Lahmes Internet macht Angst – Breitband-Pläne von Dobrindt sind unzureichend

Unternehmer Dehler fordert mehr Engagement des Staates für schnelles Internet

Unternehmer Dehler fordert mehr Engagement des Staates für schnelles Internet

Wer sagt denn, dass wir für das Fernsehen noch FERNSEHSENDER brauchen, so die provokative Frage von Richard Gutjahr beim NRW-Journalistentag in Dortmund. „Warum nicht direkt vom Produzenten kaufen. Viele preisgekrönte Filme und Serien kommen von einer Videothek namens Netflix oder von Amazon. Selbst Microsoft dreht gerade eine große Serie mit Steven Spielberg. Ich mache mir ein bisschen Sorgen um das Konzept Fernsehsender“, frotzelt der TV-Journalist und Blogger. Gemeint ist der Abschied vom linearen TV-Programm. Heute geht alles mehr oder weniger bequem über Video on demand. Man schaut sich nur dann Filme an, wenn man es möchte. TV-Programme oder gar TV-Zeitschriften werden obsolet. Theoretisch. Man braucht irgendwie einen Internet-Anschluss mit einer Standardqualität von drei Megabit pro Sekunde.

Die zerfressende Breitband-Deutschlandkarte

Für hochauflösende HD-Filme sind sechs bis 16 Megabit vonnöten. Eigentlich keine so große Herausforderung für die TV-Kunden, wo doch die Bundesregierung behauptet, dass wir in Deutschland eine fast 100-prozentige Grundabdeckung mit 10 Megabit pro Sekunde erreicht haben. Was die Merkel-Regierung in ihre Digitale Agenda reingeschrieben hat, ist in der Realität aber nicht vorhanden, moniert der GFT-Geschäftsführer Thomas Dehler bei einer IT-Fachveranstaltung im brandenburgischen Herzberg:

„Netflix hat jüngst eine Deutschlandkarte gezeigt, wo man Video on demand reibungslos empfangen kann. Diese Karte ist zerfressen von nicht vorhandener Breitbandigkeit.“

Wenn er sich als Unternehmer das deutsche Internet anschaut, bekommt Dehler Angst. Und dabei geht es nicht um die fehlende Möglichkeit, populäre Serien wie „House of Cards“ mit dem Oscar-Gewinner Kevin Spacey zu genießen.

Keine neuen Arbeitsplätze ohne schnelles Internet

Die mittelmäßige Netzinfrastruktur außerhalb der Ballungszentren führt zu negativen Arbeitsmarkteffekten.

„Da ändern auch die Pläne von Internetminister Dobrindt, die auf dem Handelskongress in Berlin vorgetragen wurden, überhaupt nichts. Die so genannte Netzallianz wird es jedenfalls aus eigener Kraft nicht stemmen können, in den nächsten Jahren auf eine flächendeckende Breitbandversorgung von 50 Megabit zu kommen. Hier sind Investitionen des Staates vonnöten“, fordert Dehler.

Besonders bitter ist die digitale Rückständigkeit für strukturschwache Gebiete, die junge Talente an Städte wie Köln, Berlin, München oder Hamburg verlieren. Zwischen 2002, dem Jahr des Bevölkerungshöchststandes, und 2008 haben 202 von 413 Landkreisen und kreisfreien Städten mehr als ein Prozent ihrer Einwohner verloren. Wo die Lebensbedingungen schwierig sind, wo es an innovativen Betrieben und gut bezahlten Jobs mangelt, verschärft sich meist auch die demografische Lage.

„Wir verlieren rund 20 Prozent unserer Leistung, weil wir Bewerber für dezentrale Arbeit in unserem Pilotprojekt im Elbe-Elster-Kreis nicht einstellen können – aus technischen Gründen“, sagt Dehler bei der Präsentation einer Studie über die Notwendigkeit von neuen Arbeitskonzepten für ländliche Regionen. „In einer hoch entwickelten Volkswirtschaft wie Deutschland darf es so etwas nicht geben. Die Nichtverfügbarkeit von schnellem Internet wirkt diskriminierend“, kritisiert Dehler.

Neue Arbeitskonzepte gegen Abwanderung und Überalterung

Dabei zählt besonders in strukturschwachen Regionen wie dem Elbe-Elster-Kreis jeder neu geschaffene sozialversicherungspflichtige Arbeitsplatz, betont Marion Richter, Geschäftsführerin operativ der Agentur für Arbeit Cottbus. Die Abwanderung und Überalterung könne nur mit neuen Arbeitskonzepten gestoppt werden. „Wenn noch mehr Menschen die Region verlassen, können wir irgendwann zuschließen. Wir wissen gar nicht mehr, wie wir unsere alten Menschen betreuen sollen. Wir würden hier praktisch aussterben.“

Teilweise gehen schon ganze Ortschaften auf die Barrikaden, weil es keine vernünftige technische Anbindung gibt und Arbeitsplätze abwandern. Dieser Tatbestand sei schon sehr traurig, erklärt Gabriele Knütter, eine Mitarbeiterin der ersten Stunde in dem Elbe-Elster-Modellprojekt für dezentrale Arbeit.

Statt sich jährlich beim IT-Altherren-Gipfeln gegenseitig auf die Schulter zu klopfen, sollten vor allem jene Minister, die für die Digitale Agenda der Bundesregierung verantwortlich sind, die Kommunen im Umland von Berlin besuchen. Auf solchen Reisen kann man seinen Horizont erweitern. Die liebwertesten Gichtlinge des Merkel-Kabinetts könnten das gut gebrauchen.

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4 Kommentare - “Lahmes Internet macht Angst – Breitband-Pläne von Dobrindt sind unzureichend”

  1. gsohn 5. Dezember 2014 um 21:18 #

    So:

  2. Maja 5. Dezember 2014 um 19:36 #

    ich hab lahmes internet. Lahmer gehts nicht mehr.

  3. gsohn 20. November 2014 um 14:54 #

    Hat dies auf Ich sag mal rebloggt und kommentierte:

    Zu diesem Thema machen wir auch eine Bloggercamp.tv-Sendung: https://plus.google.com/events/cp3vcbt088f70p3n80g9id1st4s

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