Gratis-Pitch in exklusiver Umgebung #KölnerBarcampKontroverse

ichsagmal.com

Frank Michna in der Barcamp-Diskussion in Bestform :-) Frank Michna in der Barcamp-Diskussion in Bestform 🙂

In Köln wollte man ein Digital Barcamp veranstalten. Fein. Allerdings mit Preisen, die bis 1.450 Euro gestaffelt sind. Frühe Buchungsvögel könnten die Unkonferenz auf Champagner-Niveau zum Schnäppchen-Betrag von 725 Euro ergattern, um dann selbst als Teilnehmer das Programm zu gestalten.

Als Hashtag wurde in einer Facebook-Debatte direkt ein Cashtag als neues Markenzeichen in die Runde geworfen, um den digital-darwinistischen Ausleseprozess besser zur Geltung zu bringen. Motto: Was nichts kostet, ist nichts wert. Schließlich will man ja nur die Elite des Managements beglücken. Das kam in der Barcamp-Community nicht so gut an. Schließlich geht es bei den offenen Veranstaltungsformaten um Anschlussfähigkeit und nicht um Ausschluss:

„Wenn das Wesen der Digitalisierung darin besteht, Wissen allen verfügbar zu machen, Hierarchien aufzubrechen und kollaborativ den Wandel zu gestalten, und eben dieser Wandel doch an der Elfenbeinturm-Executive-Denke krankt, wie kann man dann im Jahre 2016 allen ernstes…

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Vectoring-Monopol für die Telekom: Breitbandausbau als Mogelpackung – Bye-Bye Glasfaser

Überflüssige Telekom-Router türmen sich in der Küche.

Die Bundesnetzagentur hat heute ihren Entscheidungsentwurf zum Antrag der Telekom auf den Exklusivausbau der Hauptverteiler-Nahbereiche mit Vectoring veröffentlicht. Das sogenannte VDSL2-Vectoring ist eine Technologie, die es erlaubt, den Datendurchsatz von Kupferleitungen zu erhöhen. Man kann ein höheres Datentempo erreichen, ohne die bestehenden Kabel durch Glasfaser zu ersetzen. So sollen durch Vectoring Geschwindigkeiten von mindestens 50 Megabit und bis zu 100 Megabit pro Sekunde möglich sein. Bei der Telekom-Konkurrenz stößt das auf Kritik:

„Aus unserer Sicht ist das kein fairer Kompromiss“, kritisiert Jürgen Grützner, Geschäftsführer des VATM in Köln. Das für den Wettbewerb zentrale Recht auf Entbündelung werde mit dieser Regulierungsentscheidung erstmals in der noch jungen Geschichte des TK-Wettbewerbs gegen eine Investitionszusage des regulierten Unternehmens aufgegeben. „Und dies obwohl sich die Telekom weder rechtsverbindlich zu einem Ausbau von 50 Mbit/s noch zu einem auch nur annähernd flächendeckenden Ausbau bis 2018 verpflichtet hat. Sie soll mit der Entscheidung grundsätzlich die Möglichkeit erhalten, Vectoring im Nahbereich im Monopol einzusetzen“, so der VATM-Chef.

Der Entwurf der Regulierungsverfügung schütze das Technologiemonopol der Telekom sehr weitgehend. Eine dynamische Entwicklung der Investitionen durch Wettbewerber bleibe weitgehend unberücksichtigt. So sollen allein der heutige Tag und die Mehrheit der heute mit VDSL ausgebauten Kabelverzweiger (KVz) ausschlaggebend sein für die Frage, wer bis 2018 den Nahbereich mit Vectoring-Technologie erschließen darf. Mit dem Entscheidungsentwurf werden Hunderte von Kabelverzweiger, die bereits von Seiten der Wettbewerber in die Vectoring-Liste eingestellt und damit für Investitionen in den Breitbandausbau bereits vorgemerkt sind, nicht mehr berücksichtigt. Damit sichere der Entwurf nicht einmal den Status Quo der verbindlich zugesagten Breitbandinvestitionen der Wettbewerber.

Während der Ausbau durch die Wettbewerber bis 31. Mai 2016 verbindlich angekündigt und bereits bis 31.12.2017 abgeschlossen sein müsse, gilt für die Telekom ein solches Ultimatum nicht, was die Investitionsmittel aus den ländlichen Bereichen abzieht und sogar die Investitionen der Wettbewerber in Fördergebieten gegenüber der Telekom erschwert.

„Die Regeln zu Ausbauverpflichtungen im Nahbereich wirken sich damit insgesamt einseitig zu Lasten der Wettbewerber aus“, betont Grützner.

Ob nun das Kupferkabel in aufgerüsteter Variante die Modernisierung der digitalen Infrastruktur voranbringt, scheint fraglich:

„Ohne Glasfaser werden wir den Bandbreitenhunger der nächsten Jahre nicht stillen können! Ohne Glasfaser wird es kein digitales Wirtschaftswunder geben! Glasfaser ist die Grundvoraussetzung für zukünftigen Wohlstand. Eigentlich wissen das alle. Nur es wird weiterhin versucht, über die alten Kupferkabel schnelles Internet zu schieben“, kritisiert Bild-Kolumnist Nico Lumma.

Und das gilt für alle Netzbetreiber, die nicht in der Lage sind, vernünftige Geschäftsmodelle zur Refinanzierung der digitalen Infrastruktur zu erwirtschaften. Telekommunikation ist irgendwie nicht mehr sexy. Klingt nach 1990er Jahre. Verstaubt.

Mehr Visionen, weniger Pläne – Abschied von der „alten“ Industriepolitik #wmfra

MS Wissenschaft

Jetzt werden wieder von den liebwertesten Industrie-Gichtlingen die üblichen Gegenargumente zu meinen kritischen Industriethesen gepostet, die ich beim Webmontag in Frankfurt vorgetragen habe:

Vom gegenseitigen Haare schneiden können wir nicht leben” (kann man auch abwandeln mit Pizza-Lieferservice oder Maniküre oder, oder, oder). Gleich danach folgen: „Wir sind ein Land des Maschinenbaus und des Ingenieurswesens” sowie “Deutschland ist doch eine Exportnation”.

Noch einmal: Wie viele Arbeitsplätze stellt denn der Maschinenbau in Deutschland? Wie hoch ist der Wertschöpfungsanteil der industriellen Produktion, der das Label „Made in Germany“ wirklich verdient?

Relevanz von Design, Marketing und Software

Das Verhältnis zwischen in den Exporten enthaltener inländischer Bruttowertschöpfung und importierten Vorleistungen hat sich stark zu Gunsten des Auslandes verschoben. Die Fertigungstiefe in Deutschland hat in den vergangenen Jahren kontinuierlich abgenommen. Bei uns findet die Forschung, Veredelung und Endmontage statt. Kein Service-Experte würde von einer Ökonomie ohne Produktion und Produkte träumen. So ist das „Industrieprodukt“ iPhone sicherlich der Ausgangspunkt für den Erfolg der Dienste. Aber von welcher Wertschöpfung profitiert denn die amerikanische Volkswirtschaft? Die iPhone-Produktion findet in Asien statt und steht am Ende der Forschung und Entwicklung des Cupertino-Konzerns. Apple ist ein Paradebeispiel für die Relevanz von Design, Marketing, Software und intelligenten Anwendungsprogrammen. All das treibt den Wert von Apple und nicht der reine Akt der Industrieproduktion.

Stark bei neuen Technologien sein

„Meine Maschine, mein Produkt, mein geniales Ingenieurswissen, meine Erfindungen und meine Patente“ als Geisteshaltung der stolzen Industrienation reichen nicht aus, um Markterfolge zu erzielen.

Der Netzökonom Holger Schmidt stellte dem Internetexperten Andrew McAffee zu diesem Themenkomplex eine interessante Frage:

„Die USA haben die besten Internetunternehmen, Deutschland hat die beste Industrie. Wer wird das ‚industrielle Internet‘ gewinnen?“ Die Antwort des MIT-Forschers: „Wenn man sich die Geschichte der großen technologischen Umwälzungen anschaut, haben sich meist die Unternehmen durchgesetzt, die besonders stark in der neuen Technologie waren – und nicht die Unternehmen, die in der vorherigen Technik führend waren.“

Missionen ohne Pläne

So manchem Firmenlenker in Deutschland sei das klar. Selbstzufriedenheit wäre nach Ansicht von McAffee in der aktuellen Situation ganz gefährlich. Der deutsche Google-Forscher Sebastian Thrun vermisst in seinem Heimatland den Optimismus der Silicon Valley-Szene. Er glaubt nicht an Pläne und Vorhersagen, wie sich etwas zu entwickeln hat. „Ich glaube an ambitionierte Ziele, an Missionen“, sagt Thrun gegenüber dem Spiegel.

Visionärer sollten deutsche Firmen bei der Entwicklung von Eco-Systemen sein mit einer smarten Kombination von Produkten, Anwendungen und Services: „Wachsender Dienstleistungsanteil heisst ja auch, dass mehr Dienstleistung ‚in‘ den Produkten steckt.

Das eben auch ‚das Harte‘ nur verkauft werden kann, weil immer mehr ‚Weiches‘ drin ist. Das ist das Prinzip der Co-Adaption“, bemerkt Wirtschaftsprofessor Lutz Becker.

Ausführlich nachzulesen in meiner The European-Mittwochskolumne.

Siehe auch:

Kommentar zur Energiewende: Lasst die Stromkonzerne sterben.

So sieht sie aus, die Industriepolitik in Berlin: Direkter Draht ins Kanzleramt: Der Lobbyismus von RWE.

Im Land der digitalen Bräsigkeit: Industrie-Lobbyismus statt Programmatik für die Netzökonomie #wmfra

Schumpeter in der Bonner Innenstadt

Schumpeter in der Bonner Innenstadt

Die Deutschen haben wohl ein Problem bei der Wahrnehmung der Wirtschaftsrealität:

Das belegt eine Abhandlung von Joseph Schumpeter aus dem Jahr 1928 mit dem Titel „Die Ten­den­zen unse­rer sozia­len Struk­tur“. Hier unter­sucht Schum­pe­ter die Dis­kre­panz zwi­schen der Wirt­schafts­ord­nung Deutsch­lands und der Sozi­al­struk­tur. Die Wirt­schafts­or­ga­ni­sa­tion war kapi­ta­lis­tisch, die deut­sche Gesell­schaft war aber in ihren Gebräu­chen und Gewohn­hei­ten nach wie vor in länd­li­chen, ja sogar feu­da­len Denk­wei­sen gefan­gen – heute indus­trie­ka­pi­ta­lis­tisch. Zur Reichs­grün­dung 1871 haben nahezu zwei Drit­tel der Bevöl­ke­rung auf Gütern oder Gemein­den mit weni­ger als 2000 Ein­woh­nern gelebt, noch nicht ein­mal 5 Pro­zent in Groß­städ­ten von mehr als 100.000 Ein­woh­nern. Bis 1925 hatte sich der Anteil der Stadt­be­woh­ner ver­fünf­facht, wäh­rend der Anteil der Land­be­völ­ke­rung um die Hälfte zurück­ge­gan­gen ist. Ursa­che war vor allem ein sprung­haf­ter Anstieg der Agrar­pro­duk­ti­vi­tät. Wäh­rend 1882 in Deutsch­land nur 4 Pro­zent der klei­nen Land­wirt­schafts­be­triebe Maschi­nen ein­setz­ten, waren es 1925 schon über 66 Pro­zent. Die Mecha­ni­sie­rung löste eine Land­flucht aus und trieb die Land­ar­bei­ter in die Städte. Landjunker, barfüssige Propheten, Zurück-zur-Scholle-Ideologen dominierten die Berliner Politik.

Quelle: Statistisches Bundesamt

Quelle: Statistisches Bundesamt

Heute dominieren die Gesänge der Industrielobbyisten

Wir ergehen uns in industriepolitisch motivierten Abwehrschlachten und verplempern damit eine Menge Zeit. Wir setzen keine Akzente in der Wirtschaftspolitik, um uns von den Anachronismen der untergegangenen Industriewirtschaft zu befreien, wie es der Wirtschaftshistoriker Werner Abelshauser in seinem Standardwerk “Deutsche Wirtschaftsgeschichte seit 1945″ ausdrückt. Wo sind klare Konzepte für einen institutionellen Rahmen zu erkennen, um uns auf die Bedürfnisse der nachindustriellen Ära auszurichten? Weder die wirtschaftlichen Eliten noch die öffentliche Meinung waren und sind sich der Realität bewusst, „dass schon Anfang der sechziger Jahre selbst bei stark rohstofforientierten Produzenten, wie der deutschen Großchemie, bis zu zwei Drittel der Wertschöpfung auf der Fähigkeit zur Anwendung von wissenschaftlich basierter Stoffumwandlungsprozesse beruhte”, schreibt Abelshauser in der erweiterten Auflage seines Opus.

1980 zählte der Industriesektor das erst Mal nicht mehr zur dominanten Branche in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung. Den Gipfelpunkt hatte das produzierende Gewerbe 1960 erreicht, seit dem geht es stetig bergab.

Seit den neunziger Jahren sind mehr als 75 Prozent der Erwerbstätigen und ein ebenso hoher Prozentsatz der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung durch immaterielle und nachindustrielle Produktion entstanden. Die innere Uhr der politischen Entscheider ist immer noch auf die industrielle Produktion gepolt. Man merkt es an der wenig ambitionierten Digitalen Agenda der Bundesregierung, man erkennt es an den lausigen Akzenten, die in der Bildungspolitik gesetzt werden und man hört es bei den Sonntagsreden der Politiker, wenn es um Firmenansiedlungen geht. Es gibt keine Konzeption für eine vernetzte Ökonomie jenseits der industriellen Massenfertigung aus den Zeiten des Fordismus.

Wolf Lotter, brandeins-Autor:

“Die Re-Industrialisierung hat vom Ton her etwas reaktionäres und gehört zur Vorstellungswelt der Volksparteien, die sich hier sehr einig sind. Sie sind in der Industriegesellschaft geboren worden und sind mit der Kultur der Industriegesellschaft eng verhaftet. Sie haben ein mechanistisches Menschenbild und gehen davon aus, dass Fabriken leichter zu kontrollieren sind. Mit der neuen Welt der Wissensgesellschaft können sie sich nicht anfreunden.“

Der Anteil der Industrie an der Wertschöpung liege nur bei einem Viertel, so Lotter. Industriepolitiker und Verbandsfunktionäre beanspruchen aber in Berlin 100 Prozent des Theaters, weil sie ihre Macht nicht aufgeben wollen und in dieser alten Welt ihre Erfüllung sehen. Es sei vollkommener Unsinn, wenn die Politik sich immer noch auf das mechanistisch Anfassbare kapriziert.

„Das beweist, dass der durchschnittliche deutsche Politiker ein Beamter ist, der von der Ökonomie und von der Praxis keine Ahnung hat”, so Lotter im ichsagmal-Interview.

Qualmende Schlote bringen der deutschen Wirtschaft gar nichts, auch keine Arbeitsplätze, da die Fertigungstiefe in den vergangenen Jahren nicht zugenommen hat und wohl auch in Zukunft nicht zunehmen wird. Exporte – Basar-Ökönomie – Robert Basic – Südkorea

Warum transportieren eigentlich Organisationen wie das Institut der deutschen Wirtschaft dann immer noch das Märchen von der heilsamen Wirkung der Re-Industrialisierung?

“Es gibt viele Institute und Direktoren, die eng mit dem industriellen Sektor verflochten sind. Insgesamt gibt es eine enge Verflechtung zwischen Industrie, Wirtschaftsinstituten und Politik. Man muss sich nur die Namensliste der Berliner Industrielobby anschauen. Teilweise sogar in Personalunion. Das spielt sich vor allem im roten und schwarzen Lager ab. Da wird jemand Politiker mit einer alt-industriellen Lackierung, der dann später zum Verbandschef aufsteigt, um seine Freunde im Industrielager weiter zu unterstützen”, sagt Lotter.

Die einseitig Industriesicht könnte sich rächen:

Mehr als drei Viertel der deutschen mittelständischen Unternehmen sehen zwar eine rasante digitale Transformation der Wirtschaft und erkennen, dass ihre eigene Wettbewerbsfähigkeit ohne zunehmende Digitalisierung bedroht ist. Aber nur bei jedem zweiten Unternehmen ist die Digitalisierung Bestandteil der eigenen Strategie. Für fast die Hälfte der Unternehmen spielt laut einer DZ Bank-Studie die Digitalisierung der Geschäftsprozesse derzeit noch gar keine oder nur eine geringe Rolle. Ich halte das sogar für eine konservative Einschätzung. Selbst deutsche Autokonzerne gehen recht lässig mit den Herausforderungen der digitalen Transformation um: So hat sich Daimler-Chef Dieter Zetsche in einem Interview zum Gerücht geäußert, Apple werde in das Automobilgeschäft einsteigen:

Zetsche

Das klingt nach einer Selbstsicherheit, die man auch als betriebsblinde Arroganz interpretieren könnte. Oder anders ausgedrückt: Die Geschäftserfolge der Vergangenheit wirken wie Denkfallen.

Es geht bei der Thematik allerdinsg nicht um “Software STATT Spoiler”, wie die Zeit titelte, sondern um Spoiler, Software UND Vernetzungsintelligenz.

Inhaltlich liegt der Zeit-Redakteur Götz Hamann allerdings richtig. Selbst die Perlen der deutschen Industrie – also Autokonzerne und Maschinenbauer – sind nicht mehr unangreifbar. Wenn Apple jetzt bis zu tausend Autoexperten einstellt, sollte das in München, Wolfsburg, Stuttgart und Ingolstadt nicht mit naserümpfender Arroganz beantwortet werden.

”Autos werden heute fast wie Handys und Computer gebaut. Man bestellt die Bauteile, besonders gern bei Continental, Bosch und ZF Friedrichshafen. Dann setzt man alles zusammen, wie es Volkswagen mit seinem Baukastenprinzip vormacht, und vermarktet das Auto. Die eigene Wertschöpfung liegt dadurch nur bei rund 25 Prozent”, so Hamann.

Warum sollte nicht auch Apple dazu in der Lage sein? Es geht nicht mehr um Ego-Produktion, sondern um Eco-Produktion, so das Credo von Winfried Felser vom Unternehmer-Portal Competence Site.

Google verlegt Glasfaserkabel, produziert Laptops, Tablets und Software, steigt in die Pharmaindustrie ein, experimentiert mit fliegenden Windturbinen zur Produktion von Ökostrom, bringt die Robotik in der industriellen Produktion auf ein höheres Level, engagiert die besten Genetiker, Hirnforscher, Elektrotechniker, Maschinenbau-Ingenieure (!) und Chemiker. Die Silicon-Valley-Giganten machen also auch vor dem Allerheiligsten in Deutschland nicht halt.

Wo ist der Industrie 4.0-Vorsprung nur geblieben?

Im April 2013 ging die so genannte Plattform Industrie 4.0 als Gemeinschaftsprojekt der Wirtschaftsverbände BITKOM, VDMA und ZVEI mit großen Erwartungen an den Start, um die Hightech-Strategie der Bundesregierung maßgeblich zu unterstützen. Die Initiative steht für die Anwendung des Internets der Dinge und der Dienste in industriellen Prozessen, in Produktion und Logistik, mit weitreichenden Konsequenzen für die Wertschöpfung, die Geschäftsmodelle sowie die nachgelagerten Dienstleistungen und die Arbeitsorganisation. Was die drei Verbände zustande gebracht haben, die immerhin rund 6000 Mitgliedsunternehmen der deutschen Spitzenindustrie repräsentieren, ist spärlich.

Die USA sind dabei, auch bei der vernetzten Industrie Trendsetter zu werden, warnt Franz Eduard Gruber, Gründer und Chef der Software-Firma Forcan, die sich auf die Steuerung von Maschinen spezialisiert hat. Die Amerikaner haben nach seinen Erfahrungen erkannt, dass die Standardisierung in der Kommunikation von Maschinen und Sensoren entscheiden ist.

„Wer den Standard definiert, der definiert, in welche Richtung der Weltmarkt künftig läuft“, so der ehemalige SAP-Manager auf einer Fachtagung des Hasso-Plattner-Instituts in Potsdam.

Die USA hätten mit dem offenen Standard MTConnect bereits Fakten geschaffen. Und dann folgt eine denkwürdige Replik.

Industrie 4.0

Das sei einer Gründe, warum die Plattform unter dem Dach des Bundeswirtschaftsministerium umorganisiert wird. Hat man das eigentlich bei der Gründung der Plattform nicht gewusst? In den vergangenen Tagen wurde jedenfalls deutlich, dass wir trotz hektischem Aktionismus von Kanzlerin Angela Merkel, Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Wissenschaftsministerin Johanna Wanka auch beim „Internet der Industrie“ den Wettbewerb mit den USA verlieren könnten.

So langsam werden wir zur verlängerten Werkbank, die sich auf die Veredelung von Produkten und Diensten zurückzieht. Wie viele unserer Projekte in der Grundlagenforschung, Patente und Ingenieurleistungen bringen wir zum Markterfolg? Welchen Stellenwert hat bei uns die Digitalisierung und die Konzentration auf Anwendungen, die bei Produkten immer entscheidender wird? Von der Heimvernetzung bis zur großspurig verkündeten Energiewende, die im Streit um das EEG gerade kräftig zerredet wird, verspielen für wichtige Themen, die eng mit der vernetzten Ökonomie zusammenhängen.

Umberto Eco

Genug Stoff für die Disputation beim Webmontag in Frankfurt. Soweit mein Vortrag.

Deutschland AG: Hedgefonds-Mentalität statt Gründergeist – Digitale Köpfe gesucht #Cebit15 #Mittelstandslounge

Innovationsstau-Buch

Die Wirtschaft benötigt einen neuen Gründergeist, so der Tenor der Netzökonomie-Campus-Runde in Bonn. Die Digitalisierung und das Social Web sollten genutzt werden, damit die Firmen in ihren Kernprozessen besser werden, fordert Marketing-Experte Michael Zachrau:

„Ich sehe die Chance, wo die Telekom zufällig auf Social Media gestoßen ist. Nämlich bei den Beschwerden. Funktioniert der Service im Call Center nicht mehr, entsteht auf Twitter zwar nicht gleich ein massiver Shitstorm, aber es gibt eine Vielzahl von Kunden, die ihren Missmut sofort netzöffentlich machen. Das sollte von Unternehmen nicht verteufelt, sondern als Chance gesehen werden.“

Wie könnte man mit den Mitteln des Netzes die Services und Produkte verbessern – ohne Marktgeschrei und ohne Leadgenerierung für dümmliche Online-Kampagnen? Schon beim Management von Ideen und Innovationen errichten die meisten Unternehmen in Deutschland Ziegelstein-Barrieren. Sie meiden den offenen Austausch mit Kunden und der interessierten Öffentlichkeit im Netz, bemängelt Innovationsberater Jürgen Stäudtner.

„Was bei uns in der Wirtschaft abläuft, hat wenig mit digital und social zu tun.“

Da regiert eher die Abschottung über Zertifizierungen und Patente. Wir laufen in eine agile Netzwerk-Ökonomie rein, wo es nicht ausreicht, irgendwelche Praktikanten zur Betreuung der Facebook-Seite abzustellen, meint Winfried Felser von der Unternehmer-Plattform Competence Site.

Mit der Brechstange Gewinne maximieren, ohne Neues zu schaffen

„Die Transformation, die wir jetzt erleben, ist viel fundamentaler. Es geht um smarte Services und Produkte, um die schnelle Allokation von Fähigkeiten, um nach außen und innen besser zu werden. Eine Digitalisierung, die nur eine simple Elektrifizierung ist und die Prozesse unverändert lässt, bringt überhaupt nichts. Wenn wir digital und social nutzen, um unsere Organisationen zukunftsfähiger zu machen, dann ist das perfekt. Am Schluss geht es darum, die Wertschöpfung zu verbessern“, so Felser.

Setzt man die Werkzeuge des Internets nur minimal-invasiv ein, passiert gar nichts. Dann endet das Ganze in Grabreden über Social Media.

Ob man die Entscheider der Wirtschaft jetzt im Social Web begeistern oder mit den Begriffen des Managements abholen sollte oder nicht, sei nach Ansicht von Stäudtner völlig irrelevant.

„Es ist an der Zeit, dass sich die Entscheider endlich selbst abholen. Wir leben seit über einer Dekade in Zeiten dramatischer Veränderungen und in Deutschland regiert noch das Biedermeier. In Unternehmen werden Führungskräfte befördert, die mit der Brechstange die Umsätze erhöhen sowie Gewinne maximieren und nicht jene, die nach vorne denken. Die Eigentümer von Unternehmen sind selber schuld, wenn ihre Manager die Zukunft im Gestern suchen. So sieht man die IT-Mitarbeiter eher als interne Dienstleister und nicht als Antreiber für neue Geschäftsmodelle. Sie sind den Finanzvorständen unterstellt und sollen Kosten reduzieren. Mehr nicht.“

Die Burgen-Erbauer

Das Grundproblem in Unternehmen sei das Silo-Denken, so der Kommunikationsberater Frank Michna:

„Jeder hat sich seine eigene Festung gebaut. Dadurch fehlt eine durchgängige Kommunikation in der Organisation. Da hat der ITler, der Marketing-Manager und der Vertriebschef seine Burg gebaut. Bevor es um die externen Dinge in sozialen Netzwerken geht, müssen Firmen erst einmal intern für Klarheit sorgen. Jeder verteidigt nur seine eigene Abteilung und egozentrischen Interessen. Mit dieser Unternehmenskultur schafft man nie den Schritt ins Digitale. Die führenden Köpfe versauern in dem Glauben, in den nächsten zehn Jahren mit den alten Führungsmethoden weiterarbeiten zu können.“

Mit diesem starren Scheuklappen-Denken sieht man nicht, wie links und rechts die technologischen Himmelsstürmer aus dem Silicon Valley an einem vorbeiziehen.

„Wenn Unternehmen nicht in die schwierige Entwicklung von wirklich Neuem investieren, dann werden sie bedeutungslos, egal welche Gewinne sie heute erzielen“, mahnt Paypal-Gründer Peter Thiel.

Was passiert, wenn wir unsere ererbten Unternehmen so lange weiter optimieren, bis wir sie restlos ausgeschöpft haben, fragt sich Thiel.

„So unglaublich es klingen mag, die Folge wäre eine schlimmere Krise als die des Jahres 2008. Die Best Practices von heute führen morgen in die Sackgasse.“

Dicke Kohle aber keine Innovationen

Aber genau unter diesem Syndrom leide die Deutschland AG, bemerkt Stäudtner. Ausführlich nachzulesen in seinem neuen Buch „Deutschland im Innovationsstau – Wie wir einen neuen Gründergeist erschaffen“.

Wutreden verdienen vor allem die Vermögenden:

„Die reichsten Deutschen haben ihr Vermögen geerbt oder konnten sich ins gemachte Nest begeben. Deutsches Geld ist also relativ altes Geld. Das hat massive Auswirkungen auf das Denken der Eigentümer der Firmen, der Investoren. Während gerade in Großbritannien und Amerika die Reichsten laufend Schlagzeilen mit gewagten Investitionen machen, herrscht bei uns Funkstille“, schreibt Stäudtner in seinem Opus.

Während in Großbritannien und Amerika die Reichsten laufend Schlagzeilen mit gewagten Investitionen machen, herrsche bei uns Funkstille.

„Wenige vermögende Deutsche investieren mutig. Dazu zählen die Tengelmann-Familie Haub sowie die Verleger-Familien Springer, Holtzbrinck und Burda. Ansonsten sind eher die Haniels typisch. Anfang des 19. Jahrhunderts wurden sie durch die Schwerindustrie des Ruhrgebiets vermögend. Heute hat das Familienunternehmen Franz Haniel & Cie. GmbH über 500 Gesellschafter und hält Beteiligungen an mehreren Hundert Unternehmen – die bekannteste Beteiligung ist der 30prozentige Anteil an der Metro AG. Wenn man was hört von der Familie, dann ist es Streit über Auszahlungen an die Gesellschafter oder Forderungen an die Beteiligungen. Die Familie ist rein finanziell orientiert. Visionen oder Leidenschaft sucht man hier vergebens. Im Prinzip agiert der Clan wie ein Hedge-Fonds. Die Eigentümer deutscher Unternehmen sind oft reiche Deutsche und der Staat. Viele deutsche Firmen sind oder waren deshalb im Würgegriff der Erben—Generation, die kurzfristig Erträge sehen will. Der Rest der Investoren kommt aus dem Ausland, aus Arabien und via Fondsgesellschaften aus Amerika.“

Die Deutschen seien stolz auf ihre technisch überlegenen Produkte – made in Germany. Wenig Platz bleibe für Ideen, Innovation und Leidenschaft.

„Erfolgreiche Innovatoren trauen sich Dinge zu tun, die sonst keiner tut. Sie brechen Regeln, stören Gewohnheiten“, weiß Stäudtner.

Eigentlich eine geniale Gelegenheit für einen neuen Gründergeist. Davon sind wir aber weit entfernt, wie Professor Tobias Kollmann in einem Beitrag für die Huffington Post analysiert:

„Laut Vodafone Institute Survey will kaum ein junger Deutscher seine Karriere in der Digitalen Wirtschaft machen oder etwa in einem zugehörigen Startup arbeiten. 33 Prozent der Deutschen im Alter zwischen 18 und 30 Jahren schließen eine Karriere in der Digitalen Wirtschaft für sich aus. Umgekehrt beantworten nur 13 Prozent der Befragten die Frage nach einem möglichen Berufseinstieg im digitalen Sektor mit einem eindeutigen Ja.“

70 Prozent der so genannten „Digital Natives“ könne sich zudem nicht vorstellen, für ein Startup zu arbeiten oder gar ein Unternehmen der Digitalen Wirtschaft zu gründen (77 Prozent).

„Das bedeutet, wir werden nicht nur kurzfristig, sondern auch mittel- und langfristig nicht über ausreichend ‚digitale Köpfe‘ als Manager für etablierte Unternehmen sowie Gründer für Startups verfügen“, so die ernüchternde Erkenntnis von Kollmann.

Wie man das ändern kann, diskutieren wir auf der Cebit vom 16. bis 20. März in vielen Vorträgen und Experten-Runden in Halle 5, Mittelstandslounge.

Da wird es auch einen Netzökonomie-Campus geben. Am Dienstag, 17. März 2015, von 12:20 bis 13:10 Uhr. Man hört und sieht sich in Hannover 🙂

Vom zweiten Netzökonomie-Campus gibt es übrigens eine verschriftete Version. Wer die Abschrift haben möchte, sollte sich bei mir per Mail melden: gunnareriksohn@gmail.com

Übrigens sind auch die Silicon Valley-Größen verwundbar. Man muss also nicht in Ehrfurcht erstarren: Umstrukturierung bei Google+: Riesengroß, aber wenig genutzt.

#Digitales Manifest statt Merkel-Blabla

Es hilft nichts, wir müssen selbst aktiver werden.

Es hilft nichts, wir müssen selbst aktiver werden.

Schon vor vier Jahren wollte Bundeskanzlerin Angela Merkel uns mit einem schnellen Internet von mindestens 50 Megabit pro Sekunde erfreuen und sprach auf IT-Gipfeln bereits von Visionen einer Gigabit-Gesellschaft. Über durchschnittlich 7 Megabit sind wir bislang nicht hinaus gekommen. Mit der „neuen“ Digitalen Agenda, die nur aus Absichtserklärungen besteht, wird sich das nicht ändern.

Es solle „darauf hingewirkt werden, die europäischen wie nationalen Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass sich Investitionen auch im ländlichen Raum lohnen“. Der Bund wolle sich beim EU-Kommissar für eine Rahmenregelung einsetzen, die den Breitbandausbau „in unbürokratischer, technologieneutraler und wettbewerbsfreundlicher Weise ermöglicht“. Alles wieder leere Absichtserklärungen, die im ministerialbürokratischen Moloch zu Tode verwaltet werden, auch wenn sich Innenminister Thomas de Maizière, Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Verkehrsminister Alexander Dobrindt auf einen Minimalkonsens geeinigt haben.

Keinen einzigen Cent macht der Bund locker, um Deutschland eine zukunftsfähige Daten-Infrastruktur zu spendieren. Entsprechend groß ist das Erstaunen und Erschrecken bei den Experten von Wirtschaft, Gesellschaft und Politik.

Rahmenbedingungen vergraben keine Kabel

Wenn Politiker von Rahmenbedingungen plaudern, sei das ein politischer Code für „kein Geld, nur Gesetze“, so Sascha Lobo. Rahmenbedingungen vergraben eben keine Kabel. Verwundern könne das nicht. „Ein Megabit reiche doch“, das habe Lobo noch beim IT-Gipfel 2011 von Mitarbeitern des federführenden Wirtschaftsministeriums gehört. In Südkorea bastelten sie da schon am Sprung zu 100-Megabit-Leitungen, um den Wandel zur Netzökonomie voranzutreiben.

Den Hauptgrund, warum wir uns die digitale Rückständigkeit nicht leisten können, hat Lobo simpel zusammengefasst:

„Es gibt zwei Arten von Unternehmen: diejenigen, deren Geschäft sich durch die Datenökonomie verändert. Und diejenigen, die noch nicht wissen, dass ihr Geschäft sich durch die Datenökonomie verändert.“

Und das liegt nicht an den Marketing-Ausgaben für irgendwelche Facebook-Präsenzen oder Investitionen für die Suchmaschinen-Optimierung. Vielmehr greife die digitale Vernetzung tiefer, als man zunächst vermuten würde, in die Geschäftsmodelle fast aller Branchen ein.

Betriebssysteme auf klingonisch

Habe man vor rund zehn Jahren Jugendliche gefragt, welches Handy sie haben, war ihre Antwort vermutlich: „Ein Nokia.“ Heute sagen sie: „Ein Android.“ „Der Unterschied? Beim ersten war das entscheidende Kriterium die Hardware, beim zweiten ist es die Software. Und zwar die vernetzte Software. Genau dafür braucht man überall schnelles Netz. Vernetzte Software dringe via Schlagworte wie „Cloud“, „Big Data“ und „Business Intelligence“ in alle möglichen Bereiche der Wirtschaft ein, von Medien bis Medizin, von Mobilität bis Maschinenbau, von Marketing bis Finanzwirtschaft, schreibt Lobo. Die Verschiebung von der Hardware zur Software zur vernetzten Software sei die entscheidende Entwicklung der nächsten Jahre. Und wie viele Internetkonzerne sind im DAX noch mal gelistet, um auf diesem Feld Akzente zu setzen? Null, nischta, nix. Was ist die Folge?

„VW, BMW, Mercedes schließen Verträge mit — Überraschung! — Apple und Google. Es lässt sich der Zeitpunkt absehen, wo diese Allianzen umschlagen können wie einst die Allianz zwischen IBM und Microsoft“, bemerkt Lobo.

15 Jahre später verabschiedete sich IBM aus dem Geschäft mit Personal-Computern und Microsoft war der größte Tech-Konzern der Welt. Jetzt zählen Apple und Google zu den wichtigsten Digitalkonzernen und werden sich sicherlich nicht von den vollmundigen Industrie-4.0-Gesängen der Wirtschaftslobbyisten in Deutschland beeindrucken lassen. Die Software unserer Autohersteller, die im PKW immer relevanter wird, sei niemanden zuzumuten, meint Sascha Lobo.

Warum habe VW vermutlich die besten Sowieso-Einspritzer der Welt, aber die Spracherkennung wirkt wie auf klingonisch programmiert? Und die Bedienkonzepte der Touchscreens deutscher Autos fühlten sich an wie Geldautomaten der 90er-Jahre. Was wir vom Smartphone gewöhnt sind, verlangen wir auch bei allen anderen Produkten.

De Maizière macht den Morozov

Wer das anprangert, wird vom prosafreudigen Innenminister in die Kategorie naiver Techno-Optimist eingetütet. Eine Typologisierung, die sich der liebwerteste Sicherheits-Gichtling für einen „FAZ“-Gastbeitrag bei der Dauersirene Evgeny Morozov ausgeliehen hat. Morozov verortet drei Personengruppen bei der Bewertung des digitalen Wandels: die Techno-Pessimisten, die Techno-Optimisten sowie die Techno-Agnostiker. Intellektuelle Sandkastenspielchen ohne empirische Unterfütterung. Einfach mal so hingeschrieben, um irgendwie die Naivlinge des Silicon Valley anzupinkeln.

Maizière schwingt die Morozov-Keule gleich in Richtung der gesamten „Netzgemeinde“, um die niederschmetternde Kritik an der Netzpolitik seiner Regierung mit Teflonpfannen-Rhetorik abzuwehren. Dennoch wolle er das schnellste und sicherste Netz in Deutschland schaffen. Wie im Koalitionsvertrag der GroKo schreibt der Innenminister viel über Sicherheit und wenig über die Modernisierung der digitalen Infrastruktur. Irgendwann habe ich aufgehört, im „FAZ“-Beitrag die Häufigkeit des Wortes „Schutz“ zu zählen.

Je gravierender die Risiken, desto höher müssten die Anforderungen an Schutzvorkehrungen sein. Auf freiwilliger Basis bestehende Angebote und Initiativen in Anspruch zu nehmen reicht hier nicht mehr aus! Der Staat müsse deshalb „Sicherheitsgurte für die IT der kritischen Infrastrukturen“ einführen. Wird dann ein Melderegister eingeführt? Schafft man eine Cyber-Polizei, um Verstöße gegen die Meldepflicht aufzuspüren? Und bestimmt ist schon ein umfassender Bußgeld-Katalog in Arbeit, um den Ungehorsam bei der Meldepflicht zu ahnden. Das klingt nicht nach digitalen Visionen, sondern nach der Notwendigkeit eines Sondereinsatz-Kommandos, um das Überleben im Cyber-Krieg zu sichern. So wird das nichts mit der digitalen Kompetenz, Herr Minister. Bitte sagen Sie das Ihren Redeschreibern.

Größtmöglicher Unfug

Was soll man mit solchen Formulierungen anfangen?

„Wir wissen, dass wir beim Thema ‚IT-Sicherheit‘ verstärkt global denken müssen. Die Basis hierfür ist ein entschlossenes nationales Handeln Deutschlands. Die IT-Systeme und digitalen Infrastrukturen Deutschlands sollen die sichersten weltweit werden. Mit dem IT-Sicherheitsgesetz wollen wir international Vorreiter und Vorbild für die Entwicklung in anderen Ländern sein und so nicht zuletzt auch die deutschen IT-Sicherheitsunternehmen stärken und ihnen verbesserte Exportchancen eröffnen“, heißt es seitens der Bundesregierung.

Das sei der größtmögliche Unfug, moniert Innovationsberater Jürgen Stäudtner: „Das Beispiel der De.Mail oder der elektronischen Patientenkarte zeigt, dass nur bürokratische, industriefreundliche Ungeheuer entstehen, die sich eben nicht durchsetzen“, so der Cridon-Geschäftsführer. Ist das nun ein Ausfluss von naivem Techno-Optimismus, den da ein Praktiker der Wirtschaft artikuliert? Oder das kritische Urteil von Personalmanager Thomas Sattelberger über die IT-Expertise in Deutschland: „Die USA sind das Digital House der Welt geworden und China das Maschinenhaus der Welt. Damit ist Deutschland im Sandwich zwischen digitaler Innovation und effizienter Produktion aus Asien. Zugleich entwickeln sich neue Felder wie IT, Biotech und Big-Data-Management in dramatischer Geschwindigkeit. Hier spielt Deutschland kaum eine Rolle.“ Auch nur naive Techno-Optimisten oder Techno-Agnostiker?

Die digitalen Naivlinge sitzen wohl eher am Kabinettstisch von Neuland-Kanzlerin Merkel. Diese Bemerkung sei mir gestattet, wo doch der Innenminister so gerne klassifiziert. Wir wollen das ändern und verschrotten deshalb die Agenda der Bundesregierung.

Wir schreiben ein digitales Manifest und hoffen auf Eure Mithilfe. Mitmachen und weitersagen.

Lahmes Internet macht Angst – Breitband-Pläne von Dobrindt sind unzureichend

Unternehmer Dehler fordert mehr Engagement des Staates für schnelles Internet

Unternehmer Dehler fordert mehr Engagement des Staates für schnelles Internet

Wer sagt denn, dass wir für das Fernsehen noch FERNSEHSENDER brauchen, so die provokative Frage von Richard Gutjahr beim NRW-Journalistentag in Dortmund. „Warum nicht direkt vom Produzenten kaufen. Viele preisgekrönte Filme und Serien kommen von einer Videothek namens Netflix oder von Amazon. Selbst Microsoft dreht gerade eine große Serie mit Steven Spielberg. Ich mache mir ein bisschen Sorgen um das Konzept Fernsehsender“, frotzelt der TV-Journalist und Blogger. Gemeint ist der Abschied vom linearen TV-Programm. Heute geht alles mehr oder weniger bequem über Video on demand. Man schaut sich nur dann Filme an, wenn man es möchte. TV-Programme oder gar TV-Zeitschriften werden obsolet. Theoretisch. Man braucht irgendwie einen Internet-Anschluss mit einer Standardqualität von drei Megabit pro Sekunde.

Die zerfressende Breitband-Deutschlandkarte

Für hochauflösende HD-Filme sind sechs bis 16 Megabit vonnöten. Eigentlich keine so große Herausforderung für die TV-Kunden, wo doch die Bundesregierung behauptet, dass wir in Deutschland eine fast 100-prozentige Grundabdeckung mit 10 Megabit pro Sekunde erreicht haben. Was die Merkel-Regierung in ihre Digitale Agenda reingeschrieben hat, ist in der Realität aber nicht vorhanden, moniert der GFT-Geschäftsführer Thomas Dehler bei einer IT-Fachveranstaltung im brandenburgischen Herzberg:

„Netflix hat jüngst eine Deutschlandkarte gezeigt, wo man Video on demand reibungslos empfangen kann. Diese Karte ist zerfressen von nicht vorhandener Breitbandigkeit.“

Wenn er sich als Unternehmer das deutsche Internet anschaut, bekommt Dehler Angst. Und dabei geht es nicht um die fehlende Möglichkeit, populäre Serien wie „House of Cards“ mit dem Oscar-Gewinner Kevin Spacey zu genießen.

Keine neuen Arbeitsplätze ohne schnelles Internet

Die mittelmäßige Netzinfrastruktur außerhalb der Ballungszentren führt zu negativen Arbeitsmarkteffekten.

„Da ändern auch die Pläne von Internetminister Dobrindt, die auf dem Handelskongress in Berlin vorgetragen wurden, überhaupt nichts. Die so genannte Netzallianz wird es jedenfalls aus eigener Kraft nicht stemmen können, in den nächsten Jahren auf eine flächendeckende Breitbandversorgung von 50 Megabit zu kommen. Hier sind Investitionen des Staates vonnöten“, fordert Dehler.

Besonders bitter ist die digitale Rückständigkeit für strukturschwache Gebiete, die junge Talente an Städte wie Köln, Berlin, München oder Hamburg verlieren. Zwischen 2002, dem Jahr des Bevölkerungshöchststandes, und 2008 haben 202 von 413 Landkreisen und kreisfreien Städten mehr als ein Prozent ihrer Einwohner verloren. Wo die Lebensbedingungen schwierig sind, wo es an innovativen Betrieben und gut bezahlten Jobs mangelt, verschärft sich meist auch die demografische Lage.

„Wir verlieren rund 20 Prozent unserer Leistung, weil wir Bewerber für dezentrale Arbeit in unserem Pilotprojekt im Elbe-Elster-Kreis nicht einstellen können – aus technischen Gründen“, sagt Dehler bei der Präsentation einer Studie über die Notwendigkeit von neuen Arbeitskonzepten für ländliche Regionen. „In einer hoch entwickelten Volkswirtschaft wie Deutschland darf es so etwas nicht geben. Die Nichtverfügbarkeit von schnellem Internet wirkt diskriminierend“, kritisiert Dehler.

Neue Arbeitskonzepte gegen Abwanderung und Überalterung

Dabei zählt besonders in strukturschwachen Regionen wie dem Elbe-Elster-Kreis jeder neu geschaffene sozialversicherungspflichtige Arbeitsplatz, betont Marion Richter, Geschäftsführerin operativ der Agentur für Arbeit Cottbus. Die Abwanderung und Überalterung könne nur mit neuen Arbeitskonzepten gestoppt werden. „Wenn noch mehr Menschen die Region verlassen, können wir irgendwann zuschließen. Wir wissen gar nicht mehr, wie wir unsere alten Menschen betreuen sollen. Wir würden hier praktisch aussterben.“

Teilweise gehen schon ganze Ortschaften auf die Barrikaden, weil es keine vernünftige technische Anbindung gibt und Arbeitsplätze abwandern. Dieser Tatbestand sei schon sehr traurig, erklärt Gabriele Knütter, eine Mitarbeiterin der ersten Stunde in dem Elbe-Elster-Modellprojekt für dezentrale Arbeit.

Statt sich jährlich beim IT-Altherren-Gipfeln gegenseitig auf die Schulter zu klopfen, sollten vor allem jene Minister, die für die Digitale Agenda der Bundesregierung verantwortlich sind, die Kommunen im Umland von Berlin besuchen. Auf solchen Reisen kann man seinen Horizont erweitern. Die liebwertesten Gichtlinge des Merkel-Kabinetts könnten das gut gebrauchen.

Vernetzte Ökonomie betrifft alle – Wissenschaft, Wirtschaft und Politik versagen bei der digitalen Transformation

Netzökonomischer Käsekuchen-Diskurs in Bonn

Netzökonomischer Käsekuchen-Diskurs in Bonn

Telekom-Chef Tim Höttges weint sich wieder mal in einem Zeitungsinterview die Augen aus, weil der böse Internetkonzern Google so mächtig ist.

„Kein anderes Unternehmen in der Welt sammelt so viele Daten. Und kein anderes Unternehmen der Welt verwertet sie so gewinnbringend“, moniert der Netzbetreiber-Boss gegenüber der Süddeutschen Zeitung.

Das sorge für „erhebliche Wettbewerbsverzerrungen“. Höttges rügt insbesondere den Umgang mit Daten durch Google.

Für Google würden andere Regeln als für die Telekom gelten, die sich an deutsche Datenschutzgesetze halte. Entsprechend müssen jetzt wohl EU, Bundesregierung, NATO, UNO, Polizei oder Feuerwehr aktiv werden, um den Mountain View-Laden endlich zu regulieren oder gar zu zerschlagen. Um Datenschutz geht es den Telekomikern aber gar nicht. Die liebwertesten Gichtlinge der alten Wirtschaftswelt fürchten sich vor dem digitalen Tsunami, der selbst vor Handwerkern der Gas-Wasser-Scheisse-Branche nicht halt macht. Google und Co. drängen in altehrwürdige Industrien ein mit einer Netzlogik, die für die Wirtschaftskapitäne der Deutschland AG als Bedrohung empfunden wird. Und ihre Abwehrreaktionen folgen dem Lehrbuch des Ökonomen Joseph Schumpeter.

Die Klagen des Routineunternehmers

Das Eindringen von Neulingen in bestehende Branchen würde stets Kämpfe mit der alten Sphäre nach sich ziehen. Die Altvorderen seien bestrebt, den Vorteil, den eine neue Firma durch eine Innovation erlangt, zu verbieten, zu diskreditieren oder auf andere Weise zu beschränken. Was immer dabei auch im Einzelfall geschehe, so Schumpeter, sei der hohe Gewinn jedes Unternehmers stets vergänglich, denn Konkurrenten würden Neuerungen kopieren und damit ein Sinken des Marktpreises bewirken. Der Routine-Unternehmer agiert machtpolitisch und schreit am Ende nach Vater Staat, um seine Pfründe in Sicherheit zu bringen. In Wahrheit ist der Telekom-Boss doch nur sauer auf Google, weil der Suchmaschinen-Gigant seine Dienste kostenlos anbietet, über Werbung gegenfinanziert und damit satte Gewinne einfährt. Etwa Videotelefonie, Livestreaming via Hangout on Air oder Services für Kurznachrichten. Machtvoll ist Google wegen seiner Größe bei der Skalierung seiner Angebote. Selbst vor Bau von Glasfaser-Leitungen schreckt der amerikanische Konzern nicht zurück, um Länder so schnell wie möglich auf eine neue Stufe der Digitalisierung zu heben. Höttges gehört noch der industriellen Glaubenskongregation an, die davon ausgeht, dass die Silicon Valley-Angreifer bei Hardware scheitern werden.

Das mephistophelische Google kann auch Glasfaser

„Wir können Netz besser“, lautet die Parole des Bonner Netzbetreibers. Höttges erwartet nicht, dass Google in Europa Netze bauen werde. Das könnte auch so ein Satz werden, der in die Annalen der technologischen Fehleinschätzungen eingeht. Wenn Deutschland nicht in der Lage für Infrastruktur-Investitionen für schnelles Internet ist, kommt eben eine Lösung von Übersee. Vielleicht nicht über Glasfaser, sondern mobil via Stratosphäre. Die Einen buddeln weiterhin Kabelschächte und die Anderen verdienen noch mehr Geld.

Da helfen Schutzgesetze und Klagemauer-Reden nicht weiter. Was viele liebwerteste Gichtlinge in Politik und Wirtschaft immer noch nicht begriffen haben, sind die volkswirtschaftlichen Effekte der vernetzten Ökonomie, die sich nicht auf das Teilen von Katzenbildern im Social Web reduzieren lassen.

ichsagmal.com-Bibliotheksgespräche

ichsagmal.com-Bibliotheksgespräche

Beim ersten Bonner Netzökonomie-Campus, der in meiner Bibliothek stattfand und über den mephistophelischen Umsonst-Dienst Hangout on Air übertragen wurde, kritisierten die Experten unisono die alten Rezepturen, die selbst hoch qualifizierte Politikberater wie DIW-Chef Marcel Fratzscher dem politischen Führungspersonal in Berlin vorbeten.

Star-Ökonomen ohne digitale Expertise

Im neuen Fratzscher-Opus „Die Deutschland-Ilussion – Warum wir unsere Wirtschaft überschätzen und Europa brauchen“ tauchen eine Vielzahl von klugen Analysen über den brüchigen Status quo der deutschen Wettbewerbsfähigkeit auf. Schaut man im Register unter D wie Digitalisierung oder I wie Internet oder Informationstechnologie nach, findet man nur gähnende Leere.

Der DIW-Chef empfiehlt stattdessen in alter keynesianischer Machart mehr staatliche Investitionen, um etwa dem Verfall von Straßen entgegen zu wirken. Das ist recht erbärmlich für einen „Star-Ökonomen“, der sich zum wichtigsten Stichwortgeber von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hoch gearbeitet hat. Deshalb brachte ich bei der Vorstellungsrunde unserer netzökonomischen Käsekuchen-Diskussion auch als Hashtag „Schumpeter-statt-Keynes“ ins Spiel. Schumpeter warf bekanntlich Keynes und seinen Aposteln vor, das wirtschaftliche Geschehen nur in Aggregaten zu denken und die Rolle von Innovationen sowie unternehmerischen Einzelentscheidungen auszublenden. Makroökonomen seien blind für die Auswirkungen von neuen Technologien und Geschäftsmodellen.

Verpuffender Keynesianismus in neuen Schläuchen

Entsprechend profan fallen die Empfehlungen der volkswirtschaftlich ausgebildeten Politikflüsterer aus. Was Fratzscher und Co. vortragen, ist alter Keynesianismus in neuen Schläuchen: Mehr Staatsausgaben, geldpolitische Globalsteuerung, Industrieförderung, ein wenig mehr bauen und schon läuft die Konjunktur:

„Man kann nicht mit altem Denken in neuen Welten erfolgreich sein. Da ich mich als Wirtschaftshistoriker mit dem Strukturwandel in den vergangenen drei Jahrhundert beschäftigt habe, weiß ich, dass wir andere Methoden und Kompetenzen brauchen“, fordert Wirtschaftsprofessor Klemens Skibicki beim Netzökonomie-Campus.

Das Internet bewirke die größte Senkung der Transaktionskosten, die wir je erlebt oder historisch erforscht haben. Die wirtschaftspolitischen Empfehlungen, die in Berlin und anderswo verlautet werden, seien verpuffender Keynesianismus.

Im Vergleich mit der Merkel-Regierung ist Elmar Weiler, Dekan der Ruhr-Universität in Bochum, in seinen Erkenntnissen schon viel weiter. Er treibt die notwendige Neuerfindung seiner Stadt unter dem Stichwort Bochum 4.0 voran.

„Bochum 1.0 dokumentiert die Zeit, als man Kohle aus der Erde holte, bis keine mehr da war. Allen sei klar gewesen, dass sich die Lagerstätten erschöpfen würden. Dann hat man angefangen, einen Hightech-Werkstoff zu entwickeln – nämlich Stahl. Da brauchte man nicht nur Eisenerz, sondern auch sehr viel Wissenschaft, um etwa rostfreien Stahl herzustellen. Das war Bochum 2.0. Von der Kohle über den Stahl geht die Erfolgsgeschichte weiter zu Fabriken, in denen Hochleistungsmaschinen gefertigt wurden wie Autos und Handys. Diese Zeit geht jetzt auch zu Ende. Also Bochum 3.0″, sagt Weiler.

Jetzt folgt die Phase 4.0:

„Es bricht eine neue Zeit an, die weniger geprägt sein wird von großen Industriewerken”, meint Weiler – auch wenn das viele Industrielobbyisten immer noch nicht ganz wahrhaben wollen.

Der Uni-Rektor ist fest davon überzeugt, dass das in der Region der Vergangenheit angehört.

Relevanter werden Mittelstand und innovative Unternehmen, die sich besser vernetzen müssen bei der Erzeugung von lokalen Wertschöpfungsketten. Es gehe dabei um die Vernetzung von allem. Also Kultur, Sport, Wissenschaft, Wirtschaft und das Engagement der Bürgerschaft. Was Professor Weiler in wenigen Worten skizziert hat, sollte sich die Große Koalition in Berlin hinter die Ohren schreiben.

Wie überzeugt man Zukunftsverweigerer?

Was mit Bochum 4.0 umschrieben und angestoßen wird, ist für den theologisch fundierten Informatiker Winfried Felser ein richtiger Schritt, um die Zukunftsverweigerer der überkommenen Ökonomie abzuholen. Das erreiche man nicht mit Begriffen wie „digitale Wirtschaft“ oder mit Konferenzen wie die re:publica in Berlin. Letzteres würden die Altvorderen als spleeniges Internet-Getöse von esoterischen Nerds abtun. Es müsse Maßnahmen geben, die auch IHK-Mitglieder, inhabergeführte Unternehmen und Konzernchefs erreichen, empfiehlt Netskill-Geschäftsführer Felser beim netzökonomischen Diskurs in der rheinischen Beethoven-Metropole. Jeder Handwerker, jeder Heizungsbauer und jeder Hersteller sollte sich die Frage stellen, ob er morgen noch mit seinem Geschäftsmodell erfolgreich sein kann. Etwa bei der Wartung von vernetzten Heizungen, die digital überwacht und gewartet werden. Da ist ein Systemingenieur gefragt und nicht mehr der klassisch ausgebildete Installateur – vom Schornsteinfeger mal ganz schweigen.

Die Querschnittsfunktion der Netzökonomie

Das Wort „Netzökonomie“ unterstreicht, dass die Digitalisierung und Vernetzung den Querschnitt aller Wirtschaftstätigkeiten betrifft. Mit Furcht, die sich durch Medien, Politik, Wirtschaft und Universitäten zieht, sei die digitale Transformation nicht zu bewerkstelligen, ergänzt Skibicki.

„Was sich im Ruhrgebiet beim Niedergang von Stahl, Kohle und industrieller Massenfertigung abspielt, gilt für ganz Deutschland. Leider beteiligen sich Politik und Verwaltung an diesem Prozess nicht. In anderen Ländern ist man da schon sehr viel weiter“, weiß Kommunikationsberater Frank Michna.

Die Digitalisierung aller Lebensbereiche hängt eng mit der steigenden Leistungsfähigkeit der Mikroprozessoren zusammen:

„Das bekommen dann irgendwann auch Busfahrer und sogar Piloten zu spüren, die von intelligenter Steuerungstechnologie ersetzt werden“, sagt Innovationsexperte Jürgen Stäudtner vom Beratungshaus Cridon.

International werde nur die industrielle Expertise gesehen. Wir sollten schleunigst damit beginnen, dieses Wissen mit digitaler Kompetenz aufzuladen.

Der Dreiklang mobiles Internet, Social Web und Industrie 4.0 betrifft alle. Netzökonomie sei daher kein Thema für außerirdische Aliens, sondern gehört auf die Tagesordnung von BDI und Co., so das Credo des Kommunikationswissenschaftlers Jonas Sachtleber, der für die studentische Unternehmensberatung Oscar tätig ist.

Wirtschaftswissenschaft und Wirtschaftspolitik liefern in Deutschland für die digitale Transformation bislang weder Modelle, Methoden noch Metaphern.

Mit dem Netzökonomie-Campus möchte ich das über Tagungen, Studien, E-Books, Workshops, Barcamps, virtuellen Expertenrunden via Hangout on Air ändern. Vielleicht habt Ihr ja Zeit und Interesse, um mitzumachen.

Digitale Debatten im Land der Industrie-Lobbyisten, Ingenieure und Baggerfahrer

Industriemuseum Deutschland

Industriemuseum Deutschland

Wirtschaftswoche-Chefreporter Dieter Schnaas teilt die aufgeladene Debatte über die Deutungshoheit der Share Economy in zwei Lager auf. Da sei die Graswurzel-Bewegung, ursprünglich ausgehend von Trendforschern, grünen Nachhaltigkeitsfreunden und netzromantisch bewegten Piraten, die im Teilen von Files und Creative Commons das bessere Haben erblicken; die von Zugang, Teilhabe, Mitsprache, Transparenz und Emanzipation schwärmen. Dann gibt es die Deregulierungsapologeten der alten Schule, die sich von Internet-Plattformen wie „Uber“ und „Airbnb“ frischen Innovationswind versprechen. Sie freuen sich über den Angriff auf verkrustete Strukturen sowie bürokratisierte Traditionen und sehnen sich im Namen des Wettbewerbs den Todesstoß für das zünftische Denken und den Verbotsstaat herbei.

„Sie feiern die Freiheit des Smartphone-Konsumenten und die Freiheit der Jungunternehmer, die alte Regeln brechen und Geschäftsmodelle zerstören: Schumpeter lebe hoch“, so Schnaas.

Nutzen statt besitzen ist nicht naiv

Die Vorstellung, das das „Habenwollen“ an Bedeutung verlieren könne, nur weil gestreamte Musik und Filme fast nichts mehr kosten, ist nach seiner Auffassung genauso naiv wie die Vorstellung, dass das Internet ein machtfreier Bezirk sein kann, eine Infrastruktur unter anderen, ähnlich dem Straßen- oder Schienennetz. So ganz falsch ist die Beschreibung der verschiedenen Lager nicht, die sich unversöhnlich gegenüberstehen. So ganz richtig aber auch nicht. Was Schnaas unabhängig von seiner ideologischen Sortierung als naiv abtut, ist volkswirtschaftlich ein zentraler Effekt der Digitalisierung: Die Anwendung und der Nutzen von Produkten werden wichtiger als der Besitz, was die liebwertesten Industrie-Gichtlinge im Land der Forscher, Ingenieure und Baggerfahrer nicht so ganz wahrhaben wollen.

Zugang mit sinkenden Grenzkosten

Das ganze Szenario spielt sich bei drastisch sinkenden Transaktions- und Grenzkosten ab. „Zugang vor Besitz“, wie es der Internet-Vordenker Jeremy Rifkin in seinem zugespitzten Opus „Die Null-Grenzkosten-Gesellschaft“ breitet sich auf alle Bereiche der Ökonomie aus, fernab von altruistischen oder neoliberalen Sandkasten-Spielchen. Selbst weltweit operierende Unternehmen reagieren auf den Wechsel von Eigentum auf Zugang, indem sie sich stärker als so genannte „Solution Provider“ positionieren – als Anbieter von Komplett-Lösungen. Was wir erleben und endlich ohne Wehklagen zur Kenntnis nehmen sollten, so Professor Peter Wippermann vom Hamburger Trendbüro, ist die Auflösung von Normen der Industriekultur. Es geht um die Individualisierung des Konsums. Anbieter können sich nicht mehr hinter Industrielobbyisten, Schutzrechten, Meisterbriefen und Innungen verstecken, sondern müssen sich stärker auf die individuellen Präferenzen der Konsumenten ausrichten.

Handelskonzerne werden entmachtet

Globale oder regionale Plattformen ermöglichen es jedem Einzelnen, Kontakte zu Anbietern aufzunehmen, die früher nicht möglich waren, betont Wippermann im ichsagmal.com-Interview.

Über mobile Applikationen bekommt man Auswahlsysteme, um selber mit Knopfdruck Konsumentscheidungen zu treffen, ohne staatliche Vorgaben und Platzhirsch-Gebaren von Dienstleistern und Produzenten. Globale und lokale Plattformen bauen Hierarchien ab, die normalerweise von Händlern und Produzenten gehegt und gepflegt werden. Deshalb geht die Kritik am Plattform-Kapitalismus, der mächtige Meta-Händler hervorbringt, wie es Sascha Lobo in seiner Spiegel-Kolumne skizziert, an der Realität vorbei. Wir erleben tatsächlich ein Ende der klassischen Mittelsmänner, die über Preisdiktate ihre Dominanz zelebrierten. Beispielsweise die fünf großen Handelskonzerne in Deutschland, die 80 Prozent des Marktes beherrschen und mit ihrer Einkaufsmacht nach belieben in den Herbstgesprächen Produzenten knechten.

Uber, eBay, Amazon und lokale Netzwerke sind nach Ansicht des Kölner Wirtschaftshistorikers Klemens Skibicki in erster Linie perfekte Matching-Plattformen, um Anbieter und potenzielle Käufer in Verbindung zu bringen. Bei den globalen Plattformen besteht das erste Mal auch für kleine Manufakturen und Dienstleister die Möglichkeit, weltweit die eigenen Produkte zu vermarkten und direkt mit Kunden in Kontakt zu treten. Mit den Handelskonzernen war dies nicht möglich.

Ökonomische Debatte ohne ökonomisches Wissen

Was wir im Streit um die Share Economy erleben, sei eher eine Vulgarisierung der ökonomischen Debatte, kritisiert Skibicki, Professor für Economics, Marketing und Marktforschung an der Cologne Business School. Man argumentiere mit Kampfformeln aber nicht mit volkswirtschaftlichen Kenntnissen. Etwa bei Begriffen wie Dumping-Preisen oder Dumping-Löhnen oder der von Sascha Lobo beschriebenen Dumping-Hölle, die uns die Netz-Plattformen bescheren.

„Dumping bedeutet, dass ich unterhalb meiner Kosten anbiete, um Konkurrenten zu verdrängen. Das kann man in jedem VWL-Lexikon nachschlagen.“

In Wahrheit gehe es um die Senkung der Transaktionskosten.

„Anbieter und Nachfrager können sich so einfach finden wie nie zuvor. Viele Zwischeninstanzen sind nicht mehr nötig“, sagt Skibicki.

Selbst in der Autoindustrie hätten das viele Unternehmen verstanden und investieren ins Car Sharing. Sie sehen sich immer weniger als Automobilhersteller, sondern mehr als Transportunternehmer oder Dienstleister für Mobilität.

Wer nicht clever ist, den fressen Uber und Co.

Viele andere Branchen seien nicht so clever, um sich aus eigenen Antrieb zu reformieren. Genau in diese Lücke würden dann aggressive Neulinge wie Uber und Airbnb stoßen. Statt uns in weiteren industriepolitisch motivierten Abwehrschlachten die Zeit zu verplempern, sollten wir in Deutschland ordnungspolitische Akzente setzen, um uns von den Anachronismen der untergegangenen Industriewirtschaft zu befreien, wie es der Wirtschaftshistoriker Werner Abelshauser in seinem Standardwerk “Deutsche Wirtschaftsgeschichte seit 1945″ ausdrückt. Wo sind klare Konzepte für einen institutionellen Rahmen zu erkennen, um uns auf die Bedürfnisse der nachindustriellen Ära auszurichten? Weder die wirtschaftlichen Eliten noch die öffentliche Meinung waren und sind sich der Realität bewusst, „dass schon Anfang der sechziger Jahre selbst bei stark rohstofforientierten Produzenten, wie der deutschen Großchemie, bis zu zwei Drittel der Wertschöpfung auf der Fähigkeit zur Anwendung von wissenschaftlich basierter Stoffumwandlungsprozesse beruhte”, schreibt Abelshauser in der erweiterten Auflage seines Opus.

Seit den neunziger Jahren sind mehr als 75 Prozent der Erwerbstätigen und ein ebenso hoher Prozentsatz der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung durch immaterielle und nachindustrielle Produktion entstanden. Die innere Uhr der politischen Entscheider ist immer noch auf die industrielle Produktion gepolt. Man merkt es an der wenig ambitionierten Digitalen Agenda der Bundesregierung, man erkennt es an den lausigen Akzenten, die in der Bildungspolitik gesetzt werden und man hört es bei den Sonntagsreden der Politiker, wenn es um Firmenansiedlungen geht. Es gibt keine Konzeption für eine vernetzte Ökonomie jenseits der industriellen Massenfertigung aus den Zeiten des Fordismus. Die Aufregung über die Share Economy ist wohl eher der Ausfluss des alten Denkens in industriekapitalistischen Kategorien, wo Anbieter und nicht Kunden Taktgeber der Volkswirtschaft waren.

Zuerst erschienen im Debattenmagazin „The European“.

Zur digitalen Kompetenz der Bundespolitik: Bundesregierung erklärt Skype.

Siehe auch:

Kunden lieben Bewertungsportale, Unternehmen mögen sie weniger.

Altehrwürdigen Musikern steht ihre Nostalgie im Weg.

Deutsche Betriebssysteme auf klingonisch programmiert: Warum die #DigitaleAgenda nach „Nichthandeln“ klingt

Scotty von Klingonen nass gemacht

Scotty von Klingonen nass gemacht

Schon vor vier Jahren wollte Bundeskanzlerin Angela Merkel Deutschland mit einem schnellen Internet von mindestens 50 Megabit pro Sekunde erfreuen und sprach auf IT-Gipfeln bereits von Visionen einer Gigabit-Gesellschaft. Über durchschnittlich 7 Megabit sind wir bislang nicht hinaus gekommen. Mit der „neuen“ Digitalen Agenda“, auf die man sich im Kabinett geeinigt hat, soll der Sprung in den nächsten drei Jahren erreicht werden. Es solle „darauf hingewirkt werden, die europäischen wie nationalen Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass sich Investitionen auch im ländlichen Raum lohnen. Der Bund wolle sich beim EU-Kommissar für eine Rahmenregelung einsetzen, die den Breitbandausbau „in unbürokratischer, technologieneutraler und wettbewerbsfreundlicher Weise ermöglicht“. Alles wieder leere Absichtserklärungen, die im ministerialbürokratischen Moloch zu Tode verwaltet werden, auch wenn sich Innenminister Thomas de Maizière, Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Verkehrsminister Alexander Dobrindt auf einen Minimalkonsens geeinigt haben. Keinen einzigen Cent macht der Bund locker, um Deutschland eine zukunftsfähige Daten-Infrastruktur zu spendieren. Entsprechend groß ist das Erstaunen und Erschrecken bei den Experten von Wirtschaft, Gesellschaft und Politik.

„Rahmenbedingungen“ als Code für Nichthandeln

Wenn Politiker von Rahmenbedingungen plaudern, sei das ein politischer Code für „kein Geld, nur Gesetze“, so Sascha Lobo: „Aber Rahmenbedingungen vergraben keine Kabel.“

Verwundern könne das nicht. „Ein Megabit reiche doch“, das habe Lobo noch beim IT-Gipfel 2011 von Mitarbeitern des federführenden Wirtschaftsministeriums gehört. In Südkorea bastelten sie da schon am Sprung zu 100 Megabit-Leitungen, um den Wandel zur Netzökonomie voranzutreiben.

Der Hauptgrund, warum wir uns die digitale Rückständigkeit nicht leisten können, hat Lobo simpel zusammen gefasst:

„Es gibt zwei Arten von Unternehmen: diejenigen, deren Geschäft sich durch die Datenökonomie verändert. Und diejenigen, die noch nicht wissen, dass ihr Geschäft sich durch die Datenökonomie verändert.“

Und das liegt nicht an den Marketing-Ausgaben für irgendwelche Facebook-Präsenzen oder Investitionen für die Suchmaschinen-Optimierung. Vielmehr greife die digitale Vernetzung tiefer als man zunächst vermuten würde in die Geschäftsmodelle fast aller Branchen ein. Habe man vor rund zehn Jahren Jugendliche gefragt, welches Handy sie haben, war ihre Antwort vermutlich: „Ein Nokia”. Heute sagen sie: „Ein Android”.

„Der Unterschied? Beim ersten war das entscheidende Kriterium die Hardware, beim zweiten ist es die Software. Und zwar die vernetzte Software. Genau dafür braucht man überall schnelles Netz, vernetzte Software dringt via Schlagworten wie ‚Cloud‘, ‚Big Data‘ und ‚Business Intelligence‘ in alle möglichen Bereiche der Wirtschaft ein, von Medien bis Medizin, von Mobilität bis Maschinenbau, von Marketing bis Finanzwirtschaft“, schreibt Lobo.

Die Verschiebung von der Hardware zur Software zur vernetzten Software sei die entscheidende Entwicklung der nächsten Jahre. Und wie viele Internetkonzerne sind im DAX noch mal gelistet, um auf diesem Feld Akzente zu setzen? Null, nischta, nix. Was ist die Folge:

„VW, BMW, Mercedes schließen Verträge mit – Überraschung! – Apple und Google. Es lässt sich der Zeitpunkt absehen, wo diese Allianzen umschlagen können wie einst die Allianz zwischen IBM und Microsoft“, bemerkt Lobo.

15 Jahre später verabschiedete sich IBM aus dem Geschäft mit Personal Computern und Microsoft war der größte Tech-Konzern der Welt. Jetzt zählen Apple und Google zu den wichtigsten Digitalkonzernen und werden sich sicherlich nicht von den vollmundigen Industrie 4.0-Gesängen der Wirtschaftslobbyisten in Deutschland beeindrucken lassen. Die Software unserer Autohersteller, die im PKW immer relevanter wird, sei niemanden zuzumuten, meint Sascha Lobo.mWarum habe VW vermutlich die besten Sowieso-Einspritzer der Welt, aber die Spracherkennung wirkt wie auf klingonisch programmiert? Und die Bedienkonzepte der Touchscreens deutscher Autos fühlten sich an wie Geldautomaten der 90er Jahre. Was wir vom Smartphone gewöhnt sind, verlangen wir auch bei allen anderen Produkten.

Maizière macht den Morozov und schwingt die Teflon-Pfanne

Wer das anprangert, wird vom prosafreudigen Innenminister in die Kategorie naiver Techno-Optimist eingetütet. Eine Typologisierung, die sich der liebwerteste Sicherheits-Gichtling für einen FAZ-Gastbeitrag bei der Dauersirene Evgeny Morozov ausgeliehen hat. Morozov verortet drei Personengruppen bei der Bewertung des digitalen Wandels: die Techno-Pessimisten, die Techno-Optimisten sowie die Techno-Agnostiker. Intellektuelle Sandkastenspielchen ohne empirische Unterfütterung. Einfach mal so hingeschrieben, um irgendwie die Naivlinge des Silicon Valley anzupinkeln. Maizière schwingt die Morozov-Keule gleich in Richtung der gesamten „Netzgemeinde“, um die niederschmetternde Kritik an der Netzpolitik seiner Regierung mit Teflonpfannen-Rhetorik abzuwehren. Dennoch wolle er das schnellste und sicherste Netz in Deutschland schaffen.

Wie im Koalitionsvertrag der GroKo schreibt der Innenminister viel über Sicherheit und wenig über die Modernisierung der digitalen Infrastruktur. Irgendwann habe ich aufgeführt, im FAZ-Beitrag die Häufigkeit des Wortes „Schutz“ zu zählen. Je gravierender die Risiken, desto höher müssten die Anforderungen an Schutzvorkehrungen sein.

„Auf freiwilliger Basis bestehende Angebote und Initiativen in Anspruch zu nehmen reicht hier nicht mehr aus!“ Der Staat müsse deshalb „Sicherheitsgurte für die IT der kritischen Infrastrukturen“ einführen.

Wird dann ein Melderegister eingeführt? Schafft man eine Cyber-Polizei, um Verstöße gegen die Meldepflicht aufzuspüren? Und bestimmt ist schon ein umfassender Bußgeld-Katalog in Arbeit, um den Ungehorsam bei der Meldepflicht zu ahnden. Das klingt nicht nach digitalen Visionen, sondern nach der Notwendigkeit eines Sondereinsatz-Kommondos, um das Überleben im Cyber-Krieg zu sichern. So wird das nichts mit der digitalen Kompetenz, Herr Minister. Bitte sagen Sie das Ihren Redenschreibern.

Größtmöglicher Unfug

Was soll man mit solchen Formulierungen anfangen?

„Wir wissen, dass wir beim Thema ‚IT-Sicherheit‘ verstärkt global denken müssen. Die Basis hierfür ist ein entschlossenes nationales Handeln Deutschlands. Die IT-Systeme und digitalen Infrastrukturen Deutschlands sollen die sichersten weltweit werden. Mit dem IT-Sicherheitsgesetz wollen wir international Vorreiter und Vorbild für die Entwicklung in anderen Ländern sein und so nicht zuletzt auch die deutschen IT-Sicherheitsunternehmen stärken und ihnen verbesserte Exportchancen eröffnen.“

Das sei der größtmögliche Unfug, moniert Innovationsberater Jürgen Stäudtner:

„Das Beispiel der De.Mail oder der elektronischen Gesundheitskarte zeigt, dass nur bürokratische, industriefreundliche Ungeheuer entstehen, die sich eben nicht durchsetzen“, so der Cridon-Geschäftsführer.

Ist das nun ein Ausfluss von naiven Techno-Optimismus, den da ein Praktiker der Wirtschaft artikuliert? Oder das kritische Urteil von Personalmanager Thomas Sattelberger über die IT-Expertise in Deutschland? auch nur naive Techno-Optimisten oder Techno-Agnostiker?

„Die USA sind das Digital House der Welt geworden und China das Maschinenhaus der Welt. Damit ist Deutschland im Sandwich zwischen digitaler Innovation und effizienter Produktion aus Asien. Zugleich entwickeln sich neue Felder wie IT, Biotech und Big-Data-Management in dramatischer Geschwindigkeit. Hier spielt Deutschland kaum eine Rolle.”

Die digitalen Naivlinge sitzen wohl eher am Kabinettstisch von Neuland-Kanzlerin Merkel. Diese Bemerkung sei mir gestattet, wo doch der Innenminister so gerne klassifiziert. Hinweis an Facebook: Dieser Beitrag ist keine S A T I R E!

Ab 20:15 Uhr diskutieren wir über die Digitale Agenda bei Bloggercamp.tv:

Siehe auch:

Verfassungsschutz soll mehr zur IT-Sicherheit beitragen.

Deutschland verschläft den digitalen Wandel.

Das Projekt ist einzuführen, es sei denn wirtschaftliche, technische oder organisatorische Gründe sprechen dagegen.