Hilfe, ich verliere die Kontrolle! Über den nackten CIO

Vom Charme des Nacktseins

Vom Charme des Nacktseins

Die Unternehmens-IT kennt eine neue Spezies: den nackten CIO. Nackt durch Kontrollverlust. Dieser Kontrollverlust hat viele Namen: Cloud Computing, Big Data, Bring Your Own Device (BYOD), IT-Outsourcing, Schatten-IT und schließlich soziale Kommunikationstechnologien. Was ist aber eigentlich schlimm am Kontrollverlust? Was sind die Konsequenzen? Welche Alternativen hat der CIO?

„Diese Alternativen findet man, wenn man auf die Chancen schaut. Der CIO kann aufgrund seines tiefen technischen Verständnisses diese neuen Technologien ausbalanciert zusammenstellen. Er ist es auch, der die Lücke sieht zwischen der installierten IT und derjenigen, die man für innovative Geschäftsmodelle benötigt“, schreibt das Düsseldorfer Beratungshaus Harvey Nash in der deutschen Ausgabe seiner jährlichen CIO-Umfrage. „Entweder man heißt neue Technologien willkommen, oder man verliert Marktanteile. Auf diese Weise hat der CIO das Potential zum wichtigsten ‚Change Agent’ seines Unternehmens zu werden“, bemerkt Harvey Nash.

Der CIO könne orchestrieren und Hybrid Cloud Mashups aufbauen: aus der firmeneigenen Private Cloud, der frei zugänglichen Public Cloud und sogar einer Community Cloud, die einem Partnernetzwerk gehört.

„Er vereinheitlicht, was vereinheitlicht werden kann und lässt den Rest lose gekoppelt und zum Teil oder ganz autonom. Er bewahrt aber den Überblick über das große Ganze“, schreiben die Analysten von Harvey Nash.

Mobiles Geschäft als Herausforderung

Zu den wichtigsten Aufgaben zählt die Studie das mobile Geschäft. Hier könne man sehr gut studieren, wie ein Unternehmen aus der CIO-Ecke heraus transformiert werden kann, indem neue Prozesse und Geschäftsmodelle entstehen. Es gehe dabei nicht nur um Smartphones und Tabletts, sondern auch um die sehr große Anzahl an Sensoren und andere „intelligente Sachen“, die durch das „Internet der Dinge“ entstehen. Forrester prognostiziert, dass bald 350 Millionen Menschen ihre mobilen Geräte für Geschäftsanwendungen verwenden werden. Viele von ihnen sind als mobile Arbeitskräfte unterwegs, die keinen Arbeitsplatz, sondern Flexibilität brauchen. Business Insider geht von einem Wachstum des mobilen Datenverkehrs um den Faktor 40 bis 50 für die nächsten zehn Jahre aus. Infonetics nimmt an, dass der globale Markt für mobile Maschine zu Maschine-Kommunikation von 1,5 Milliarden in 2012 auf 3 Milliarden Dollar bis 2017 wachsen wird.

Wie man junge IT-Talente gewinnt

Eine Herausforderung sieht die CIO-Befragung von Harvey Nash bei der Gewinnung der Nachwuchstalente für den IT-Sektor. Ob nun das Etikett „Generation Y“, „Millenials“ oder „Digital Natives“ verwendet wird, ist dabei eher nachrangig zu betrachten. Die Kinder der Babyboomer sind in der Regel technologieaffin und arbeiten lieber in virtuellen Teams als in tiefen Hierarchien. Sie sind optimistisch, selbstbewusst, mit wenig Vertrauen in die Regierung. Sie fordern Selbstbestimmung und Sinn in ihrer Arbeit. Berufseinsteiger wollen Transparenz.

„Hochglanzbroschüren interessieren sie nicht, wohl aber die Bewertung ihrer Firma in sozialen Netzen“, schreibt Harvey Nash.

Allianz mit Marketing und Verkauf

Um in der eigenen Organisation nicht an den Rand gedrängt zu werden, ist es für IT-Führungskräfte essentiell, den Geschäftserfolg der eigenen Firma stärker in den Blick zu nehmen. Fast zwei Drittel der IT-Ausgaben werden in den nächsten sieben Jahren für Vertrieb und Marketing ausgegeben – es dominieren als also kundengetriebene Anwendungen.

„In anderen Worten, Verkauf und Marketing werden die Unternehmen so tief durchdringen, dass die existierenden Enterprise Resource Systeme (ERP) nicht mehr wiederzuerkennen sind, oder als Legacy langsam verschwinden werden. Kunden wollen mit ihrem Hersteller die Produkte gemeinsam designen. Dies schafft völlig neue Kundenbeziehungen und der Begriff vom ‚mündigen Kunden’ wird noch eine völlig neue Bedeutung bekommen.“

Man denke an solche Dinge wie das über Web-Interface selber zusammengestellte Auto. Diese Kundenerfahrung müsse sich an jedem Kontaktpunkt zum Unternehmen gleich anfühlen.

„Daher ist es für den CIO notwendig, die Beziehungen zu Marketing und Vertrieb zu stärken, wenn er neue Geschäftsmodelle aus der IT heraus entwickeln will.“

Ein vorwärts gewandter CIO könnte seine Vision folgendermaßen formulieren:

„Antizipiere den nächsten Schritt der Digitalisierung durch Entwicklung innovativer Lösungen gemeinsam mit Marketing und Sales“, so der Rat von Harvey Nash.

Ein CIO habe die Fähigkeit, das wirtschaftliche Potential neuer Trends wie „Wearable Computing“ und „Gamification“ zu erkennen:

„Hier liegen große Chancen für seine Rolle, da die Realität in den Unternehmen immer noch weit hinter dem technologisch Machbaren zurückbleibt.“

Beim nicht aufzuhaltenden Kontrollverlust sollten IT-Führungskräfte auf die Generation Y als Partner setzen, um erfolgreich zu sein.

Siehe auch:
Management in Zeiten des Kontrollverlustes: Wie kann das funktionieren?

3 Gedanken zu „Hilfe, ich verliere die Kontrolle! Über den nackten CIO

  1. Pingback: Nach Snowden: Cloud Computing – jetzt erst recht? | www.ne-na.de

  2. Pingback: Über amorphe Unternehmen, nackte CIOs und die Arbeit in der Cloud | Ich sag mal

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