlen anerkannt sind. Die Skepsis beruhte auf der Geisteshaltung, dass man ja nicht vom Lehnstuhl aus Höhlen auf dem Mars entdecken könne.

„Ich bin Theoretiker und konnte das auf Grundlage der physikalischen Situation sehr wohl voraussagen“, betont Franke.

Diese Entdeckung sei für die Raumfahrt nicht ganz unwichtig. Wenn in Zukunft Astronauten auf dem Mars landen sollten, könnte man die Höhlen mit ihrer dicken Gesteinsschicht nutzen, um sich vor der hohen Strahlenbelastung zu schützen. Ein Kollege von Professor Franke schlug sogar vor, Folien in die Höhlen einzubringen und mit Luft aufzupumpen, so dass die Astronauten dann größere Räume haben, in denen sie sich bewegen können.

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One Comment - “Raumnetze, Kakteen, Mathematik und die Entdeckung der Mars-Höhlen: Die algorithmischen Revolutionen von Herbert W. Franke”

  1. gsohn 1. Oktober 2015 um 11:33 #

    Hat dies auf Ich sag mal rebloggt und kommentierte:

    Begegnungen, die man nicht vergisst 🙂

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