Vernetzte Arbeitsorganisation in einer vernetzten Ökonomie

Arbeiten in der Computerwolke

Arbeiten in der Computerwolke

Es gibt nach Ansicht des Management-Experten Hans H. Hinterhuber zahlreiche Gründe, warum in den meisten Unternehmen eine Lücke zwischen Umsetzung und angestrebten Ergebnissen besteht – und das gilt für zentrale und dezentrale Organisationsformen: Der Handlungsspielraum der Mitarbeiter werde durch Vorschriften, Regelungen und Genehmigungen so eingeschränkt, dass sie an Ort und Stelle wenig bewegen können.

„Will das Unternehmen anpassungsfähig und innovativ sein, brauchen die Mitarbeiter Freiheitsspielräume, innerhalb denen sie zur Zufriedenstellung der externen und internen Kunden beitragen können.”

Je komplexer Organisationen werden, desto weniger eignen sich Anordnungen und Kontrollen von „oben”. Führung gelingt nur über die Kunst des Teilens, empfiehlt Hinterhuber.

Ähnlich sieht es der Publizist Falk Hedemann:

„Unternehmen sind gut beraten, wenn sie ihre Kultur so weit öffnen, dass sie alle Arbeitstypen integrieren, den Büro-Arbeiter, den Home-Office-Menschen und den Mobile-Worker. Nur so bekommen die Unternehmen die besten Köpfe und behalten sie auch langfristig, weil sie zufrieden sind.“

Immer mehr Menschen vernetzen sich nicht nur privat über Plattformen wie Facebook, Twitter oder Google Plus, sie wollen auch so arbeiten. Und oft auch am liebsten dort, wo sie leben.

Durch die Zentralisierung vieler Unternehmen in den Ballungszentren Deutschlands wird es zunehmend schwieriger, geeignetes Fachpersonal zu rekrutieren. Große Städte werden voller und Immobilien immer teurer. So fehlen beispielsweise in der Region Stuttgart im Jahresschnitt rund 60.000 Fachkräfte. Ohne ausreichend Wohnraum wird es dort nach einem Bericht der IHK keinen Zuzug von Fachkräften geben. Die Betriebe könnten in die Situation geraten, Aufträge ablehnen zu müssen, weil ihnen ausreichend qualifiziertes Personal fehlt. Gleiches gilt aber auch für die Standortpolitik der Service-Anbieter, die sich wegen staatlicher Fördergelder und niedriger Löhne in strukturschwachen Regionen angesiedelt haben. Das rächt sich jetzt bei der Suche nach Fach- und Führungskräften. Diese Unternehmen können Kandidaten selten zum Umzug an den eigenen Standortort motivieren. Weder die Bezahlung noch der neue Wohnort sind attraktiv. Vieles spricht daher für eine vernetzte Arbeitsorganisation in einer vernetzten Volkswirtschaft.

Die besten Talente für die vernetzte Service-Ökonomie

„Mit Standort-Unabhängigkeit erschließen wir genau jene Talente für das Service-Geschäft, auf die man mit stationären Konzepten bislang keinen Zugriff hatte“, weiß Thomas Dehler vom Berliner Dienstleister Value5.

In einer Mitarbeiterumfrage seines Unternehmens werden die Vorteile von dezentraler Arbeit deutlich. So reagiert das soziale Umfeld mit 71 Prozent positiv und unterstützt die Homeoffice-Mitarbeiter in ihrer Entscheidung, von zu Hause aus zu arbeiten. 20 Prozent äußerten sich zurückhaltend, 4 Prozent neutral und nur 2 Prozent ablehnend. „94 Prozent unserer Homeoffice-Mitarbeiter wollen mittlerweile vollständig zu Hause arbeiten. 6 Prozent plädieren für einen Wechsel zwischen betrieblicher und privater Arbeitsstätte (alternierende Telearbeit). Entsprechend hoch ist der Zufriedenheitswert mit 4,38 bei einer Skala von 1 bis 5 (1 steht für „schlecht“, 5 für „sehr gut“).

Interessant sind die Gründe, die nach Auffassung der Mitarbeiter für dezentrale Arbeit sprechen: Es sei die beste Form, um Familie und Arbeit in Balance zu halten: „Genau so wollte ich immer arbeiten. Kein Stress und keine Krankheitsausfälle.“ Ein anderer Mitarbeiter gibt zu Protokoll, dass die Homeoffice-Tätigkeit nach einem schweren Verkehrsunfall die erste Möglichkeit war, über eine Initiativbewerbung wieder arbeiten zu können: „Und mir geht es sehr gut dabei.“ Weitere Stimmen: Zuhause sei der beste Platz zum Arbeiten ohne Mobilitätsaufwand. Das Alter spielte bei der Bewerbung keine Rolle. Es sei die optimale Beschäftigungsform: „So etwas wollte ich schon immer tun. Ich kann Familie und Arbeit in Einklang bringen.“ Flurfunk und Mobbing fallen weg, Konkurrenzdenken gegenüber Kolleginnen und Kollegen bleibt aus, Zeitdiebe wie Rushhour und ewige Parkplatzsuche bestimmen nicht mehr den Tagesablauf.

„Hier liegt unsere langjährige Expertise und operative Erfahrung: In der Führung von Teams, die dezentral und flexibel die das Service-Management für unsere Unternehmenskunden übernehmen. Lastspitzen werden an datenschutzrechtlich gesicherte Heimarbeitsplätze weitergeleitet. Kosten bei geringem Auftragsvolumen bleiben aus. Der Wissensaustausch der Service-Mitarbeiter erfolgt über virtuelle Plattformen und befördert eine Kultur des Teilens und beflügelt das kollaborative Arbeiten. Wort@Home kann bei man bei uns gleichsetzen mit Arbeiten in der Computerwolke“, erläutert Dehler.

Das könne vollständig oder hybrid erfolgen. Also selbst bei einer Service-Organisation mit festem Standort ergeben sich die Vorteile der Flexibilisierung, weil Mitarbeiter nicht jeden Tag ins Büro müssen – man kann zwischen privater und betrieblicher Arbeitsstätte wechseln. Gleiches gilt beim Angebot von freiberuflichen und festangestellten Mitarbeitern – auch hier werden die Teams in hybrider Form gebildet.

„Führung auf Distanz” wird nach Auffassung von Dehler immer mehr Regel denn Ausnahme sein. Mal schauen, wann sich das in Deutschland durchsetzt.

IT-Fachkräfte und die Kunst der Kombinatorik: Detektivische Spürnase bei der Kandidatensuche gefragt

Vom Suchen und Finden der richtigen IT-Fachkraft

Vom Suchen und Finden der richtigen IT-Fachkraft

IT-Fachkräfte müssen heute interdisziplinäre Erfahrungen und Kenntnisse mitbringen: Das reicht von Enterprise Content Management, Dokumenten-Management, Business Intelligence, Data Warehousing, Datenbanken, Social Media Networks bis zu SAP-Anwendungen. Entsprechend hart umkämpft ist der Kandidatenmarkt für IT-Führungspositionen.

„Das gilt besonders für SAP-Spezialisten. Hier die richtigen Mitarbeiter zu finden, ist ohne spezialisierte Personalberatungen äußerst schwierig geworden“, weiß Karsten Berge, Geschäftsführer von SearchConsult.

Mit Markt- und Fachkenntnissen sowie einer speziellen Datenbanklösung bringt das Düsseldorfer Unternehmen gezielt die IT-Experten und die entsprechenden Vakanzen zusammen.
Die personellen Anforderungen der Unternehmen werden komplexer. Entsprechend breit müsse das Leistungsspektrum an IT-Führungskräften sein.

„Es ist wichtig, die personellen Anforderungen unserer Geschäftskunden aus einer Hand bedienen zu können“, erläutert Berge.

Beziehungsmanagement

Bei Fachkräftemangel benötige man eine detektivische Spürnase und ein gutes Beziehungsmanagement, um zu erfolgreichen Abschlüssen zu gelangen.

Speziell bei höher dotierten Positionen mit einem Jahresgehalt von 70.000 Euro und mehr steigen auch die speziellen Anforderungen an die Kandidaten.

„Entscheidend sind die Anforderungen, die zwischen den Zeilen einer Stellenanzeige stehen. Aber genau diese Details sind oft am wichtigsten, um eine Vakanz mit dem geeigneten Kandidaten zu besetzen“, führt Berge weiter aus.

Durch Online-Jobbörsen werden immer nur jene erreicht, die auch aktiv nach einer neuen Herausforderung suchen:

„Wenn man Kandidaten bekommen möchte, die aktuell sehr erfolgreich sind und nicht aktiv suchen, kommt man um eine Direktansprache mittels Personalberater nicht umhin”, so Berge.

In der IT-Branche würden größere Software-Hersteller oder Systemhäuser verstärkt Rekrutierungspersonal einstellen, die die Kandidaten direkt kontaktieren. “Aber auch hier erreicht man vielleicht 70 Prozent der potentiellen Kandidaten, die auf Portalen wie Linkedin oder Xing aktiv sind. Die schreibt man an, kann sie aber nicht auf der Tonspur überzeugen”, konstatiert der SearchConsult-Geschäftsführer.

Irreversibel ist wohl ein anderer Trend: Die sinkende Relevanz von Stellenanzeigen in Printmedien. So konnte nach Informationen des Manager Magazins die FAZ im Jahr 2000 noch rund 235 Millionen Euro mit Stellenanzeigen einnehmen.