Auch Hedgefonds sind Aasgeier – Unternehmen und Staaten als Spekulationsopfer

Hulk des Tages für Hedgefonds

Hulk des Tages für Hedgefonds

Am Aktienmarkt sind immer häufiger die privaten Anleger die Verlierer. Unternehmen buhlen um Ihre Gunst um eine stärkere Streuung der Aktien zu erzielen, dann aber werden sie wieder vernachlässigt und die großen Investoren bestimmen den Takt. In wie weit dient die Finanzwirtschaft eigentlich noch der Realwirtschaft und welche Rolle spielen dabei die Privatanleger am Aktienmarkt? Spielen dabei überhaupt noch unternehmerische Interessen eine Rolle oder geht es nur um den schnellen Gewinn an der Börse? Was haben Finanzmärkte seit dem Ausbruch der Lehman-Krise gelernt? Wendet man den Blick noch auf die überwältigende Zahl von Unternehmen, die selbst in der Ära der Finanzskandale von ihren soliden Prinzipien der Betriebsführung nicht abrückten? Nach Auffassung des Schweizer Management-Professors Fredmund Malik ist das nicht der Fall: Man habe sich von einer kleinen egozentrischen Minderheit von kurzfristig agierenden Spekulanten in die falsche Richtung führen lassen.

In der ökonomischen Theorie werde ein Problem maßlos überbewertet, das täglich in allen Ländern millionenfach problemlos gelöst wird. Es geht um das so genannte Principal-Agent-Problem – das heißt, die Frage, wie man als Eigentümer die im Auftrag handelnden Personen so steuert und überwacht, dass man nicht systematisch betrogen wird. Malik definiert die erfolgreichen Firmen als „Unternehmerisch geführte Unternehmen“ (UMU). Bei diesem Unternehmenstyp gehe es nicht um Größe, sondern um die Art der Führung. Das Shareholder Value-Prinzip habe das Unternehmertum auf finanztechnische Kennziffern reduziert. Gewinn könne man aber nicht mit wirtschaftlich-unternehmerischer Leistung verwechseln.

Deal-Maker regieren den Finanzmarkt

„Die Wirtschaft muss den Deal-Makern und Spekulanten entzogen werden, denn sonst kollabiert das gesamte System in einem Sumpf aus Fälschungen, Korruption und Wirtschaftskriminalität“, so das harte Urteil von Malik.

Heutzutage seien Shareholder keine Aktionäre mehr im Sinne des unternehmerischen Eigentümers.

„Sie kaufen Aktien nicht als Anleger, um sie wegen des Unternehmens und seiner Leistungsfähigkeit zu halten. An den Unternehmen selbst ist diese Art von Aktionär im Grunde nicht interessiert, sondern an der schnellen Performance für Fonds-Manager und Zertifikatsbesitzer“, bemängelt der Schweizer Wirtschaftswissenschaftler.

Die 100 größten Money Manager Amerikas verwalten fast 60 Prozent der US-Aktien und da gehe es in erster Linie um die Turnover-Rate, also um Aktienumschichtungen und weniger um unternehmerische Belange, sonst würden diese Manager die Papiere länger halten. Malik plädiert daher für eine Neuregelung des Aktienrechtes.

„Wer an der Bestellung des Aufsichtsrates und über diesen Weg an der Corporate Governance mitwirkt, soll eine Haltefrist beachten müssen. Wer das nicht tut, darf in der Hauptversammlung kein Stimmrecht haben“, fordert Malik.

Noch 1950 waren nach seinen Erkenntnissen rund 90 Prozent aller amerikanischen Aktien in den Händen der privaten Haushalte. Heute seien es noch knapp über 30 Prozent.

„Hingegen halten die institutionellen Investoren heute fast 70 Prozent der Aktien, während sie 1950 lediglich 9 Prozent besaßen“, so Malik.

Institutionelle Investoren und Hedgefonds schlüpfen auch in Deutschland in die Rolle, die ehedem den Großaktionären vorbehalten war.

„Sie tun so, als wären sie langfristig denkende Mehrheitseigentümer, aber in den meisten Fällen verschwinden sie genauso schnell wieder, wie sie gekommen sind – allerdings erst, nachdem sie das Management ausgetauscht und umfangreiche Ausschüttungen an die Aktionäre, also sich selbst, durchgesetzt haben“, so die Erfahrungen von Werner Seifert, ehemaliger Chef der Deutschen Börse.

Für alle Akteure auf den Kapitalmärkten der OECD sollten Offenlegungspflichten gelten.

„Es darf nicht sein, dass Fonds, die auf den Cayman-Inseln registriert sind und so gut wie keine Informationen über ihre Eigentümer oder ihre Geschäftspraktiken herausrücken, zentralen Einfluss darauf nehmen können, wie große und größte Unternehmungen in Deutschland und in anderen Industriestaaten geführt werden”, kritisiert Seifert damals und fand wenig Gehör.

Das Mindeste, was man von diesen Anteilseignern verlangen müsse, sei die Offenlegung ihrer Beteiligungen.

Der Fall Wella und die Nachahmungstäter

Besonders rücksichtslos agitieren die von Seifert genannten Hedgefonds. Der erste deutsche Konzern, der das zu spüren bekam, war das Kosmetikunternehmen Wella bei der Übernahme durch den amerikanischen Konkurrenten Procter & Gamble (P&G).

„Eine Gruppe spekulativer Investoren machte Front gegen P&G, begann den Deal zu torpedieren. Die Hedgefonds hatten nach Veröffentlichung der P&G-Offerte Wella-Aktien erworben – und stellten sich quer, nutzten Details und Formalien des Übernahmerechts, um P&G die komplette Übernahme zu verderben. Ziel im Kern: eine Abfindungsprämie, gegen die man aus dem Wella-Aktionärskreis wieder aussteigen würde“, schreibt die FAZ.

Anführer der Gruppe war jener Fonds, der bei der Übernahme des Pharmahändlers Celesio die zentrale Rolle spielt: der amerikanische Hedgefonds Elliott.

„Mit dem Wella-Deal setzte Elliott eine Marke in Deutschland, 2003 war das: Erstmals grätschten damals spekulative Fonds in eine größere Übernahme hinein, um das Geschäft zu obstruieren und so mehr Geld für sich herauszuholen.

Elliott hat – das kann man ohne Übertreibung sagen – eine neue Spielart des angelsächsischen Kapitalismus nach Deutschland gebracht“, berichtet die FAZ.

Er strich im Fall Wella einen satten Gewinn ein und beflügelt bis heute Nachahmungstäter:

„Immer wieder gibt es seitdem bei Übernahmen Querschläger, die den Kaufpreis hochtreiben – wofür letztlich das übernommene Unternehmen bluten muss. Denn je teurer der Käufer übernimmt, desto mehr muss er später wieder an Kosten hereinholen, damit sich der Erwerb rechnet“, erläutert die FAZ.

Die Behinderungsstrategie bei Übernahmen heißt im Branchenjargon übrigens „event-driven“ – ereignisgetrieben. Eine weitere Spielart nennt sich „Distressed Debt“. Hier geht es nicht um Übernahmen, sondern um Unternehmen und Staaten, die ihre Schulden nicht mehr bezahlen können. Hedgefonds kaufen die Anleihen zu Spottpreisen und setzen auf die Insolvenzmasse, um die Billig-Anleihen zu versilbern. Die Renditen der Fonds mögen durch dieses Aasgeier-Geschäftsprinzip florieren, betriebs- und volkswirtschaftlich wirkt das Vorgehen verheerend.

„Wirklich nachhaltige Wertschöpfung kann nur aus einer Finanzwirtschaft kommen, die der Realwirtschaft dient”, betont Wilfried Stadler, Unternehmensberater, Wirtschaftspublizist und Honorarprofessor für Wirtschaftspolitik an der Wirtschaftsuniversität Wien.

Moral hazard-Zockereien müssten schlicht verboten werden – also das Eingehen von Risiken auf Kosten anderer. Investmentbanken, die synthetische Wertpapiere bündeln, sollten dafür auch gerade stehen.

„Es bedarf einer Korrektur jener finanzmarktpolitischen Weichenstellungen, die zur inflationären Expansion der Bankbilanzen durch Scheinvermehrung von Eigenkapital geführt haben. Wenn Banken sich wieder auf ihre Kernfunktionen für Unternehmen und Anleger konzentrieren, können sie nicht selbst zum Auslöser systemischer Risiken werden“, erläutert Stadler.

Unabhängig von den regulatorischen Erfordernissen könnten die börsennotierten Unternehmen einiges tun, um mehr Substanz und weniger Luftblasen zu schaffen. Nicht auf kurzfristige Gewinnmaximierung setzen, sondern mehr auf nachhaltige Wertsteigerungen.

„Shareholder Value“ bezeichnet die langfristige Wertsteigerung von Börsenunternehmen. Vor allem die Erfahrungen am Neuen Markt haben gezeigt, daß man mit Luftblasen zwar kurzfristig Wert schaffen kann – doch ohne Substanz läßt sich kein Betrieb aufrechterhalten. Wichtig sind zudem nicht nur die Anteilseigner, sondern auch die so genannten Stakeholder, also Mitarbeiter, Zulieferer, Kunden und Gläubiger des Unternehmens. Wenn das Top-Management nur auf die Kurspflege setzt, sollte man als Anleger skeptisch werden.

Keine Firma hat Erfolg, wenn sie ihre Geschäftspolitik gegen Gläubiger, Mitarbeiter oder Kunden richtet.

Widerspruch zum Beitrag über die Hedgefonds-Romantik.

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ein Kommentar - “Auch Hedgefonds sind Aasgeier – Unternehmen und Staaten als Spekulationsopfer”

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