Über die Fähigkeitsmystik des Managements – Wie Neo-Bürokraten an der Komplexität scheitern

ichsagmal.com

Idiotensysteme im Management Idiotensysteme im Management

Von Professor Rupert Hasenzagl gibt es eine vernichtende Prophezeiung für das Management:

„Wir bedienen uns derzeit eines toxischen Systems und fahren mit 300 Stundenkilometer gegen die Wand.“

Wir könnten uns noch gar nicht vorstellen, wo wir in fünf Jahren stehen würden, weil uns die Dimensionen fehlen. Weil wir uns in einem enormen Umbruch befänden. Weil Unsicherheit und Angst zunähmen. Weil es vielen Managern an der Profession fehlt, um die Komplexität zu erfassen. Stattdessen würden wir die Dosis an Macht und Bürokratie erhöhen. In diesen bürokratischen Organisationen gedeiht eine trügerische Rationalitätsfantasie. Sie verschanzt sich hinter Controlling-Kennzahlen, Erbsenzähler-Monitoring-Systemen, ISO-Normen, Zertifikaten, Testaten und sonstigen Hilfsmitteln der Planungsgläubigkeit.

Der britische Soziologe Michael Power vertritt die These, wir lebten in Audit-Gesellschaften, in denen immer mehr beobachtet und immer weniger gehandelt wird. Sozusagen eine Evaluations- und Buchführungs-Diktatur. Nachzulesen in dem äußerst bemerkenswerten Opus „Leben im Büro“ von Christoph Bartmann – erschienen im Hanser…

Ursprünglichen Post anzeigen 889 weitere Wörter

Kommunen als Unternehmer…ohne Wettbewerb – Monopolkommission fordert mehr Transparenz und Kontrollmöglichkeiten

ichsagmal.com

Wettbewerb oder neues Monopol?Die Monopolkommission hat in ihrem zwanzigsten Hauptgutachten für die Bundesregierung den zunehmenden Trend zur Rekommunalisierung kritisiert:

„Während im Jahre 2000 noch 10.909 Unternehmen in kommunaler Hand waren, standen im Jahre 2011 bereits 13.447 Unternehmen unter kommunaler Kontrolle. Dies entspricht einem Anstieg um 23,3 Prozent. Noch deutlicher ist die Entwicklung der Umsatzerlöse, die im Jahre 2011 bei etwa 267 Milliarden Euro. lagen und damit mehr als doppelt so hoch waren wie noch im Jahre 2000 mit etwa 131 Milliarden Euro. Inflationsbereinigt liegt diese Steigerung bei über 70 Prozent. Die Entwicklung dieser beiden Kennzahlen gibt bereits einen deutlichen Hinweis darauf, dass die wirtschaftlichen Aktivitäten der Kommunen in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren forciert wurden.“

In Relation zum Bruttoinlandsprodukt stieg der Anteil von 6, 4 auf 10,2 Prozent.

„Das entspricht einem Zuwachs um annähernd 60 Prozent. Diese Entwicklung verdeutlicht den stark wachsenden Umfang kommunaler Wirtschaftsaktivitäten.“

Kommunen sind in nahezu allen Wirtschaftsbranchen…

Ursprünglichen Post anzeigen 233 weitere Wörter

Über lichtscheue Big Data-Verkäufer, die ihre Datenspuren löschen

Wer beobachtet wen?

Wer beobachtet wen?

Big Data-Anbieter sind großartige Verkäufer, wenn sie in der Öffentlichkeit von den Vorzügen der schonen neuen Datenwelt fabulieren können. Sie gieren nach Analysen möglichst großer Datenberge, um Grippewellen vorherzusagen, Euro-Krisen zu verhindern, den Autoverkehr staufreier zu machen oder Prognosen über den Verkaufserfolg von Rollkragenpullover in roter Farbe abzugeben.

Mit statistischen Spielchen auf der Metaebene geben sich die Zahlenfreunde aber nicht zufrieden. Sie wollen mehr. Sie erheben sich zur neuen Klasse der Sozialingenieure, um Gesundheitssysteme zu steuern, Banken vor Kreditausfällen zu bewahren oder Minderjährige vor dem Abrutschen ins Verbrechen zu „schützen“. Die zumeist technisch oder naturwissenschaftlich ausgebildeten Analysten wollen sich also tief ins Datenleben einzelner Menschen eingraben und beeinflussen.

Lichtscheue Analysten

Rückt man dem Big Data-Verkaufspersonal allerdings mit Anfragen zu den Rechenformeln ihrer Gottesmaschinen zu sehr auf den Pelz, ändert sich blitzschnell ihre Disposition: Die Algorithmen-Wahrsager werden lichtscheu und löschen ihre Datenspuren – welch eine Ironie. So geschehen bei einer kleinen Disputation auf Facebook über selbstgewisse Neurowissenschaftler, die Abläufe des menschlichen Gehirns noch nicht mal in Ansätzen erklären können. Ein Systemingenieur warnte vor zu großem Pessimismus. Man werde sich noch wundern, was in der Hirnforschung und beim künstlichen Nachbau der Gehirne in den nächsten Jahren so alles passieren werde.

Über die „Intelligenz“ seiner eigenen Prognose-Maschine äußerte sich dieser Geschäftsführer eines Softwareunternehmens ähnlich euphorisch. Ist ja völlig in Ordnung. Jeder Krämer lobt seine Ware. Als ich auf Facebook nachfragte, ob er sein System live in Bloggercamp.tv vorführen wolle, wechselte der virtuelle Werkzeugmacher direkt in den privaten Modus und sagte mir klar, dass er gegenüber der Öffentlichkeit keine Bringschuld habe.

„Nur soviel: Wir setzen unsere Software im Klinikbereich ein, um gute von schlechten Patienten zu trennen. Als Auswertungstool um aufzuzeigen, wo Ärzte Geld verballern.“

Und was ist mit den Patienten, fragte ich nach. Müsste so etwas nicht öffentlich verhandelt werden? Antwort: Offenlegungspflichten sieht er nur gegenüber seinen Auftraggebern und beendete die Diskussion mit mir – zumindest im nicht-öffentlichen Chat. Seine Großspurigkeit im öffentlichen Teil setzte er fort.

Nach der anonymisierten Veröffentlichung seines Patienten-Zitats auf meinem ichsagmal-Blog verfiel er in eine Panikattacke, löschte alle Kommentare und proklamierte pauschal, man könne Bloggern einfach nicht vertrauen. Jetzt geht es also um „Vertrauen“ – es geht wahrscheinlich auch um seine Reputation. In diesem kleinen Feldtest ist dem Big Data-Maschinisten vielleicht klar geworden, um was es geht.

Was passiert, wenn seine Algorithmen ahnungslose Menschen in die Kategorie „schlechte Patienten“ eintüten und sie von den „guten“ Patienten abtrennen? Welche Gewichtungen und Abgrenzungen hat denn der Systemingenieur in sein Prognose-System eingebaut? Bekommt der „schlechte“ Patient Einblick in die Formelstube? Nach der Geheimniskrämerei des Geschäftsführer zu urteilen, eher nicht. Schließlich habe er Auftraggeber zu bedienen und nicht die Öffentlichkeit.

Social Media-Freunde als Indikator für Kreditwürdigkeit

Gleiches gilt für die Firma „Big Data Scoring“ aus Estland, die über die Auswertung von Social Media-Profilen Aussagen über die Kreditwürdigkeit für Banken treffen will: „Es läuft ein bisschen nach dem Prinzip: ‚Sag mir, wer deine Freunde sind, und ich sag dir, wer du bist‘“, erklärt nach einem t3n-Bericht Meelis Kosk von Big Data Scoring. Ein hoher Akademiker-Anteil unter den Freunden könnte beispielsweise ein gutes Zeichen für die persönliche Finanzlage sein. Äh, und wenn es Philosophen und Germanisten sind? Ziemlich dubiose Kriterien.

Alles sei selbstverständlich gaaaaanz freiwillig, beschwichtigen die Unternehmensgründer. Es gebe schließlich eine Opt-In-Regel – ohne Zustimmung des Kreditnehmers passiere nichts. Auch die politische Gesinnung und die sexuelle Orientierung bleiben außen vor – wie großzügig. Haben die Rechenschieber-Freaks eigentlich mal probiert, in Deutschland einen Bankkredit zu beantragen? Was passiert denn, wenn man die Abfrage beim kommerziellen Dienstleister Schufa verweigert, der ebenfalls mit Scoring-Verfahren in einer trüben Suppe der Wahrscheinlichkeitsrechnung herumrührt und seine Formeln als Geschäftsgeheimnis deklariert? Nichts, man kann nach Hause gehen und schauen, ob noch irgendein Spargroschen unter der Matratze liegt. Welchem Scoring-System unterliegen eigentlich die Entwickler und Anwender der Big Data-Analysetools? Wer haftet denn für falsche Berechnungen, die zum Reputationsverlust führen?

Beweislast-Umkehr

Viktor Mayer-Schönberger vom Oxford Internet Institute hat eine Beweislast-Umkehr ins Spiel gebracht, die beim Anwender liegen müsse. Zudem benötige man eine neue Berufsgruppe zur Überprüfung der Big Data-Analysen. Mayer-Schönberger spricht von „Algorithmikern“, es könnten auch Big Data-Forensiker sein, die den Betroffenen helfen, rechtlich gegen die Zahlendreher vorzugehen.

Über die Wirksamkeit und Genauigkeit der Korrelations-Fetischisten sind Zweifel angebracht, wenn sie Individuen zum Objekt ihrer Begierde machen und damit auch noch Geld verdienen wollen. Die Systeme können nur das, was Menschen programmiert haben und daraus ableiten. Es sind hoch manipulative, konstruierte und erfundene Welten, die immer zu richtigen Ergebnissen kommen. Richtig im Sinne des Erfinders, Konstrukteurs, System-Ingenieurs, Mathematikers, Software-Entwicklers oder KI-Wissenschaftlers: Die Logik sei nur ein Beschreibungsapparat, so wie die Grammatik für Sprache, sagt Systemtheoretiker Heinz von Foerster im Fernsehinterview mit Lutz Dammbeck.

„Die Logik ist ja nur eine Maschine, um mit gewissen Aussagen gewisse andere Aussagen machen und entwickeln zu können. Der Übergang von A nach B, das ist, was die Logik kontrolliert….also die Logik bringt ja gar nichts Neues….die Logik macht es nur möglich, dass Sie von einem Satz, der etwas verschwommen ist, etwas ableiten können, oder Sätze, die ähnlich verschwommen sind, ordentlich beweisen können“, erläutert Foerster.

In diesen weltweit funktionierenden Maschinensystemen seien alle Aussagen richtig – im Sinne der Ableitungen.

Den Wahrheits-Maschinisten sollte man politisch und rechtlich zeigen, wie wichtig Vertrauen ist, wenn man Menschen berechnet, kategorisiert, sortiert und letztlich aburteilt.

Siehe auch:

Gegenbewegungen: Wissenschaftler erobern das Internet zurück

Algorithmen-Angst: Es ist immer noch die eigene Entscheidung (wenn man entscheiden kann und nicht Entscheidungen von anderen getroffen werden, ohne sich zur Wehr setzen zu können).

Europa ohne Müll: Produkte mit ökologischer Intelligenz aufladen – Gründerzeit für die Kreislaufwirtschaft

Ökologische Intelligenz gefragt

Ökologische Intelligenz gefragt

Wenn das Internet der Dinge Realität wird, könnte man jedes Produkt und jede Verpackung mit “ökologischer Intelligenz” aufladen. Kühlschränke, Blister, Handys, Plastiktüten, Spielzeug und, und. Was wäre der Effekt: Gebrauchsgüter informieren über ihre Herkunft, informieren über ihre Ökobilanz und könnten Empfehlungen für eine sinnvolle Weiterverwendung am Ende ihres Lebenszyklus geben. So fänden die Produkte allein ihren Weg von der Produktion bis zum Kunden – und wieder zurück zum Recycling. Dann würden 99 Prozent der mobilen Endgeräte nicht mehr in der klassischen Müllentsorgung verschwinden, sondern signalisieren spezialisierten Logistikern, wo man sie findet und wie man ihre verborgenen Schätze aus Gold, Platin, Kupfer, Aluminium und seltenen Metallen heben kann. Klingt nach Utopie. Schaut man sich die Pläne von EU-Umweltkommissar Janez Potocnik etwas genauer an, die jüngst in Brüssel vorgestellt wurden, ist das Szenario alles andere als unrealistisch. Die EU-Kommission will schlichtweg den Müll abschaffen und sich von der Wegwerfgesellschaft verabschieden.

Alle Produkte sollen so gestaltet sein, dass die Industrie für die Produktion möglichst wenige Rohstoffe verbraucht und sie nach dem Gebrauch leicht wiederzuverwerten sind. Den Plänen zufolge sollen die Europäer bis 2030 70 Prozent der Siedlungsabfälle und 80 Prozent der Verpackungsabfälle recyceln; ab dem Jahr 2025 soll die Deponierung recycelbarer Abfälle verboten sein.

„Wenn wir wettbewerbsfähig sein wollen, müssen wir so viel wie möglich aus unseren Ressourcen herausholen; das heißt, wir müssen sie recyceln und wieder einer produktiven Verwendung zuführen, und wir dürfen sie nicht als Abfall in Deponien vergraben. Der Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft ist nicht nur möglich, er ist auch profitabel. Aber das bedeutet nicht, dass er ohne die richtigen politischen Weichenstellungen stattfinden wird. Bei den Zielvorgaben für 2030, die wir vorschlagen, geht es darum, heute tätig zu werden, um den Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft zu beschleunigen und die damit verbundenen Geschäfts- und Beschäftigungsmöglichkeiten zu nutzen“, sagt Potocnik.

Grundlagen einer größeren Effizienz seien innovatives Design, leistungsfähigere und langlebigere Produkte sowie bessere Produktionsverfahren, zukunftsorientierte Geschäftsmodelle und technische Fortschritte, durch die Abfälle zu Ressourcen werden.

Gute Gründe für die EU-Mitgliedsstaaten, nicht nur auf die Entsorgungsseite zu schauen, sondern die Produktionsverfahren im Ganzen ökologischer zu gestalten und den Wettbewerb der Ideen zu fördern. Es ist also Gründerzeit für die Kreislaufwirtschaft. Eine Chance für Startup-Unternehmen, sich mit Innovationen zu profilieren. So sind das Gründernetzwerk Green Alley und die Crowdfunding-Plattform Seedmatch auf der Suche nach den grünen Start-ups von morgen, die neue Sichtweisen auf Abfall und den Umgang mit Ressourcen entwickeln. Bis zum 15. Juli können noch Ideen eingereicht werden.

Siehe auch:

Kommunen als Unternehmer…ohne Wettbewerb – Monopolkommission fordert mehr Transparenz und Kontrollmöglichkeiten.

Mitel: Marktführerschaft in der Unternehmenskommunikation in Westeuropa und EMEA

Tablet

Der Kommunikationsspezialist Mitel hat nach eigenen Angaben im ersten Quartal 2014 die Marktführerschaft in den zwei wichtigen geographischen Regionen Westeuropa und EMEA (Europa, Mittlerer Osten und Afrika) übernommen. Das geht aus den jüngst veröffentlichten Daten „The Global Telecommunications Market, Q1 2014“ des Analystenhauses MZA hervor, das den Markt für Kommunikationssysteme für Unternehmen auf Basis verkaufter Nebenstellen untersucht.

„Die starke Position in vielen europäischen Ländern wie Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Schweden und der Schweiz, kombiniert mit einer soliden Geschäftsentwicklung in Nordamerika, ermöglichen Mitel einen Platz unter den Top-drei-Herstellern im globalen IP-Nebenstellen-Business. Bezogen auf den gesamten weltweiten Markt für Unternehmenskommunikation bekleidet Mitel nach der MZA-Analyse den vierten Platz“, teilt das Unternehmen mit.

Mitel habe in ihren Kernmärkten in der Vergangenheit eine Stärke bei IP-Systemen.

„Die Q1-Ergebnisse zeigen, dass Mitel nach dem Zusammenschluss mit Aastra Ende 2013 sehr rasch ihre Marktanteile im Gesamtmarkt erweitern konnte“, sagt Stephanie Watson, General Manager MZA.

Aus nordamerikanischer Sicht, in dem die IP-Nebenstellen den Hauptanteil des Marktes repräsentieren, belegt Mitel den dritten Platz hinter Cisco und Avaya. Die Zugewinne an Marktanteilen und die Finanzergebnisse bestätigen nach Ansicht von Mitel-CEO Rich McBee die Fähigkeit des gesamten Teams, die eigenen Pläne umzusetzen und die Ziele auch im ersten Quartal seit dem Zusammenschluss mit Aastra zu erreichen.

„Am allerwichtigsten jedoch ist, dass diese Marktführerschaft das Vertrauen unserer Vertriebspartner und Kunden in die ’neue‘ Mitel widerspiegelt. Das Vertrauen gilt sowohl in unser erweitertes Portfolio, ob Kommunikationsserver oder Cloudlösung, als auch in unsere Fähigkeit, Kundenbedürfnisse unabhängig von der Unternehmensgröße zu adressieren.“

Livestreaming-Lesung: Von virtuellen Bierproben, vernetzten Kühen, Neuland-Gemeinheiten und der Leichtigkeit des Scheiterns

ichsagmal.com

Lesung in der Siegburger Literaturbuchhandlung R² Lesung in der Siegburger Literaturbuchhandlung R²

Eine Milchstraße von Einfällen, so werden die Texte und Aufzeichnungen aus dem Nachlass des Schriftstellers Jean Paul bezeichnet. Keine ordentlich gekämmten Maximen oder Aphorismen zur Lebensweisheit, sondern ein blühendes Durcheinander von Ideen, Beobachtungen, Skizzen und Parabeln. In Bloggercamp.tv haben wir in über 250 Sendungen demonstriert, dass man die verrücktesten Ideen, provokative Debatten, ungewöhnliche Forderungen, spontane Bekenntnisse, kontroverse Diskurse und lebendige Talks mit dem Livestreaming-Dienst Hangout on Air senden kann.

Plakat zur Lesung

All das ist in unser Buch eingeflossen mit dem Titel „Livestreaming mit Hangout on Air. Techniken, Inhalte und Perspektiven für kreatives Web-TV“. Am Donnerstag, den 18. September, um 20 Uhr stelle ich unser Opus in der Siegburger Literaturbuchhandlung R² vor (Holzgasse 45, 53721 Siegburg). Moderieren wird den Abend mein Wortspiel-Radio-Kollege Wolfgang Schiffer. Hannes Schleeh wird live dazu geschaltet.

Buch für die TV-Autonomen Buch für die TV-Autonomen

Nach der Lesung gibt stehe ich natürlich parat, um unser Opus zu signieren…

Ursprünglichen Post anzeigen 595 weitere Wörter

Über Twitteratur, experimentelle Timeline-Poetik und @FrauFrohmann

Neue Plattformen jenseits des Literaturbetriebs gründen

Neue Plattformen jenseits des Literaturbetriebs gründen

E-Books sind in Deutschland noch nicht der absolute Renner. Und wenn ich mir die Preispolitik für digitale Bücher hierzulande anschaue, wundert mich das überhaupt nicht. In der Regel liegt der Preis im Vergleich zur gedruckten Variante viel zu hoch. Das ist eine echte Barriere. Kleines Beispiel: „Meßmers Momente” von Martin Walser. Die Gebundene Ausgabe kostet 14,95 Euro und für die Kindle Edition muss ich 12,99 Euro berappen. In den USA sieht das anders aus. Etwa bei dem von mir erworbenen Werk „Spreadable Media: Creating Value and Meaning in a Networked Culture” von den Autoren Henry Jenkins, Sam Ford und Joshua Green. Die Kindle Edition liegt bei 12,13 Euro, die gebundene Ausgabe bei 21,80 Euro. Da entscheidet man sich gerne für die digitale Version.

Zudem überschlagen sich die Verlegerinnen und Verleger nicht gerade in der innovativen Gestaltung von entmaterialisierter Literatur. Es dominieren eher Defensivargumente wie in der Musik- oder Filmindustrie. Selbst unabhängige Literaturverlage reihen sich in den depressiven Chor der liebwertesten Urheberrechts-Gichtlinge ein, angeführt vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels (der Chefjustiziar dieses Ladens wird sich über meine spitzen Formulierungen nicht grämen, da ich ja meine Bildung aus dem Internet generiere). So warnt eine Verlegerin vor dem Hype, der um E-Books gemacht wird. Es müsse alles mit Augenmaß geschehen. E-Books dürften auf keinen Fall als Alternative zum gedruckten Buch verstanden werden, sondern nur als „Ergänzung“.

Besonders kleine Verlage sollten radikaler denken

Warum denken kleine und ambitionierte Verlage nicht radikaler? Was passiert, wenn man Literatur vom physikalischen Träger völlig abtrennt und das Geschriebene ausschließlich als Software präsentiert wird? Natürlich muss man in Alternativen denken, wenn man nicht alternativlos argumentieren will wie Bundeskanzlerin Angela Merkel. Politfunktionäre können wohl nicht anders daherreden. Aber Verlegerinnen und Verleger? Einen Versuch macht die E-Book-Verlegerin Christiane Frohmann vom gleichnamigen Frohmann Verlag. Sie verabschiedet sich bewusst von den Prinzipien der klassischen Buchkultur. Es führe nicht weiter, wenn die Lese-App beim Umblättern knistert mit digitalen Eselsohren und einem normalen Buchumschlag. Digitales Publizieren müsse sich von diesen Gutenberg-Standards emanzipieren und das Verlegen von dort her zu denken. Das erinnert an die Youtube-Szene, die ein anderes Mindset entwickelt als die klassischen Fernsehmacher. Vom Denknebel der Buchbranche will sich Frohmann abgrenzen:

E-Books ohne Kopierschutz

„Das E-Book wird bislang als schlechteres Buch angesehen. Dabei haben E-Books ganz eigene Möglichkeiten, sie können Dinge, die Print-Bücher nicht können. Und die wollen wir ausloten.”

Kritisch würdigt sie die rechtlichen Beschränkungen, die von der Verlagslandschaft auferlegt werden. Man erwirbt letztlich als E-Book-Käufer nur eine Leselizenz. Man ist nicht so richtig Eigentümer der Datei, kann das verflüssigte Buch nur auf bestimmten Geräten lesen und darf es in der Regel nicht kopieren oder weitergeben.

Als E-Book-Verlegerin hat Frohmann noch nie den Kopierschutz namens Digital Rights Management (DRM) benutzt:

„Ich lehne das kategorisch ab. Man ist am ehesten bereit, sich fair zu verhalten, wenn man faire Angebote bekommt. Wenn die Leser günstigen, leicht zugänglichen und qualitativ hochwertigen Content angeboten bekommen, dann glaube ich, dass sie die Bücher auch kaufen. Außerdem glaube ich nicht, dass DRM schützt. Ich weiß, wie schnell man ein DRM knacken kann. Ich will meine Kunden und Leser mit Vertrauen und Respekt behandeln“, so Frohmann im Interview mit iRights.info.

Remix-Bewegung

Sie bekennt sich zur Kultur des Teilens, zu freien Lizenzen und zur Remix-Bewegung. Die Zeit des Originalgenies sei schon lange vorüber. Wenn man keine Angst davor habe, sich vom klassischen Autoren-Denken zu verabschieden, dann ist die Kultur des Teilens eine einzige Befreiung. Das Urheberrecht, wie es sich in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat, sei der totale Knebel für die Kreativität:

„Wo es gedehnt oder auch mal verletzt wurde, sind die ästhetisch ganz großen Dinge passiert, zum Beispiel in der Remix-Kultur. Die Verwerter von künstlerischen Inhalten haben da irgendwann ein Problem konstruiert, das vorher keines war. Wäre es früher nicht vollkommen normal gewesen, sich an bereits vorhandenen Stoffen und Motiven kreativ zu bedienen, hätte mein Studium der Literaturwissenschaft einen ziemlich spärlichen Gegenstand gehabt. Jede Kultur ist hybrid, besteht aus alten Elementen in neuen Kombinationen.”

Es gehe immer um die Re-Kombination von älteren Elementen. Das ist zwar schon längst durchtheoretisiert – von Michel Foucaults „Was ist ein Autor?“ bis Roland Barthes’ „Der Tod des Autors“ aus den 1960ern. Barthes hat eine besondere Form der Lektüre und des Schreibens praktiziert. Sein publizistisches Schaffen war nicht darauf aus, ein komplexes und unumstößliches Gedankengebäude zu erreichen. Er musste es geradezu darauf anlegen, in seinem Schreiben den äußeren Inhalt eines Buches völlig außer Acht zu lassen, so dass er die Bücher der anderen, über die er schrieb, auch gar nicht mehr von Anfang bis Ende las. Ein Buch sei nicht dazu da, um ganz gelesen zu werden, verkündet er, man müsse Passagen überspringen und nur “Teile daraus entnehmen, Schriftproben ziehen”. Die Zusammenhanglosigkeit zog Barthes der Ordnung vor und konzentrierte sich auf das „Rauschen der Sprache”. Bücher zusammengesetzt aus kurzen, eruptiven Zwischen-Texten, Apercus.

Der Autor als Diskurs-Anreger

Es zeigt sein eigenes Leben als Stückwerk, als Sammelsurium von einigem Notwendigen und viel Zufälligem. „Werk“ und „Schreiben“ bleiben bei Barthes relevant. Anders bei Foucault. Er sieht die Funktion des Autors vor allem als Begründer von Diskursen. Er schafft die Möglichkeit und die Bildungsgesetze für andere Texte. Am Ende könne vollständig auf die Funktion des Autors verzichtet werden, so der Philosoph in seinem berühmten Vortrag am Collège de France vor Mitgliedern der Französischen Gesellschaft für Philosophie.
E-Books werden sich wie Youtube-Videos als eigenständiges Genre etablieren. Der rund um das gedruckte Buch etablierte Literaturbegriff passt nicht mehr zur Poetik und Prosa, die sich in sozialen Netzwerken ausbreiten:

„Schon gar nicht passt er zu dem, was derzeit auf und zwischen den smarten Geräten passiert, die wir ständig bei uns tragen und über die wir längst den größten Teil unserer Textarbeit abwickeln“, so Stephan Porombka im Opus des Frohmann-Verlages mit dem Titel „Über 140 Zeichen“.

Der eingeschränkte Literaturbegriff der bildungsbürgerlichen Honoratioren trübt den Blick auf die Texte, die im Netz kursieren.

Neue Plattformen jenseits des Literaturbetriebs gründen

„Man neigt dazu, sie gar nicht zu beachten. Und wenn, dann nur verächtlich als Leichtgewichtiges, Flüchtiges, Beliebiges, Uninteressantes.“

Redakteure von Gestern-Medien degradieren das Netzgeflüster gerne als Klowand-Weisheiten. Jeder, der online ist und postet, twittert, faved oder liked steht erst einmal unter Verdacht, ein Protagonist der kulturellen Sinnentleerung zu sein. Aber selbst die neuen Schreib- und Leseweisen im 18. Jahrhundert haben nicht darauf gewartet, von den Autoritäten des alten Literaturbetriebs akzeptiert zu werden, erläutert Prorombka. Man habe sich seine Publikations- und Rezensions-Plattformen lieber gleich selbst erfunden. Ähnliches wird sich für das Schreiben und Lesen bei Twitter, Facebook, WhatsApp und Google Plus ergeben. Verlage wie Frohmann wirken als Teilchenbeschleuniger für experimentelle Poetiken, die sich vom Flow ihrer Timeline inspirieren lassen und sich wenig um die Rückzugsgefechte von Leistungsschutz-Denkern scheren.

Wie sich E-Book-Verlage künftig positionieren, erläutert Christiane Frohmann im #Bloggercamp.tv-Gespräch: Über die Emanzipation des E-Books und den Tod des Autors.

E-Books im Denknebel des Literaturbetriebs: @FrauFrohmann bei #Bloggercamp.tv

ichsagmal.com

Neue Plattformen jenseits des Literaturbetriebs gründen  Neue Plattformen jenseits des Literaturbetriebs gründen

Foucault sieht die Funktion des Autors vor allem als Begründer von Diskursen. Er schafft die Möglichkeit und die Bildungsgesetze für andere Texte. Am Ende könne vollständig auf die Funktion des Autors verzichtet werden, so der Philosoph in seinem berühmten Vortrag am Collège de France vor Mitgliedern der Französischen Gesellschaft für Philosophie.
E-Books werden sich wie Youtube-Videos als eigenständiges Genre etablieren. Der rund um das gedruckte Buch etablierte Literaturbegriff passt nicht mehr zur Poetik und Prosa, die sich in sozialen Netzwerken ausbreitet.

„Schon gar nicht passt er zu dem, was derzeit auf und zwischen den smarten Geräten passiert, die wir ständig bei uns tragen und über die wir längst den größten Teil unserer Textarbeit abwickeln“, so Stephan Porombka im Opus des Frohmann-Verlages mit dem Titel „Über 140 Zeichen“.

Der eingeschränkte Literaturbegriff der bildungsbürgerlichen Honoratioren trübt den Blick auf die Texte, die im Netz kursieren.

Ursprünglichen Post anzeigen 238 weitere Wörter

Warum Hans Leyendecker den Begriff „investigativ“ beschissen findet. Die #nr14-Twitter-„Presseschau“.

www.Sozialgeschnatter.de

Für mich das Zitat des Wochenendes – Hans Leyendecker bei der Jahreskonferenz 2014 des Netzwerks Recherche im Gespräch mit Tilo Jung:

Ich finde den Begriff „investigativ“ beschissen. Eigentlich gehen wir nur raus und wollen was wissen. Das ist ganz normaler Journalismus!

Hans Leyendecker & Tilo Jung @ #nr14 (Jahreskonferenz des Netzwerks Recherche 2014)Hans Leyendecker & Tilo Jung – Foto: Peter Jebsen (alle Rechte vorbehalten)

Ursprünglichen Post anzeigen 621 weitere Wörter