Elektronische Agenten, o.tel.o, verunsicherte Mitarbeiter und das Informationsmonopol der Deutschen Bank #meinweginsweb

Ich sag mal

o.tel.oIn der Interview-Serie #meinweginsweb von Annette Schwindt habe ich in aller Kürze meinen beruflichen Einstieg ins Internet beschrieben:

Seit Mitte der 1990er Jahre bin ich online aktiv, damals noch in Funktionen als Pressesprecher und Leiter der Unternehmenskommunikation.

In meiner Zeit bei o.tel.o (als die Firma noch als Firma existierte – heute ist das nur noch eine Marke im Vodafone-Imperium) folgte dann 1997/98 ein Projekt, was es wohl damals so in keinem anderen Unternehmen gegeben hat – sag ich jetzt einfach mal etwas prahlerisch.

Als Abteilungsleiter ging mir bereits damals die Haltung des Top-Managements auf den Keks, Mitarbeiter in der Informationspolitik am Nasenring vorzuführen. So glaubte der Vorstand von o.tel.o, mit dem Intranet könne man nur die Botschaften in die Firma streuen, die von der Kommunikationsabteilung zugelassen werden. Dabei hatte ich mit einem Entwicklerteam bereits elektronische Agenten eingeführt, mit dem jeder Mitarbeiter sein eigenes Informationsmenü festlegen konnte – mit internen…

Ursprünglichen Post anzeigen 298 weitere Wörter

Advertisements

4 Kommentare - “Elektronische Agenten, o.tel.o, verunsicherte Mitarbeiter und das Informationsmonopol der Deutschen Bank #meinweginsweb”

  1. gsohn 25. Mai 2015 um 20:27 #

    Öffentliche Meinungen entstehen wohl immer auf der Basis von Verzerrungen. Aber die Medien-Konsonanz ist nicht mehr so ausgeprägt. Sehe das auch optimistischer.

  2. vfalle 16. Mai 2015 um 9:07 #

    Danke für den Diskussionsbeitrag mit vielen persönlichen Erfahrungen.
    Tatsächlich ist auch mir ein solches Verhalten unverständlich.

    Ich frage mich nur, ob es nicht bereits Unternehmen gibt, die anders handeln?

    Nehmen wir ein fiktives Unternehmen, das für seine Mitarbeiter einen Blog führt. Darin werden aktuelle Zeitungsnachrichten kommentiert und auch Themen aus der Branche aufgegriffen. Das Unternehmen erscheint damit modern und die Mitarbeiter haben das Gefühl informiert zu werden. Dass die Informationen vom Marketingchef kommen ist da erst einmal Nebensache.

    Nehmen wir weiter an, dass das Unternehmen eine App für seine Mitarbeiter produziert. Damit sind wichtige Programme für die Arbeit tagesaktuell abrufbar. Damit die Mitarbeiter nicht unbedingt auf externe Unterhaltungskanäle zugreifen müssen, werden ihnen auch ausgewählte Unterhaltungsangebote geboten. Vielleicht kooperiert man dazu sogar mit einem Profi für Boulevard-Nachrichten oder sichert sich direkt Kommunikationsrechte an bekannten Stars.
    Auch das gibt den Mitarbeitern ein gutes Gefühl.

    Stellen wir uns weiter vor, dass das Unternehmen sich über die entsprechende Branchevereinigung daran beteiligt, eine eigene Redaktion aufzubauen. Die kränkelnden Verlage bekomme es ja nicht hin, Themen modern aufzubereiten. Außerdem picken die kritischen Journalisten sowieso eher die Skandale heraus, als die positiven Botschaften zu verbreiten. …

    Ich gebe zu, das klingt wie eine Verschwörungstheorie. Und ich möchte den Gedanken auch lieber verdrängen, dass so etwas Realität werden könnte. Doch ich bin mir da nicht mehr so sicher.

    Der BILD-kritischen „Bildblog.de“ stand Ende 2014 vor dem aus. Die Finanzierung war nicht mehr sicher gestellt. Das Original BILD (Zeitung und Online) setzt dagegen alles auf Quote und wird immer mehr zum Unterhaltungsmedium. Kooperationspartner aus der Wirtschaft kaufen sich beim Premium-Inhalt BildPlus ein. Nur teilweise sind diese Inhalte als Anzeige gekennzeichnet.

    Selbst Sacha Lobo erkennt inzwischen, dass das Problem nicht zwangsläufig die klassischen (kritischen) Medien sind. Er schreibt: „Die Leute lieben die Macht und verabscheuen die Medien.“
    http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/angela-merkel-luegt-dem-volk-ist-es-egal-lobo-kolumne-a-1033577.html

    So geht die Meinungsvielfalt verloren, die uns das Internet bisher gebracht hat.

    Da holt uns dann die Geschichte wieder ein: Das klingt nach Brot und Spiele.

    Was nun? Für die Vielfalt kämpfen? Ein neues, alternatives Internet aufbauen?

    • gsohn 16. Mai 2015 um 12:54 #

      Stärker auf Gegenöffentlichkeit setzen, die heute so gut organisiert werden kann wie nie zuvor. Medien waren schon immer ein Flaschenhals für Informationen, es gab immer schon Nachrichtenselektion, die die öffentliche Meinung verzerrte. Nur das fehlten die Instrumente des Mitmachwebs. Das ist heute nun völlig anders. Selbst für Live-TV liegen die Dienste bereit, um ohne großen Aufwand SocialTV zu produzieren. Also stärker auf eigene Sender setzen.

      • vfalle 25. Mai 2015 um 18:37 #

        Auch im Netz lässt sich eine öffentliche Meinung durch eine unterschiedliche Auffindbarkeit von Beiträgen verzerren.
        Das Web gibt uns den Eindruck mitgestalten zu können.
        Herr Lobo scheint davon allerdings nicht mehr so überzeugt zu sein.

        Ich sehe weiterhin sowohl Chancen als auch Risiken.

Eure Meinung ist gefragt

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: