Jobwechsel über soziale Medien eine Frage des Alters, der Branche und der Gehaltsklasse

Karrierechancen im Social Web

Karrierechancen im Social Web

Jedem zweiten Arbeitnehmer in Deutschland soll im vergangenen Jahr ein Jobangebot via sozialem Netzwerk unterbreitet worden sein, berichtet die Karrierebibel und beruft sich auf die Personalvermittlungsagentur Kelly Services.

Allerdings gibt es gravierende Unterschiede zwischen den Generationen. Generationsunterschiede: So werden die so genannten Babyboomer bislang am meisten via Social Web kontaktiert – gefolgt von der Generation Y. Nach Berufsgruppen liegen technische Fachkräfte vorne. Dann kommen Anfragen für Marketing, Ingenieurswesen, IT, Vertrieb und Finanzbuchhaltung. Weniger oft gefragt sind die Berufssparten Leichtindustrie, Bildung und Kundenservice.

„Nur 27 Prozent der so Umworbenen bevorzugt laut Studie die Jobsuche via Social Media, weltweit sind es 40 Prozent. Die Mehrheit der deutschen Arbeitnehmer setzt noch auf konventionelle Methoden wie Online-Jobbörsen oder Personalvermittler“, schreibt die Karrierebibel.

Trotz dieser Zurückhaltung konnten in Deutschland neun Prozent der Befragten via Social Media einen erfolgreichen Jobwechsel absolvieren oder haben so ihre neue Beschäftigung gefunden. Weltweit sind es 16 Prozent. Unterschiede gibt es nach Ansicht des IT-Personalexperten Karten Berge, Geschäftsführer von SearchConsult in Düsseldorf, auch bei den Gehaltsgruppen. In den Gehaltsregionen von 50. bis 60.000 Euro sei das Social Web bei der Rekrutierung von Personal sicherlich relevant.

„In den darüber liegenden Gehaltsregionen nimmt die Relevanz ab. Die Entwicklung wird auch durch die gezielte Direktansprache bei jenen Kandidaten begrenzt, die bis dato noch gar nicht an einen Job-Wechsel gedacht haben. Die erreicht man weder mit einer Anzeige noch über das Social Web“, so Berge.

Die Ansprache über einen Personalberater, der dem Kandidaten zunächst aus neutraler Sicht Informationen über die zu besetzende Stelle und das Unternehmen aufzeigen könne, ist für wichtige und höher dotierte Positionen der erfolgreichere Weg. Eine Verdrängung sieht Berge vor allem bei den Stellenanzeigen in Printmedien. Dieser Trend setzte aber bereits mit den einschlägig bekannten Karriere-Portale ein.

Studie von Kelly Services.

„Wenn ein Job für mich interessant ist, wird er mich finden“ – Bewerbungen im Social Web

Selfie-Bewerbung "The Björn"

Selfie-Bewerbung „The Björn“

Karriere und Jobsuche in sozialen Netzwerken sind wohl noch recht unterbelichtet, auch wenn es schon sehr positive Bespiele gibt, wie die öffentliche Bewerbung von Mike Schnoor oder Björn Braune. Der klassische Peronalmanager könne mit dem Social Web schlichtweg nichts anfangen, sagt Björn im Bloggercamp.tv-Interview.

Sein Webauftritt diente sogar als Filter, um bestimmte Firmen eher abzuschrecken. Er schloss Unternehmen mit einer alten Arbeitskultur bewusst aus. Nach dem Motto: Wenn ein Job für mich interessant ist, wird er mich finden. Ein Modell, das sich nach Einschätzung von Braune immer stärker ausbreiten wird.

„Web 2.0 wird unter Personalexperten als wichtiges Personalmarketing-Instrument für die Zukunft diskutiert, in der Praxis aber bisher selten genutzt“, sagt You-Gov-Analyst Marco Haferburg, Consulting bei You-Gov, nach einem Haufe-Bericht.

Das verwundert nicht, weil kaum ein Personalmanager im Social Web richtig aktiv ist.

„Alle großen Unternehmen sind in irgendeiner Weise im Web 2.0 aktiv. Entweder in den branchenspezifischen Angeboten wie Xing oder LinkedIn oder auf Portalen wie Facebook. Aber 64 Prozent der deutschen Mitarbeiter in Personalabteilungen schauen nicht ins Internet. Die Betreuung der Web-Angebote läuft nicht über die Personalabteilung, sondern über PR, Marketing oder IT. Das macht deutlich, dass wir ganz am Anfang stehen”, erklärt Trendforscher Professor Peter Wippermann im ichsagmal-Interview.

Bewerber sind auf Xing aktiv

Auf der Bewerberseite sieht das ganz anders aus.

„Besonders Xing und LinkedIn werden intensiv für die Karriereplanung eingesetzt. Google, Facebook oder Twitter eher selten. Die Nutzung variiert je nach Branchenzugehörigkeit. In der IT-Branche, auf die wir fokussiert sind, erleben wir schon seit Jahren eine steigende Nutzung. Inzwischen haben wir eine Daumenregel, die besagt, dass rund 75 Prozent der in IT-Unternehmen arbeitenden Mitarbeiter in Xing registriert sind. Darunter sind natürlich auch viele inaktive Nutzer, aber für Unternehmen als auch Personalberatungen auffindbar. Bei Managern gibt es wegen der internationalen Ausrichtung eine hohe Affinität zu LinkedIn“, weiß Karsten Berge, Geschäftsführer von SearchConsult.

Jüngere Kandidaten sind offener für Social Media

Das Düsseldorfer Unternehmen erkennt eine Tendenz, dass immer mehr amerikanische Software-Hersteller eigene Spezialisten für die Rekrutierung einstellen, um Kandidaten direkt über soziale Netzwerke zu kontaktieren.

„Von vielen Kandidaten hören wir, dass sie dies oft als unangenehm empfinden, da es ihnen zu schnell und zu direkt ist. Die Mehrzahl der Kandidaten präferiert am Anfang eher den neutralen Weg über eine Personalberatung“, sagt Berge

Je jünger die Kandidaten, desto offener gehen sie mit den Möglichkeiten sozialer Netzwerke um.

„Wir selbst nutzen das Social Web für direkte Recherchen sehr intensiv. Das gilt aber nur für die Anfangsphase. Danach dominieren Empfehlungen, das eigene Netzwerk und die gezielte Ansprache von Kandidaten in den Unternehmen“, resümiert Personalberater Berge.

Wie sieht Euer Patentrezept aus, um im Social Web als Bewerber erfolgreich zu sein?

Eure Meinung interessiert mich.

Siehe auch:

The Björn: Online-Bewerbung mit gesunder Portion Selbstironie.