Digitale Transformation setzt IT-Abteilungen unter Druck

IT als Innovator

Um die digitale Transformation ihrer Geschäftsmodelle erfolgreich zu bewerkstelligen, sind starke IT-Organisationen, die sich als Dienstleister und Innovatoren positionieren, gefragter denn je. Allerdings sind die Ziel- und Steuerungssysteme der meisten IT-Abteilungen nach einer Studie der Analysten von Pierre Audoin Consultants (PAC) nicht dafür ausgelegt, diesem Anspruch gerecht zu werden.

Die in vielen Unternehmen anstehende digitale Transformation hat die Diskussion um die Rolle interner IT-Organisationen neu entfacht. Entsprechend wachsen die Ansprüche an die Geschäftskompetenzen der IT-Führungskräfte – etwa für Cloud Computing, Social Media, Mobile Business oder intelligente Datenanalysen.

IT-Organisationen müssten ihre Daseinsberechtigung unter Beweis stellen, „die im Zuge der Outsourcing-Diskussion häufig angezweifelt wurde“, sagt PAC-Analyst Andreas Stiehler. Dazu müssten sich IT-Abteilungen jedoch als echte Dienstleister und Innovationsmotoren profilieren.

Wichtig seien dabei Parameter wie Service-Qualität, End User Experience und die Steigerung des Unternehmenswertes. Doch von dem Leitbild der IT als Innovationsmotor sind die meisten IT-Organisationen laut der PAC-Studie weit entfernt.

IT zur Kostenstelle degradiert

Die meisten IT-Abteilungen in deutschen Unternehmen würden sich auch heute noch eher als Kostenstelle präsentieren, deren Aktivitäten darauf gerichtet sind, eine hohe Verfügbarkeit und Kosteneffizienz im IT-Betrieb zu gewährleisten, betont Stiehler. Die Optimierung von Geschäftsprozessen oder die Förderung geschäftlicher Innovationen rangieren dagegen bei den selbstgesteckten Entwicklungszielen erst ganz am Ende der Skala.

Der PAC-Analyst benennt die Folgen einer passiven Ausrichtung:

„Fühlen sich die Fachbereiche von der internen IT nicht angesprochen, nehmen sie eben selbst das Heft des Handelns in die Hand.“

Selbst bei traditionellen IT-Domänen wie der Entwicklung von IT-Lösungen für die Fachbereiche sitzt die IT in der Mehrheit der Unternehmen zwar mit am Tisch, ist aber nicht mehr Hauptentscheider oder Projektleiter. Bei der Gestaltung von Geschäftsprozessen oder Innovationen hat die interne IT allenfalls eine beratende Funktion.

Wildwuchs-Gefahr

PAC hält diese Entwicklung für riskant: IT-Wildwuchs oder weitere Inseln in der IT als Folge von Einzelinitiativen der Fachbereiche ohne Steuerung durch die IT-Abteilung führen bei der anstehenden digitalen Transformation nur zu suboptimalen Ergebnissen und damit zu einem Verlust der Wettbewerbsfähigkeit. Eine stärkere Einbeziehung der IT in strategische Entscheidungen sei deshalb zwingend erforderlich. Die Initiative müsse allerdings von den IT-Führungskräften ausgehen.

„In den vergangenen knapp zehn Jahren hat man die IT nur unter dem Gesichtspunkt der Kostenreduktion betrachtet“, bestätigt Udo Nadolski vom IT-Beratungshaus Harvey Nash in Düsseldorf.

CIOs seien nur damit beauftragt worden, das vorhandene Rüstzeug zu optimieren und die IT als Dienstleistung so kostengünstig wie möglich bereitzustellen.

„Wenn Mitarbeiter morgens ins Büro kommen, erwarten sie ganz selbstverständlich, dass das Telefon funktioniert. Genauso betrachtet man auch die IT. Notebooks müssen laufen, Netzwerkverbindungen einwandfrei laufen und Applikationen sollten abrufbar sein. Und das Ganze so preisgünstig wie möglich. So können allerdings keine Innovationen oder neue Geschäftsmodelle auf Basis der IT entstehen. Hier erweist sich in der Regel die IT nicht als Antreiber oder Enabler, sondern die Fachabteilungen. Sie geben den Ton an, was als nächstes an Geschäftsmodellen im Markt angeboten wird. Wenn CIOs nicht am Vorstandstisch sitzen, ist das auch nicht verwunderlich“, erklärt Nadolski.

Nicht hinter Server-Farmen verschanzen

Interessant sei die Betrachtung jener CIOs, die sich selbst als Innovatoren sehen.

„Viele von denen haben das Ziel vor Augen, selbst Vorstandschef zu werden. Das ist ein sehr wichtiger Befund“, so der Harvey Nash-Deutschlandchef.

Die große Mehrheit, die sich auf das Management von Servern und auf interne Dienstleistungen beschränken lasse, erleide durch die Verlagerung der IT-Infrastruktur in die Computerwolke einen Kulturschock und fürchtet den Verlust von Einfluss und Kontrolle.

„Es ist aber auch eine Chance, über Cloud Computing sich wieder auf höherwertige Aufgaben zu konzentrieren und den Stellenwert der IT zu verbessern. Man muss sich nicht mehr um die Verwaltung von Server-Farmen kümmern. Das schafft Freiräume für den CIO und seine IT-Abteilung, um innovativ nach vorne zu denken und sich wieder als Business-Enabler im Unternehmen zu profilieren“, resümiert Nadolski.

Intern wie extern gibt es genügend Aufgaben, die Unternehmen bewältigen müssen. So steht nach PAC-Angaben bei 85 Prozent der deutschen Unternehmen die Modernisierung der Arbeitsplätze auf der Agenda – etwa für Vertrieb und Kundenservice. Vielen Organisationen fehlt es allerdings an einer hinreichenden Strategie.

„Der Modernisierungsbedarf erstreckt sich bei vielen Unternehmen über alle Ebenen – von den Endgeräten über Infrastruktur und Anwendungen bis hin zum Management der Workplace-Technologien“, bestätigt Christian Fron, Geschäftsführer von DeTeWe in Berlin.

Neben den Büroarbeitsplätzen müssten immer mehr mobile Endgeräte und Anwendungen sowie eine steigende Anzahl an Home Office-Arbeitsplätzen ausgestattet und administriert werden. Für System-Integratoren ein breites Aufgabenfeld.

Dazu: Die Transformation ist in vollem Gange, aber die Technologie ist veraltet.

Link zum Herunterladen der IT-Studie von PAC.

PAC-Studie Workplace.

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Gesprächskultur im Social Web

Gesprächskultur im Social Web

Die Ökonomie der Beteiligung, die zum Hauptwesen von sozialen Netzwerken zählt, macht auch vor den CIOs in Unternehmen nicht halt. Darauf verweist Udo Nadolski, Chef des Düsseldorfer Beratungshauses Harvey Nash:

„Wir haben irgendwann mal mit einem Produkt angefangen, dann ging es über die Marke hin zu Kundenbeziehungen. Heute haben wir es mit dem Anfang einer sozialen Orientierung im Geschäftsmodell zu tun. Es basiert auf dem simplen Satz: ‚Du gehörst zu uns’. Das hat Auswirkungen auf alle Einheiten im Unternehmen und muss von der IT gestützt werden. Mobilität gepaart mit Social Media sind die Haupttreiber für die Umwälzungen von Organisationen – und das gilt nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch für Politik und Gesellschaft“, so Nadolski.

Was als vernetzte Ökonomie definiert werde, müsse der CIO auf sein Unternehmen anpassen.

„Wir haben es mit verschiedenen Einflussfaktoren zu tun. Es ist zwar ein Buzzword, aber wir dürfen uns davor nicht verschließen. Wir leben in einer Welt, die zunehmend von der so genannten Generation Y geprägt wird. Und die findet man nicht in der Telefonzelle, sondern auf Twitter oder Facebook. Das gilt für die Beziehungen zu Kunden, wie für die Unternehmenskultur. Im Büro fragen sich die Mitarbeiter, warum sie Social Media nicht auch hier nutzen können. Daraus entsteht für die Unternehmen ein ganz großer Zwang, das private Nutzungsverhalten im Social Web in die berufliche Welt zu transferieren. Und das hört am Arbeitsplatz nicht auf. Wir erleben eine soziale Orientierung fast aller Geschäftsmodelle“, meint Nadolski.

Das gilt besonders für die Kommunikation mit Kunden. Vernetzte und offene Services verlangen ein völlig neues Denken und neue Technologien, die weit über die beschränkten Hotline-Kompetenzen der Unternehmen hinausgehen. Soziale Medien werden von einer Logik der Versprachlichung beherrscht, schreibt Alexander Pschera in seinem Buch „800 Millionen“ (erschienen im Matthes & Seitz-Verlag). Alles, was ausgesprochen werden könne, kommt zur Aussprache. Die Netz-Anarchie der Privatsprachen zersetze den Code allgemeingültigen Sprechens. Das soziale Netz sei ein System der sozialen Unordnung:

„Die Bewegung der Netzkommunikation ist ein stetes Sagen, Weiter-Sagen, Kommentieren, Anfügen. Alles ist hier verflüssigt, nichts verhärtet sich zum Dokument.“

Aus dieser unübersichtlichen Textur kann man sehr viel Wissen für die eigene Organisation gewinnen, wenn man sich öffnet. Nennen wir es liquide Kommunikation oder eine Kultur der Beteiligung – etwa in öffentlichen Gesprächsrunden, die über Streamingdienste wie Hangout on Air live ins Netz übertragen werden.

Sie stehen direkt nach der Ausstrahlung als Aufzeichnung zur Verfügung und ermöglichen Netzwerkeffekte über die asynchrone Kommunikation. Auf diese Weise entsteht eine virale Logik, die Mercedes Bunz am Beispiels des Globalisierungsvideos “Did You Know?/Shift Happens” (Filmmusik aus Braveheart) veranschaulicht.

Der Film entstand 2006 und wurde erst im Laufe der Zeit ein Erfolg, weil immer mehr Blogger das Video kommentierten und ein halbes Jahr nach der Entstehung auf Youtube veröffentlichten. Mittlerweile liegen die Zugriffszahlen bei über 5,6 Millionen.

“Damit ist das Video zu einem viralen Erfolg geworden, mit der britischen Psychologin Susan Blackmore kann man sogar sagen, es wird zu einem ‘Mem’. Es wird also nicht einfach nur wiedergegeben, sondern ist zum Vorbild und Muster geworden, das in verschiedenen Fassungen verbreitet wird”, schreibt Bunz.

Allerdings funktionieren hier die Controlling-Künste der Unternehmen nicht mehr, wie Patrick Breitenbach von der Karlshochschule verdeutlicht:

“Ich stelle als Marke meinen Mem-Pool der Öffentlichkeit zur Verfügung und sie kann ihn nach Belieben remixen.”

Der memetische Code wird nicht mehr bewacht, sondern freigegeben. Das sei ein radikaler Paradigmenwechsel im Vergleich zu den Dogmen, die in der Werbeindustrie immer noch gehegt und gepflegt werden:

“Es muss die Freiheit eingeräumt werden, mit der Marke zu spielen, wie bei den Hope-Plakaten des Obama-Wahlkampfes, wo sich eine völlig neue Ästhetik entwickelt hat“, so Breitenbach.

Unternehmen sollten sich von der ganzen Kampagnen-Denke verabschieden, um irgendwelche Botschaften in den Markt zu drücken. Ihre Zahlenspielchen helfen dabei auch nicht weiter. Es dominiert aber in den meisten Organisationen immer noch die Sehnsucht nach einer kontrollierbaren Welt in völliger Harmonie. Schönwetter-Philosophien ohne Ecke und Kanten. Wo aber keine Kritik und keine Gegnerschaft existiert, da gedeihen auch keine Fans. In einer Wohlfühl-Kontrollblase findet keine Kommunikation statt.

Was die Echtzeit-Kommunikation via Live-Streaming bietet, ist heute Thema von Bloggercamp.tv. Gast ist der StreamCamp-Mitorganisator Gerhard Schröder. Beginn 18:30 Uhr. Hashtag für Twitter-Zwischenrufe während der Liveübertragung #bloggercamp.

Hier läuft die Bloggercamp.tv-Session: