Hipster-Brause erzeugt nicht automatisch Hipster-Unternehmen #Kompetenzgespräche

Blog-Motto

Die Wirtschaftswoche titelt „HR-Abteilungen – Personaler vergraulen Fachkräfte“ und schreibt „Wenn Betriebe gute Leute finden, geschieht es nicht wegen, sondern trotz der Personaler“. Das Manager Magazin fragt in der November-Ausgabe „Die Bonsai-Manager – wer braucht eigentlich noch HR?“ und nimmt sich damit der Thematik an, dass DAX-Unternehmen aktuell ihre Personalvorstände abschaffen (SAP, Deutsche Post) und HR in vielen Unternehmen in die esoterische Ecke abdriftet.

Das beschreibt die Probleme des Personalmanagements nur an der Oberfläche. Es geht um die Gestaltung einer vernetzten Ökonomie mit neuen Arbeitskonzepten. Auf diesem Feld hört man von klassischen Personalmanagern wenig:

„Es sind bisher die Ingenieure, Informatiker und Betriebswirte, die sich Gedanken über die Arbeitswelten der Zukunft und den immensen Einfluss von Digitalisierung, Vernetzung und Globalisierung als Treiber machen. Sie vernetzen Teile, Produkte und Anlagen zu selbststeuernder Herstellung. Sie lenken Entwicklungsprozesse und dringen bis in Vertrieb und Distribution. Aber sie blenden die Mitarbeiter im neuen Arbeits- und Führungskontext aus. Es ist die originäre Aufgabe von Personalern, parallel zu dieser technologischen Entwicklung entsprechende neue Formen der sozialen Arbeitswelt zu schaffen. Sie müssen schleunigst an den Start, sonst werden Personalabteilungen reine Reparaturbetriebe. Reparaturarbeit am Menschen aber, den man am Beginn des Fortschritts vergessen hat, behindert die notwendigen und gewollten Veränderungen”, sagt der ehemalige Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger im Haufe-Interview.

Demokratisierung der Produktion

Zentralistische Führung und Organisationskonzepte aus dem Industriezeitalter haben nach seiner Einschätzung ausgedient, weil die Souveränitätspotenziale des einzelnen Mitarbeiters größer werden.

„Schließlich gibt es ja auch keinen Zentralrechner mehr, sondern die Cloud.In dieser evolutionären Entwicklung, die durchaus größere Sprünge macht, kann nicht mehr zwischen Produktions- und Wissensarbeiter unterschieden werden. Die bisher noch getrennte Hand- und Kopfarbeit rücken zusammen – und deshalb müssen die Führungs- und Arbeitsstrukturen andere werden. Experten nennen das die Demokratisierung der Produktion”, so Sattelberger.

Die Personalabteilungen müssten in dieser Gemengelage Treiber sein, hinken aber noch hinterher.

„Sie wissen zu wenig über die technologischen und sozialen Kräfte der Digitalisierung in der Arbeitswelt. Viele sind noch in der Logik industrieller Massenfertigung verfangen, normieren und standardisieren Prozesse. Momentan stabilisieren Personaler damit eher die Verhältnisse statt die kreativen Potenziale selbststeuernder ‘Smart Factories’ für den Menschen zu entdecken.”

Machtstrukturen in Großorganisationen würden die Kreativität töten. Ob flexible Arbeitszeiten, demokratisierte Prozessteuerung oder das zeitlich befristete Mandat, ein Team zu führen – mit den alten Konzepten des Personalmanagements sei eine zukunftsorientierte Entwicklung nicht möglich.

Feste Hierarchien, machtorientierter Führungsstil, Planungs- und Effizienzdenken in starren Strukturen werde scheitern, prognostiziert VEDA-Geschäftsführer Ralf Gräßler. Eine reduzierte Betrachtung auf das Personalmanagement reicht also nicht aus. Man müsse das ganze Managementsystem hinterfragen und wohl auch die komplette Betriebswirtschaftslehre.

Schnelldusch-Manager dominieren in der Arbeitswelt

Wir brauchen mehr Vielfalt in der Arbeitswelt. Aber wie soll das in der Rekrutierung gelingen, wenn der Führungsnachwuchs überwiegend schnelle Karrieren in Konzernen anstrebt und sich vorher noch der Gehirnwäsche in Unternehmensberatungen unterzieht:

„Das Klonen in deutschen Chefetagen ist extrem ausgeprägt. Viele Topmanager sind deutsche, weiße, männliche, ähnlich ausgebildete Konzerngewächse, meist mit einem ansehnlichen ‘McKinsey & Co’-Hintergrund, die dann eine lineare, gleichförmig verlaufende Schnelldusche als Manager in Hauptverwaltungen absolviert haben. Die Topmanager heute sind zwar akademischer als früher, aber damit nicht unbedingt gebildeter. Statt vieler Patriarchen haben wir jetzt mehr Technokraten in den Konzernen.”

Wer neu in einem Unternehmen tätig ist, verschwendet einen Großteil seiner Energie in ausgefeilten Bürostrukturen, taktischen Abwehrmanövern gegen Kollegen sowie Schauläufen vor Abteilungsleitern und Vorständen. So fassen 30 Gründer von Dark Horse Innovation ihre ersten Job-Erlebnisse in Konzernen, Mittelständlern in dem Opus „THANK GOD IT’S MONDAY“ zusammen:

„Während unser Enthusiasmus und unsere Einfälle auf der Strecke blieben, stolzierte der Status quo, hochdekoriert mit immer neuen Buzzwords, die man zu verstehen und zu erfüllen hatte, vor den staunenden Rängen auf und ab.“

Statt in bürokratischen Organisationen sang- und klanglos zu verglühen, änderten sie nicht ihre Erwartungen, sondern ihr Arbeit. Sie gründeten eine Firma, in der sie kooperativ und kreativ arbeiten können. Selbst wenn Konzerne, Mittelständler und Verwaltungen im modischen Duktus von Diversity oder Worklife-Balance faseln und eine politisch korrekte Prozentzahl von Frauen in Entscheider-Gremien einführen (selbst das gelingt nur selten), ändert sich mit diesen Mimikry-Programmen wenig. Es werden Symptome bekämpft, während hinter verschlossenen Türen die alten Seilschaften und Machtmechanismen weiterwirken.

„Das stahlharte Gehäuse bekommt lediglich einen neuen Anstrich. Der Frust wird im Zweifel größer, weil sich Missstände mit schönen Namen schwerer kritisieren lassen. Die Länge des eigenen Urlaubs selber zu bestimmen, wie bei einigen großen Unternehmen ab einer gewissen Managementebene üblich, führt häufig dazu, dass gar kein Urlaub mehr gemacht wird, weil die alten informellen Karriereregeln immer noch gelten“, schreiben die Dark Horse-Autoren.

Totalsanierung der Organisation statt gestylte Büros

Tischkicker, Kuschelecken, Kühlschränke vollgestopft mit Hipster-Brause und Social Media-Duzerei ändern nicht wirklich die Arbeitswelt. Organisationen sollten sich einer kompletten Sanierung unterziehen.

„Personalabteilungen machen sich Gedanken darüber, wie sich neue Mitarbeiter ins Unternehmen ‚integrieren‘ lassen, anstatt sich zu fragen, wie sich das Unternehmen an die neuen Mitarbeiter anpassen kann.“

Junge Mitarbeiter bekommen immer schönere Titel, gestylte Büros, Fitnessräume, Ruhezonen und Obstkörbe – in den Köpfen der Führungskräfte bleibt alles beim Alten.

Was das Personalmanagement auf dem Schirm haben muss, beschreibt der Innovationsexperte Stephan Grabmeier:

„Demokratisierung und Flexibilisierung von Organisationsformen, die digitalen Wertschöpfungsprozesse, New Leadership und agile Managementmethoden wie Scrum, Kanban, Design Thinking oder Lean Start Up. Auch Methoden wie Jams oder Social Forecasting dürfen heutzutage in keinem modernen HR-Werkzeugkoffer fehlen.”

Der Wandel zur vernetzten Ökonomie, die von Digitalisierung, Partizipation, Agilität, Netzwerk-Effekten und Transparenz geprägt ist und die Neujustierung des Personalmanagements stand im Mittelpunkt der ersten Sendung eines neuen Formats unter dem Titel “Kompetenzgespräche”: Thema: Von der aussterbenden Spezies des Personalmanagers.

Fortsetzung folgt.

Macht mit bei der Facebook-Gruppe „Kompetenzgespräche“.

IT-Freiberufler verdienen gut und sind zufrieden – Rückkehr ins Angestelltenverhältnis gestaltet sich schwierig

Mit Sicherheit keine IT-Freiberufler

Mit Sicherheit keine IT-Freiberufler

IT-Freiberufler verdienen gut und schätzen den Freiheitsgrad im Vergleich zu Angestellten. Das belegt eine Online-Umfrage des Projektportals Gulp unter 2046 Freiberuflern. Im vergangenen Jahr kam ein IT-Freiberufler auf einen durchschnittlichen Umsatz von 125.275 Euro.

„Knapp 27 Prozent der Befragten waren noch besser im Geschäft und konnten Umsätze von mehr als 150.000 Euro verbuchen. Zieht man die Kosten für Altersvorsorge, Kranken- und Pflegeversicherung, Steuerberater, Fort- und Weiterbildung oder Büro von diesem Umsatz ab, erzielte ein IT-Freiberufler im Jahr 2013 durchschnittlich einen Gewinn von 73.881 Euro“, berichtet die Computerwoche.

Im Schnitt sind die befragten IT-Fachkräfte 18 Arbeitstage pro Monat im Projekteinsatz für ihren Kunden tätig.

„Dazu addieren sich drei Tage pro Monat, die sie für ihr eigenes Unternehmen aufwenden: Sie bilden sich fort, akquirieren neue Projekte oder kümmern sich um Buchhaltung und Verwaltung. Diese Zeit wird dem Freelancer nicht vergütet – er muss sie also selbst finanzieren, ebenso wie Urlaubs- oder Krankheitstage“, führt die Computerwoche weiter aus.

Die „unbezahlten“ Stunden machen den Vergleich mit dem Gehalt von Angestellten schwierig. Konkret darauf angesprochen seien dennoch 79 Prozent der Befragten der Meinung, dass einem IT-Selbstständigen unterm Strich mehr zum Leben übrig bleibt als einem Festangestellten. Zudem machen sich IT-Freiberufler selten aus Not selbständig.

„93,6 Prozent der Befragten sind aus Überzeugung ihr eigener Chef.“

Die meisten sind in den Branchen IT, Finanzen und Automotive tätig: Zusammengefasst werden in diesen drei Sparten 42 Prozent der Projekte abgewickelt. Mit 48,3 Prozent war knapp die Hälfte in ihrem aktuellen oder zuletzt durchgeführten Projekt in Unternehmen mit mehr als 5.000 Beschäftigten tätig. Auf Unternehmen mit weniger als 100 Mitarbeitern entfallen nur 14 Prozent der Projekte.

So zufrieden IT-Freiberufler mit ihrer selbständigen Existenz sind, so schwierig würde sich die Rückkehr in ein festes Beschäftigungsverhältnis gestalten,
so die Erfahrung von Karsten Berge, Geschäftsführer von SearchConsult in Düsseldorfer und Spezialist für IT-Führungskräfte.

„Wir haben sehr häufig Freelancer, die wieder in ein Angestelltenverhältnis wechseln möchten. Tendenziell vermehrt sich die Anzahl bei einem konjunkturellen Abschwung, da es in dieser Phase schwierig wird, Anschlussprojekte zu bekommen. Die vermeintlich attraktivere Bezahlung relativiert sich ja schon, wenn man alle Abzüge wie Krankenversicherung, Altersvorsorge und dergleichen abzieht.“

Die dann immer noch höheren Bezüge würden sich durch weitere „Nicht-Beschäftigungstage“ im Jahr relativieren, wo man sich um neue Projekte kümmern muss:

„Das verstärkt sich natürlich in konjunkturell schwächeren Phasen. Da kommt es dann auch auf die individuelle persönliche und familiäre Situation an, in der man sich bewegt“, sagt Berge.

Der kritische Punkt folgt später: Je länger Fachkräfte freiberuflich tätig sind, desto schwieriger gestaltet sich die Rückkehr in eine Festanstellung.

„Man traut den Kandidaten immer weniger zu, sich wieder in die Kultur des Unternehmens als Angestellter einzufinden. Insofern sollte sich jeder dessen bewusst sein, dass es auch eine Einbahnstraße werden kann“, resümiert der Personal-Fachmann.

Diese Frage müsse jeder im Vorfeld seiner freiberuflichen Tätigkeit genau prüfen.

Über Kernschmelzen, brachliegende Intelligenz und kluge Zufallsbeobachter

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„Ich spüre eine starke Erzitterung der Macht“, orakelte Professor Peter Kruse auf der Kölner Fachmesse Zukunft Personal mit einem Star Wars-Zitat. Führung in Organisationen müsse neu definiert werden. Nextpractice-Geschäftsführer Kruse nennt mehrere Entwicklungen, die den Paradigmenwechsel forcieren: Führungskräfte könnten ihre Entscheidungen nicht mehr auf Analysen stützen, die alles nur noch komplizierter machen, sondern müssen eher auf Intuition und vor allem auf kollektive Intelligenz setzen. Hinzu käme die Verschiebung der Macht: Die Vernetzung erhöhe die Aktivität und die Beteiligung Einzelner. Eine Folge daraus sei, dass sich Menschen mehr über ihre Netzwerke als über ihr Unternehmen definieren – eine Entwicklung, die Kruse als „Kernschmelze“ bezeichnet.

„Ich wünsche mir ein bisschen mehr Bescheidenheit im Tun und mehr Stärke im Verstehen.“

Derzeit seien allerdings noch längst nicht alle Menschen so weit. Ergebnisse aus einer Befragung von nextpractice und der Gothaer Versicherung zeigen, dass sich selbst die als Entwicklungstreiber eingestuften Digital Natives in zwei Lager spalteten: 50 Prozent der jungen Leute wollten Führung, Stabilität und Sicherheit nach altem Muster, die anderen 50 Prozent wünschen sich Autonomie und Sinnstiftung. Ein weniger klares Bild fördere eine noch laufende Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales bei den Führungskräften zutage: Die Befragten halten Veränderungen zwar für nötig, können ihren „Sehnsuchtsraum“ aber noch nicht mit konkreten Vorstellungen füllen.

„Das von Professor Kruse dargestellte Szenario ist schon seit einigen Jahren zu beobachten. In der IT-Branche hat diese Dynamik an Veränderungen voll auf die Personalstrategien der Unternehmen durchgeschlagen. So gibt es in den Führungsetagen wesentlich mehr Wechsel als früher. Die Anforderungen an die Mitarbeiter mit operativen Tätigkeiten ändern sich ständig und die Verweildauer der Mitarbeiter in Unternehmen nimmt stetig ab“, sagt Karsten Berge vom IT-Personaldienstleister SearchConsult in Düsseldorf.

Durch die zunehmende Dynamik sinke die Identifikation mit dem Unternehmen.

„Ersatz sucht man häufig in persönlichen Netzwerken“, bestätigt Berge.

Besonders problematisch ist die Lage in bürokratischen Unternehmen. Folgt man den Untersuchungen von Professor Rupert Hasenzagl überwiegen in solchen Kulturen die Rationalitätsphantasien. Entsprechend mangelhaft ist die Fähigkeit zur Selbstreflexion ausgeprägt. Wichtig wäre mehr Freiraum für Kreativität und die Zulassung von Regelverletzungen, um Optionen für Neuerungen entfalten zu können.

Der Mittelstandsberater Klemens Kalverkamp geht in seinem Buch „Das Management der Marktführer von morgen“ noch einige Schritte weiter. Mit dem beginnenden Informationszeitalter hätten sich die Unternehmen schon längst von den autoritär-militaristischen und tayloristischen Organisationsformen des alten Industriekapitalismus verabschieden müssen. Dieses Erbgut sei immer noch sehr lebendig, wenn ständig von „Verkaufsfront“, „Rabattschlacht“ oder „Kriegskasse“ gesprochen wird und Mitarbeiter als „Truppen“ ins Feld geführt werden.

Entscheidend sei es jetzt, das brachliegende Potenzial der kollaborativen Intelligenz in Unternehmen auszuschöpfen. Vernetzte Organisationsformen mit dezentraler Entscheidungsfindung seien das Gebot der Stunde. Dazu müsse sich in der gesamten Wirtschaft eine neue Form des Miteinanders herausbilden. Funktioniert das Ganze nach einem Plan, den schlaue Köpfe innerhalb und außerhalb des Unternehmens aushecken? Das klappt selten. In der medialen Welt schon gar nicht:

„Alle Thesen und Prognosen, die wir in der Vergangenheit aufgestellt haben, sind nicht in Erfüllung gegangen. Nichts von dem, was wir prognostiziert haben, ist wahr. Nur eine einzige These ist übrig geblieben und die lautet: Alle Thesen im digitalen Journalismus sind falsch“, sagt Zeit Online-Chefredakteur Jochen Wegner.

Sein Credo: Durchwursteln!

Oder etwas vornehmer ausgedrückt: Man soll sich als Beobachter des Zufalls bewähren. Gelegenheiten erkennen, statt einer Schimäre der rationalen Entscheidung hinterherzulaufen. Ein Unternehmer ist für den Ökonomen Israel Kirzner ein Häscher des Okkasionellen – ein Chancenverwerter. Occasio ist die Göttin der Gelegenheit mit einem nach vorne fallenden Haarschopf, an dem man sie zu ergreifen hat; wer diesen Augenblick verpennt, hat keine zweite Chance, denn von hinten ist die Dame kahl.

Siehe auch:

MEHR MACHT FÜR TRANSFORMATOREN.

CIOs und das Kontrollverlust-Management: Live-Diskussion

CIO-Umfrage

CIO-Umfrage

Heute ab 17 Uhr spreche ich mit Bernd Stahl von Nash Technologies und Mark Hayes über die CIO-Umfrage 2013 und über die gerade gestartete Befragung für 2014.

Um was geht es: Mittlerweile kennt auch die Unternehmens-IT eine neue Spezies: den nackten CIO. Nackt durch Kontrollverlust. Dieser Kontrollverlust hat viele Namen: Cloud Computing, Big Data, Bring Your Own Device (BYOD), IT Outsourcing, Schatten-IT und schließlich soziale Kommunikationstechnologien.

Um in der eigenen Organisation nicht an den Rand gedrängt zu werden, ist es für IT-Führungskräfte essentiell, den Geschäftserfolg der eigenen Firma stärker in den Blick zu nehmen, folgt man den Empfehlungen der Analysten des Beratungshauses Harvey Nash in der deutschen Ausgabe ihrer weltweiten CIO-Umfrage 2013.

Demnach werden fast zwei Drittel der IT-Ausgaben in den nächsten sieben Jahren für Vertrieb und Marketing ausgegeben – es dominieren als also kundengetriebene Anwendungen – für die Servicebranche eigentlich eine frohe Botschaft:

„In anderen Worten, Verkauf und Marketing werden die Unternehmen so tief durchdringen, dass die existierenden Enterprise Resource Systeme (ERP) nicht mehr wiederzuerkennen sind, oder als Legacy langsam verschwinden werden. Kunden wollen mit ihrem Hersteller die Produkte gemeinsam designen. Dies schafft völlig neue Kundenbeziehungen und der Begriff vom ‚mündigen Kunden‘ wird noch eine völlig neue Bedeutung bekommen.“

Man denke an solche Dinge wie das über Web-Interface selber zusammengestellte Auto. Diese Kundenerfahrung müsse sich an jedem Kontaktpunkt zum Unternehmen gleich anfühlen.
Allianzen bilden, um den Kontrollverlust zu bewältigen.

„Daher ist es für den CIO notwendig, die Beziehungen zu Marketing und Vertrieb zu stärken, wenn er neue Geschäftsmodelle aus der IT heraus entwickeln will.“

Ein vorwärts gewandter CIO könnte seine Vision folgendermaßen formulieren:

„Antizipiere den nächsten Schritt der Digitalisierung durch Entwicklung innovativer Lösungen gemeinsam mit Marketing und Sales“, so der Rat von Harvey Nash.

Ein CIO habe die Fähigkeit, das wirtschaftliche Potential neuer Trends wie „Wearable Computing“ und „Gamification“ zu erkennen:

„Hier liegen große Chancen für seine Rolle, da die Realität in den Unternehmen immer noch weit hinter dem technologisch Machbaren zurückbleibt.“

Beim nicht aufzuhaltenden Kontrollverlust sollten Führungskräfte auf die Generation Y als Partner setzen, um erfolgreich zu sein. Die Kinder der Babyboomer sind in der Regel technologieaffin und arbeiten lieber in virtuellen Teams als in tiefen Hierarchien. Sie sind optimistisch, selbstbewusst, mit wenig Vertrauen in die Regierung.

Sie fordern Selbstbestimmung und Sinn in ihrer Arbeit. Berufseinsteiger wollen Transparenz.

„Hochglanzbroschüren interessieren sie nicht, wohl aber die Bewertung ihrer Firma in sozialen Netzen“, schreibt Harvey Nash.

Ausführlich in meiner Kolumne nachzulesen: Kontrollverlust in Unternehmen.

Hier geht es zur CIO-Umfrage 2014 von Harvey Nash. Mitmachen können nicht nur CIOs, sondern alle, die in ihrer Arbeitswelt mit Technologien in Berührung kommen.

Digitale Transformation setzt IT-Abteilungen unter Druck

IT als Innovator

Um die digitale Transformation ihrer Geschäftsmodelle erfolgreich zu bewerkstelligen, sind starke IT-Organisationen, die sich als Dienstleister und Innovatoren positionieren, gefragter denn je. Allerdings sind die Ziel- und Steuerungssysteme der meisten IT-Abteilungen nach einer Studie der Analysten von Pierre Audoin Consultants (PAC) nicht dafür ausgelegt, diesem Anspruch gerecht zu werden.

Die in vielen Unternehmen anstehende digitale Transformation hat die Diskussion um die Rolle interner IT-Organisationen neu entfacht. Entsprechend wachsen die Ansprüche an die Geschäftskompetenzen der IT-Führungskräfte – etwa für Cloud Computing, Social Media, Mobile Business oder intelligente Datenanalysen.

IT-Organisationen müssten ihre Daseinsberechtigung unter Beweis stellen, „die im Zuge der Outsourcing-Diskussion häufig angezweifelt wurde“, sagt PAC-Analyst Andreas Stiehler. Dazu müssten sich IT-Abteilungen jedoch als echte Dienstleister und Innovationsmotoren profilieren.

Wichtig seien dabei Parameter wie Service-Qualität, End User Experience und die Steigerung des Unternehmenswertes. Doch von dem Leitbild der IT als Innovationsmotor sind die meisten IT-Organisationen laut der PAC-Studie weit entfernt.

IT zur Kostenstelle degradiert

Die meisten IT-Abteilungen in deutschen Unternehmen würden sich auch heute noch eher als Kostenstelle präsentieren, deren Aktivitäten darauf gerichtet sind, eine hohe Verfügbarkeit und Kosteneffizienz im IT-Betrieb zu gewährleisten, betont Stiehler. Die Optimierung von Geschäftsprozessen oder die Förderung geschäftlicher Innovationen rangieren dagegen bei den selbstgesteckten Entwicklungszielen erst ganz am Ende der Skala.

Der PAC-Analyst benennt die Folgen einer passiven Ausrichtung:

„Fühlen sich die Fachbereiche von der internen IT nicht angesprochen, nehmen sie eben selbst das Heft des Handelns in die Hand.“

Selbst bei traditionellen IT-Domänen wie der Entwicklung von IT-Lösungen für die Fachbereiche sitzt die IT in der Mehrheit der Unternehmen zwar mit am Tisch, ist aber nicht mehr Hauptentscheider oder Projektleiter. Bei der Gestaltung von Geschäftsprozessen oder Innovationen hat die interne IT allenfalls eine beratende Funktion.

Wildwuchs-Gefahr

PAC hält diese Entwicklung für riskant: IT-Wildwuchs oder weitere Inseln in der IT als Folge von Einzelinitiativen der Fachbereiche ohne Steuerung durch die IT-Abteilung führen bei der anstehenden digitalen Transformation nur zu suboptimalen Ergebnissen und damit zu einem Verlust der Wettbewerbsfähigkeit. Eine stärkere Einbeziehung der IT in strategische Entscheidungen sei deshalb zwingend erforderlich. Die Initiative müsse allerdings von den IT-Führungskräften ausgehen.

„In den vergangenen knapp zehn Jahren hat man die IT nur unter dem Gesichtspunkt der Kostenreduktion betrachtet“, bestätigt Udo Nadolski vom IT-Beratungshaus Harvey Nash in Düsseldorf.

CIOs seien nur damit beauftragt worden, das vorhandene Rüstzeug zu optimieren und die IT als Dienstleistung so kostengünstig wie möglich bereitzustellen.

„Wenn Mitarbeiter morgens ins Büro kommen, erwarten sie ganz selbstverständlich, dass das Telefon funktioniert. Genauso betrachtet man auch die IT. Notebooks müssen laufen, Netzwerkverbindungen einwandfrei laufen und Applikationen sollten abrufbar sein. Und das Ganze so preisgünstig wie möglich. So können allerdings keine Innovationen oder neue Geschäftsmodelle auf Basis der IT entstehen. Hier erweist sich in der Regel die IT nicht als Antreiber oder Enabler, sondern die Fachabteilungen. Sie geben den Ton an, was als nächstes an Geschäftsmodellen im Markt angeboten wird. Wenn CIOs nicht am Vorstandstisch sitzen, ist das auch nicht verwunderlich“, erklärt Nadolski.

Nicht hinter Server-Farmen verschanzen

Interessant sei die Betrachtung jener CIOs, die sich selbst als Innovatoren sehen.

„Viele von denen haben das Ziel vor Augen, selbst Vorstandschef zu werden. Das ist ein sehr wichtiger Befund“, so der Harvey Nash-Deutschlandchef.

Die große Mehrheit, die sich auf das Management von Servern und auf interne Dienstleistungen beschränken lasse, erleide durch die Verlagerung der IT-Infrastruktur in die Computerwolke einen Kulturschock und fürchtet den Verlust von Einfluss und Kontrolle.

„Es ist aber auch eine Chance, über Cloud Computing sich wieder auf höherwertige Aufgaben zu konzentrieren und den Stellenwert der IT zu verbessern. Man muss sich nicht mehr um die Verwaltung von Server-Farmen kümmern. Das schafft Freiräume für den CIO und seine IT-Abteilung, um innovativ nach vorne zu denken und sich wieder als Business-Enabler im Unternehmen zu profilieren“, resümiert Nadolski.

Intern wie extern gibt es genügend Aufgaben, die Unternehmen bewältigen müssen. So steht nach PAC-Angaben bei 85 Prozent der deutschen Unternehmen die Modernisierung der Arbeitsplätze auf der Agenda – etwa für Vertrieb und Kundenservice. Vielen Organisationen fehlt es allerdings an einer hinreichenden Strategie.

„Der Modernisierungsbedarf erstreckt sich bei vielen Unternehmen über alle Ebenen – von den Endgeräten über Infrastruktur und Anwendungen bis hin zum Management der Workplace-Technologien“, bestätigt Christian Fron, Geschäftsführer von DeTeWe in Berlin.

Neben den Büroarbeitsplätzen müssten immer mehr mobile Endgeräte und Anwendungen sowie eine steigende Anzahl an Home Office-Arbeitsplätzen ausgestattet und administriert werden. Für System-Integratoren ein breites Aufgabenfeld.

Dazu: Die Transformation ist in vollem Gange, aber die Technologie ist veraltet.

Link zum Herunterladen der IT-Studie von PAC.

PAC-Studie Workplace.

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Die vernetzte Ökonomie macht auch vor der klassischen Industrieproduktion nicht halt. Schlagworte wie Industrie 4.0, Smart Factory, intelligente Fabrik, Integrated Industry, Machine-to-Machine-Kommunikation und Internet der Dinge sind ein Wegweiser für die Veränderungen in den nächsten Jahren:

„Sie beschreiben die Vernetzung der bisher insular aufgebauten Produktion und der Unternehmen; oder auf gut Deutsch: Ohne Internet und Software geht künftig gar nichts mehr. So wie fast jeder Büroarbeitsplatz einen Internetzugang hat, wird zukünftig jede Maschine einen solchen Zugang haben. Vor allem geht es darum, dass die Maschinen untereinander vernetzt werden und kommunizieren können“, so FAZ-Redakteur Georg Giersberg.

Es reicht nicht mehr aus, über Spezialkenntnisse für Mechanik, Maschinenbau oder Fertigung zu verfügen – Wissen über Software und Programmierung müssen dazu kommen.

„Der Anteil der Softwareingenieure nimmt in der Industrie deutlich zu“, so Giersberg.

Es gebe kaum eine technische Disziplin, die ohne elektronische Steuerungen und ohne Vernetzung mit anderen Steuerungssystemen oder dem Internet auskommt – das gilt selbst für Kochtöpfe, Heizungsanlagen und Druckmaschinen.

So kann Siemens schon längst nicht mehr als lupenreiner Elektrokonzern bezeichnet werden. Der Unternehmensriese habe heute mit 18 000 Softwareingenieuren etwa so viele wie Microsoft.

„Obwohl Siemens kein klassisches Softwarehaus wie SAP ist, hat das Münchener Unternehmen bisher mehr als 7 Millionen Softwarelizenzen verkauft. Der Bereich Industriesoftware – die Verbindung von Maschinen mit Programmen – wächst erheblich schneller als die gesamte Automationstechnik“, erläutert Giersberg.

Die aktuell diskutierte Revolution des Produktionsprozesses rüttelt an vielen Paradigmen der Berufswelt der Ingenieure: Neben der technischen Expertise, wird zusätzliches Informatikwissen über Interoperabilität, Offenheit und Skalierbarkeit durch die dazu notwendigen IT-Architekturen und Middleware-Komponenten verlangt.

IT-Stress für Ingenieure

„Dies sind im Grunde genommen unvereinbare Anforderungen, die einen Ingenieur an die Grenze seiner mentalen Fähigkeiten bringt. Entweder man ist ein begnadete Schrauber und Nerd oder der vorausschauende konzeptionell denkende IT-Architekt“, sagt Kasten Berge, Geschäftsführer von SearchConsult in Düsseldorf.

Die praktische Lösung für diese Herausforderung könne zurzeit nur die geschickte Zusammensetzung von Projektteams sein, die sowohl aus Personen mit Ingenieursdenke, als auch aus Informatikern bestehen.

„Diese Teammitglieder werden eine Zeit lang trefflich aneinander vorbeireden, da die jeweiligen Begriffswelten durch ihr jeweiliges Studium unterschiedlich geprägt sind. Die ‚Wanderer’ zwischen den Welten der Informatik und des Ingenieurwesens haben hier erhebliche neue und attraktive Chancen am Arbeitsmarkt. Die Unternehmen werden auf externe Hilfe angewiesen sein, um diese Experten am Markt zu finden und für das eigene Unternehmen zu begeistern“, weiß Personalberater Berge.

Vernetzte Welt

Der reine Abgleich von Fachbegriffen in einem Lebenslauf und einer Stellenausschreibung reiche nicht aus, um den passenden Kandidaten für eine offene Vakanz zu finden. Außerdem werden solche Spezialisten nur auf direkte Anfrage über ein belastbares Netzwerk reagieren.

Talente wandern ab

Um diese Talente zu rekrutieren, sollten aber auch die Entscheider in Politik und Verbänden ihre Hausaufgaben machen. „Schon aus Prestigegründen ist es für junge Deutsche viel attraktiver, nach Kalifornien zu gehen“, betont bwlzweinull-Blogger Matthias Schwenk. Er kann es sich nicht erklären, warum Deutschland eine Verschiebung der Technologien in die vernetzte Welt nicht stärker als Chance begreift und in der Spitze mitspielt. Über Jahrzehnte seien wir als Industrienation immer vorne gewesen. Die Notwendigkeit der digitalen Transformation wird nicht gesehen – auch nicht in den Industrieverbänden:

„Dass sich die Technologien verändern und verschieben, bekommt kaum einer so richtig mit. Die Politik schläft und von den Industrieverbänden kommt auch zu wenig. Diese alten Herren, die selber noch mit der Hand am Arm arbeiten, können die digitale Sphäre gar nicht nachvollziehen, weil sie es selbst nicht erleben. Da werden die Tagesmappen noch von der Sekretärin ins Chefzimmer reingetragen, um alles sehr schön auf Papier abzuzeichnen. Wer so arbeitet, sieht nicht, was sich wirklich bewegt“, moniert Schwenk.

Die netzökonomischen Themen stehen aber selbst bei den Internetaktivisten kaum eine Rolle. Von den meisten aktiven Bloggern, die sich mit Netzpolitik befassen, werde das Internet als Medium für Inhalte gesehen.

„Das Netz ist aber auch Möglichmacher für neue Geschäftsmodelle und vernetzte Wertschöpfungsketten. Das haben nur wenige Netzaktivisten im Blick. Da gibt es aber auch aus den Forschungsinstituten und Hochschulen zu wenig Unterstützung. Auch von dort müsste mehr geliefert werden“, resümiert Schwenk.

Auf nach Köln am 16. und 17. November

Auf nach Köln am 16. und 17. November

 

Vielleicht sollten wir dazu mal ein Barcamp mit netzökonomischen Themen auf die Beine stellen – im nächsten Jahr. Jetzt kommt erst einmal das #StreamCamp13 in Köln am 16. und 17. November in Köln. Ein digitales Experimentierlabor fürs Livestreaming von Audio und Video. Nicht nur für die Streaming-Community ein wichtiges Datum – da geht es auch um Netzökonomie:
Siehe auch: Warum Unternehmen eine erweiterte Medienkompetenz benötigen und zum #StreamCamp13 kommen sollten.