Gute Leute, erlauchte Zecher und ihr, liebwerteste Gichtlinge, alternativlose GroKo-Schwätzer, NSA-Spitzel,

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ganzheitliche Esoterik-Schwurbler und Verbotsapologeten, Euer Schelmenzeug erfüllt mich mit Gestank, wie falscher Klang, verstimmt ein Geig, Euer Schelmenzeug.

Der Leitfaden meines Geschreibsels ist bekannt: Antihierarchie, Infragestellen der Autorität, Offenheit, fröhliche Anarchie und die Verspottung aller Dogmen im Geiste des sinnfrohen Renaissance-Dichters Francois Rabelais. Das Freidenkertum des spöttischen Autors ist heute wichtiger denn je, da sich mit der GroKo ein in der Geschichte der Bundesrepublik bisher nicht erlebtes politisches Machtzentrum abzeichnet, wie es der CDU-Politiker Kurt Biedenkopf in einem bemerkenswerten Handelsblatt-Gastbeitrag ausgedrückt hat:

„Es spricht dem Grundsatz der Gewaltenteilung Hohn. Mit ihm werden Parlament und Regierung zu einer Einheit verschmolzen, die nicht länger mit einer wirksamen parlamentarischen Opposition rechnen muss.”

Ausführlich mit allen Verwünschungen für das neue Jahr in meiner Neujahrskolumne für das Debattenmagazin „The European“ nachzulesen. Man hört und sieht sich spätestens 2014.

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Erfolgsfaktor Netzwerk: Vom nötigen Wandel der Unternehmen

Alles wird zum Netzwerk

Alles wird zum Netzwerk

Dienstleistung ist ein Schlagwort der neuen Arbeitswelt, das andere heißt Netzwerkbildung und das schon seit Jahrzehnten:

„Was mit der ersten industriellen Revolution und der Erfindung der Eisenbahn begann, hat alle Grenzen gesprengt. Die Mobilität hat sich bis in ihr Extrem gesteigert: Dank PC und Internet kann der Mensch jeden Ort der Welt erreichen, ohne sich selbst zu bewegen.“

Das schrieb das Magazin Spiegel 1999. Längst war der Einstieg in die digitale Ökonomie vollzogen.

„Schon heute basiert ein großer Teil der Wertschöpfung auf Informationen, die digitalisierbar, nicht mehr an Orte gebunden sind.“

Und dieser Einstieg in die digitale Ökonomie hat Menschen und Märkte verändert, Ansprüche an Produkte und Service individueller gemacht, die kundenindividuelle Massenproduktion heißt „Mass Costumization“. Theodore Levitt von der Harvard Business School schrieb schon in den sechziger Jahren: Das Unternehmen „muss seinen Daseinszweck im Kaufakt des Kunden sehen.“

Dafür bedarf es nach Ansicht der US-Wissenschaftler Thomas W. Malone und Robert E. Laubacher vom amerikanischen Massachusetts Institute of Technology (MIT) struktureller Veränderungen der Unternehmensorganisationen. Sie sehen die viel versprechende Möglichkeit in einem Netzwerk kleiner Firmen und Teams „die sich nur für die Zeit von gemeinsamen Projekten zusammenschließen.“

An die Stelle eines Unternehmens industrieller Prägung tritt ein Netz von freischaffenden und weitgehend selbstbestimmten Arbeitskräften, die über die gesamte Welt verstreut und auf elektronischem Wege verbunden zusammenarbeiten.

„Wir befinden uns in der Frühphase einer Entwicklung, die dem Menschen in der Arbeitswelt zu erheblich mehr Freiheit verhelfen wird. Das mag auf lange Sicht für das Business ebenso entscheidend sein, wie es auf politischer Ebene der Siegeszug der Demokratie war“, so Malone.

Er befasst sich in seinem Buch „The future of work“ mit der Frage, wie in diesem Gefüge Entscheidungsprozesse ablaufen, wie Mitarbeiter die notwendigen Fähigkeiten erlernen, wie Arbeitsabläufe abgestimmt werden können. In erster Linie geht es ihm darum, autoritäre, auf Befehl und Gehorsam beruhende Managementstrukturen aufzugeben. Denn diese unterdrückten Ideenreichtum und Motivation, die gerade in schnellen, wettbewerbsintensiven Märkten unverzichtbar seien. Am Ende steht ein großes Ziel: Er hält es für möglich, auf diesem Weg „das Beste zweier Welten zu vereinen“, nämlich die Synergievorteile großer Organisationen und die kreative Freiheit, Flexibilität und hohe Motivation der Mitarbeiter in kleinsten Unternehmen. Hierarchische Unternehmensformen fände man dann nur noch in Geschichtsbüchern.

Für Malone ist das Internet das Beispiel für eine neue Netzwerkkultur schlechthin. Weder eine Institution, noch irgendein Unternehmen sei in der Lage, ein solches Netzwerk mit seinen Möglichkeiten wirklich zu steuern.

„Das Internet erwuchs aus den vereinten Anstrengungen seiner Nutzer – ohne jegliche zentrale Leitung“, schrieb Malone in der Zeitschrift Harvard Businessmanager schon Ende der 90er Jahre.

Für ihn ist „das Internet der größte Modellfall einer umfassend vernetzten Organisation, die bereits existiert.“ In einer von so genannten E-Lancern und Sohos (Small offices, home offices) beherrschten Ökonomie wandele sich auch die Rolle des Wirtschaftsmanagers: Die Arbeit und Funktionsweise einer nur für eine bestimmte Zeit existenten Organisation oder Firma werde durch Individuen koordiniert, „mit kaum einer oder gar keiner zentralen Leitung und Kontrolle.“

Organisationstheoretiker Malone entwirft vor dem Hintergrund einer Netzwerkökonomie ein Modell für die Autoindustrie der Zukunft. Demnach könnten Konstrukteure „in der Lage sein, unabhängig zu arbeiten, weil sie online Zugang zu höchst diffizilen fachlichen Verhaltensregeln haben. Diese Standards stellen sicher, dass die Entwürfe für einzelne Komponenten kompatibel mit dem Gesamtdesign des Fahrzeugs sind.“

Das Unternehmen des 21. Jahrhunderts entwickele sich kontinuierlich zu einer weniger starren Organisation. Trotz abgespeckter Organisation biete ein Netzwerkunternehmen kompletten Service. Malone vertritt die Ansicht, dass große Unternehmen durch diese neu gewonnene Freiheit nichts von ihren Größenvorteilen einbüßen, zusätzlich aber an Dynamik gewinnen und einen besseren persönlichen Service bieten können – Eigenschaften, die man früher nur von kleineren Unternehmen erwartet hätte. Aber auch sie gewinnen durch die technische Entwicklung.

Denn auch ein kleines Unternehmen kann heute Informationen und Ressourcen nutzen, die früher nur größten Unternehmen offen standen. Allerdings erkennt er in den Chancen, die sich bieten, auch das Problem. Die meisten Bausteine wie Breitband-Netze, Standards für den Datenaustausch, Groupware, elektronische Bezahlverfahren, Gründerkredite stellen keine Herausforderung mehr dar.

„Allein unsere Phantasie hinkt der Technologie hinterher. Für die meisten Menschen übersteigt eine vollständig neue Form des Wirtschaftens die Grenzen ihrer Vorstellungskraft.“

Sie kämen auch in Sachen Ökonomie mit einem zentralistischen Gedankenmodell daher. Daran krankt wohl auch der in politischen Sonntagsreden oft gepriesene und im Alltagshandeln vernachlässigte Mittelstand.

Auch dieser Artikel hat mittlerweile fast zehn Jahre auf dem Buckel.

Und nun haut Twitter-Investor Fred Wilson in seinem Vortrag auf der diesjährigen Pariser Konferenz LeWeb in die gleiche Kerbe, wie Smarter Service-Blogger Bernhard Steimel dokumentiert. “We don’t think in technology, but we think in trends”. Wilson empfiehlt jedem, die großen und prozessualen Veränderungen zu identifizieren, die Mediennutzung und Verhalten verändern und damit auch die Gesellschaft:

„Dazu zählt für ihn, die Transformation von hierarchischen Organisationsformen zum Modell einer Netzwerkorganisation. Als Beispiele für seine These führt er die Web-Börse für private Unterkünfte AirBnB, den kostenlosen Sprachunterricht duolingo und Kickstarter, die amerikanischen Plattform zur Projektfinanzierung über Crowdfunding, an. All diese Plattformen nutzen die Selbstorganisationskräfte von Interessengemeinschaften, die sich über das Internet organisieren und von Marktplatz und Community-Plattformen ermöglicht werden.“

Geändert hat sich bislang wenig: Mit bürokratischen Hierarchien, die immer noch den Alltag fast aller Organisationen prägen, wird das nicht gelingen, so die Analysen von Niels Pfläging in seinem Opus „Organisation für Komplexität”. Jeder von uns registriert diese Denke mit Unbehagen. In der Praxis ist das Chefgehabe aber nicht totzukriegen.

„Wenn wir von Management sprechen, meinen wir Techniken, Instrumente und Modelle, die auf die Verbesserung oder Optimierung von Organisationen als Systeme von Weisung und Kontrolle abzielen”, schreibt Pfläging.

Chefregime mit Kontrollillusionen

Wie kann man nun diese Hierarchien brechen? Pfläging bringt dezentralisierte Netzwerkstrukturen ins Spiel, bei denen es keine Positionen, sondern Rollen gibt. Und die können ständig wechseln – Status verliert an Bedeutung. Vielleicht hilft es ja auch, die „stehenden Heere” in der Bürowelt aufzulösen, um mehr Spielraum für Selbstorganisation zu bekommen. Entscheidend sind die Projektziele und nicht das Chefregime über Vorzimmer, Schleimer, Befehlsempfänger und Meeting-Schauläufer. Führungskräfte der Wirtschaft und Politik haben sich in einer Kontrollblase eingebunkert – man könnte auch von Kontrollillusionen sprechen. Sie glauben noch an eine trügerische Welt des Controllings und der Steuerung des Geschehens in einem Kosmos, der immer mehr von der digitalen Transformation geprägt ist.

Der Kontrollverlust-Blogger Michael Seemann verweist im Interview mit Bloggercamp.tv auf die Schwarzen Schwäne, die Nassim Nicholas Taleb ins Spiel brachte:

„Es gibt immer Ereignisse, die außerhalb der Planung sind. Paradigmenwechsel oder neue Technologien, die Disruptionen auslösen.“

Unternehmen wollen in ihrer Außenkommunikation gerne als eine einheitliche Entität wahrgenommen werden – vielleicht wird deshalb auch so gerne von „Kanälen“ gesprochen, die einen Anfang und ein Ende haben.

„Genau das funktioniert nicht mehr, auch wenn man strikte Social Media-Guidlines formuliert oder Regeln festlegt, wer in der Außenwelt etwas sagen darf und was er sagen darf. Auch hier versucht man, das Ganze in Kontrollstrukturen einzugliedern, damit krampfhaft das Bild einer einheitlichen Entität gewahrt wird. Das kostet unglaublich viel Energie und funktioniert am Ende doch nicht“, sagt Seemann.

Man sollte versuchen, sich in losen und standardisierten Netzwerken zu organisieren. In Agenturen werde das schon kräftig ausprobiert. Als Beispiel nennt Seemann die Zentrale Intelligenz Agentur von Kathrin Passig und Holm Friebe.

„Da geht noch mehr. Es verlagert sich immer mehr in amorphe Strukturen, die Arbeitsdienstleistungen austauschen und sich jedes Mal neu organisieren. Uneinheitliche und dezentrale Organisationen lassen sich sehr viel besser durch das neue Spiel des Kontrollverlustes leiten“, so der Rat von Seemann.

Serviceprozesse über Cloud-Belegschaften

Die Souveränität in diesem Szenario liegt ohnehin immer mehr beim Konsumenten, erläutert Thomas Dehler, Geschäftsführer vom Berliner Dienstleister Value5. Er diktiert das Tempo, er organisiert sich über Cloud-Anwendungen, er bestimmt das Geschehen in der Beratung, er gibt vor, wie Produkte und Dienste gestaltet werden müssen.

„Die Penetrationspolitik ‚Ich rufe an und verkaufe’ fällt weg. Die Serviceprozesse werden reaktiv und am Kontaktpunkt online oder offline stattfinden. Textbasierte Kommunikation nimmt zu über Chats und Web-Interfaces. Es wird immer mehr visuelle Formate geben, wo Kunden über Produkte sprechen“, weiß Dehler.

Die Service-Prozesse, die im Hintergrund ablaufen, wandern in die Computerwolke und zaubern einen virtuellen Concierge hervor. Mit zentralistischen Call Center-Organisationen könne man das nicht leisten, meint Dehler.

„Es fällt zunehmend schwerer, die besten Talente an einem Ort zu gewinnen. Die Rekrutierung von Mitarbeitern muss sich mit Verlegenheitslösungen über Wasser halten. Agenten stehen in Großraum-Büros unter einem enormen Leistungsdruck und reagieren häufig mit Ellbogen-Mentalität gegenüber Kollegen. Die Teamarbeit und der Wissensaustausch bleiben auf der Strecke – auch wenn in der Öffentlichkeit das Gegenteil behauptet wird.“

Markus Albers von der Agentur rethink sieht eine Metamorphose zur „Easy Economy“, die sich nicht mehr über Bürogebäude definiert:

„Sie hilft Unternehmen, die klügsten Köpfe anzuziehen, die besten Produkte zu entwickeln und nebenbei noch Immobilienkosten zu sparen, weil Büros bis zu 50 Prozent kleiner sein können, wenn nicht mehr jeder jeden Tag 9to5 am Schreibtisch sitzt.“

Tim Cole und Ossi Urchs bezeichnen dieses Szenario in ihrem Buch „Digitale Aufklärung“ als Wertschöpfungsnetzwerk. Komplexe Aufgaben werden in einfache Module zerlegt und über das Netzwerk an Personen vergeben, die dafür die nötige Kompetenz besitzen und gerade Zeit haben.

„So werden einzelne Mitarbeiter, Arbeitsgruppen und sogar ganze Organisationseinheiten projekt- und aufgabenbezogen zu Teams zusammengeführt und bilden damit eine Art virtuelle Organisation auf Zeit. Unternehmen werden für bestimmte Aufgaben bestimmte Teammodule schnell zusammenstellen können, sozusagen eine Cloud-Belegschaft.“

Und sie werden nur für das bezahlen, was an Funktion und Leistung abgefragt wurde. Auch die Service-Organisationen müssen dezentral, flexibel und vernetzt arbeiten, um in Echtzeit auf den Beratungsbedarf der Kunden zu reagieren, so das Credo von Dehler. Ansonsten bleibt eben nur die von Industrieunternehmen bekannte Rosskur übrig: Standortschließungen, Stellen streichen, den Rotstift ansetzen und an der falschen Stelle sparen. Im Jahr 2014 wird es dafür einige prominente Beispiele in der Call Center-Branche geben. Der Pleitegeier schwebt ja schon über einigen Hotline-Tankern.

Werden sich diese Szenarien zur Netzwerk-Ökonomie von Malone, Wilson und Co. nun endlich durchsetzen oder nicht? Ist die Cloud-Technologie dafür jetzt der Katalysator oder nicht? Das möchte ich mit Euch gerne weiter diskutieren über virtuelle Expertenrunden via Hangout on Air – alles schön in der Cloud natürlich.

Hilfe, ich verliere die Kontrolle! Über den nackten CIO

Vom Charme des Nacktseins

Vom Charme des Nacktseins

Die Unternehmens-IT kennt eine neue Spezies: den nackten CIO. Nackt durch Kontrollverlust. Dieser Kontrollverlust hat viele Namen: Cloud Computing, Big Data, Bring Your Own Device (BYOD), IT-Outsourcing, Schatten-IT und schließlich soziale Kommunikationstechnologien. Was ist aber eigentlich schlimm am Kontrollverlust? Was sind die Konsequenzen? Welche Alternativen hat der CIO?

„Diese Alternativen findet man, wenn man auf die Chancen schaut. Der CIO kann aufgrund seines tiefen technischen Verständnisses diese neuen Technologien ausbalanciert zusammenstellen. Er ist es auch, der die Lücke sieht zwischen der installierten IT und derjenigen, die man für innovative Geschäftsmodelle benötigt“, schreibt das Düsseldorfer Beratungshaus Harvey Nash in der deutschen Ausgabe seiner jährlichen CIO-Umfrage. „Entweder man heißt neue Technologien willkommen, oder man verliert Marktanteile. Auf diese Weise hat der CIO das Potential zum wichtigsten ‚Change Agent’ seines Unternehmens zu werden“, bemerkt Harvey Nash.

Der CIO könne orchestrieren und Hybrid Cloud Mashups aufbauen: aus der firmeneigenen Private Cloud, der frei zugänglichen Public Cloud und sogar einer Community Cloud, die einem Partnernetzwerk gehört.

„Er vereinheitlicht, was vereinheitlicht werden kann und lässt den Rest lose gekoppelt und zum Teil oder ganz autonom. Er bewahrt aber den Überblick über das große Ganze“, schreiben die Analysten von Harvey Nash.

Mobiles Geschäft als Herausforderung

Zu den wichtigsten Aufgaben zählt die Studie das mobile Geschäft. Hier könne man sehr gut studieren, wie ein Unternehmen aus der CIO-Ecke heraus transformiert werden kann, indem neue Prozesse und Geschäftsmodelle entstehen. Es gehe dabei nicht nur um Smartphones und Tabletts, sondern auch um die sehr große Anzahl an Sensoren und andere „intelligente Sachen“, die durch das „Internet der Dinge“ entstehen. Forrester prognostiziert, dass bald 350 Millionen Menschen ihre mobilen Geräte für Geschäftsanwendungen verwenden werden. Viele von ihnen sind als mobile Arbeitskräfte unterwegs, die keinen Arbeitsplatz, sondern Flexibilität brauchen. Business Insider geht von einem Wachstum des mobilen Datenverkehrs um den Faktor 40 bis 50 für die nächsten zehn Jahre aus. Infonetics nimmt an, dass der globale Markt für mobile Maschine zu Maschine-Kommunikation von 1,5 Milliarden in 2012 auf 3 Milliarden Dollar bis 2017 wachsen wird.

Wie man junge IT-Talente gewinnt

Eine Herausforderung sieht die CIO-Befragung von Harvey Nash bei der Gewinnung der Nachwuchstalente für den IT-Sektor. Ob nun das Etikett „Generation Y“, „Millenials“ oder „Digital Natives“ verwendet wird, ist dabei eher nachrangig zu betrachten. Die Kinder der Babyboomer sind in der Regel technologieaffin und arbeiten lieber in virtuellen Teams als in tiefen Hierarchien. Sie sind optimistisch, selbstbewusst, mit wenig Vertrauen in die Regierung. Sie fordern Selbstbestimmung und Sinn in ihrer Arbeit. Berufseinsteiger wollen Transparenz.

„Hochglanzbroschüren interessieren sie nicht, wohl aber die Bewertung ihrer Firma in sozialen Netzen“, schreibt Harvey Nash.

Allianz mit Marketing und Verkauf

Um in der eigenen Organisation nicht an den Rand gedrängt zu werden, ist es für IT-Führungskräfte essentiell, den Geschäftserfolg der eigenen Firma stärker in den Blick zu nehmen. Fast zwei Drittel der IT-Ausgaben werden in den nächsten sieben Jahren für Vertrieb und Marketing ausgegeben – es dominieren als also kundengetriebene Anwendungen.

„In anderen Worten, Verkauf und Marketing werden die Unternehmen so tief durchdringen, dass die existierenden Enterprise Resource Systeme (ERP) nicht mehr wiederzuerkennen sind, oder als Legacy langsam verschwinden werden. Kunden wollen mit ihrem Hersteller die Produkte gemeinsam designen. Dies schafft völlig neue Kundenbeziehungen und der Begriff vom ‚mündigen Kunden’ wird noch eine völlig neue Bedeutung bekommen.“

Man denke an solche Dinge wie das über Web-Interface selber zusammengestellte Auto. Diese Kundenerfahrung müsse sich an jedem Kontaktpunkt zum Unternehmen gleich anfühlen.

„Daher ist es für den CIO notwendig, die Beziehungen zu Marketing und Vertrieb zu stärken, wenn er neue Geschäftsmodelle aus der IT heraus entwickeln will.“

Ein vorwärts gewandter CIO könnte seine Vision folgendermaßen formulieren:

„Antizipiere den nächsten Schritt der Digitalisierung durch Entwicklung innovativer Lösungen gemeinsam mit Marketing und Sales“, so der Rat von Harvey Nash.

Ein CIO habe die Fähigkeit, das wirtschaftliche Potential neuer Trends wie „Wearable Computing“ und „Gamification“ zu erkennen:

„Hier liegen große Chancen für seine Rolle, da die Realität in den Unternehmen immer noch weit hinter dem technologisch Machbaren zurückbleibt.“

Beim nicht aufzuhaltenden Kontrollverlust sollten IT-Führungskräfte auf die Generation Y als Partner setzen, um erfolgreich zu sein.

Siehe auch:
Management in Zeiten des Kontrollverlustes: Wie kann das funktionieren?

Management in Zeiten des Kontrollverlustes: Wie kann das funktionieren?

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Stichworte wie Enterprise 2.0, Crowdsourcing, Selbstorganisation, Kunden helfen Kunden, Netzwerk-Ökonomie, starke und schwache Beziehungen im Internet, Zugang zu nichtredundanten Informationen, Wissensmanagement über kollektive Intelligenz oder Management in Zeiten des Kontrollverlustes sind das, womit sich Führungskräfte heute beschäftigen sollten – in der Politik, in der Verwaltung und in der Wirtschaft!

Wie sich neue Technologien und das Internet auf Unternehmen auswirken werden, ist nach Ansicht von Aastra-Chef Jürgen Signer noch schwer zu beantworten:

„Die Erwartungshaltung von jungen Leuten, die ins Berufsleben starten, ist riesengroß. Was sie im privaten Umfeld an Kommunikationstechnologien nutzen, erwarten sie auch am Arbeitsplatz. Hier müssen sich die Firmen erst herantasten.“

Viele Geschäftskunden seien bei diesem Thema noch sehr zögerlich. Man müsse alle Mitarbeiter mitnehmen, nicht nur die Nachwuchskräfte.

Notwendigkeit von Social-Web-Exerzitien

Um die Social-Web-Philosophie in einem Unternehmen zu verankern, sollte man das machen, was die Jesuiten „Exerzitien“ nennen, so der Ratschlag des Netzwerkexperten Professor Peter Kruse.

„Sie machen…

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Vernetzte Services für eine vernetzte Welt: ichsagmal-Gespräch

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Gespräch mit Thomas Dehler, Geschäftsführer des Berliner Dienstleisters Value5. Start um 17:30 Uhr.

Das Interview ist eine Fortsetzung der Story zum Thema: NETZÖKONOMIE BRAUCHT VERNETZTE SERVICE-ORGANISATIONEN UND KEINE STARREN CALL CENTER-SILOS. Credo von Dehler:

„Zentralistisch geprägte Call Center-Organisationen passen nicht mehr in eine Landschaft, die von Vernetzung und Mobilität geprägt ist. Es fällt zunehmend schwerer, die besten Talente an einem Ort zu gewinnen. Die Rekrutierung von Mitarbeitern muss sich mit Verlegenheitslösungen über Wasser halten. Agenten stehen in Großraum-Büros unter einem enormen Leistungsdruck und reagieren häufig mit Ellbogen-Mentalität gegenüber Kollegen. Die Teamarbeit und der Wissensaustausch bleiben auf der Strecke – auch wenn in der Öffentlichkeit das Gegenteil behauptet wird.“

Das passt gut zu einem Beitrag der SZ: Ein Hoch auf das Home-Office.

Der klassische Arbeitstag, der um neun beginnt und um 17 Uhr endet, sei ein Auslaufmodell, so die SZ. Auch in Tarifrunden gehe es nicht mehr allein um…

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Über die trügerischen Verheißungen der Big Data-Hohepriester

Heute schon orakelt?

Heute schon orakelt?

In ekstatischem Rausch, auf einem Dreifuß sitzend und von Apollon inspiriert, erteilte die Priesterin Pythia in Delphi ihre scheinbar widersinnigen Orakel. Die Antworten von Pythia wurden in Versen verkündet und waren zumeist zweideutig formuliert.

Ähnlich kryptisch klingen die Verheißungen der Big Data-Hohepriester, die die Welt wieder berechenbar machen wollen und von der perfekten Vermessung des Internets träumen. Es ist das Versprechen, der anschwellenden und Datenflut des Netzes wieder Herr zu werden.

Ob Mensch, Smartphone, Tablet, Internet der Dinge, Auto oder Industriesensor: Nach Schätzungen von IBM produzieren wir täglich 2,5 Quintillionen Bytes neuer Daten – das gesamte Informationsvolumen verdoppelt sich alle zwei Jahre. Immer mehr mobile Endgeräte, 500 Millionen Tweets am Tag, ungezählte Petabyte-Berechnungen aus Windkanal-Tests der Autoindustrie: Längst gelten Daten als das neue Öl und Big Data-Systeme als digitale Bohrmaschinen zur Schaffung von Reichtum und Allwissenheit – begleitet von einer Aura aus Wahrheit, Objektivität und Genauigkeit. Daten seien die Trittleiter zu einer neuen Erkenntnisstufe, proklamieren die Roland Berger-Berater Björn Bloching und Lars Luck sowie brandeins-Autor Thomas Ramge in ihrem Opus „Data unser – Wie Kundendaten die Wirtschaft revolutionieren“:

„Big Data wird Gesellschaft, Politik und Wirtschaft so grundlegend verändern wie der elektrische Strom und das Internet.“

Da werde an Apparaturen wie aus einem guten Science Fiction-Roman gebastelt. Es seien die ehrgeizigsten Vorhaben der Prognostik seit dem Orakel von Delphi. Weltsimulatoren sollen durch Echtzeitanalyse den epidemischen Weg von Schweinegrippen-Viren vorausberechnen. Es sollen Empfehlungen zur Bewältigung des Klimawandels und Frühwarnungen ausgespuckt werden – selbst Befunde zur Bewältigung von Finanzkrisen stellen die Konstrukteure von Simulationsrechnern in Aussicht. Im unternehmerischen Anwendungsmodus könnten die Entscheidungsmaschinen Aussagen treffen, ob die Einführung eines neuen Produktes den Wettbewerber in die Bredouille bringt oder doch nur das eigene Portfolio kannibalisiert.

IT-Systeme würden das realisieren, was IT-Visionäre vor Jahrzehnten versprochen haben.

„Sie aggregieren das Wissen der Welt auf einem Bildschirm. Sie erkennen Zusammenhänge, die für die menschliche Auffassungsgabe zu komplex waren. Und sie bilden Modelle, die uns mit den Mitteln der Wahrscheinlichkeitsrechnung ein Fenster für den Blick in die Zukunft öffnen. Rechner kennen uns besser als wir selbst“, so die drei Buchautoren.

Mietwagenfirmen wissen aufgrund des Kundenprofils, mit wie viel Benzin im Tank das Leihauto zurückgegeben wird. Ein analytisch ausgerichteter Online-Händler weiß, bei welchem Preis der Stammkunde mit welcher Wahrscheinlichkeit zum Kauf eines Produktes oder Dienstes bereit ist. Und wie viel Budget ein Anbieter für personalisierte Werbung einsetzen muss.

Die letzte Schlacht des Controllings

Vielleicht erleben wir auch nur die letzte Schlacht des Controllings, um in den Zeiten des Kontrollverlustes die alte Logik des Industriezeitalters in die vernetzte Welt zu retten. Die Schaffung von neuer Übersichtlichkeit im chaotischen Universum des Cyberspace. Der Wunsch nach Rückgewinnung der Deutungshoheit und die Sehnsucht nach maschinengesteuerten Entscheidungen auf dem Fundament der Ratio.

Big Data evoziert utopische wie auch dystopische Rhetorik. Es weckt Hoffnungen und Ängste vor Überwachung. Das eine Lager erträumt sich ein Himmelreich der Planbarkeit, das andere warnt vor dem Niedergang des selbstbestimmten Lebens.
Beide Fraktionen sitzen mit ihren Mutmaßungen im selben Schützengraben und glauben an die vermeintlichen Zahlen-Zauberstücke, die ihnen Big Data-Analysten mit bedeutungsschweren Gesten vorführen. Häufig handelt es sich um Physiker oder Mathematiker, die zur Sozialwissenschaft konvertiert sind. Und dies ist kein Zufall.

Schaut man in ihren Zauberkasten hinein, findet man recht simple Formeln. So hat Professor Michael Feindt schon vor 13 Jahren den so genannten NeuroBayes-Algorithmus erfunden. Sein Ziel war es, ein Werkzeug für exakte Prognosen zu schaffen – sowohl für die wissenschaftliche Forschung als auch für unterschiedliche Wirtschaftszweige und deren Entscheidungsprobleme in Unternehmen.

Das Feindt-Szenario klingt so: Man habe beispielsweise irgendeine App mit einer Entscheidungskompetenz, wie häufig ein bestimmter Artikel der Bekleidungsindustrie verkauft wird. Etwa ein Anzug oder eine Krawatte. Das sei eine wichtige Information für Disponenten von Mode.

„Ich selbst würde sagen: Ich habe keine Ahnung. Unsere Software schon. Sie macht eine Prognose und die Prognose hat einen Erwartungswert, einen Mittelwert, aber das ist eine ganze Wahrscheinlichkeitsverteilung. Vieles ist eben nicht durch einfache Zahlen darstellbar, vieles ist auch sehr unsicher. Es kann nur durch eine Wahrscheinlichkeitsverteilung beschrieben werden. Diese Unsicherheit mag sehr groß sein. Es gibt Artikel, die eine höhere Wahrscheinlichkeit richtig zum Mode-Renner zu werden als andere. Und das kann man eben vorhersagen”, glaubt der Teilchenphysiker Feindt.

Mit der bekannten Unsicherheit könnte man die optimale Entscheidung treffen. Entscheidungsmaschinen seien besser als menschliche Experten. Denn der Mensch, das wisse man aus der Biologie, neige zu Verhaltensweisen, die nicht zu rationalen Entscheidungen beitragen. Eine Maschine könne bessere Entscheidungen treffen. Sie sei in der Lage, für eine Versicherung den günstigsten Tarif zu berechnen, der zu einer niedrigen Schadensquote beiträgt. Manager würden vielleicht den Tarif zu teuer oder zu billig anbieten.

Hackfleisch-Prognosen

Feindt würde sogar am liebsten auf Menschen bei diesen Anwendungen verzichten. Besser wäre es, wenn eine Dispositionsmaschine automatisch die Bestellungen auslöst. Also für den Einkauf von Modeartikeln, für Mettwurst und Schinken oder eben für die Berechnung des optimalen Tarifs bei einer Versicherung. Im Groben kann das sinnvoll sein, um die Menge an Hackfleisch besser zu kalkulieren, die täglich über die Verkaufstheke geht. So wären Einzelhändler in der Lage, weniger Fleisch wegzuwerfen. Aber was steckt tatsächlich hinter den Durchschnittswerten, die ermittelt werden?
Was Algorithmen leisten, sind Optionen, Wahrscheinlichkeiten, Vorschläge, Hinweise und Anregungen – gesteuert von Menschen, die mit Annahmen und Gewichtungen für ihre Prognose-Rechnungen operieren. Und die können Unternehmen, Volkswirtschaften, Konsumenten, Wähler und Politiker auch völlig in die Irre führen. Selbst bei Textilwaren:

Christoph Kappes

Christoph Kappes

„Hier kann eine Maschine nicht vorhersagen, ob ich eine bestimmte Art von Bikini in der nächsten Sommersaison kaufen werde. In der Vorsaison galten vielleicht andere Regeln oder ein anderes Modebewusstsein. Die Maschinen müssen also immer wieder Neues in ihre Analysen einbeziehen, um das Interesse der Konsumenten zu testen. Genauso ist es mit politischen Ereignissen. Wenn etwa Themen wie die Sarrazin-Debatte oder der Fukushima-Atomunfall in den Nachrichten auftauchen, ist es für Maschinen nicht möglich zu sagen, was der Nutzer tun soll. Diese Ereignisse sind einzigartig“, erklärt der Jurist und Informatiker Christoph Kappes.

Die Big Data-Apologeten könnten ein ähnliches Debakel wie Krösus erleben. Er wollte gegen Persien in den Krieg ziehen und fragte das Orakel von Delphi um Rat. Die Pythia antwortete ihm, wenn er nach Persien zöge, würde ein großes Reich zerstört werden. Krösus war begeistert von der Antwort und zog mit seinem Heer in die Schlacht. Leider war das große Reich, das dabei zerstört wurde, sein eigenes.

Algorithmen konstruieren Wirklichkeit

Auch wenn der Blick in den Rückspiegel immer schneller gelingt und die Daten aus der Vergangenheit mehr oder weniger in Echtzeit vorliegen, was können die Big Data-Systeme wirklich? Hinter jedem Algorithmus steckt eine Konstruktion der Wirklichkeit:
Es gibt immer wieder Modewellen, die die Analysierbarkeit komplexer Systeme versprechen. Von der Hirnforschung, über die Formelwelt der Finanzbranche bis zu den Supercomputern mit ihren Echtzeitanalysen. Im Big Data-Diskurs schwingt der monokausale Glaube mit, dass das, was in der Gegenwart geschieht, seinen Grund in der Vergangenheit hat.

„Wenn ich die Vergangenheit umfangreich und schnell genug auswerte, weiß ich, was die Zukunft bringt. Und genau das ist die Illusion. Das ist zwar möglich. Aber ich muss dann für sehr triviale Strukturen sorgen. In der Physik nennt man das Labor. Die Welt, wie sie ist, wird ausgeblendet. Mit den wenigen Wirkungszusammenhängen, die übrig bleiben, entwickelt man Gesetzmäßigkeiten. Für soziale Systeme ist das aber albern“, sagt Dr. Gerhard Wohland vom Institut für dynamikrobuste Höchstleister.

Ein Modell müsse einfacher sein als das, was es modelliert. Wenn das nicht so wäre, könnte man ja direkt den Untersuchungsgegenstand heranziehen. Modelle müssen also immer simplifizieren. Aspekte der Wirklichkeit werden ausgeblendet. Das gelingt aber nur, wenn zwischen wichtig und unwichtig unterschieden wird. Komplexe Systeme, also auch die menschliche Gesellschaft, kennen aber diese Unterscheidung überhaupt nicht.

„Welches Ereignis nun eine Wirkung in der Zukunft erzeugt, kann man in der Gegenwart nicht wissen“, betont der Organisationswissenschaftler Wohland.

Die kleinsten Ursachen, die von Big Data-Maschinen in Echtzeit-Analysen noch gar nicht als wichtig erachtet werden, könnten enorme Wirkungen erzeugen und die Simulationsrechner ad absurdum führen. Am Ende bliebe Frust und Enttäuschung übrig.
Insofern sei es fragwürdig, Maschinen, Software und Algorithmen in ihrer Wirkung und Bedeutung in ungeahnte Fallhöhen zu schrauben.

„Wenn neue Technik in die Welt kommt, gibt es immer zwei Tendenzen: Die Technik und das Potenzial der neuen Technik zu übertreiben oder zu verteufeln. Organisationen haben beides im Bauch. Sie übertreiben den Einsatz von Technik, wenn es um Steuerung und Prozesse geht. Man tut so, als sei alles durchschaubar. Gefragt ist nur die richtige Software und schon funktioniert das alles. Bei hoher Dynamik braucht man allerdings auch Menschen und ihre Kompetenzen, um Wertschöpfung zu erzielen. Dieser Punkt wird häufig übersehen. Auf der anderen Seite macht man Dinge, die längst von einer Maschine bewältigt werden können. Etwa bei der Unterscheidung einer Beschwerde oder einer Adressänderung“, erläutert Wohland.

Prognosen im Rückspiegel

Es steht außer Frage, dass die Datenspuren, die wir im Internet hinterlassen und die von Maschinen gelesen werden, uns in gewisser Weise analysierbar machen.

„Man kann rückwärts Informationen über Personen gewinnen. Eine völlig andere Frage ist, ob ich das Verhalten von Menschen vorhersagen kann, bestätigt auch Kappes.

Da stünden wir, allenfalls am Anfang einer Entwicklung, die bis zum Ende des 21. Jahrhunderts keine Ergebnisse zeitigen wird. Es komme immer darauf an, um welche Arten von Vorhersagen es geht. Über großvolumige Datenmassen habe man schon heute die Möglichkeit, Wahrscheinlichkeitsaussagen über Personengruppen zu treffen. Das Handeln einer einzelnen Person fernab von Clusteranalysen ist nicht bestimmbar.
Über solche Dinge kann man eine gewisse Zeit Unsinn reden, ohne negative Folgen. Eine Gefahr entsteht mit Sicherheit nicht, wenn sich Entscheidungsmaschinen über die Krawattenmode der nächsten Saison irren oder ständig personalisierte Werbebotschaften über Dinge einblenden, die mich schon längst nicht mehr interessieren.

Lizenz zum Denunziantentum

Wenn Big Data-Algorithmen ohne meine Zustimmung anfangen, mich zu klassifizieren und zu stigmatisieren, automatisch meine Bonität herabstufen, einen Wechsel der Krankenversicherung wegen meines vermeintlich exakt berechneten Gesundheitszustandes verhindern oder Personalberatern die Abweisung meiner Stellenbewerbung empfehlen, dürfte es zu heftigen Gegenreaktionen der Netzgesellschaft kommen. Irgendwann reagiert die Gesellschaft. Es folgen Störungen des Systems, die bis zu Boykott und Ausstieg reichen können. Man merkt es an der sinkenden Akzeptanz von Facebook und Google. Der Machtwille der Netzgiganten werde immer sichtbarer – auch ihre Manipulation von Algorithmen und ihre Bereitschaft zur Überwachung, bemerkt die amerikanische Ökonomin Shoshana Zuboff.

Man fühle sich bloßgestellt. Jeder Nutzer von Internet-Diensten sei bereit, für Dinge zu zahlen oder Daten bereitzustellen, die sein Leben besser machen.

„Um zu verstehen, wonach ich verlange, musst du in meinen Raum kommen, und ich muss dir deshalb vertrauen können. Wenn du meinen Raum missbrauchst, schalte ich dich ab“, verkündet die Wissenschaftlerin.

In jedem Augenblick, in dem die Web-Konzerne das Vertrauen des Individuums enttäuschen, geht ihnen Geld verloren. Im Wettbewerb von personalisierten und vernetzten Angeboten werden nur jene überleben, die einen Vertrauenspakt mit ihren Kunden eingehen, ist sich der Düsseldorfer Unternehmensberater und Smart Service-Blogger Bernhard Steimel sicher.

„Wer Big Data anwendet, kann sich an Open Data nicht vorbeimogeln. Jedes Tracking zur Auswertung von Datenspuren, jede Lokalisierung und jeder Abgleich mit dem Profil eines Internetnutzers darf nur erfolgen, wenn der Kunde es will.“

Friss-oder-stirb-Geschäftsbedingungen könne sich niemand auf Dauer erlauben. Nicht alles, was technisch machbar sei, ist auch kulturell mehrheitsfähig.

„Das Maß aller Dinge ist meine Bereitschaft, Daten von mir preiszugeben. Hier liegt der Kern von Big Data-Anwendungen. Mein digitales Ich, meine digitale Repräsentanz und mein digitales Beziehungsnetzwerk müssen in meiner Hand liegen. Sozusagen ein Recht auf virtuelle Selbstbestimmung. Die Nutzung dieser Daten kann ich den Big Data-Systemen zu jeder Zeit wieder wegnehmen. Der Datenschlüssel, den ich zur Verfügung stelle, kann abhängig sein vom Zeitpunkt der Nutzung, er kann abhängig sein von Personen, er kann definiert sein für bestimmte Aktionen oder Nutzungsszenarien. Entscheidend ist nur, dass mir die personalisierten Dienste das Leben einfacher machen“, resümiert Steimel.

Datenpakt mit den vernetzten Konsumenten

Die ersten Anbieter, die zu einem neuen Datenpakt mit den vernetzten Konsumenten bereit sind, werden zu den Gewinnern der Netzwerk-Ökonomie zählen. Ein direkter Vertrag könne auch fernab von Facebook und Google über Apps abgeschlossen werden, so Steimel. Dafür eignet sich aber nicht der anmaßende Begriff „Big Data“, sondern eher „Smart Data“.

Smartphone-Applikationen bieten eine riesige Bandbreite an personalisierten, datenschutzkonformen und punktgenauen Services. Der Kunde steuert, wie tief die Datenanalyse gehen soll, um seine Anliegen schneller zu lösen.

„Diese Apps würden nicht nur die Identifikation des Kunden ermöglichen, sondern sehr viele Wege für die Datenanalyse und Vorqualifizierung bieten, die der Anwender individuell gestaltet“, so die Empfehlung von Heinrich Welter, Experte für Kundenkommunikation.

Der Kunde entscheide die Kommunikationsform und der Anbieter stellt sich genau auf das ein, was in der App abgerufen wird. Zudem werde die Autarkie des Kunden gestärkt, meint Welter.

„Er gibt genau seine Präferenzen an und teilt dem Unternehmen mit, welche Daten analysiert werden dürfen und welche nicht.“

Und das könne sich auch von Fall zu Fall ändern, etwa bei der Übermittlung von Geopositionen bei einem Autounfall, die man dann nur in diesem Fall freigibt.

Marketing statt Dialog

„Bei Unternehmen ist dieses Thema leider unterentwickelt, weil das Ganze nur unter Marketing- und Verkaufsaspekten vorangetrieben wurde. Es geht um Markenbekanntheit, Unterhaltung, Lifestyle, Transaktionen oder nette Produktvideos“, kritisiert Welter.

Bei den personalisierten Diensten, die man mit Netzintelligenz bestücken will, gehe es nicht darum, bunte Alternativen zu bestehenden Applikationen anzubieten, sondern um eine Neuerfindung von Assistenzsystemen, die diesen Namen auch verdienen. Ein wichtiger Baustein könnte die Sprachsteuerung sein, auch wenn Dienste wie Siri noch als Spielerei gesehen werden. Perzeption, Gedächtnis, Geschwindigkeit, Ausdauer und semantische Technologien zählen zu den Stärken der Maschinen. Diese Fähigkeiten ermöglichen die nahtlose, mühelose und neue Zusammenarbeit mit Computern. Eine Kombinatorik der unterschiedlichen Anwendungen unter einer sprachgesteuerten Motorhaube ist bislang nur in Ansätzen zu sehen. Der Systemingenieur Bernd Stahl vom Netzwerkspezialisten Nash Technologies spricht sogar von den leeren Versprechen der App Economy.

App-Kombinatorik

„Die Kombination von Apps zu größeren Applikationen ist bislang ausgeblieben. Jede App ist autark und kommuniziert nicht mit anderen Diensten. Es gibt zwar einige einfache Kombinationen, wie den Kalender auf dem iPhone. Aber so richtig begeistert mich das nicht. Man sieht nichts von komplexeren Software-Architekturen, wie man das in der traditionellen Software-Entwicklung kennt. Da ist noch ziemlich viel Luft nach oben. Die Frage ist, ob die App-Anbieter sich überhaupt in diese Richtung bewegen”, so Stahl.

Es müsste möglich sein, ein größeres System in einem Framework aus vielen Applikationen zusammen zu bauen. Also die Überwindung der Software-Krise durch die Schaffung von einfach nutzbaren Apps.

„Irgendwie klappt es mit der Modularisierung von Apps nicht, wie man sich das anfänglich vorgestellt hat”, sagt Stahl.

Von wirklich personalisierten und interagierenden Diensten sei man noch weit entfernt – mit und ohne Apps. Bislang laufen die Analyse-Systeme eher auf Cookie-Niveau und elektrisieren vor allem die Werbeindustrie. Das erkennt man beispielsweise an der Nachfrage nach Big Data-Spezialisten.

„Die Zahl der Vakanzen steigt vor allem bei Sales und Consulting“, so Personalberater Karsten Berge von SearchConsult.

Es geht um Verkauf und sehr wenig um wirklich nutzbringende Netzintelligenz. Insofern sollten sich die Big Data-Marktschreier mit ihren Versprechungen etwas mehr zurückhalten und Programme entwickeln, die man im Alltag nützlich einsetzen kann. Punktuell, situativ und nur dann, wenn ich es als Anwender auch zulasse. In aller Bescheidenheit könnten sich die Maschinisten der Informationstechnologie von der Inschrift leiten lassen, die Überlieferungen zufolge am Eingang des Tempels von Delphi zu lesen war: „Erkenne dich selbst“. Denn erkennbar wird die Welt, so der Philosoph Immanuel Kant, ausschließlich als unsere Vorstellung.

Netzökonomie braucht vernetzte Service-Organisationen und keine starren Call Center-Silos

Atmende Service-Organisation?

Atmende Service-Organisation?

Fast jedes Call Center ist mit seinen Mitarbeitern auf Effizienz getrimmt und versucht, die Anrufe von Kunden so gut wie möglich zu beantworten. Dennoch gehen in Deutschland in jeder Minute Anfragen verloren, werden Kunden frustriert, Mitarbeiter demotiviert und Umsätze verpasst. Zur gleichen Zeit langweilen sich Agenten, weil nichts passiert und gähnende Langeweile herrscht. Die Betriebskosten stehen in keiner Relation mehr zum Gewinn und den Service-Mitarbeitern geht die Motivation abhanden.

In der Arbeitsorganisation orientiert man sich in der Call Canter-Branche immer noch an den alten und überkommenen Vorbildern des industriellen Kapitalismus – man kann es auch Fordismus nennen. „Produktion“ von Dienstleistungen als Massenware. Standortprinzip statt flexible Arbeit. Kontrolle von Arbeitsplätzen statt Selbstverantwortung. Hierarchisch geführte Agenten-Silos statt smarte Arbeitsbedingungen.

„Zentralistisch geprägte Call Center-Organisationen passen nicht mehr in eine Landschaft, die von Vernetzung und Mobilität geprägt ist. Es fällt zunehmend schwerer, die besten Talente an einem Ort zu gewinnen. Die Rekrutierung von Mitarbeitern muss sich mit Verlegenheitslösungen über Wasser halten. Agenten stehen in Großraum-Büros unter einem enormen Leistungsdruck und reagieren häufig mit Ellbogen-Mentalität gegenüber Kollegen. Die Teamarbeit und der Wissensaustausch bleiben auf der Strecke – auch wenn in der Öffentlichkeit das Gegenteil behauptet wird“, weiß Thomas Dehler, Geschäftsführer von Value5.

Fußballkicker als Feigenblatt

An starren Arbeitszeiten und Organisationsmethoden hat sich bislang wenig geändert. Büros mit Fußballkicker, Obstkörben und bunten Büromöbeln scheinen in Deutschland schon zu Avantgarde-Erscheinungen des modernen Arbeitslebens zu zählen. Für Markus Albers von der Berliner Agentur rethink sind diese Anreize eher ein Feigenblatt, um Mitarbeiter krampfhaft bei Laune zu halten. Vorbild des in Deutschland am weitesten verbreiteten Bürokonzeptes sind die im 16. Jahrhundert in Florenz gebauten Uffizien, von denen sich das englische Wort für Büro ableitet: „Office“. Freie Arbeitsgestaltung ist weitgehend Fehlanzeige. Es gilt immer noch das Motto „Ich sitze im Büro, also arbeite ich“. Ob man die Wand anstarrt, die Minuten bis zum Feierabend zählt oder Kollegen nervt, spielt keine Rolle.

Easy Economy

Dabei sind wir schon längst eine Wissens- und Dienstleistungsökonomie. Ein Großteil der Menschen arbeitet in Informations- und Serviceberufen. Galt bisher die Maxime „Arbeiten in einer festen Struktur, am fixen Ort und zur bestimmten Zeit“, so erlauben neue technologische Entwicklungen wie Cloud Computing das „Arbeiten mit wem, wo und wann man will“. Markus Albers sieht eine Metamorphose zur „Easy Economy“, die sich nicht mehr über Bürogebäude definiert:

„Sie hilft Unternehmen, die klügsten Köpfe anzuziehen, die besten Produkte zu entwickeln und nebenbei noch Immobilienkosten zu sparen, weil Büros bis zu 50 Prozent kleiner sein können, wenn nicht mehr jeder jeden Tag 9to5 am Schreibtisch sitzt.“

Tim Cole und Ossi Urchs bezeichnen das in ihrem Buch „Digitale Aufklärung“ als Wertschöpfungsnetzwerk. Komplexe Aufgaben werden in einfache Module zerlegt und über das Netzwerk an Personen vergeben, die dafür die nötige Kompetenz besitzen und gerade Zeit haben.

„So werden einzelne Mitarbeiter, Arbeitsgruppen und sogar ganze Organisationseinheiten projekt- und aufgabenbezogen zu Teams zusammengeführt und bilden damit eine Art virtuelle Organisation auf Zeit. Unternehmen werden für bestimmte Aufgaben bestimmte Teammodule schnell zusammenstellen können, sozusagen eine Cloud-Belegschaft.“

Und sie werden nur für das bezahlen, was an Funktion und Leistung abgefragt wurde. Auch die Service-Organisationen müssen dezentral, flexibel und vernetzt arbeiten, um in Echtzeit auf den Beratungsbedarf der Kunden zu reagieren, so das Credo von Dehler. Ansonsten bleibt eben nur die von Industrieunternehmen bekannte Rosskur übrig: Standortschließungen, Stellen streichen, den Rotstift ansetzen und an der falschen Stelle sparen. Auf der Strecke bleibt die Beratungsqualität.

Siehe auch:

Vernetzter Service für einen vernetzten Kunden.