Das UMTS-Debakel und die Innovationsstarre der Netzbetreiber @SaschaLobo

Sascha Lobo

Das Smartphone ist nach Auffassung von Sascha Lobo das Symbol von Deutschlands mobil vernetzter Rückschrittlichkeit.

„Ein Flüchtling aus Afrika wird in einem deutschen Geschäft versuchen zu bezahlen, wie er es gewohnt ist: mit dem Smartphone. Er wird scheitern. Bezahlung per Handy hat hier einen Exotikfaktor irgendwo zwischen Einrad und Einhorn. In weiten Teilen Afrikas, der USA, des Baltikums ist es selbstverständlich.“

Diese für ein Hochtechnologieland merkwürdige Rückschrittlichkeit habe auch ökonomische Gründe.

„Wenn in Deutschland im Mai 2015 ein Megabyte mobile Datenübertragung rund 5000 Prozent mehr kostete als in Finnland, dann… Moment, fünftausend Prozent? Fünftausend? Nein, kein Rechenfehler, sondern die bittere Wahrheit“, schreibt Lobo in seiner Spiegel-Kolumne.

Die Gründe für das teutonische Mobilfunk-Debakel sieht Lobo völlig zurecht in der Versteigerung der UMTS-Lizenzen zur Jahrtausendwende. Sie machte den Fiskus um 50 Milliarden Euro reicher und bewirkte bei den Netzbetreibern eine Politik der Langsamkeit, um mit höchst innovationsfeindlichen Mitteln eine Refinanzierung dieser gigantischen Lizenzbeträge zu erzwingen. Und das hat sich bis heute nicht wesentlich geändert.

„Denn 50 Milliarden Euro bedeuteten 620 Euro je Einwohner in Deutschland, und wie hätte man die je verdienen können? Natürlich gar nicht, erst Recht nicht verzinst und schon gar nicht, wenn man die dafür notwendige Infrastruktur mitberechnet. Die Konzerne mussten es trotzdem versuchen. Indem sie die Verbreitung billigerer Technologien verzögerten (Deutschland hatte 2014 zwei WLAN-Hotspots je 10.000 Einwohner, Südkorea 37). Indem sie absurde Preise aus den Nutzern herauswrangen und noch -wringen. Und nicht zuletzt durch intensive Lobby-Bemühungen“, so Lobo.

Warum der UMTS-Markt nicht funzen konnte, habe ich 2010 eingehend beleuchtet. Wir werden von der Vergangenheit wieder eingeholt.

Jeder Zweite hat ein Smarthone: Wettlauf zwischen Apple und Samsung

Smartphone statt Handy

Die Verbreitung von Smartphones und Tablet-PCs nimmt weiter stark zu – mit gravierenden Auswirkungen auf den Hersteller-Markt. Das zeigen die Ergebnisse der aktuellen Allensbacher Computer- und Technik-Analyse (ACTA) auf Basis von rund 8.700 persönlich-mündlichen Interviews.

Gut 10 Jahre nach der Durchsetzung des Mobiltelefons in der bundesdeutschen Bevölkerung löst das Smartphone herkömmliche Handys immer mehr ab. Seit 2010 nutzen rund 95 Prozent ein Mobiltelefon. Von diesen verfügte aber vor drei Jahren nicht einmal jeder Zehnte über ein Smartphone, heute hat etwa jeder Zweite aus dieser Gruppe ein Gerät mit größerem Display, Touchscreen und Internetanbindung zur Verfügung.

Vom Smartphone-Boom profitieren vor allem die Hersteller Apple und Samsung. Sie konnten erneut Marktanteile hinzugewinnen, während Nokia, Sony (Ericsson) und Motorola weiter Marktanteile verlieren. Von den 14- bis 69-jährigen Smartphone-Nutzern haben heute 41 Prozent ein Modell von Samsung, gefolgt von Apple mit 28 Prozent. Lediglich sieben Prozent haben ein Smartphone von Nokia, dem einstigen Weltmarktführer bei herkömmlichen Handys. Ob Microsoft das ändern wird?

Tablet-Boom

iPadApple und Samsung dominieren auch den Tablet-Markt, der zur Zeit die größte Dynamik aufweist. Nutzten vor zwei Jahren erst 1,2 Millionen Bundesbürger im Alter von 14 bis 64 Jahren einen Tablet-PC, sind es aktuell schon 6,4 Millionen – ein Anstieg um rund 430 Prozent binnen zwei Jahren.

Und das Wachstum dürfte sich weiter fortsetzen. Denn in den kommenden zwei Jahren planen weitere mehr als sechs Millionen Verbraucher die Anschaffung eines Tablets. Dabei zeichnet sich ab, dass Apple von diesem Wachstum wohl weniger profitieren wird als Samsung. Bezogen auf die gesamte Bevölkerung im Alter von 14 bis 69 Jahren planten 2011 noch 4,7 Prozent den Kauf eines iPads, nur 0,3 Prozent zogen den Kauf eines Samsung Galaxy Tabs in Betracht. Inzwischen liegen Samsung und Apple bei den Kaufplänen fast gleichauf, mit unvermindert großen Wachstumsraten für Samsung und einem leichten Rückgang für Apple im Vergleich zum Vorjahr. 5,4 Prozent der 14- bis 69-Jährigen planen in den kommenden zwei Jahren den Kauf eines iPads, 4,2 Prozent den Kauf eines Samsung Galaxy Tabs.

Samsung legt bei Markenwahrnehmung zu

Apple und Samsung zählen heute zu den Technik- und Internetmarken mit praktisch uni- versellem Bekanntheitsgrad und Spitzenwerten bei der Sympathie- und Qualitätseinschätzung. Dass die Markenwahrnehmung von Samsung heute gleich positiv oder in Teilen so- gar besser ist als die Markenwahrnehmung von Apple, verdankt Samsung einer kontinuierlich verlaufenden, deutlichen Verbesserung des Markenimages in den vergangenen Jahren. Beide Marken profitieren zudem von der Ausweitung der Kreise, die als Nutzer eines Smartphones oder Tablets von Apple oder Samsung ihre Marke besonders positiv bewerten. 59 Prozent der 14- bis 64-Jährigen, die Apple kennen, schreiben Apple eine hohe Qualität zu; bei Samsung sind es mit 55 Prozent kaum weniger. Während sich die Qualitätsanmutung von Apple in den letzten zwei Jahren auf hohem Niveau stabilisiert hat, konnte Samsung seine Qualitätswahrnehmung in der Bevölkerung von 39 Prozent auf nun 55 Prozent deutlich steigern.

Bei der Markensympathie hat Samsung Apple sogar schon überholt. Von den 14- bis 64- Jährigen, denen die jeweilige Marke bekannt ist, finden inzwischen 58 Prozent Samsung sympathisch, vor zwei Jahren waren es erst 43 Prozent. Bei Apple ist dagegen ein leichter Rückgang von 52 Prozent im Vorjahr auf 50 Prozent zu verzeichnen, den gleichen Wert wie 2011.

Alles nachzulesen in der diejährigen Allensbacher Computer- und Technik-Analyse (ACTA).