NRW-Landesmedienanstalt macht Geld für Qualität im Journalismus locker

Rettungsanker für Gestern-Medien?

Rettungsanker für Gestern-Medien?

Die Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) hat erstmals Eckpunkte für die geplante „Stiftung Vielfalt und Partizipation“ vorgestellt. Sie soll Bestandteil des Mediengesetzes in Nordrhein-Westfalen werden, über das der Landtag in diesen Tagen abschließend berät. Der Vorsitzende der LfM-Medienkommission, Professor Werner Schwaderlapp, sagte in Düsseldorf, dass die Stiftung vor allem dazu beitragen soll, Vielfalt und Qualität von Journalismus im lokalen und regionalen Raum zu fördern:

„Wir sehen seit langem, dass die publizistische Vielfalt und Qualität in den traditionellen Medien gefährdet ist – bei den Tageszeitungen, wie auch bei lokalen und regionalen Radio- und Fernsehangeboten. Es droht eine weitere Verarmung im Journalismus. Das kann sich eine aufgeklärte, moderne Gesellschaft nicht leisten.“

Schwaderlapp bezog sich dabei auf eine Projektskizze der LfM. Danach seien sinkende Auflagen der Zeitungen und wegbrechende Werbeerlöse, auch bei elektronischen Angeboten (beim Lokalfunk und Lokal-TV), sowie der Verlust von Abonnenten und anderen Mediennutzern deutliche Zeichen einer Krise. Zu den Aktivitäten der Stiftung, die als gemeinnützige GmbH unter dem Dach der nordrhein-westfälischen Medienanstalt geplant ist, sollen zählen:

die Förderung innovativer Aus- und Fortbildungsangebote für Journalisten
die Unterstützung der Entwicklung innovativer journalistischer Angebote und alternativer Finanzierungsmodelle
die Förderung digitaler Publikationsstrukturen
die Entwicklung einer digitalen Kompetenz- und Kreativplattform sowie
die Förderung von Akzeptanz für Qualitätsjournalismus.

Mit einer Fachtagung im Herbst werde die Arbeit der „Stiftung Vielfalt und Partizipation“ beginnen.

Im Etat der LfM seien für die Stiftung 1,6 Millionen Euro vorgesehen:

„Wenn wir diese Mittel klug einsetzen, können wir starke Impulse zur Qualitätsförderung im Journalismus setzen“, sagte der LfM-Direktor Jürgen Brautmeier auf der Medienversammlung der LfM in Düsseldorf, auf der rund 160 Experten und Mediennutzer über die Zukunft und die Qualität des Journalismus sprachen.

Auf der Veranstaltung wurden zudem erste Ergebnisse der neuen LfM-Studie „Journalismus unter digitalen Vorzeichen“ vorgestellt, in der Professor Volker Lilienthal (Universität Hamburg, Rudolf-Augstein-Stiftungsprofessur für Praxis des Qualitätsjournalismus) und Professor Stephan Weichert (Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation und Hamburg Media School, Hamburg) der Frage nachgehen, wie sich journalistisches Arbeiten in der digitalen Welt verändert hat und sich zukünftig entwickeln wird. Dazu hat das Team um die beiden Wissenschaftler rund 270 journalistische Websites, über 80 lokale und regionale Blogs und zusätzlich 35 innovative Online-Angebote analysiert, Leitfadengespräche mit 15 Redaktionsverantwortlichen geführt sowie Arbeitsweisen in verschiedenen Redaktionen bei der Automatisierung und Technisierung beobachtet.

Zu den wichtigsten Ergebnissen der Studie zählt, dass sich die untersuchten journalistischen Online-Angebote ihren Nutzern in erheblichem Maße geöffnet haben:

„Die so ermöglichte Dialogisierung hebt die Qualität des digitalen Journalismus auf eine neue Stufe, indem der Meinungsaustausch und das Feedback mit dem proaktiven Publikum für eine neue Dimension des journalistischen Handwerks sorgen – vor allem in Bezug auf die Bürgernähe im Lokalen“, so Lilienthal.

Teilhabe sei damit zu einem wesentlichen und oft auch mitgedachten Element journalistischer Arbeit geworden.

„In den beobachteten Redaktionen werden durchgehend technische Hilfsmittel und Tools eingesetzt, die zu einem hohen Automatisierungsgrad, aber auch zu technisch bedingten Spezialisierungen führen. Diese spiegeln sich in digitalen Berufsbildern wie dem Datenjournalisten, dem Social-Media-Redakteur und dem Mobilen Reporter wieder“, so Weichert.

Insgesamt zeuge dieses Technikprimat davon, dass das moderne journalistische Berufsbild drohe, „überformt“ zu werden.

Die komplette Studie wird im Herbst in der Schriftenreihe Medienforschung der LfM erscheinen.

Zu den weiteren Teilnehmern der Medienversammlung zählten Christian Fahrenbach (Krautreporter), Helga Kirchner (ehemals WDR), David Schraven (Netzwerk Recherche), Sascha Fobbe (Radio RST), Lutz Feierabend (Kölner Stadt-Anzeiger), Ulli Tückmantel (Westdeutsche Zeitung), Alexander Völkel (nordstadtblogger.de) sowie die Wissenschaftler Prof. Dr. Marlis Prinzing und Prof. Dr. Gerhard Vowe. Moderiert wurde die Veranstaltung von Bettina Schmieding und Prof. Dr. Frank Überall.

Hoffentlich versucht die Stiftung nicht, die hausgemachten Probleme der Verlage und Verleger zu kaschieren. Das Gegenteil wäre angeraten. Siehe auch: Nekrolog eines Printmedien-Kunden.

Vielleicht spielt ja die mediale Musik künftig ganz woanders 🙂 Als wir von Bloggercamp.tv die Bundeskanzlerin Angela Merkel besiegten. Über den Piratensender der Regierungschefin.

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