Nachrichten-Konsum ohne Nachrichten-Website

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Jonny Haeusler auf der republica

In den vergangenen Jahren haben die Großverlage Millionen von Euro in ihre Websites gesteckt, schreibt Jonny Haeusler in seiner Wired-Kolumne:

„Aufwändige Content-Management-Systeme, komplexe Designanforderungen, Nutzertests, SEO und Klickanalysen kosten Geld. Viel Geld. Dabei ist klar, dass die Tage für klassische Websiteformate von Verlagen gezählt sind.“

Die Zahl derer, die täglich die URL eines News-Portals eingeben, um dort nach interessanten News, Fotostrecken oder Videoberichten zu schauen, sinkt beträchtlich. Menschen gehen nicht mehr dorthin, wo die News sind. Nachrichten müssen dort hingehen, wo die Menschen sind, empfiehlt Haeusler.

„Schon 75 Prozent der Besucher von buzzfeed.com kommen direkt aus sozialen Netzwerken. Denn dort werden die Inhalte der Website verbreitet — entweder von Buzzfeed selbst oder von den Lesern.“

Jeder dritte Amerikaner liest bereits Nachrichten via Facebook, haben die US-Forscher von Pew Research beobachtet.

„Aber nicht, so schreiben die Forscher, weil jeder von ihnen zig Nachrichtenseiten geliked hat. Sie lesen vor allem Texte…

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Lord Chesterfield und der Abschied von den Powerpoint-Rhetorikern – Über die Niederungen des weltweit führenden Wortmülls

Bibliophile Schätze

Bibliophile Schätze

Wer Karriere machen will, sollte seine Gedanken in angemessene Worte kleiden, so der Ratschlag von Earl Chesterfield – publiziert vor über 200 Jahren in dem Buch „Briefe an seinen Sohn Philip Stanhope über die anstrengende Kunst ein Gentleman zu werden“. Chesterfields Grundsätze sind nach Auffassung des Wirtschaftspublizisten Erhard Glogowski auch heute noch aktuell.

„Neben BWL-Studium, Managementkursen oder Trainee-Ausbildung spielt die Erziehung eine große Rolle bei der Frage, ob Kinder später im Unternehmen erfolgreich Verantwortung übernehmen oder nicht“, so Glogowski.

Philip Dormer Stanhope, der vierte Earl of Chesterfield (1694 – 1773), hatte es sich zur Lebensaufgabe gemacht, seinen unehelichen Sohn Philip auf dessen spätere Karriere vorzubereiten. Voltaire äußerte sich nach der Lektüre des Werkes geradezu emphatisch und empfahl es Friedrich II.

„Man kann viel daraus lernen, ja ich möchte behaupten, dass es das beste Buch ist, das je über Erziehungsfragen geschrieben wurde“, führte Voltaire aus.

In Chesterfields Bildungsprogramm nahmen die für eine parlamentarische oder diplomatische Laufbahn erforderlichen Wissensgebiete die wichtigste Stelle ein: Geschichte, mit den dazugehörigen Hilfswissenschaften Geographie und Chronologie, Staats- und Rechtskunde, Sprachen und Rhetorik, schließlich das Buch der Bücher – die Kenntnis der Welt und des Menschen. Heutige Lehrer müssen bei den Weisheiten des Lords nicht sofort Pisa-Allergien bekommen. Der erfolgreiche Staatsmann, Mitglied des britischen Unterhauses und begnadete Parlamentsredner war kein Rohrstock-Pädagoge. P. D. Stanhope war als Erzieher immer zugleich auch Politiker. Körperliche Züchtigung war ihm verhasst. Um so wichtiger galt ihm die Funktion des erfahrenen pädagogischen Leiters – erfahren in den Dingen der Welt und des Menschen, nicht allein in den Wissenschaften.

Weltweit führende Leerformeln

Das Studium der Sprachen und der antiken Beredsamkeit nahm bei ihm eine einmalige Sonderstellung ein. Chesterfield selbst war ein Sprachmeister, der in England und Frankreich zu den belobtesten Köpfen der Zeit gehörte. Auf dem Weg zur rhetorischen Brillanz konnte nur die antike Redekunst voranhelfen, da es im Zeitalter des Absolutismus öffentliche Beredsamkeit außerhalb der Kirche nicht gab. Das sprachliche und geistige Korsett für mittelmäßige Manager unserer Tage heißt Powerpoint-Vortrag mit weltweit führender Inhaltslosigkeit. Sprachliche Originalität und Eloquenz sind Mangelware bei den meisten Führungskräften. Dabei ist es im Geschäftsleben eine Frage von Sieg oder Niederlage, ob es gelingt, die inneren Werte und Überzeugungen angemessen zur äußeren Darstellung zu bringen und mit höchstem Effekt einzusetzen.

„Du begreifst leicht, dass ein Mensch, der zierlich und angenehm redet und schreibt, der seinen Gesprächsgegenstand schmückt und verschönert, besser überreden und seine Absicht leichter erreichen wird als ein andrer, der sich schlecht ausdrückt, seine Sprache übel redet, niedrige, pöbelhafte Wörter gebraucht und bei allem, was er sagt, weder Annehmlichkeit noch Zierlichkeit hat…Man muss in allem, was man redet, überaus genau und deutlich sein; sonst ermüdet und verwirrt man andre nur, anstatt sie zu unterhalten oder zu unterrichten. Auch die Stimme und die Art zu reden sind nicht zu vernachlässigen. Manche schließen beim Reden beinah den Mund zu und murmeln etwas hin, so dass man sie nicht versteht. All diese Gewohnheiten sind unschicklich und unangenehm und müssen durch Aufmerksamkeit vermieden werden“, so Lord Chesterfields Empfehlung an seinen Sohn.

Zur Vermeidung all dieser Fehler sollte man mit Sorgfalt lesen, die Ausdrücke und Wendungen der besten Schriftsteller bemerken und niemals ein Wort übergehen, das man nicht versteht. Lesen und Übung ist genug, einen Redner hervorzubringen.

Literatur und Philosophie waren für Stanhope eine Einheit. Ihm schwebte eine Verbindung von französischer Geistigkeit und englischer Formenfreiheit vor, eine Literatur, die Erfahrungen vermittelte und ihren bildend-erzieherischen Zweck nie aus dem Auge verlor. Dementsprechend empfahl er seinem Sohn in erster Linie Memoirenwerke von Politikern wie dem Kardinal Retz und die Schriften der französischen Moralisten, allen voran La Rochefoucauld und La Bruyère. Legten die Maximen Rochefoucaulds das theoretische Fundament zum Verstehen der menschlichen Natur, so vermittelten die „Charaktere“ Bruyères ein Kaleidoskop der Menschenkenntnis. Und „Menschenkenntnis“ war das wichtigste Stichwort in Chesterfields Erziehungsprogramm:

„Die Menschen recht zu kennen, das erfordert ebensoviel Aufmerksamkeit und Fleiß, vielleicht mehr Scharfsinn und Urteilskraft, als Bücher zu kennen. Ich kenne viel ältliche Leute, die ihr ganzes Leben in der großen Welt zugebracht haben, aber mit solchem Leichtsinn und Mangel an Aufmerksamkeit, dass sie von ihr nicht mehr wissen, als sie im Alter von fünfzehn Jahren wussten. Schmeichle dir daher nicht mit dem Gedanken, du könntest diese Kenntnis bei dem albernen Geschwätz müßiger Gesellschaften erlangen! Nein, du musst tiefer eindringen. Du musst ebenso wohl der Leute Charaktere als auch ihre Gesichter sehen.“

Maulhelden im Wirtschaftsleben

Mit dieser skeptischen Weltsicht wäre so manchem Investor oder Anleger ein Reinfall auf die leeren Versprechen halbseidener Banker erspart geblieben. Besonders Maulhelden im Wirtschaftsleben sollte man meiden. Einige Führer großer Konzerne neigen zur Prahlerei und Herrschsucht. Keine Fernsehkamera lassen sie aus, keine Talkshow ist vor ihnen sicher. Ihre Inkompetenz kompensieren sie mit egozentrischer Polterei. Kluge Top-Manager sollten sich in Zurückhaltung und Bescheidenheit üben. Der Earl:

„Je mehr du weißt, desto bescheidner solltest du sein; und, im Vorbeigehn gesagt, diese Bescheidenheit ist der sicherste Weg, deine Eitelkeit zu befriedigen. Auch wo du deiner Meinung sicher bist, da scheine lieber zweifelnd: tue Vorstellungen, aber keine Aussprüche; und wenn du andre überzeugen willst, da stelle dich selbst bereit, überzeugt zu werden…Gib dir niemals das Ansehen, als wärst du weiser oder gelehrter als die Anwesenden.“

Nichts ist anstößiger als Vermessenheit und Unverschämtheit. Man liebt keinen, der sich immer zeigen will, immer von sich selbst redet und stets der Held seines eigenen Roman ist. Neunmalkluge Phrasendrescher sind unter den Führungskräften leider keine Seltenheit – sie machen langatmige Abteilungsbesprechungen zur Qual. Dabei ist nach wie vor eine alte Weisheit gültig, die auch Stanhope bevorzugte: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Manager lernen dadurch, dass sie geschickt zuhören sollen – nachdem sie ihr Gegenüber zum Reden gebracht haben. Dafür empfiehlt der Lord einen simplen Schachzug:

„Sich unwissend stellen, ist sehr oft ein höchst notwendiges Mittel, um Kenntnisse in der Welt zu erwerben…Es ist die beste Methode, sich gründliche und vertrauliche Informationen zu verschaffen. Denn die meisten Leute sind zu eitel, um anderen nicht ihre Überlegenheit zu zeigen. Obwohl nur für einen Augenblick und bei reinsten Lappalien werden sie dir Dinge mitteilen, die sie nicht erzählen sollten.“

Unfähige Chefs mit unverdientem Lob überschütten

Wer es seinem unfähigen Vorgesetzten einmal so richtig zeigen will, sollte auf keinen Fall den Frontalangriff wagen. Viel besser ist es, ihn mit unverdientem Lob zu überschütten. Das ist, so Stanhope, „die bitterste Satire und der sicherste Weg, der Leute Laster und Torheiten bloßzustellen. Es ist eine Redefigur, die Ironie heißt, wenn man gerade das Gegenteil von dem sagt, was man meint. Dem ungeachtet ist es keine Lügerei, weil man deutlich zeigt, dass man gerade das Widerspiel von dem Gesagten meint und also niemanden betrügt.“

Auch zur Hörigkeit von entscheidungsschwachen Managern gegenüber Managementgurus und Beratern bietet der Earl of Chesterfield eine gesunde Rezeptur:

„Alles, was du lernst und lesen kannst, wird wenig fruchten, wenn du nicht selbst darüber vernünftig nachdenkst…Allein, andrer Gedanken nur zu wiederholen, ohne zu erwägen, ob sie richtig sind oder nicht, das ist bloß die Gabe eines Papageien oder höchstens eines Komödianten.“

Für den Lord bedeutet es nichts, eine Sache einmal zu lesen, wenn man sie nicht behält.

„Es ist ein sicheres Zeichen eines kleinen Geistes, während man etwas vorhat, zugleich an etwas anderes oder gar nichts zu denken. Man sollte allezeit an das denken, was man tut.“

Und man sollte sein Wissen richtig organisieren.

Wissensmanagement ist ein zentraler Punkt für Stanhope:

„Ich wünsche mir von Herzen, dass du sofort damit beginnen mögest, ein systematisch denkender Mensch zu sein. Nichts trägt mehr dazu bei, eine geschäftliche Angelegenheit zu erleichtern und zu erledigen als Systematik und Ordnung. Halte Ordnung und Systematik in deinen Berichten, beim Lesen, in deiner Zeiteinteilung, kurz gesagt in allem…Lass es dir zur Lebensmaxime werden, alles zu wissen, was du selbst wissen kannst. Und vertraue nie blind den Informationen andrer. Diese Regel war mir Zeit meines Lebens von unendlichem Nutzen.“

Durch die Verfeinerung der Selbstorganisation erledigt man viel Arbeit in kürzester Zeit und gewinnt Freiräume, um ein ausgeglichenes Leben zu führen. So vermindern Manager das Infarktrisiko und fallen mit fünfzig Jahren nicht in eine Sinnkrise.

„Geschäftliche Tätigkeit verbietet keineswegs das Vergnügen. Im Gegenteil, sie bringen einander zur Reife“, so Stanhope.

Aber auch hier gelten Regeln.

„Vergnügen ist die Klippe, an der die meisten jungen Leute scheitern. Sie laufen mit vollen Segeln aus, um es aufzusuchen; aber ohne Kompass, um ihren Lauf danach zu richten, und ohne hinlänglichen Verstand um das Schiff zu steuern…Wähle deine Vergnügungen für dich selbst und lass sie dir nicht von anderen aufdrängen! Folge der Natur und nicht der Mode. Wäge den gegenwärtigen Genuss deiner Ergötzlichkeiten gegen ihre notwendigen Folgen ab und lass alsdann deinen eignen gesunden Verstand deine Wahl entscheiden!“

Die Lebensweisheiten von Lord Chesterfield eignen sich als vortreffliches Vademekum für eine Erneuerung des Unternehmertums: Wahrheitsliebe und Wohltätigkeit sind für den alten Stanhope die Voraussetzungen für persönliche Glückserfahrung. Selbstverwirklichung vollzieht sich für ihn nicht in der Anpassung an fragwürdige Normen, sondern im Bestreben, über die Norm hinauszugehen. Mit der Identität und Integrität von individuellem und öffentlichem Charakter nähert man sich dem ästhetischen Ideal eines aufgeklärten Menschen.

Macho-Chefs: Gemeinsam sind sie blöd – Ausflüge in das neue Buch von @wilddueck

Schwarmdumm

Als Schule der Intrigen mit Macho-Kultur bezeichnet der Ex-Telekom-Vorstand Thomas Sattelberger im Spiegel-Interview die düstere Realität auf Chefetagen. Er muss es wissen. Deutsche Unternehmen seien viel stärker auf pure Effizienz fixiert als etwa angelsächsische oder skandinavische.

„Ertragsziele werden oft exzessiv bis auf die unterste Ebene durchgestellt. Da bleiben kaum Freiräume für die Mitarbeiter, neue Wege zu suchen. Ausländische Kollegen halten viele deutsche Topmanager oft für spröde, steif, humorlos und förmlich. Das ist ein Spiegelbild der kreativitätsarmen Unternehmenskultur“, erklärt Sattelberger.

Schwarmdumme Unternehmen

In der Vergangenheit ist das mehr oder weniger gut gegangen. Die Unternehmen hatten nach Ansicht des Publizisten Gunter Dueck so viel Fett angesetzt, das es ein Leichtes war, sie zu verschlanken.

„Dann kamen die Optimierungstechniken dazu, die durch Tabellenkalkulation und kaufmännische Unternehmens-Software immer neue Einsatzfelder fanden. Jahr um Jahr wurde eingespart und eingespart. In letzter Zeit sind viele Unternehmen schon fast totgesagt, wie man sagt. Aber das Management will immer weitere Einsparungen sehen, die eigentlich nur noch über das Einsparen von Mitarbeitern, deren geringere Bezahlung oder unbezahlte Überstunden realisiert werden können“, schreibt Dueck in seinem neuen Buch „Schwarmdumm – So blöd sind wir nur gemeinsam“, erschienen im Campus-Verlag.

Nach dem Abschneiden von Fett ging es ans Eingemachte. Jetzt demontiert man gar die Rest-Substanz via „Mikromanagement“. Da kümmert sich der Controller auch um den Schwund von Kaffeetassen in Büroküchen und überprüft die Notwendigkeit jeder Taxifahrt. Am Ende erfordern die kleinteiligen Einsparungen mehr Arbeitsaufwand, als sie einbringen.

Sparen bis zum Tod der Organisation

Wenn man alle halbwegs vernünftigen Stellschrauben abgeerntet hat, könne man am Ende nur noch auf Kosten anderer agieren.

„Diese anderen sind in großen Unternehmen oft weit weg, deshalb wird so ‚erfolgreich‘ eingespart, weil man das Unheil an anderer Stelle nicht einmal wahrnimmt“, so Dueck.

Das stört aber keinen großen Geist im Top-Management. Es reicht dabei nicht aus, bis zum letzten Atemzug die Unternehmensorganisation auszupressen, die Diätkur muss bis zum Erbrechen kontrolliert werden. Leitmotto: „Mach Deine Zahlen! Keine Ausreden!“

Die Unerbittlichen Topmanager tracken das Management bis in den letzten Winkel des Etagen-Klos.

„Alle Manager und Mitarbeiter werden von den Mess- oder Tracking-Systemen des Unternehmens zur Leistungsmessung so hart in die Mangel genommen, dass sie unter allen Umständen ihre Zahlen bringen wollen. Die Drohungen des Chefs bei zu schlechten Zahlen sind in den letzten Dekaden so massiv geworden, dass es schon fast um das persönliche ‚Überleben‘ zu gehen scheint“, führt Dueck in seinem Opus aus.

Sowjetisches Controlling

Als Ergebnis entsteht ein Zahlen-Fantasie-Regime wie bei der Erfüllung der Fünfjahres-Pläne in der Sowjetunion. Das Controlling-Reich will sogar beschissen werden, damit man dem Finanzmarkt bessere Ergebnisse serviert und den Aktienkurs „pflegt“. Wenn etwas schiefgeht, sind die Mitarbeiter schuld. In schwarmdummen Unternehmen ist es wichtig, den Schwarzen Peter loszuwerden. Alle großen Firmen tun das: Place your blame, please. Im Manager-Deutsch wählt man selbstredend gesittete Formulierungen: „Das wirtschaftliche Umfeld ist schwierig.“ „Der Preisdruck nimmt zu.“ „Die Kunden willen immer mehr für das gleiche Geld, sie lassen uns kaum noch leben.“ „Wir finden kaum noch Mitarbeiter, die alles können und für wenig Geld arbeiten wollen.“ „Die Politik setzt sich nicht für uns ein, obwohl wir den regierenden Parteien viel spenden.“ „Das globale Umfeld ist seit Jahren ungünstig.“ „Wir leiden unter der Eurokrise, die uns unverschuldet trifft.“ Laber, Rhabarber.

Vernetzung erschwert das Macho-Management

Dennoch geht es den heroischen und herrischen Unternehmensführern so langsam an den Kragen.

„Das heroische Unternehmen ist auf Hierarchie angewiesen, denn Helden können nur oben stehen“, so der Soziologe Dirk Baecker.

Das funktioniert wunderbar in stabilen Umwelten der Massenproduktions-Ära. In turbulenten Zeiten werden diese hierarchischen Top-Manager auffällig und als störenden Verzerrer wahrgenommen. Allerdings könne es nach Ansicht von Becker noch 40 bis 50 Jahre dauern, bis die liebwertesten Gichtlinge des Macho-Managements von der Bildfläche verschwinden. Unternehmen werden in vernetzten Strukturen immer mehr von der Außenwelt gesteuert.

Zuerst erschienen im Debattenmagazin „The European“.

Siehe auch:

Tschakka, Tschakka! Grundlose Begeisterung ist Pflicht!

Nur 26 Prozent aller europäischen Telko-Anbieter treiben Digitalisierung personell voran

Erleben, was verschwindet

Mit dem Boom der Smartphones und mobilen Endgeräte ist das Datenvolumen und damit der Bandbreitenbedarf in Mobilfunknetzen in den vergangenen Jahren förmlich explodiert. Allerdings ist es den Mobilfunknetzbetreibern trotz dieser Entwicklung kaum gelungen, die eigene Wertschöpfung und Profitabilität im gleichen Maße zu steigern. Um im zukunftskritischen Bereich der mobilen Digitalisierung des täglichen Lebens und aller Geschäftsprozesse mitzuverdienen, gehört die digitale Transformation der eigenen Dienstleistungen über die reine Infrastruktur hinaus daher ganz oben auf die strategische Agenda der Telekommunikationsindustrie. Dafür benötigen die Anbieter vor allem im Topmanagement Führungspersonal mit ausgewiesener Digitalexpertise. In Europa haben 26 Prozent aller europäischen Telekomunternehmen einen eigenen Chief Digital Officer (CDO) beschäftigt. In der Region Asien-Pazifik besitzen knapp ein Viertel der Telekombetreiber digital verantwortliche Entscheider. Nordamerika liegt mit 21 Prozent im globalen Durchschnitt. Mit nur 12 Prozent belegen Süd- und Lateinamerika abgeschlagen den letzten Platz des Regionenvergleichs. Betrachtet man umgekehrt, welche Unternehmen Chief Digital Officers beschäftigen, wird das Bild noch deutlicher: 45 Prozent aller in der Strategy&-Studie identifizierten CDOs arbeiten für europäische Netzbetreiber, 27 Prozent im asiatisch-pazifischen Raum, 14 Prozent der digitalen Vorstände sitzen jeweils in nordamerikanischen und in süd- oder lateinamerikanischen Unternehmen. Das sind die zentralen Ergebnisse der globalen Studie „Chief Digital Officers in the Telecom Industry“ der internationalen Managementberatung Strategy& (ehemals Booz & Company). In der Untersuchung wurden weltweit 104 Telefonanbieter daraufhin untersucht, ob sie eine für den digitalen Wandel verantwortliche Führungskraft beschäftigen – unabhängig von der internen Positionsbezeichnung.

23 Prozent der CDOs mit technischem Hintergrund und zu 68 Prozent auf Vorstandsebene

Der berufliche Werdegang vieler CDOs überrascht zum Teil: Weniger als ein Viertel arbeitete zuvor in den Bereichen Technologie und IT. 40 Prozent kommen aus dem Produktmanagement, 27 Prozent aus den Bereichen Strategie und Geschäftsentwicklung. Bei Telefonanbietern im deutschsprachigen Raum sieht die Lage kaum anders aus: hier zu Lande besitzen viele CDOs einen Marketing-Hintergrund. Dr. Roman Friedrich, Strategy&-Partner und Autor der Studie, erklärt die Zusammenhänge:

„Chief Digital Officers benötigen natürlich ein profundes Wissen über technische Zusammenhänge. Genauso wichtig ist aber, den Markt zu verstehen: Welche Dienste, Produkte und Erfahrungen wünschen die Kunden – auch in Zukunft. In amerikanischen Firmen übernehmen häufig Chief Information Officers diese Aufgabe zusätzlich zu ihren IT-Aufgaben. CIOs europäischer Telefonanbieter denken hierfür aber oft zu technisch. Zum Ausgleich brauchen die Europäer deshalb marketingerfahrene CDOs“, sagt Strategy&-Analyst Roman Friedrich.

Mehr als zwei Drittel aller CDOs stehen in der internen Hierarchie auf Vorstands- oder Direktorenebene. In über einem Viertel der Unternehmen entsprechen die Positionen der CDOs jedoch nur der eines Abteilungsleiters.

„Telefonanbieter sind gut beraten, ihrem Chief Digital Officer die Kompetenzen und Entscheidungsfreiräume zu geben, die sie für ihre Arbeit benötigen. Für Unternehmen in diesem hochdynamischen Marktumfeld entscheidet der Digitalisierungsprozess schließlich über zukünftigen Erfolg oder Misserfolg“, so Friedrich.

Nur einem CDO mit weitreichenden Befugnissen werde es gelingen, überkommene Organisationsstrukturen, erstarrte Prozesse und IT-Altlasten zu entsorgen und den Kunden beim Digitalisierungsprozess in den Mittelpunkt zu stellen.

Ob das reicht, die Netzbetreiber wieder flott zu bekommen? Was meint Ihr?

d!conomy: Live-Hangout über die vernetzte Wirtschaft – Heute 11:30 Uhr #Cebit15 #Mittelstandslounge

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Allumfassende Vernetzung Allumfassende Vernetzung

Die Informationstechnologie und das Internet schleichen sich in jeden Winkel unseres Lebens.

„IT steckt heute überall, im Smartphone, in der Waschmaschine, im Auto. Und alles wird mit allem vernetzt, die Hausgeräte im ‚Smart Home‘, die Maschinen in der Fabrik dank ‚Industrie 4.0‘. Das Internet der Dinge trägt den Online-Modus aus der virtuellen Welt der Nullen und Einsen hinein in die greifbare Wirklichkeit“, berichtet die FAZ.

Mit ihrem Leitthema d!conomy will die Cebit die wachsenden Verbindungen der digitalen Sphäre mit der realen Wirtschaft abbilden.

Ihr besonderes Augenmerk legen die Messemanager auf Fragen der digital vernetzten Produktion und der Maschine-zu-Maschine-Kommunikation.

„In der Automobilindustrie werden Fertigungsprozesse immer komplexer und die Verflechtungen mit Zulieferbetrieben immer vielfältiger. Dienstleistungsunternehmen entwickeln aus Big Data, Cloud, mobilen Anwendungen und sozialen Netzwerken neue individualisierte Angebote. Die Logistikbranche nutzt IT-Anwendungen, um ihre Transportkapazitäten effizienter auszulasten. Der Handel setzt neue Hardware-Bausteine wie die Beacon-Minisender ein, um das stationäre Einkaufserlebnis…

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Paul Feyerabend, Barcamps und Anregungen für Selbstdenker #bcbn

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Anregungen für Selbstdenker Anregungen für Selbstdenker

Der Wissenschaftsphilosoph Paul Feyerabend war für die Wissenschaftszunft eine Zumutung. Nichts war ihm heilig, jede Denk-Konvention lehnte er ab, jede rituelle Vorstellung im Namen der Vernunft war für Feyerabend ein Instrument, um Menschen niederzuhalten.

Sein Rat: Selber forschen. Seine Methode:

„Ich habe in meinen Vorlesungen gelesen, was mir Spaß gemacht hat und was ich lernen wollte. Das Beste, um etwas zu lernen, ist eine Vorlesung darüber zu halten.“

Wie entstehen Ideen? Man kann ins Grüne gehen, ins Café oder in die Bibliothek, wie es Feyerabend formulierte. Oder eben Barcamps als offene und freie Bühne fürs Ideengewimmel nutzen. Ein Experimentierlabor ohne thematische Vorgaben, ohne Reden von der Kanzel und ohne Emponiergehabe von Powerpoint-Rhetorikern.

Das Beste, was man machen kann, ist eine Session anzubieten, selber zu forschen, zu denken, zu diskutieren und neue Ideen zu entwickeln. Etwa am 28. Februar auf dem Barcamp in Bonn.

Ich selbst möchte etwas…

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Gefälschte AMD-Prozessoren bei Amazon: „Er hat viel zu viele Beinchen“

Hulk des Tages

Hulk des Tages

Originalverpackung, Original­be­schrif­tung und doch eine Fälschung: Bei Amazon sind AMD-Prozessoren erhältlich, die nicht nur fünf Jahre älter sind als behauptet, sondern auch nicht in die für sie vor­ge­sehenen Mainboards passen. Das Computer­magazin c’t konfrontierte den Versand­händler und den Hersteller mit den Fälschungen. Amazon Deutschland antwortete nicht, AMD will den Sachverhalt prüfen.

Als ein c’t-Leser einen AMD-Prozessor beim Versandhändler Amazon bestellte und versuchte, ihn in seinen Rechner einzu­bauen, erlebte er eine unschöne Überraschung. Der Pro­zessor wies eine falsche Kontaktanordnung auf, so dass er gar nicht passen konnte. Die Warensendung war eine Fälschung. Hilfesuchend wandte er sich an die Computer­zeitschrift c’t. Dort nahm sich Redakteur Benjamin Benz des Falles an und untersuchte den Prozessor.

„Die Fälschung ist von außen, von der Packung, vom Aufdruck des Prozessors nahezu perfekt. Selbst die AMD-Leute, denen wir das gezeigt haben, konnten auf den ersten Blick nichts erkennen. Auf der anderen Seite ist sie total plump, von der Unterseite sieht man nämlich: es ist der falsche Prozessor. Er hat viel zu viele Beinchen“, erläutert der Hardware-Experte.

Bei seiner Recherche stieß Benz auf ähnliche Fälle. Seit Anfang Januar kursieren Berichte, dass weitere Kunden solche Prozessoren bekommen haben. Es werde erstaunlich viel krimi­nelle Energie investiert, um dem uralten Prozessor professionell einen neuen Typenaufdruck zu verpassen und ihn dann in originalgetreuen Verpackungen auszuliefern. AMD versuche derzeit, die Quelle ausfindig zu machen. Darüber hinaus hat das Unternehmen dem c’t-Leser einen passenden Prozessor spendiert. Nette Geste.

Heiner Müller und die Ökonomie der Aufmerksamkeit: „Das erste Ereignis im Leben von Althusser war die Ermordung seiner Frau”

#WirtschaftimRheinland

Mord

Die Ökonomie der Aufmerksamkeit funktioniert weitgehend über Interessantheit und was interessant ist, entscheidet nicht der Sender:

„Wann immer wir von der Markenkommunikation reden, ist es eine Illusion zu glauben, dass einem die Marke gehört. Die Marke findet in den Köpfen der Menschen statt und ich kann allenfalls versuchen, sphärisch herumzutanzen und sie mit Geduldsspielen zu beeinflussen. Den Kontrollverlust muss man akzeptieren“, erklärt Sascha Lobo.

Die digitale Schicht im Internet funktioniere weitgehend über Interessantheit, bestätigt Lobo:

„Sie ist an die Stelle von Relevanz getreten. Das hat aber nichts mit Authentizität zu tun. Die wird maßlos überschätzt. Paris Hilton ist dafür der lebende Beweise.“

Die Herausforderungen für Unternehmen sind ähnlich wie für Redaktionen. Deshalb sollte man dem Rat von Andreas Dietrich vom Tages-Anzeiger in Zürich folgen:

“Überlegt Euch am Anfang stets, ohne aufs Korsett der Formen zu achten, wie eure Geschichte adäquat und packend/überraschend erzählt werden kann; und dann entwickelt Eure eigene…

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„Human-Google“ statt Schreihals-Werbung: Wie man gestörte Beziehungen zwischen Kunden und Unternehmen beseitigt

#WirtschaftimRheinland

Roland Barthes

„Der selbst organisierte Kunde ist den Unternehmen schon meilenweit voraus“, meint der Service-Experte Andreas Klug vom Kölner Softwareunternehmen Ityx: Die Beziehung zwischen Unternehmen und Konsumenten ist nach seiner Ansicht derzeit von voller Missverständnissen und Medienbrüchen geprägt:

„Während wir immer häufiger zu Smartphones und Tablets greifen, um alltägliche Angelegenheiten zu lösen, vertrauen viele Unternehmen immer noch auf analoge Service-Konzepte. Während wir bei Service-Anfragen nur noch in jedem dritten Fall zum Telefon greifen, wickeln Unternehmen immer noch 75 Prozent aller Vorgänge telefonisch im Call Center ab. Ein Missverhältnis – und auf Dauer ein teurer Irrtum.“

Dabei bieten vernetzte Services eine Vielzahl von Optionen, den Dienst am Kunden zu verbessern. Ein entscheidender Vorteil der Netzkommunikation sind die Möglichkeiten für die Analyse der Kundenanliegen – also die Personalisierung von Informationen. So bieten Apps nicht nur die Identifikation des Kunden, sondern auch sehr viele Optionen für die Datenanalyse und Vorqualifizierung, die der Anwender individuell steuern…

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Facebook und die staatlichen Datenschützer im Schafspelz

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Facebook

Wenn Facebook und Google an den Schrauben ihrer Allgemeinen Geschäftsbedingungen drehen, spielt sich in Deutschland immer wieder das gleiche Szenario ab. Parlamentarier und Minister stürzen sich mit Verve auf die bösen Buben im Silicon Valley und beklagen die Demontage der Privatheit für die schnöden kommerziellen Interessen der amerikanischen Internet-Konzerne. Nun will ich die Friss-oder-Stirb-Politik von Facebook und Co. nicht rechtfertigen. Ich habe mich schon mehrfach an dieser Stelle über die Geschäftspolitik Plattform-Betreiber aufgeregt und kritisiert, dass man als User keine Möglichkeiten der Zustimmung oder Ablehnung hat, ohne die Plattform zu verlassen. Mir würde ja schon die Möglichkeit des Widerspruchs ausreichen.

Das wirkliche Problem aber sind die selbsternannten staatlichen Datenschützer und Politiker, die mit dem Finger auf Facebook zeigen und im gleichen Atemzug die Massenspionage der Geheimdienste zulassen und somit den letzten Rest an Privatheit aushöhlen. Staatliche Institutionen agieren als Wolf im Datenschutz-Schafspelz.

Das hat Dirk von Gehlen in einem sehr…

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